Nach Einstieg in die Politik fiel bei BMW auch die IT aus

BMW verschickte aktuell Tausende E-Mails mit einem Link zum persönlichen Abfindungsangebot auf der Konzern-Plattform HR4Me – das Portal verkraftete die hohe Zahl an Zugriffen nicht und fiel zeitweise aus. Die Autobauer sind auch aufgrund ihres politischen Aktionismus unter Kritik.

Die BMW-Zentrale in München. IMAGO / Panama Pictures
Die BMW-Zentrale in München.

Das Interesse an den Abfindungsangeboten des Konzerns war so groß, dass das Portal von BMW immer wieder ausfiel, Tichys Einblick wurde ebenfalls über diese Mail-Aktion und die Folgen informiert. Nun sei die Panne wieder behoben, BMW äußerte sich nicht zum Ausfall. Ein Sprecher wollte den Massenansturm der von Kündigungen bedrohten Mitarbeiter gegenüber regionalen Medien nicht bestätigen, das Angebot sei aber wieder verfügbar.

Bis Ende 2027 sollen weltweit bis zu 8.000 der 85.000 Stellen der BMW AG wegfallen, vor allem im indirekten Bereich: Verwaltung, Entwicklung und Planung. Die Werke sollen erhalten werden. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht geplant, der Abbau soll über die übliche Fluktuation und durch freiwillige Abfindungen laufen. Ziel ist eine Einsparung von einer Milliarde Euro im Jahr, der Betriebsrat stimmte dem Programm zu. Der neue Vorstandschef Milan Nedeljkovic, seit Mai im Amt, nannte als Standortnachteile die 35-Stunden-Woche und die Bürokratie in Deutschland. Die Gesamtzahl von einem Wegfall von 8.000 Jobs wollte der Autohersteller so auch nicht bestätigen – diese Zahl sei „viel zu hoch“, hörte Tichys Einblick bei der Nachfrage in München.

Haltung statt Leasing
BMW steigt in die Politik ein: Kein Dienstwagen für die AfD
Nicht nur die Krise auf dem chinesischen Markt und die Folgen des Iran-Kriegs belasten Absatz und Marge von BMW: Noch schädlicher für die Verkaufszahlen ist ein neuer politischer Aktionismus des Autobauers. BMW zog das Angebot für die Verlängerung des Leasingvertrags zurück, der dem Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt persönlich zugeordnet ist. Das ist künftig Tobias Rausch von der AfD.

Diese Leasingvertrag-Stornierung wurde am Freitag bekannt. Rausch schrieb daraufhin dem Vorstand, er habe das Verhalten von BMW mit Verwunderung und Enttäuschung zur Kenntnis genommen – der Vertrag sei nur Stunden nach seiner Wahl zurückgezogen worden. Eine öffentliche Begründung gab BMW nicht. Der Vertrag über den Siebener des CDU-Vorgängers Reiner Haseloff läuft noch bis November, danach beginnt die BMW-freie Zeit für den Landtagspräsidenten. Die AfD-Abgeordnete Beatrix von Storch fragte dazu bereits auf X bei Elon Musk um einen Tesla an. Und Sachsen-Anhalts AfD-Fraktionschef Ulrich Siegmund kündigte an, aus Solidarität auf Simson-Mopeds umzusteigen.

Zorn-Tsunami auf X und Facebook

Die Social-Media-Plattformen X und Facebook sind nun voll mit Statements von Unternehmern und auch privaten BMW-Kunden, künftig keine bayerischen Autos mehr zu kaufen oder zu leasen: Das offensichtlich als politisches Statement verordnete Leasing-Verbot gegen einen Landtagspräsidenten der AfD kommt im gesamten deutschen Sprachraum extrem schlecht an. In der aktuellen Krise des Autobauers ist eine derartige Negativ-Werbung alles andere als hilfreich.

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