Hitzeflaute für deutsche Windkraft: ohne Kohle bräche die Versorgung zusammen

Jedes Jahr wieder: Liegt ein Sommerhoch über dem Land, herrscht Windstille. Die 31.000 Turbinen liefern kaum Strom. Das Rezept der Energiewende-Ultras dagegen: noch mehr Windparks.

picture alliance / ZUMAPRESS.com | Matias Basualdo

Jedes Jahr im Hochsommer berichten deutsche Medien aufgeregt über die Nicht-Nachricht, dass einige wenige der 56 französischen Reaktoren und das Schweizer Kernkraftwerk Beznau herunterfahren – nicht, weil die Hitze der Technik schadet, sondern um die Fauna der Kühlflüsse zu schonen. „Zu heiß für Atomstrom“, desinformierte etwa der SWR kürzlich sein Publikum. Die sommerliche Drosselung der Kernkraft macht in Frankreich auf das Jahr gerechnet gerade ein Minus bei der Stromerzeugung von maximal 0,3 Prozent aus.

Auf der anderen Seite schafft es ein wirklich wichtiges Thema nie in den deutschen Altmedien: Liegt im Sommer eine Hitzeglocke über Mitteleuropa wie im Juni 2026, dann bricht die Windstromerzeugung fast zusammen. Denn ein langandauerndes stationäres Hoch bedeutet immer: Es geht kaum ein Luftzug. In einem Land wie Deutschland, dessen Stromerzeugung sich nach der politischen Doktrin überwiegend auf Wind-Strom stützen soll, führen die heißen Wochen Jahr für Jahr vor: Die Versorgung eines (Noch)-Industrielandes mit wetterabhängigen Anlagen funktioniert nicht.

Der Blick auf die Stromerzeugung der Woche 26 zeigt das beispielhaft: Die gut 31.000 Windturbinen an Land trugen in diesen Tagen mickrige 8,7 Prozent zur Stromerzeugung bei, die gut 1700 Anlagen auf See gerade 2,5 Prozent. Die Stromerzeugung macht wiederum gerade 20 Prozent der deutschen Primärenergieerzeugung aus. Allein die installierte Leistung der Windkraft an Land beträgt 68.067 Megawatt. Das nützt nur nichts, wenn sich unter dem blauen Himmel fast nichts bewegt. In der Woche 26 trugen (wieder einmal) die fossilen Energieerzeuger die Hauptlast: Braunkohle steuerte 16,2 Prozent bei, Gas lieferte 9,3 Prozent, Steinkohle 5,8 Prozent. Hauptenergieträger der Woche waren Solaranlagen mit einer Einspeisung von 40,6 Prozent. Deren Leistung fällt allerdings nachts auf null.

Die stationären Hochdruckzonen liegen fast jeden Sommer über Deutschland – mal länger, mal kürzer. Nicht nur in der sogenannten Dunkelflaute, sondern auch im Juni bis August bleiben die Lichter in der Bundesrepublik nur dank der fossilen Kraftwerke an, von denen auch das Merz-geführte Kabinett genauso wie die Ampel-Koalition bis 2035 den größten Teil stilllegen will. Nordrhein-Westfalens Regierung plant den Kohleausstieg sogar schon bis 2030. Die neuen Gaskraftwerke, die dann bei Sommer- und Dunkelflaute einspringen sollen, stehen noch auf dem Planungspapier. Und: Sie erzeugen, wenn sie einmal stehen, den nötigen Strom sehr viel teurer als abgeschriebene Kohlemeiler.

RWE-CEO Markus Krebber stellte kürzlich in einem WELT-Interview fest, das Stromangebot in Deutschland sei in den vergangenen zehn bis 15 Jahren „um rund 100 Terawattstunden gesunken“. Und zwar durch die Abschaltung grundlastfähiger Kraftwerke.

Das Fazit der völlig gescheiterten deutschen Energiewende lautet: Auch 2026, auch nach hunderten Milliarden Subventionen sind Wind- und Solaranlagen weit davon entfernt, Deutschland zuverlässig mit Elektroenergie zu versorgen. Die Kohle macht den Strom des angeblichen grünen Vorreiters Deutschland zum am drittstärksten CO2-Belasteten in der EU (nach Polen und Tschechien).

Die Antwort der Jetzt-Erst-Recht-Energiewendefraktion auf diese Zahlen lautet: Dann müssen eben noch mehr Windräder errichtet werden. Für Turbinen in Schwachwindgebieten, die bei jeder Flaute als erste stillstehen, reicht Umweltminister Carsten Schneider (SPD) eine üppige Sonderförderung aus.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 8 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

8 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Wilhelm Roepke
17 Minuten her

Die SPD und Frau Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern legen in Umfragen wieder zu. Es ist wie 1944. Erst als das letzte Dorf in Schutt und Asche lag und amerikanische Panzer durchbrachen, ließ man vom braunen Sozialismus ab. Und jetzt wieder: erst wenn der letzte keinen Strom mehr aus der Steckdose bekommt, werden wir vom grünen Sozialismus ablassen.

Zebra
23 Minuten her

Einer trage des anderen Last. Ich habe keine Lust, die Last von Idioten zu tragen – es nützt mir aber nichts. Was kann ich tun? AfD wählen und unterstützen tue ich schon. Wir sind Gefangene.

Donostia
28 Minuten her

Das Land lässt sich nicht reformieren. Erst wenn Hunger und Kälte für die Breite Masse zur Normalität werden, sind dies die Zutaten zur Revolution gegen das Altparteienkartell. Mittlerweile begrüße ich es, wenn der grüne Wahnsinn sich beschleunigt, denn das bedeutet, dass die Umkehr schneller kommt. Dem Einzelnen bleibt nur vorzusorgen, indem er sein Vermögen aus dem Einflussbereich der EU bringt, um nach dem Neustart eine bessere Ausgangsposition zu haben. Alles Phantasien? Nee glaube ich nicht, denn alle politischen Hebel werden in Gang gesetzt um zu erfahren wer was besitzt. Vermögensregister usw. Erst wenn es nichts mehr zu holen gibt, und… Mehr

hansgunther
33 Minuten her

Da wollen wir aber doch hin, dunkle, stille Nächte inklusive. Der Bau der Flutungsleitung vom Rhein zum rheinischen Braunkohlerevier zum endgültigen Absaufen der Braunkohlereserven wurde auch feierlich eingeleitet, kommt also. Die Stillegung der Kohlekraftwerke hat wohl auch schon ein Datum. Kein wirklicher Ersatz vorhanden noch im Bau, ja höchst umstritten, wieder sind’s die Linken, Grünen und Kommunisten, auch die der CDU/CSU!
Der kommunistische Wahnsinn mit roter und giftgrüner Brühe wirkt immer noch und immer mehr. Niemand hat wohl vor, das zu stoppen oder zu verhindern?

giesemann
37 Minuten her

Das ist nicht nur bei uns so.

U.S.
51 Minuten her

Die Ur Deutschen sollen länger arbeiten als bis 70, weniger TV schauen (ausschließlich OeRR TV und Trash TV), mehr Fahrrad fahren/ weniger Autos, …dann verbrauchen sie weniger elektronische Energie ( die Germoney bei Bedarf von Ländern mit AKWs gegen Gebühren importiert), 🙊🙉🙈

Jan Frisch
56 Minuten her

Schon verrückt, dass diese Mathematikallergiker nicht einmal den kölschen Karnevalsklassiker kennen: „Dreimol Null iss Null iss Null, denn mer wore in der Kayjass op der Schull …“

twsan
1 Stunde her

„Ohne Kohle bräche die Versorgung zusammen“.

Na – das ist doch für die rot-grün-schwarze Deutschland-verrecke-Fraktion ein hervorragender Grund, den Kohlestrom entgültig abzuschaffen.

Aktion Merz-Merkel!!!

Last edited 53 Minuten her by twsan