Zensur macht Citizen Vigilante zum Sommerhit

Die FSK überschätzt ihre Macht und verweigert die Freigabe für Uwe Bolls Film – das Internet liefert anschließend den Erfolg. Millionen Zuschauer machen „Citizen Vigilante“ zum Sommerhit. Manchmal ist Zensur die wirksamste Werbekampagne. Beim FKS sollte man den Begriff "Streisand-Effekt" googeln.

Screenprint: X

Der Film Citizen Vigilante von Uwe Boll hat in Deutschland von der Freiwilligen Selbstkontrolle keine Altersfreigabe bekommen. „Keine Kennzeichnung“ beziehungsweise „Nicht freigegeben“ bedeutet, dass der Film in Kinos, auf Streaming-Plattformen und im regulären Handel nicht angeboten werden darf. Solche Werke dürfen rechtlich nur Erwachsenen unter strenger Eigenverantwortung zugänglich gemacht werden.

Die FSK hat wohl einerseits gehofft, mit dieser milden Zensur zu erreichen, dass man ihr keine Zensur vorwerfen könne, und andererseits, dass mit der wenig mutigen Entscheidung derselbe Effekt wie mit einer tatsächlichen Indizierung erreicht werden könne. Sie hat sich, wenig überraschend, in beidem getäuscht. Ihr wird Zensur vorgeworfen, und ihre Zensur hat den Film populär gemacht und zu Quoten verholfen, von denen staatlich geförderte Filme nur träumen können.

 

Wer aber ist die FSK? Es sind etwa 250 Prüfer, die ehrenamtlich für die FSK tätig sind. Sie werden von den Verbänden der Film- und Videowirtschaft sowie der öffentlichen Hand für eine Dauer von drei Jahren ernannt und müssen Erfahrung im Umgang mit Kindern oder Jugendlichen haben oder über entsprechendes Fachwissen in der Psychologie oder Medienwissenschaft verfügen.

Die Prüfung von Filmen wird in verschiedenen Gremien organisiert: einem Arbeitsausschuss, dem Hauptausschuss und dem Appellationsausschuss.

In der Regel setzt sich ein solcher Ausschuss aus fünf Prüfern zusammen. Den Vorsitz hat ein ständiger Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden. Zu einem Ausschuss gehören zusätzlich ein Jugendschutzsachverständiger. Beispielsweise ein Mitarbeiter eines Jugendamtes, des Jugendministeriums oder ein Lehrer, ein regelmäßig wechselnder Vertreter der öffentlichen Hand und zwei Vertreter der Filmwirtschaft.

Die Zahlen:

Auf dem Konto von Elon Musk war der Film 48 Stunden freigeschaltet und wurde dort über 20 Millionen Mal angesehen.

Bei Streamingdiensten, beispielsweise von Apple und Amazon, aber auch anderen, wurde der Film in Nordamerika bis heute etwa 600.000-mal aufgerufen.

Gleichzeitig wurde der Film von vielen X-Usern ohne Genehmigung etwa 10 Millionen Mal weiterverlinkt.

Ohne die Absicht der FSK zu kennen, ist zu vermuten, dass man Boll und seinem Film nicht zu diesem Erfolg hatte verhelfen wollen.

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Kommentare ( 4 )

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Digenis Akritas
29 Minuten her

Das „Bollwerk“! Nicht bös gemeint, im Gegenteil

Dirk Plotz
39 Minuten her

Warum gibt es die FSK überhaupt und warum hatten die Konservativen seit Gründung der Bundesrepublik nichts gegen diese Zensurstelle?
Vermutlich weil sie die längste Zeit ein Instrument gegen Killerspiel, böse Musik, böse Filme und andere böse Sachen darstellte, von denen der Staat meinte er müsse seine Subjekte vor schützen.
Auch jetzt höre ich keine Rufe nach Abschaffung. Warum eigentlich nicht?

Bedenkentante
45 Minuten her

Ja, das war die beste Publicity. (Den Film selbst kenne ich nicht.)

ThomasP1965
46 Minuten her

Ein weiteres Beispiel für den Einfluß der Tech Milliardäre, die meinen über dem Gesetz zu stehen.