Über Feindbeobachtung, Dogwhistles und Codeschnüffeleien

Angebliche Nazi-Codes, wohin man auch blickt: Das falsche Nummernschild? Die falsche Modemarke? Und auch die Sprache verrät den bösen Rechten. Sogar neudeutsche Begriffe aus Online-Sphären geraten ins Visier der Demokratieschützer auf ihrer ewigen wie irrwitzigen Suche nach Geheimcodes.

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Du sollst sie an ihrer Sprache erkennen! An ihren Gesten! An ihren Kfz-Schildern! An ihrer Wortwahl! Alle Hamburger sind verdächtig, wegen HH. 18? Das erste und das achte Wort im Alphabet. Steht für Adolf Hitler. Weiß man ja. Und 88? Heil Hitler. Ist ja klar.

„Rechtsextreme Codes sind verschlüsselte Botschaften, die primär an szeneinterne Mitglieder gesendet werden. Dabei wird oftmals von dem Prinzip der ‚Dog Whistles‘ (englisch für Hundepfeifen) gesprochen, da lediglich Eingeweihte die genaue Botschaft verstehen und darauf reagieren. Außerdem können verfassungsfeindliche Inhalte in chiffrierter Form transportiert werden, um strafrechtlich relevante Grenzen zu umgehen“, klärt die Konrad-Adenauer-Stiftung auf.

Das ist wie beim Geheimen Händedruck bei den Freimaurern. Daran erkennt man sie! Und an KfZ-Schildern. Siehe oben. Mit den bekannten Nummernfolgen. Und, naja, an gewissen Kleidungsstücken. 2022 haben Linksextreme eine Verkäuferin in einem Erfurter Thor-Steinar-Laden überfallen. Weiß man doch: dort gibt es das passende Outfit für Rechte. Es ist eine Modemarke aus Brandenburg (siehste!). „Die Motive auf den Kleidungsstücken verbinden germanische Runen, völkische Symbolik, Gewaltästhetik und Anspielungen auf die NS-Zeit. Zweideutige T-Shirt-Aufdrucke wie ‚Wüstenfuchs‘, ‚Ski Heil‘ oder ‚Kontaktfreudig‘ mit Blutspritzern im Schriftzug tragen zur Beliebtheit im rechtsextremen Milieu bei“, klärt die Bundeszentrale für politische Bildung auf. Im Übrigen: „Antifaschismus ist Handarbeit.“ Ach, sorry, das ist ja die andere Abteilung…

Nun, da gibt es gewiss noch viel viel mehr, was man nicht sofort wissen kann, es soll ja geheim sein. Es ist also nicht ganz einfach, herauszufinden, wes Geistes ein sonst unauffälliger Kneipengast ist. Und nein, auch ein AfD-Anhänger wird nicht gleich mit „Remigration!“ herausplatzen. Oder im blauen Anzug auf ein Pilzken vorbeikommen, um den Stammtisch zu verführen, AfD zu wählen.

Doch es wird eifrig dokumentiert, wer sich wie verdächtig gemacht hat, wer weiß, wozu das mal gut ist, im kommenden Bürgerkrieg. So wurden Teilnehmer an einer Trauerwache am 19. September fotografiert, eine Trauerwache, organisiert von Michael Kyrath. Er verlor im Januar 2023 seine damals 17-jährige Tochter Ann-Marie bei einer Messerattacke in einem Regionalzug bei Brokstedt.

Die Fotos wurden ins Netz gestellt, gedacht, gewiss, als Dienst an der Allgemeinheit. Begründung, u.a.: Teilnahme mutmaßlich rechter Akteure. Wehret den Anfängen, auch wenn es um Trauer geht.

Doch es gibt noch viel mehr zu tun, zum Beispiel für die Sprachpolizei. „Based“ etwa galt einst als Kompliment: jemand ist based, der vernünftige Ansichten vertritt, der authentisch ist, sich in der Realität bewegt. Doch das ist vorbei. Heute gilt das Wort als „dogwhistle“, als Erkennungszeichen oder als Warnung, behauptet jedenfalls der Bayerische Rundfunk. „Eingeweihte wissen: Hier wird gerade gegen Sensibilität für Rassismus und Diskriminierung geschossen.“

Geschossen? Oder wird die allseits verordnete Empfindlichkeit kritisch infrage gestellt? Was ja im Wortsinn based wäre. Realistisch. Vernünftig. Und etwas, das Männer nicht nur für Haut- und Haarpflege brauchen.

So. Haben wir jetzt genug Material, um den Feind zu erkennen und ihm notfalls zu wehren? Heißt based heutzutage „Handarbeit“?

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Kommentare ( 1 )

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Haba Orwell
42 Minuten her

> Zweideutige T-Shirt-Aufdrucke wie ‚Wüstenfuchs‘, ‚Ski Heil‘ oder ‚Kontaktfreudig‘ mit Blutspritzern im Schriftzug tragen zur Beliebtheit im rechtsextremen Milieu bei“, klärt die Bundeszentrale für politische Bildung auf.

Dann klären wir mal: >>>Brigade Asow – Wikipedia<<< Zuerst jede Menge >>Wolfsangeln<< und dann ein Foto mit der Unterschrift:

> „… Angehörige des Bataillons Asow auf ihrem Stützpunkt in Ursuf, auf dem Gebäude im Hintergrund ein Hakenkreuz und eine Fahne der UPA …“

Laut Glotze sollen es die höchsten Westlichen Werte sein, für die man stets Milliarden schicken muss?