Sechs Jahre lang arbeitet Kerstin Zimmermann als Erzieherin für die Caritas. Dann kandidiert die Bodybuilding-Weltmeisterin auf einer AfD-Liste – und wird fristlos entlassen. Nur eine Woche später zieht sie mit überzeugendem Votum in den Ortsrat Salzgitter West ein. Eine schallende Ohrfeige für die Caritas und ihren Vorstand. Zimmermann zieht wegen der Kündigung nun vor Gericht.
Mehr als sechs Jahre arbeitet Kerstin Zimmermann (43) als engagierte Erzieherin im Sonderkindergarten „Arche Noah“ in Salzgitter für die Caritas. Bei Eltern und Kindern ist sie beliebt. Dann kommt die Kündigung, datiert auf den 7. September 2026. Fristlos. Hat sie gestohlen? Kinder schlecht behandelt? Ihre Arbeit verweigert?
Schlimmer: Zimmermann tauchte auf der AfD-Liste für den Ortsrat Salzgitter West als Kandidatin auf. Parteimitglied ist sie nicht. Doch schon diese Kandidatur soll genügen, um sie vor die Tür zu setzen. Ein christlicher Wohlfahrtsverband, der Nächstenliebe zu seinem Auftrag erklärt, entzieht einer langjährigen Mitarbeiterin damit von einem Tag auf den anderen die berufliche Existenz.
Kerstin Zimmermann ist geschockt: „Unser Ziel ist es, jedem Kind individuelle Entwicklungsmöglichkeiten sowie bedingungslose Teilhabe an der Gemeinschaft zu ermöglichen. Durch das Zusammenspiel unserer verschiedenen Bereiche erleben die Kinder jeden Tag wichtige Grundwerte wie Vielfalt und Toleranz. Gemeinsam erlernen sie wichtige Fähigkeiten für ein soziales Miteinander sowie die eigene Persönlichkeitsentwicklung. So heißt es auf unserer Homepage. Allerdings gilt das wohl nicht für das Verhältnis der Caritas zu ihren Mitarbeitern.“
Hinzu kommt ein sportlicher Promi-Effekt: Kerstin Zimmermann ist amtierende Bodybuilding-Weltmeisterin des Verbandes NAC International in der Klasse „Miss Physique“. Noch am 6. Juni 2026 gewann sie im lettischen Riga vor Sandra Kaspari aus Deutschland und Aree Tvedten aus Norwegen. Bereits bei der Weltmeisterschaft 2025 im norwegischen Larvik hatte sie den zweiten Platz erreicht – innerhalb eines Jahres führte ihr Weg von der Vizeweltmeisterin zur Weltmeisterin.
Hinter diesen Erfolgen stehen Trainingsdisziplin, Ausdauer und eine anspruchsvolle Wettkampfvorbereitung. Die Frau, die ihre berufliche Zukunft bei der Caritas verliert, hat sich auf internationaler Bühne durchgesetzt – und wurde nun weniger als eine Woche nach ihrem Rauswurf von den Bürgern mit überzeugendem Votum in den Ortsrat gewählt.
Und das mit politischer Sprengkraft. Zwei Kandidaten reichten, um die CDU vor Ort zu pulverisieren. Kerstin Zimmermann und ihr Lebenspartner Mario Kapser haben mit der AfD-Liste bei der Ortsratswahl West in Salzgitter mit 3.123 Stimmen gleich 27,77 Prozent erreicht. In Gebhardshagen, Calbecht, Engerode und Heerte kam die CDU auf gerade einmal 1.658 Stimmen und nur noch 14,75 Prozent – die AfD holte damit fast doppelt so viele Stimmen wie die Partei mit dem „christlich“ im Namen. Zimmermann erhielt persönlich 396 Stimmen, Kapser 393; beide sind gewählt, eigentlich doppelt, denn die Stimmen hätten für vier Sitze gereicht. Ob ihre sportliche Bekanntheit zum Wahlerfolg beigetragen hat, lässt sich aus den Stimmenzahlen nicht ablesen. Auch stadtweit wurde die AfD nach dem vorläufigen Ergebnis mit 27,39 Prozent stärkste Kraft, vor SPD mit 25,85 und CDU mit 23,23 Prozent.
Eine schallende Ohrfeige für die woke pseudochristliche Caritas und ihren undemokratischen Vorstand. Vor diesem Hintergrund erhält die fristlose Kündigung Zimmermanns durch die Caritas besondere politische Brisanz: Nach Mitteilung ihres Rechtsanwaltes Dirk Schmitz M.A. genügte dem Vorstand der Caritas Salzgitter e.V. Andreas Janizki nur ihre bloße Kandidatur auf einer AfD-Liste. Schmitz: „Welche Botschaft sendet ein christlicher Wohlfahrtsverband damit an knapp 30 Prozent der AfD-wählenden Bewohner Salzgitters? Wie begegnet die wesentlich staatsfinanzierte Caritas den Wählern, den Angehörigen betreuter Menschen oder Heimbewohnern mit derselben politischen Überzeugung? Fliegen die auch raus? Jedenfalls ist unsere Klage raus.“
Nach Darstellung der beliebten Sportlerin gab es weder Loyalitätsverstöße im Arbeitsalltag noch einen „ergebnisoffenen Dialog“. Die Caritas habe ein klares Ultimatum gestellt: Kandidatur oder fristlose Entlassung. Sollte sich dieser Ablauf bestätigen, sprechen nicht nur gewichtige Gründe gegen die Wirksamkeit der Kündigung. Strafrechtlich liegt hier Nötigung vor.
Arbeitsrechtlich muss ein kirchlicher Arbeitgeber darlegen, um welche konkrete Pflichtverletzung es sich handelt. Die Kandidatur auf einer AfD-Liste reicht dafür nicht. Denn diese ist parteien- und staatsrechtlich besonders geschützt.
Auch die kirchliche Grundordnung gibt keinen Freibrief. Ein Verstoß gegen grundlegende kirchliche Werte und eine Beeinträchtigung der Glaubwürdigkeit der Kirche durch die bloße Kandidatur wird vor den Arbeitsgerichten keinen Bestand haben. Zimmermann arbeitete als Kindergärtnerin ohne Leitungsfunktion.
Die seit dem 1. Januar 2023 im Bistum Hildesheim geltende Grundordnung stellt in Art. 7 Abs. 2 auf öffentlich wahrnehmbares außerdienstliches Verhalten ab, das grundlegende kirchliche Werte verletzt und dadurch die Glaubwürdigkeit beeinträchtigt. Art. 7 Abs. 3 nennt unter anderem öffentliches Eintreten für Fremdenhass. Eine Kandidatur für die AfD ist dafür völlig unzureichend.
Vorstand Andreas Janizki gab damit die Egonummer. Während die Freistellung noch von drei Führungskräften unterzeichnet wurde, nannte die spätere Kündigung nur noch dessen Namen. Auch die Mitarbeitervertretung hat Janitzki mit seiner Kündigungsanhörung gespalten.
Rechtsanwalt Schmitz: „Beschämend für einen Verband, der die Nächstenliebe auf seine Fahnen geschrieben hat und mit folgendem Statement vollmundig wirbt“:
Es gibt Ereignisse im Leben, die uns aus der Bahn werfen. Da ist es gut, jemanden an seiner Seite zu wissen. Not sehen und Handeln – unter diesem Motto arbeiten, unterstützen und beraten wir Menschen in Salzgitter seit mehr als 60 Jahren. Für Sie bedeutet das: Wenn es einmal schwierig werden sollte, sind wir für Sie da …
Rechtsanwalt Schmitz weiter: „Ich werde Kerstin Zimmermann wieder an ihren Arbeitsplatz klagen. Hier geht es nicht nur um Arbeitsrecht, sondern gelebte Demokratie. Janitzki ist gut beraten, die rechtswidrige Kündigung unverzüglich zurückzunehmen, um weiteren Schaden von der Caritas abzuwenden.“
Das ist nach der 60-jährigen Martina Müller der zweite bekannte kirchliche Kündigungsfall wegen AfD-Mitgliedschaft in Niedersachsen.


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Diese üblen Funktionäre, nicht nur in der Politik, sondern auch in öffentlichen Ämtern, können sich alles erlauben, weil sie Rückendeckung haben, von der „Zivilgesellschaft“ und vor allem von einer vielfach gleichgeschalteten Justiz. Rechtsstaat war gestern, wenn wir den wieder haben wollen, gibt es nur eine Wahl…
Unsere Funktionäre, der Feudaladel, sehen ihren Stand oberhalb der Wähler bedroht.
Und wenn die Reste unserer Demokratie dabei zu Grunde gehen, die Funktionäre und ihre Schragen wollen ihren erlogen Platz nicht räumen.
Dir Kirche sucht manisch einem einem 2ten Bonaparte, der sie wieder nachhaltig säkularisiert.