Nach Jubelmeldung der Bundesregierung stürzt auch der Einzelhandel weiter ab

Die Septemberzahlen des deutschen Einzelhandels lassen Böses ahnen. Selbst die Milliardensubventionen der Bundesregierung scheinen den Absturz der deutschen Wirtschaft nicht mehr abzubremsen – die Illusion schuldenfinanzierter Staatswirtschaft geht in Rauch auf.

picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Die Freude in Berliner Regierungskreisen über das teuer erkaufte Scheinwachstum hielt nicht lange vor: Um 2,3 Prozent schmierte der reale Umsatz des Einzelhandels im September im Vorjahresvergleich ab. Im Vergleich zum August stand ein reales Minus von 2,0 Prozent zu Buche, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte.

In Berlin hatte man sich noch in der vergangenen Woche über das Konjunkturstrohfeuer von 1,3 Prozent Wachstum gefreut. Und was auf den ersten Blick tatsächlich wie eine Bestätigung dieses Popanz schien – ein nominaler Umsatzsprung im Einzelhandel von 1,2 Prozent –, entpuppte sich dann preisbereinigt als weiterer Beleg für den Niedergang der deutschen Wirtschaft. Wir können festhalten: Nach der Industrie hat es nun auch die Konsumaggregate erwischt.

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Quer über die Sektoren hinweg verflüchtigt sich in diesen Wochen die letzte Hoffnung auf ein konjunkturelles Strohfeuer. Im ersten Halbjahr schrumpfte der reale Umsatz des Gastronomiesektors um sagenhafte 5,7 Prozent. Auch die Hotellerie hat es erwischt. Sie verlor im selben Zeitraum real 3,2 Prozent ihres Umsatzes. Man kann es nicht länger leugnen: Deutsche Haushalte sind ganz offensichtlich gezwungen, ihr Geld zusammenzuhalten. Angesichts steigender Energiekosten und der Diesel-Katastrophe, die Wirtschaft und Verbraucher immer härter trifft, wird ihre Kassenlage von Monat zu Monat angespannter.

Die Inflation von inzwischen über drei Prozent nagt an der Kaufkraft im Land. Sie lässt sich direkt auf die verfehlte Russlandpolitik, die katastrophale Energiepolitik, über die oft geschrieben wurde, aber auch auf die enorme Schuldenmacherei der Regierung von Friedrich Merz zurückführen. Etwa 100 Milliarden Euro betrug das gesamtstaatliche Defizit im ersten Halbjahr dieses Jahres. Im kommenden Jahr wird der Bundeshaushalt um über sechs Prozent expandieren. Es ist die Flucht nach vorn: Ein Staat, der mit Kreditprogrammen und enormen Schulden gegen den sichtbaren Verfall ankämpft, den er aber selbst mit seiner ideologischen Katastrophenpolitik verursacht hat.

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Die ideologische Destruktion der sozialen Marktwirtschaft zeigt sich mit Verzögerung. Im Falle Deutschlands begann der Abstieg im Jahr 2018, als die Herzkammer der Wirtschaft – die Industrie – ihren Produktionshöhepunkt erreichte. Seither geht es bergab: mit der Produktivität, mit den Jobs, mit der Fertigung – Kapital strömt ab ins Ausland. Um diesen Prozess abzubremsen, steigen die Staatsschulden. Sie jedoch sind der Ausweis dafür, dass sich die Gesellschaft noch an eine Wohlstandsillusion klammert und nicht wahrhaben will, dass der ökonomische Abstieg längst begonnen hat. Eine wachsende Zahl der Haushalte ist zur Konsumzurückhaltung gezwungen und macht damit eine der zahlreichen Facetten des säkularen Abstiegs sichtbar.

Deutschlands sozialpolitischer Sonderweg, einen Wohlfahrtsstaat mit Auslandsrekrutierungsabteilung zu betreiben, zählt mit zum Gesamtbild der sich rasch ausbreitenden Armut im Land. Als Folge der Klima- und Energiepolitik und der Zerstörung durch die seltsame ideologische Übersteuerung des deutschen Ökologismus sinkt die Investitionsquote der Privatwirtschaft – des eigentlichen Motors von Wachstum und Wohlstand. Im vergangenen Jahr lag sie erstmals bei minus 0,23 Prozent. Das bedeutet, dass die deutsche Wirtschaft ihr Produktionspotenzial einbüßt. Kapitalflucht ist real, der Motor der Ökonomie läuft auf Verschleiß, während sich die Gesellschaft noch an die Vergangenheit klammert.

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Was fehlt, ist ein Realitätscheck, eine Neuformierung politischer und wirtschaftlicher Eliten. Gerade in diesen Kreisen herrscht seit geraumer Zeit ein zerstörerisches Schweigekartell – eine mit Subventionen und Steuergeld erkaufte Zustimmung zur Politik der grünen Transformation, die in Wahrheit dem Aufbau einer Zentralplanwirtschaft entspricht. Und dieser Prozess ist zu weit fortgeschritten, als dass die herrschende Politik ihm neutral gegenüberstünde – zu viel politische Macht hat sich in dem weitverzweigten Geflecht der grünen Staatswirtschaft gebildet.

Auch auf dem Arbeitsmarkt besteht kein Anlass mehr zur Hoffnung. Zwischen 10.000 und 12.000 Industriejobs gehen derzeit jeden Monat verloren. Der Verlust dieser Wertschöpfungszellen der deutschen Wirtschaft hat Folgen für den gesamten ökonomischen Apparat, für die Lieferketten und für die angeschlossenen Unternehmen, die reihenweise in die Pleite gehen. Deutschland wird in diesem Jahr wieder rekordhohe Insolvenzzahlen melden; hinzu kommen klamme öffentliche Kassen und immer weiter steigende Steuerabgaben.

Eine Armutsspirale, deren rotierendes Gravitationszentrum die von Bundeskanzler Friedrich Merz eisern verteidigte Klimaideologie bildet. Er hat dieses Gravitationszentrum um seine Leidenschaft verstärkt: den schuldenfinanzierten Militär-Keynesianismus.

Denn seien wir ehrlich: Niemand im Land, der klar bei Verstand ist, glaubt an einen russischen Feldzug gegen NATO und EU – eine Art invertierter Napoleon, wenn man so will. Worum es hier tatsächlich geht, ist eindeutig: Die Bevölkerung soll durch Panikpropaganda weichgekocht werden, um eine Rüstungsindustrie zu finanzieren, die die Fehler der Grünen-Transformation wieder ausgleichen soll – ein Amoklauf gegen jede ökonomische Vernunft.

Bei einer Staatsquote von über 52 Prozent, einer Defizitquote von etwa fünf Prozent für den Gesamtstaat in diesem Jahr und dem gegebenen Scheinwachstum müssen wir davon ausgehen, dass die private Wirtschaft um wenigstens 2,5, wenn nicht sogar drei Prozent schrumpft.

Es ist fatal: Das stabilisierende Herzstück der Gesellschaft, ihre Mittelschicht, zerfasert im wirtschaftlichen Niedergang und verliert ihre gravitativen Kräfte zum Zusammenhalt des Gemeinwesens. Sichtbare Gewitterwolken haben sich bereits zusammengezogen, denn politische Instabilität folgt ökonomischem Abstieg auf dem Fuße.

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