Berliner Zoo streicht den Affen die Bananen

Neuer Tierversuch in der Hauptstadt: Der Zoo hat Gorillas, Orang-Utans, Schimpansen und Bonobos das Obst gestrichen. Stattdessen gibt es nur noch Gemüse. Berlins Primaten leben jetzt im geschlossenen Fenchelvollzug.

IMAGO / Scherf

„An apple a day keeps the doctor away“ – ein Apfel am Tag erspart den Arztbesuch: Das haben wir ja alle als Kinder gelernt. Doch in diesen verrückten Zeiten müssen wir alle wohl von liebgewonnenen Weisheiten Abschied nehmen.

Selbst an Orten, wo wir das gar nie erwarten würden.

Der Zoo Berlin ist immer noch der artenreichste Tierpark der Welt. Die Vielfalt wird jetzt allerdings empfindlich beschnitten – und zwar bei der Verpflegung. Die Menschenaffen, kein Witz, bekommen kein Obst mehr, sondern nur noch Gemüse.

Möhre statt Mango. Paprika statt Pfirsich. Brokkoli statt Banane.

In freier Wildbahn fressen Primaten natürlich am liebsten Früchte. Die wurden ihnen bisher auch im Zoo serviert. Doch, oh Graus, was haben besorgte Ernährungsberater feststellen müssen? Das nicht selten in Gewächshäusern angebaute Obst aus Europa enthält viel mehr Fruchtzucker als das Naturobst zum Beispiel in den kongolesischen Bergwäldern.

Die Bonobos, Gorillas, Orang-Utans und Schimpansen im Zoo haben einen ähnlich ungesunden Lebenswandel wie viele ihrer Pfleger und viele der Besucher. Vor allem bewegen sie sich zu wenig. Da sie gleichzeitig über das gezüchtete Obst deutlich mehr Fruchtzucker zu sich nehmen, als sie es in freier Wildbahn täten, droht ihnen eine typische Berliner Zivilisationskrankheit.

Sie werden zu fett.

Tierische Parallelen

Von einer höheren Warte aus betrachtet, wird der ganze Vorgang geradezu unheimlich.

Denn so wenig, wie wir Bürger des Landes zum Beispiel der Zuckersteuer entkommen können, die unser Finanzminister über uns brachte – so wenig können die Insassen des Affenhauses der Süßstoffwende entkommen, die ihr Zoodirektor angeordnet hat.

Vielleicht sollte man den Gedanken offensiv weiterdenken. Vielleicht sollten wir grundsätzlich alle Ideen von Lars Klingbeil und von Friedrich Merz und von Bärbel Bas künftig zuerst im Zoo ausprobieren – in einem räumlich begrenzten, sicher umzäunten Reallabor und unter (tier)ärztlicher Aufsicht.

Je länger man darüber sinniert, desto mehr erscheint das als eine großartige Perspektive für die deutsche Politik.

Regierung im Tierversuch

Die nächste Rentenreform probiert man bei den Galápagos-Schildkröten aus, das Heizungsgesetz im Pinguinhaus, die Vermögensteuer bei Entenonkel Dagobert (falls Disney ihn ausleiht).

Der Zoo böte dem Finanzminister eine nie versiegende Quelle von Ideen. Was kann einem da nicht alles einfallen? Eine Birnenabgabe! Ein Fruktosezuschlag! Oder das hier: die Melonenmaut!

Auch die politische Kommunikation ließe sich elegant testen. Dem Gorilla nimmt ein bedauernswerter Tiertherapeut morgens eine Banane weg; mittags erklärt ein Zoopädagoge, man müsse die soziale Teilhabe des Silberrückens sichern; abends erscheint Lars Klingbeil mit einer aus dem Zuckerschoten-Sondervermögen bezahlten Gurke vor dem Gehege und verkündet: „Wir lassen niemanden zurück.“

Da würde der Finanzminister womöglich zum ersten Mal einem Wesen begegnen, das dem SPD-Chef seine Meinung über die Regierung mit bemerkenswerter Präzision entgegenschleudert.

Im Wortsinn.

Vielleicht sollten auch wir uns ein Beispiel am Zoo nehmen. Wir sollten aufhören, unseren Berufspolitikern Zucker dorthin zu blasen, wo die Sonne nicht scheint. Wir sollten sie auf Rohkostdiät setzen.

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