Was ist da plötzlich los? Dutzende Regierungen fordern aktuell ihre Mitbürger zum Anlegen von Notvorräten an, damit drei Tage oder sogar drei Wochen ohne Einkaufsmöglichkeit überstanden werden können. Nun veröffentlicht auch die EU-Kommission eine derartige Warnung.
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Wasser, Konserven, Medikamente, Batterien und ein Kurbelradio: Was lange wie eine Empfehlung für besonders vorsichtige Haushalte klang, wird in immer mehr Ländern zur offiziellen Anleitung für Vorsorgemaßnahmen, und nun veröffentlicht auch die Europäische Union dazu eine Informationskampagne Wie berichtet, hat Großbritannien bereits die Bevölkerung aufgefordert, sich auf drei Tage ohne reguläre Versorgung einzustellen, und Japan empfiehlt angesichts drohender Gefahren sogar eine Bevorratung für bis zu einer Woche. In Deutschland rät das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe dazu, Lebensmittel und Getränke für zehn Tage zu Hause zu haben. Auch zahlreiche weitere Staaten haben vergleichbare Empfehlungen veröffentlicht.
Die Gleichschaltung dieser Informationskampagnen fällt auf: Von Europa über Nordamerika bis nach Asien appellieren plötzlich Regierungen und Katastrophenschutzbehörden an die Bürger, sich auf Situationen vorzubereiten, in denen Strom, Wasser, Internet, Verkehr oder die Versorgung mit Lebensmitteln zeitweise ausfallen könnten. Als mögliche Ursachen nennen die Regierungen nicht nur Naturkatastrophen und extreme Wetterereignisse, sondern zunehmend auch Cyberangriffe, Sabotage, technische Störungen und geopolitische Krisen.
Die EU-Kommission schreibt dazu wörtlich in ihrer aktuellen Warnung: „Angesichts immer häufiger auftretender und komplexerer Krisen verstärkt die Europäische Kommission ihre Bemühungen, die Vorsorge und Krisenfestigkeit in der gesamten EU zu verbessern. Von Maßnahmen, die den Bürgern helfen sollen, sich in Notlagen zu schützen, bis hin zur Sicherstellung, dass die nationalen Katastrophenschutzsysteme auch im Ernstfall einsatzfähig bleiben: Die EU setzt konkrete Schritte, um Europa widerstandsfähiger zu machen.“
In Deutschland gibt es bereits konkrete Empfehlungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Die Behörde rät dazu, einen Lebensmittel- und Getränkevorrat für zehn Tage anzulegen. Pro Person sollen ungefähr 14 Liter Flüssigkeit für eine Woche vorhanden sein. Auf den Speiseplan gehören vor allem Lebensmittel, die lange haltbar sind und möglichst auch ohne Kühlschrank oder Strom verzehrt werden können. Dazu zählen Konserven, haltbare Milchprodukte, Trockenfrüchte und andere Vorräte des täglichen Bedarfs.
72 Stunden Selbstversorgung
Schweden und Norwegen raten ihren Bürgern, möglichst eine Woche ohne reguläre Versorgung auskommen zu können. In Finnland und Polen stehen ebenfalls Notfallvorräte für mindestens drei Tage im Mittelpunkt. Litauen hat mit seiner Kampagne „LT72“ ein eigenes Programm für die Selbstversorgung während der ersten 72 Stunden einer Krise eingerichtet.
Die britische Regierung startete am 22. Oktober die landesweite Kampagne „Be Ready“. Die Bevölkerung soll sich darauf einstellen, bis zu 72 Stunden ohne wichtige Versorgungsleistungen auszukommen. Empfohlen werden drei Liter Trinkwasser pro Person und Tag, haltbare Lebensmittel, Medikamente, eine Taschenlampe, Ersatzbatterien, ein Radio und eine Powerbank. Auch Bargeld und Kopien wichtiger Dokumente sollen griffbereit sein.
Die Kampagne ist auf drei Jahre angelegt, mehr als 500 Organisationen sollen die Empfehlungen verbreiten. Sicherheitsminister Dan Jarvis betont, dass eine bessere Vorbereitung der Haushalte auch die Einsatzkräfte entlaste, weil diese sich zunächst um Menschen kümmern könnten, die besonders dringend Hilfe benötigen. Der Guardian berichtete, dass die Regierung die Initiative auch vor dem Hintergrund wachsender Sorgen über Cyberangriffe und Bedrohungen durch feindliche Staaten gestartet hat.
Frankreich, Irland und die Niederlande setzen ebenfalls auf eine Vorbereitung für mindestens drei Tage: Frankreich empfiehlt eine Notfallausrüstung mit Wasser, Lebensmitteln, Medikamenten, einem tragbaren Radio, einer Taschenlampe, Ersatzbatterien, Bargeld und wichtigen Dokumenten.
Auch Belgien hat seine Bevölkerung inzwischen offiziell zur Vorbereitung auf eine dreitägige Krise aufgerufen: Das Nationale Krisenzentrum empfiehlt einen Notfallrucksack beziehungsweise eine griffbereite Ausrüstung mit Trinkwasser, haltbaren Lebensmitteln, Medikamenten, Erste-Hilfe-Material, einer Taschenlampe und einem batteriebetriebenen Radio. Die Bürger sollen außerdem Kopien wichtiger Dokumente bereithalten und regelmäßig überprüfen, ob die Vorräte noch verwendbar sind.
Warum ist das jetzt aktuell?
Die aktuelle Auflistung jener europäischer Staaten, die nun zur Bevorratung für Notfälle aufgerufen haben: Neben Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Belgien, den Niederlanden und Irland zählen dazu auch Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark, die Schweiz, Österreich, Estland, Lettland, Litauen, Polen und Tschechien. Allerdings unterscheiden sich die nationalen Programme: Nicht überall gibt es eine verbindliche Zahl von Tagen, und manche Staaten konzentrieren sich stärker auf bestimmte Gefahren wie Hochwasser, Stromausfälle oder Erdbeben.
Die offensichtliche Häufung dieser staatlichen Warnungen wirft natürlich die Frage auf: Bedeutet das, dass Regierungen mit einer unmittelbar bevorstehenden militärischen Eskalation oder einem flächendeckenden Versorgungsausfall rechnen? Dafür existiert eigentlich kein belastbarer Beleg. Und die Behörden betonen, dass es sich um Vorsorgemaßnahmen für unterschiedliche Szenarien handelt. Die britische Kampagne etwa verweist ausdrücklich auf Unwetter, Überschwemmungen und technische Ausfälle, die EU nennt ein breites Spektrum von Risiken, darunter Cyberangriffe und geopolitische Spannungen.



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