Ikkimel im ZDF-Morgenmagazin: Öffentlich-rechtlicher „Fotzenrap“ zum Frühstück

Sonst malträtiert der ÖRR mit seinen Pipi-Kaka-Yoni-Pullermann-Formaten und -Protagonisten über die Sparten-Jugendformate wie Funk. Beim Auftritt von Vulgär-Rapperin Ikkimel im ZDF-Morgenmagazin konnte man live miterleben, wie sediertes ÖRR-Studiopublikum mit Lieblingsperformern von DIE LINKE kollidiert. Von Daniela Seidel

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Es ist Montag, 8:30 Uhr im ZDF-Morgenmagazin (das seit 2021 einen Zuschauerrückgang um 28,8 Prozent zu verzeichnen hat). Nun heißt es: Gegensteuern, Leute! Zum Beispiel mit der gerade irgendwo in anderen, fremden Sphären total angesagten, flotten Ikkimel – Berliner Rapperin, grell, derb, kalkuliert ordinär, spärlichst bekleidet, mit Hautkunst und bereits mehreren 1live-Kronen des Westdeutschen Rundfunks dekoriert.

Das selbsternannte „Partyschwein“ gibt ihren „progressiven Pop-Feminismus“, von ebenfalls ihr selbst liebevoll als „Fotzenrap“ tituliert, vor einem zunehmend peinlich berührt dreinschauenden Studiopublikum zum Besten.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich (nicht) streiten und man könnte wohlwollend sagen: „Musikalisch bewegt sich das Ganze auf einem bewusst minimalistischen, monotonen Fundament, das seine Wirkung weniger aus kompositorischer Raffinesse als aus Wiederholung, Lautstärke und sprachlicher Schlichtheit bezieht.“

Man könnte aber auch ehrlich sein und diesen Erguss als billigsten Rummelbuden-Techno mit dem Charme eines runtergefallenen Schaschliktellers (darf man eigentlich noch Schaschlik sagen oder steht das auch schon auf dem Index, man kennt sich ja heutzutage nicht mehr aus) bezeichnen, bei dem man sich die ganze Soße über die Hose gekippt hat und dann noch den ganzen Weg durch die Stadt zu Fuß nach Hause laufen muss. Akustisch blechern, stimmlich dünn, lyrisch auf einem Niveau irgendwo zwischen Kindergarten und Besserungsanstalt. Letztere allerdings ohne Alkoholverbot.

Kostprobe gefällig? „Reich und dünn und ich hab‘ alles, was du nicht hast; Ich bin schlau und wunderschön, oh Baby, alles an mir glitzert; Pussy gut, er ist so süß, ich werd‘ zu seiner Kitty Cat; Ich mag es, wenn es prickelt, und er bringt mir noch a bisch’n Sekt“.

Von der inhaltlichen Diskussionswürdigkeit abgesehen, ist das Versmaß abenteuerlich, und alles in diesem Lied von atemberaubender Einfalt reimt sich ungefähr so gut wie Gustav auf Gasthof.

Aber hören wir weiter: „Mir geht einer ab (mmhh), wenn er in den Winkel trifft; Wenn er nicht aufpasst, geb‘ ich ihm ein’n Laufpass“. Hier merkt man direkt, dass die Dame aus ihrem Bachelor in Linguistik (ja, den hat sie tatsächlich) so richtig was gemacht hat und zudem Rücksicht auf die im Publikum anwesenden Kinder nimmt.

So, und jetzt noch der Refrain: „Fußballmänner, alles Penner. Bierbauch, Bratwurst, leckerschmecker; Lattenkracher, Mertesacker, Tiki-Taka in ’nem Tanga“.

Für sich ins Unendliche ausdehnende zwei Minuten wird das ZDF-Morgenmagazin unfreiwillig zu einem kultursoziologischen Experiment. Die ans groteske grenzende Darbietung endet – endlich! – mit einem Kichern.

Viral gingen anschließend nicht nur die zweifelhaften Qualitäten dieses jetzt schon legendären Auftritts, sondern vor allem die Gesichter des anwesenden Publikums: Ratlosigkeit, Fremdscham, höfliche Erstarrung. Wohl in direktem Kontrast zu den Moma-Redakteuren. Erleichterung dann beim eigespielten Applaus, woraufhin die Gäste mehrheitlich reflexhaft mitklatschten. Besondere Würdigung erfuhr indes das kleine, gallische Dorf in Form eines Zuschauers, der das Trauerspiel mit stoischer Miene verfolgte und trotzig jeden Beifall verweigerte.

Popmusik muss gar nicht brav, sauber oder salonfähig sein, darum geht es nicht. Hier wurde nur einmal mehr deutlich, wie weit sich Teile des “Kulturbetriebs“ inzwischen vom Empfinden eines halbwegs normalen, gemischten Publikums entfernt haben. Vor diesem Hintergrund wieder einmal besonders be(ein)drückend.

Man muss kein Musikwissenschaftler sein, um festzustellen, dass Kampfansagen seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Popkultur sind. Elvis schockierte das Amerika der fünfziger Jahre mit seinen Hüftbewegungen, Punk verspottete die bürgerliche Gesellschaft, Heavy Metal spielte mit satanischer Symbolik, Gangsta-Rap glorifizierte Gewalt und Kriminalität. Der Unterschied bestand allerdings darin, dass die Provokation nie das eigentliche Werk ersetzte. Johnny Rotten konnte singen, die Sex Pistols konnten spielen und Eminem war ein brillanter Texter. Selbst wer diese Musik verabscheute, musste anerkennen, dass hier musikalisches Können, Sprachwitz und Originalität vorhanden waren.

Ikkimel kann, soweit sich das bislang beurteilen lässt, nichts davon vorweisen, dafür aber einigermaßen ungelenk herumhüpfen, viele vulgäre Worte aneinanderreihen, leichter als leicht bekleidet sein und sich selbst kolossal überschätzen. Ach so, links sein, Hetero-Männer hassen und dabei gleichzeitig „gegen Ausgrenzung und Disrespect, Hass und Hetze aufstehen“ kann sie selbstverständlich auch. Andernfalls hätte das ZDF sie wohl kaum eingeladen, würde sie nicht mit öffentlichen Geldern gefördert und mit Preisen geehrt.

So wundert es auch wenig, dass Gesinnungsgenosse Herbert Grönemeyer sich kürzlich mit Lobeshymnen beinahe überschlug und nicht ihre Performance und Choreografie, ihre außergewöhnliche Musikalität oder Wortgewandtheit lobte, sondern ihre “freche Dreistigkeit“, ihre „Radikalität“. Besonders ihre „militante Klugheit“ (was immer das sein mag) hat es dem alternden Haltungssänger offensichtlich angetan.

Ausgehend von der ÖRR- oder Spiegel-Redaktion überstieg Ikkimels Geistesgröße dann wohl aber die kognitiven Fähigkeiten des MoMa-Publikums. Trotz der sanften, auf den ungeschlachten Schrecken vorbereitenden Anmoderation und nachfolgender Beschwichtigung („Liebe Fußballmänner, nicht beleidigt sein!“, durch die beiden Moderatoren, natürlich), war es doch sichtlich überfordert vom Ikkimelschen „Fotzenrap“.

Gut, so kann man es natürlich auch nennen, wenn ein öffentlich-rechtlicher Sender es für eine gute Idee hält, die zunehmende, kulturelle Verwahrlosung in Form einer halbnackten, 29-jährigen Rotzgöre, die in primitivem Gossenjargon jeden durchaffrontiert, am frühen Morgen einem wohlbehüteten Millionenpublikum zu präsentieren. Man könnte fast meinen, das Ganze sei eine Neuauflage von „Verstehen Sie Spaß?“ gewesen, nur, dass diesmal niemand die Auflösung brachte.

Um fair zu bleiben – die Frau ist sicherlich keineswegs dumm und hat erkannt, wen oder was der Zeitgeist geschlagen hat und welcher Sache man sich aktuell politisch andienen muss, möchte man so prominent auftreten dürfen. Überdies darf in einem freien Land jeder Musik machen, selbst grottenschlechte, und damit megaerfolgreich sein.

Weniger frei ist allerdings die Entscheidung, über den Rundfunkbeitrag Millionen Bürger zur Mitfinanzierung genau jener Maßstäbe zu verpflichten, die sie offenkundig nicht (mehr) teilen, während Redaktionen, Jurys und Preisverleiher sich gegenseitig im Kreis bestätigen, was das nicht für ein Ausnahmetalent und granatenstarker Einfall sei.

Fazit: Erstens alles furchtbar peinlich und zweitens gehört der ÖRR mal wieder und schon längst Grund und Boden privatisiert.

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Kommentare ( 89 )

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89 Comments
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Asurdistan
9 Tage her

Ist das Kunst oder kann das wech?

Britsch
9 Tage her
Antworten an  Asurdistan

Ich selbst nehme mir die Freiheit selbst zu entscheiden was für mich Kunst ist, großartig und was Mist und Schuind ist
Das Meiste was als Kunst und großartig propaiert wird
ist für mich Schund und Mist genauso wie die Propogandiesten und selbst ernannten „Experten“
Ich lasse mir nicht vorschreiben was ich als Kunst und großartig zu sehen habe, was mir gefallen muß und was nicht

Last edited 9 Tage her by Britsch
Helfen.heilen.80
9 Tage her
Antworten an  Asurdistan

Es hakt bei der „Unangemessenheit“, weniger ob das „Kunst“ sein könnte. Da der Sender eine bundesweite Reichweite hat, (theoretisch) eine Prestigeeinrichtung und Gebührenfinanziert ist, und gewissermaßen einer der formell wichtigsten Impulsgeber für den öffentlichen Diskurs darstellt, wäre es angemessen, auf dieser Plattform „Kunst“ zu präsentieren, die einen möglichst breiten Konsens der Bevölkerung widerspiegelt. „Unangemessen“ ist es, eine „performance“ aus dem tiefsten Rot-Berlin zu servieren, die ihren Fandom hauptsächlich im weltanschaulichen Elends-Prekariat findet. PS: Für Kunst halte ich das nicht, lediglich für eine konsequente Entwicklung, dass den Bürgern seit dem mittleren 20.Jhrt. im Niveau absteigend immer größerer Scheixx als „Kunst“ angedreht… Mehr

RiverHH
6 Tage her

Äh?!? Ist das Dummheit, pure Dummheit, Verblödung in Vollendung oder geschickt platzierte Provokation? Zum Glück liege ich mit den grün-linksradikalen Zwangspropagandasendern im Zwangsgebührenstreit und schalte diesenRotz schon lange nicht mehr an.

Emanreztuneb
7 Tage her

Das Land der Dichter und Denker. Passt sehr gut. Auch das Klatschen. Wenn man mal kurz darüber nachdenkt und es sacken lässt, wird einem klar, dass diese kleine Sequenz den Zustand des Landes perfekt beschreibt. Das ist tatsächlich Kunst

flozn
8 Tage her

Mit den Linken turteln und dabei fett abkassieren – die Dame ist prädestiniert zur Staatskünstlerin einer DDR 2.0.

F. Hoffmann
8 Tage her

Kein Wunder, daß die dem Grönemeyer gefällt. Die singt so wie der aussieht und geistig ist man sicher auf Augenhöhe.

fatherted
8 Tage her

Man kann sich über manche Sänger aufregen heutzutage…die Dame füllt eben die Nische des Vulgär-Raps…..je obszöner die Texte, desto mehr Fans. Unter dem Strich steht das Geld.

Paprikakartoffel
8 Tage her

Man muß sich damit beruhigen, daß Jugendliche diese Ikkimel ebenso peinlich finden wie Reichinnek. Beides ist was für (ich zitiere Söhne & Freunde) „fette Strebermädchen“. Ich lernte: das, was wir früher als „Schleimer“ bezeichneten, gendert heute.

1faltspinsel
8 Tage her

Stimmlich, textlich, künstlerisch und optisch ziemlich dünn. Mehr davon.

Last edited 8 Tage her by 1faltspinsel
Unglaeubiger
8 Tage her

Bachelor in Linguistik – hat bei dem generell grottenschlechten Bildungsniveau in diesem, unserem Lande weder eine Aussagekraft noch eine Bedeutung! Intellektuell am Boden bleibt am Boden und grässlich bleibt grässlich!

Phil
8 Tage her

Ist dies das angestrebte Rollenbild der heutigen Frau? Von Mutti zu Nutti innerhalb von 2 Generationen? Die Emanzipationsbewegung der Frauen trägt wahrhaftig sonderbare Früchte, in deren Prozess sich die Frau vom Zentrum bzw. Dreh- und Angelpunkt der Familie, zum Kinder- und Beziehungslosen, hedonistischen Fickfleisch und Arbeitssklaven degradiert hat. Das nennt sich dann „Progressiv“ wenn die Frauen ihre „Karriere“ (anderes Wort für Selbstausbeutung) der Familie und dem Nachwuchs vorziehen, nur um am Ende ihrer biologisch nutzbaren „Betriebsdauer“ (Fruchtbarkeit) feststellen zu müssen, dass der Deal welcher einem zwischen 16 und 35 äusserst attraktiv erschienen ist, plötzlich dazu führt, dass man sich Katzen… Mehr

Axel Fachtan
8 Tage her

Sittenverderbnis ist der Hit
macht gefälligst alle mit.
Blowjob ist Hochkultur.
Bachelor in Linguistik. 😉
Zungenfertigkeit in Reinform.
Hat sie den Professor rundgelutscht ?
Abtreibung ersetzt das Christentum.
Du stichst nach mir mit der Fahrradspeiche.
Himmler TV wir grüßen Dich.
Ein Grund mehr, die nicht zu bezahlen.