Doch nicht alles sicher? Von der Leyen will neue EU-Gasreserve

Die Sorgen vor massiven Energie-Versorgungsproblemen im kommenden Winter wachsen nun doch: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat im Europäischen Rat die Staats- und Regierungschefs der EU aufgefordert, für eine unionsweite strategische Gasreserven zu planen.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. IMAGO / Anadolu Agency
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Die unterirdischen Gasspeicher der EU waren Anfang Oktober nur zu etwa 72 Prozent gefüllt – der niedrigste Stand für diese Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen 2011. Im Vorjahr lag der Füllstand zur gleichen Zeit noch bei 83 Prozent. Dazu die aktuelle Zahl für Deutschland: derzeit 60,19 Prozent, im Vorjahr waren die Gas-Speicher zu 75,82 Prozent gefüllt. Und für Österreich: 69,24 Prozent aktuell und 85,41 Prozent am 15. Oktober 2025 (alle Daten: https://agsi.gie.eu/).

Hohe Sommerpreise, ausgelöst durch den Krieg im Iran und die damit verbundenen massiven Störungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, haben kommerzielle Akteure davon abgehalten, die Speicher wie üblich aufzufüllen. Ein Fünftel des globalen LNG-Handels passierte zuvor die Meerenge im Nahen Osten. Die Sperren dieser Schiffsroute und Angriffe auf Anlagen in Katar haben die Märkte stark belastet: Gaspreise sind seit Ende Februar um 140 Prozent gestiegen, und importierte fossile Energieträger haben Europa zusätzlich 100 Milliarden Euro gekostet.

Ein hochrangiger EU-Beamter beschrieb gegenüber POLITICO die Idee strategischer EU-Gasreserven als langfristige Absicherung gegen künftige Versorgungsrisiken – analog zu den bereits existierenden strategischen Ölvorräten und Beständen an Raffinerieprodukten, die Mitgliedstaaten unabhängig von Marktbedingungen vorhalten müssen. Ob und in welcher Form ein derartiges System für Gas umgesetzt werden könnte, blieb zunächst unklar.

Interne Kommission-Dokumente zu einer für November geplanten Überarbeitung der Gas-Sicherheitsarchitektur der EU setzen bislang vor allem auf bessere Krisenvorsorge durch Unternehmen und auf Anreize, gehen aber nicht so weit, verbindliche staatliche Füllstandsvorgaben unabhängig von Marktpreisen vorzuschreiben.

Deutliche Warnung vor Versorgungsproblemen

Die aktuelle Versorgungslage ist alles andere als beruhigend: Das amerikanische Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) warnt, die EU müsste in diesem Winter bis zu 14 Milliarden Kubikmeter Gas weniger verbrauchen als im Vorjahr – also sieben Prozent der Nachfrage, genug für 10 bis 12 Millionen Haushalte. In Kombination mit dem vollständigen Verbot russischer LNG-Importe ab Januar 2027 könnten die Speicher unter ungünstigen Bedingungen bis März auf nur noch 11 Prozent fallen.

Von Sanktionen versteckt
Rekord-Import von russischem LNG-Gas in die EU
Auch das European Network of Transmission System Operators for Gas (ENTSOG) sieht in seinem Winterausblick Risiken: Bei knappen LNG-Lieferungen und einem kalten Winter könnte es zu Engpässen kommen. Die Kommission hatte das gesetzliche Füllziel von 90 Prozent bis zum 1. November bereits auf 75 bis 80 Prozent abgesenkt, um panikartige Einkäufe zu vermeiden.

Hoffen auf milden Winter

Einzelne Mitgliedstaaten handeln bereits: Die Niederlande subventionieren den Aufbau von Reserven mit fast einer Milliarde Euro. Deutschland prüft eigene strategische Bestände und hat den staatlichen Importeur SEFE angewiesen, bis Mitte Dezember zusätzliche Mengen einzuspeichern – derzeit liegen die deutschen Speicher wie erwähnt bei unter 60 Prozent. Spanien hat LNG-Bestände an Terminals erhöht.

Der neue Kommissionsvorschlag für einen EU-weiten Mechanismus gemeinsamer Energieeinkäufe stieß bei den Staats- und Regierungschefs am Donnerstag auf Zurückhaltung. Was aber nun klar ausgesprochen ist: Ohne zusätzliche Maßnahmen oder sehr mildes Wetter droht allen EU-Nationen ein sehr teurer Winter.

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Kommentare ( 6 )

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A.G.
20 Minuten her

Klingt doch erstmal gut….aber von welchem Geld? Wird umgeschichtet…oder nimmt man neue Schulden auf? oder gibts gar ne Sondersteuer? Am Ende geht es darum eine Begründung zu liefern um dem Bürger weiter in die Tasche zu greifen…deshalb haben die das Thema auch so lange schleifen lassen….es muss ein „bedrohliches“ Scenario entstehen, damit man dem Bürger das wieder „verkaufen“ kann…und Strom bekommt zukünftig nur jemand mit digitaler-ID und Impfpass!!

Axel Fachtan
24 Minuten her

Schritt Nummer 1 Beendet die Sanktionspakete. Da kommt nur Blödsinn bei raus. Schritt Nummer 2 Teilt die Ukraine mit Russland, auch wenn es ärgerlich ist. Besser teilen, als die Ukraine noch weiter vernichten. Es geht nicht an, die Ukrainer und Russen noch länger an der Front zu verheizen. Es ist schade um jeden Toten. Der Konflikt löst sich nur durch Verhandlungen, nicht durch Taurus und Atombomben. Deutschland wurde 1945 geteilt. Genau genommen viergeteilt. Ein Teil für Polen (südliches Ostpreußen, Danzig, Pommern, Schlesien) Ein Teil für Russland direkt (Königsberg) Ein Teil unter russischer Besatzung (Mitteldeutschland ohne Westberlin) Ein Teil für die… Mehr

RMPetersen
31 Minuten her

„Wenn kein Erdgas mehr da ist, sollen die Leute eben Heizöl nehmen.“

Elmar
33 Minuten her

Geplantes Gas ist nicht das gleiche wie vorhandenes Gs. Planen kann man viel wenn der Tag lang ist.

Haba Orwell
45 Minuten her

> Ein hochrangiger EU-Beamter beschrieb gegenüber POLITICO die Idee strategischer EU-Gasreserven als langfristige Absicherung gegen künftige Versorgungsrisiken

Die Frau will unbedingt noch einen Bereich zentralisieren? Die soll den Gasimport-Verbot aus Russland kappen, dann wird schon jeder eigene Reserve anlegen.

Schwabenwilli
56 Minuten her

Es ist vollkommen klar wenn diesen Winter das Gas ausgeht dann ist die Bundesregierung und die EU am A.
Das gibt politische Verwerfungen der extremsten Art.
Das wissen und fürchten alle Beteiligten und jetzt geht das Biberlein.