Interview mit der Braunschweiger Zeitung

Längst ist es klar, dass der Grexit für Griechenland wie für Europa die bessere Lösung wäre - und dass die Einigung auf dem europäischen Gipfel über weitere Hilfen keine nachhaltige Lösung bringt. Es fehlt jede Vorstellung, wie Griechenlands Wirtschaft in Gang gesetzt werden soll. Ein Interview mit der Braunschweiger Zeitung.

VON Roland Tichy | 17. Juli 2015
Nach dem Atomausstieg bleibt der radioaktive Abfall

Für den Atomausstieg haben sich viele engagiert. Seit er beschlossen ist, fragen einerseits manche, ob der Weg zu einem Energiemix ohne Atomstrom ausreichend durchdacht war. Andererseits mahnen andere an, dass der Umstieg nicht konsequent verwirklicht wird, ja dass die bisherigen Schritte die Umweltbilanz verschlechtern. Aber wie der radioaktive Müll in absehbarer Zeit bestmöglich entsorgt werden soll, scheint die wenigsten zu interessieren. Diesen Widerprüchen will ich in ein paar Beiträgen nachgehen. Aber nicht ohne im ersten nötige trockene Fakten zu nennen.

VON Fritz Goergen | 17. Juli 2015
Bilder lügen nicht. Nur der Umgang mit ihnen ist nicht immer ehrlich.

Vor einigen Wochen in Ellmau im Duo mit US-Präsident Obama war Angela Merkel noch die Königin der Titelseiten durch das dpa-Foto von Michael Kappeler, einerseits hochgelobt von ihren EU-Kollegen als emotional kluge Verhandlungspartnerin in den zurückliegenden Verhandlungen der Griechenland-Politik, anderseits attackiert für "Grexit auf Zeit" und vermeintlich harte Haltung in der Griechenland-Krise, in der das Bild Deutschlands ebenso wie das seiner Kanzlerin ins Negative kippte. Zwischen Kritik an Macht, Zynismus und Kapitalismus rückte das emotional mächtige Bild eines weinend zusammengebrochenen griechischen Rentners ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, welche Auswirkungen Politik auf einzelne Menschen haben kann.

VON Heike Rost | 16. Juli 2015
Die verlogene Kritik der „Lasst-alle-kommen“-Fraktion

Reem, das hübsche und sympathische Mädchen palästinensischer Abstammung, weint, nachdem es der Kanzlerin in perfektem Deutsch die Angst vor ihrer Abschiebung geschildert hat. Und Angela Merkel? Sie erklärt der Zwolfjährigen, dass Deutschland nicht alle Menschen aufnehmen kann, die aus der ganzen Welt zu uns kommen. Und dann streichelt sie das aufgeregte und aufgelöste Mädchen. Die Reaktion in den Medien und im Internet ist einhellig: Wie kann Merkel nur so kalt sein?

VON Hugo Müller-Vogg | 16. Juli 2015
Selbstverwirklichung oder FamilienDienst

Früher nannte man sie SchlüsselKinder, diese „armen Wesen“, die sich nach der Schule selbst überlassen waren, weil Papa und Mama zur Arbeit ausser Haus weilten. KlassenKameraden fanden diese ihnen nicht vergönnte Freiheit toll, hatten ihre Spezis doch oft sturmfreie Bude. Heute steigt die Zahl der KiTaKinder kontinuierlich weiter.

VON Barbara Goergen | 16. Juli 2015
Griechische Verhältnisse auch in der deutschen Politik

Es mangelt nicht an negativen Urteilen über die Griechen. Manche sind geradezu abwegig, viele aber berechtigt. Zu letzteren zählen diejenigen, die sich mit der Athener Politik befassen: Nicht vertragstreu und populistisch sei das Land in der Vergangenheit von der konservativen Nea Dimokratia wie von der sozialdemokratischen Pasok regiert worden. So besehen ist die von Syriza angeführte Links-Rechts-Regierung eine würdige Nachfolgerin.

VON Hugo Müller-Vogg | 16. Juli 2015
Der Deutsche schämt sich gern bis über die Lächerlichkeitsgrenze

Was habe ich mich in der letzten Woche amüsiert über das Cover des SPIEGEL - "Unsere Griechen" titelte es mir da entgegen. Gut. Nach ihren eigenen SPIEGEL-Maßstäben ist das Rassismus, klärte mich mein geschätzter Kollege Fritz Goergen auf. Dann ist das natürlich etwas ungeschickt in die Ismus-Falle getappt, und aus dem Grund muss sich an diesem Punkt der SPIEGEL auch einige Kritik gefallen lassen. Sei's drum.

VON Sofia Taxidis | 15. Juli 2015
Von der Vespa zum Ferrari

Wer in Ostblockstaaten verkaufen wollte, musste auch dort natürlich einen Kunden finden. Aber das war der leichtere Teil. Jede Firma im "Wilden Osten" gehörte der Firmenvereinigung ihrer Branche an - zwangsweise. Die Vereinigung stufte den gewünschten Import als notwendig ein oder nicht. Erst dann war der Weg frei zur Bewilligung der benötigten Devisen durch die Planungskommission und deren Zuteilung durch die Nationalbank - lauter einzelne Bürokratie-Schritte. Hatte der Ostblock-Kunde alle Papiere beisammen, gings zum Außenhandelsbüro. Dieses verhandelte mit den Anbietern aus dem Westen und entschied, welches Produkt bei welchem Lieferanten genommen wird. Am Ende bezahlte die Nationalbank über Außenhandelsbüro und Außenhandelsbank. So lief das überall im Ostblock, lesen wir in der Biographie des Wiener Selfmade-Millionärs Rolf Dolina.

VON Fritz Goergen | 15. Juli 2015
Ohne radikale Reformen wird das Land ewig am Tropf hängen

Fehlen Griechenland die Milliarden? Braucht es ein neues Hilfspaket? Oder kann ein Schuldenschnitt helfen? Wohl nicht! Griechenland braucht eine Margaret Thatcher. Griechenland fehlt es an einer Reformerin wie es die „Eisernen Lady“ war, die Ende der 1970er und 1980er Jahre Großbritannien aus dem sicher geglaubten gesellschaftlichen und ökonomischen Untergang bewahrt hat.

VON Frank Schäffler | 15. Juli 2015
Die Nazi-Keule wirkt immer, auch wenn es um den Grexit geht

Dem Herrn sei's gedankt, dass man in diesen Tagen nicht wieder die USA boykottieren muss, werden sich viele Aktivisten denken. Sonst wüsste man ja gar nicht, wie man überhaupt kommunizieren sollte, so ganz ohne diese ur-amerikanischen Erfindungen wie Twitter. Wer in Deutschland kennt schon das chinesische WeChat - und gibt es überhaupt eine Alternative zu Twitter und Facebook? Und wenn ja, versteht man mich da? Insofern schaut die westliche Welt wieder wie gebannt auf Twitter, wo der Hashtag des Tages #BoycottGermany die Hexenverbrennungs-Trends anführt.

VON Sofia Taxidis | 14. Juli 2015
Ein Neustart des Euro wäre besser als immer neue Verrenkungen

Ein neuer Euro-Vertrag, der Euro 2.0, das ist die große Chance der Stunde. Der notwendige Grexit ist die faktische Öffnung des Euro-Vertrag, derer es bedarf um die noch notwendigere Neuverhandlung der Regeln der Gemeinschaftswährung jetzt und sofort zu beginnen.

VON Bettina Röhl | 14. Juli 2015
Pathologischer Hass auf den Finanzminister:

Auf Twitter fühlen sie sich stark, jene „Anonymen Angsthasen“, die zu feige sind, ihre Namen zu nennen, aber umso unverschämter werden, wenn es darum geht, andere zu diffamieren. Weil Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nicht bereit war, sich der Athener Forderung nach mehr Geld plus Schuldenschnitt minus Strukturreformen zu beugen, wird er in den so genannten „Sozialen Netzwerken“ aufs Übelste beschimpft.

VON Hugo Müller-Vogg | 13. Juli 2015
Zurück zu den Regeln, damit die EU nicht scheitert

Die Stimmen, die gestern im heute journal zu Wort kamen, sagen der Kanzlerin ganz klar: Schluss mit dem Brechen der Regeln in der EU, weil der permanente Regelbruch das europäische Projekt nicht rettet, sondern zerstört. Das Brüsseler Poker konnte nicht gemeint sein, denn dort schaut man kein deutsches TV. An wen also richtet sich die Forderung nach EU-Kurskorrektur? An wen richtet sich eine lange Nachrichtensendung im offiziösen Bundessender, welche die Aussage, dass Europa scheitert, wenn der Euro scheitert, in jene umkehrt, wonach sich eine EU selbst zerstört, die sich nicht an ihre Regeln hält?

VON Fritz Goergen | 13. Juli 2015
Das Weiterwursteln setzt sich unvermindert fort

Die Nacht der langen Messer war für Alexis Tsipras eine Demütigung. Die Belastung sah man ihm bereits am Abend an. Auf seiner Seite kann er verbuchen, dass der Euro-Club ihm weitere Milliarden in Aussicht stellt. Doch das war es dann auch schon. Wenn er heute zurück nach Athen fliegt, kommt er als begossener Pudel an. Schon am frühen Morgen haben die Nachrichtensendungen vom großen Durchbruch berichtet. Allgemeine Erleichterung war in den Meldungen zu spüren. Doch eines ist klar: Es war ein Pyrrhussieg der Staats- und Regierungschefs.

VON Frank Schäffler | 13. Juli 2015
7 Punkte, wie Griechenland zu helfen ist - und warum die Einigung zum Schaden für Alle ist

1. Die große Euro-Show endet mit dem schlechtmöglichsten Ergebnis: Viel Geld für Griechenland ohne wirtschaftliche Perspektiven, viel Qual für Griechenland - und steigender Hass zwischen den Völkern. Schnell mal 50 Milliarden durch das Biegen von Gesetzen: Der ESM darf nur bei unmittelbarer Gefahr für den Euro einschreiten. Das ist aber nicht gegeben. Die Summen sind unvorstellbar viel Geld für die Regierung des nationalen Versagens unter Alexis Tsipras. Griechische Zeitungen geißeln das als „Auschwitz“.

VON Roland Tichy | 13. Juli 2015
GUBREKS GELDWOCHE: DIESMAL ÜBER ANLEIHEN, AKTIEN, WOHNIMMOBILIEN UND GOLD

Die Schuldenwirtschaft gerät in die heiße Phase, die Eurokrise ist ein Teil von ihr. Wenn schon das kleine Griechenland für so viel Aufregung sorgt, was mag da bald noch kommen? Eine aktuelle Analyse.

VON Manfred Gburek | 13. Juli 2015
Warum spulen ARD und ZDF ständig die Syriza-Propaganda ab?

Griechenlandkrise. Griechenland-Referendum. Grexit. Wenn es in diesen Wochen und Monaten darum geht, einen Quoten-Griechen für eine Talkshow im Öffentlich Rechtlichen zu finden, halten es die Verantwortlichen wie beim Roulette und setzen bzw. laden alles auf Rot.

VON Sofia Taxidis | 12. Juli 2015
Der Sonntagsleser

Es ist schon ein Zeichen von Größe, dass nach Jahren antigriechischen medialen Dauerfeuers Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer die innere Zerrissenheit des Hamburger Mediums beim Thema Grexit konstatiert. Die Diskussionen stacheln die Ressorts zu überdurchschnittlichen Leistungen an. Das tut dem Heft gut und man entdeckt selbst als Mediendauerkonsument neue Aspekte. Übrigens auch im Titelbild, das mit vielen Details eine Story für sich erzählt, die es wert ist, „gelesen“ zu werden.

VON Hans-Peter Canibol | 12. Juli 2015
Nach Hugo Chávez in Venezuela und Fidel Castro ist die Rolle des Weltrevolutionärs frei

Eigentlich gibt es nur noch zwei Wege aus dem Dilemma Griechenlands. Entweder die EZB springt kurzfristig ein, erhöht die Ela-Kredite entsprechend und verschafft der griechischen Regierung indirekt wieder Liquidität oder es kommt zum Graccident, also der mehr oder weniger ungeplante Austritt Griechenlands aus dem Euro-Club. Ein Kredit des ESM, wie ihn Tsipras jetzt formal beantragt hat, geht sehr wahrscheinlich schon aus zeitlichen Gründen nicht mehr.

VON Frank Schäffler | 12. Juli 2015