Während in Deutschland Staatsschulden und die Preise weiter steigen, vollzog sich in Argentinien die Kehrtwende. Dessen Präsident Javier Milei vertraut einem simplen Zusammenhang: Inflation ist stets ein monetäres Phänomen. Um sie zu überwinden, muss man vor allem dem Staat die Kreditpumpe aus der Hand nehmen.
IMAGO / Newscom / GDA
Javier Milei ist ein Politiker, der entlang der Leitlinien der österreichischen Schule der Nationalökonomie gedrillt wurde. Für ihn gilt das von Ludwig von Mises geprägte Mantra, dass Inflation stets und überall ein monetäres Phänomen ist.
Das bedeutet, dass die künstliche Expansion der Geldmenge, auf unterschiedliche Weise, zu Preissteigerungen führt. Neu geschaffener, ungedeckter Kredit, wie er im Fiat-Geldsystem inhärent ist, kann sich je nach ökonomischer Struktur zunächst in Vermögenspreisen niederschlagen, etwa in einem Anstieg des Goldpreises. Sobald dieser Kredit nachfragewirksam wird, ist es möglich, dass Güterpreise auf breiter Front steigen. Das spüren dann alle im Portemonnaie. In diesem Moment wird die Geldpolitik im Fiat-System für die Verbraucher unangenehm.
Es wäre Aufgabe von Fachmedien und der ökonomischen Akademie, die Bevölkerung über den Grundzusammenhang von expansiver Geldpolitik und Kaufkraftzerstörung aufzuklären. Dies würde die Staatskamouflage vom Segen kreditfinanzierter Zentralplanung enttarnen. Viele würden möglicherweise das Vertrauen in das schuldenbasierte Wohlfahrtssedativum verlieren. Die Demokratie könnte so nur gewinnen.
Zurück in die Gegenwart. Seit Mileis Amtsantritt im Dezember 2023 hat sich in der Geldpolitik und im Kreditmechanismus Bemerkenswertes vollzogen. Die strikte Haushaltspolitik, die zu einem Primärüberschuss führte, scheint die Geldmengenentwicklung ebenso gebremst zu haben wie das massive Schrumpfen des Beamtenapparats. Das übliche Maß der Geldmenge, M2, das ganz grob formuliert Bargeld, Kontenguthaben und schnell liquidierbare Wertpapiere umfasst, sank seit Mileis Amtsantritt von 94,7 Billionen auf 84,5 Billionen Pesos im zweiten Quartal des laufenden Jahres. Die etwas weiter gefasste Geldmenge, M3, stieg minimal von 163,2 auf 164,2 Billionen Pesos.
Das ist ein klarer Auftrag an den Präsidenten, seine Konsolidierungspolitik fortzusetzen. Milei weiß, dass Politik auch symbolisch getragen wird. Und so wartet er bereits mit einem politischen Kuriosum auf: einem Gesetzesvorhaben, das Politiker für Staatsdefizite persönlich haftbar macht und ihnen im Ernstfall das Gehalt sperrt.
Mileis Kampf gegen die Geldentwertung ist das Fundament seiner Wirtschaftspolitik. Aus Sicht eines libertären Ökonomen macht dies Sinn, gerät doch durch die Inflation der gesamte Kalkulationsapparat einer Marktwirtschaft aus den Fugen. Fehlallokation knapper Ressourcen, der Vertrauensverlust in die Zahlungsfähigkeit von Kunden zerstören jede Hoffnung auf wirtschaftliche Prosperität. Milei versucht, mit Stabilitätspolitik vor allem die Kaufkraft seiner Bürger zu schützen. Sie wissen schon: der Mann, der nach Ansicht von Bundeskanzler Friedrich Merz auf seinem Volk regelrecht herumtrampele, versucht, den Schutzschirm einer funktionierenden Marktwirtschaft über seinem Volk aufzuspannen.
Eine Politik, die man in Deutschland nur noch vom Hörensagen kennt. Erinnerungen an Erzählungen der Großeltern aus den Zeiten Ludwig Erhards hallen noch nach. „Wohlstand für alle“ lautete dessen Versprechen, das aufsetzte auf der sozialen Marktwirtschaft, auf stabilem Geld und einem Minimalstaat, der das Wirtschaftsgeschehen den Profis, Facharbeitern und Unternehmern überließ.
Wer sich beispielsweise Staatsanleihen zur Finanzierung dieses Schuldenbergs zulegt, sollte sich über Folgendes im Klaren sein: Der Kuponzins der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe von etwa 3,2 Prozent wird von der Inflation vollständig aufgefressen. Der Staat zahlt am Ende mit verwässertem Geld zurück, was er seinen Gläubigern schuldet.
Seriöse Haushaltspolitik müsste sich im Falle Deutschlands zunächst einmal von Projekten verabschieden, die nicht mehr der ökonomischen Kraft des Landes entsprechen. Da wäre zum einen die Tatsache zu berücksichtigen, dass der deutsche Wohlfahrtsstaat seine Außenrekrutierungsbemühungen einstellen sollte. Remigration ist angesichts der Kostenexplosion unvermeidlich, um eine schnelle Entlastung herbeizuführen. Ähnliches gilt für die Beteiligung am Ukraine-Krieg, der auch in diesem Jahr wieder Milliardentransfers verschlingen wird. In Verbindung mit der mehr als fragwürdigen Entwicklungshilfe, die zu einem großen Teil in das NGO-Extraktionsschema eingewoben ist, sollte der deutsche Steuerzahler allein in diesen beiden Feldern um über 20 Milliarden Euro jährlich entlastet werden.
Bedenkt man, dass die Neuverschuldung zur Finanzierung all dieser politischen Eskapaden in diesem Jahr bei mindestens 5,5 Prozent des BIP liegt, ist dies nichts anderes als ein Skandal. Aus Sicht des deutschen Steuerzahlers verbleibt nur die Hoffnung, dass der Anleihenmarkt in nicht allzu ferner Zukunft diesen größenwahnsinnigen Umtrieben ein Ende setzt – durch massive Abverkäufe deutscher und europäischer Anleihen, um dem Bundeskanzler und seinem Schuldenminister die rote Karte zu zeigen.





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