Syrien: Ahmed al-Scharaas „strategische Reserve“

Thilo Schneider würde 900.000 Syrer als „strategische Reserve“ als Druckmittel sehen. Aber, sagt er, das ist alles nur Herumspinnerei. So etwas sei in der Realität nicht denkbar.

picture alliance / Chris Emil Janßen | Chris Emil Janssen
Ahmed al-Scharaa in Berlin (März 2026)

„Eine ‚strategische Reserve‘ ist eine geplante und organisierte Lagerung von Gütern oder Ressourcen, die in außergewöhnlichen Lagen zur Sicherstellung der Funktionsfähigkeit eines Systems oder einer Gesellschaft dient. Diese Reserven können in verschiedenen Kontexten existieren, wie z.B. in der Energieversorgung, der Nahrungsmittelversorgung oder im Bereich der nationalen Sicherheit. Ihr Hauptzweck ist es, kritische Engpässe zu überbrücken und die Abhängigkeit von externen Lieferketten zu reduzieren.“

Erinnern Sie sich noch an die wunderbare Gipfelkonferenz zwischen dem Bundeskanzler Friedrich Merz und dem jetzt lieben, da „unserem“ Islamistenführer Ahmed al-Scharaa, dem derzeitigen Warlord Syriens? Damals geisterte die Zahl von „80 Prozent aller syrischen Gäste“ durch den Raum, die Friedrich Merz in ihr nun befriedetes und wunderbares Heimatland zurückführen wollte. Woher die Zahl kam, weiß bis heute niemand, al-Scharaa und Merz spielen hier Zitate-Pingpong, wie bei streitenden Geschwistern hat natürlich immer „der andere angefangen“.

In diesem Zusammenhang sprach der syrische „Außenminister“ Asaad al-Schaibani auf X folgende Worte: „Wir bekräftigen erneut: Die Syrer in der Diaspora sind ein strategisches nationales Gut und keine Belastung. Wir lehnen jegliche Versuche der Zwangsumsiedlung entschieden ab und arbeiten eng mit unseren Partnern zusammen, um die Infrastruktur wiederherzustellen und ein sicheres Umfeld zu schaffen, das der freiwilligen und würdevollen Rückkehr gerecht wird.“

Der Satz ging ein wenig unter, sorgte nur für ein kurzes „Hä?“ in der Presse und fiel alsbald der medialen Vergessenheit anheim. Lassen wir ihn für ein paar Leseminuten einfach einmal so stehen.

Ich bin kein Kriegsherr und erst recht kein siegreicher Kriegsherr. Bekäme ich jedoch die Möglichkeit, ein anderes Land mit starken wirtschaftlichen Ressourcen und einer schwachen Bevölkerung zu infiltrieren – ich würde das tun. Zuerst einmal, weil sich das so anbietet. Beispiele für das „Einsickern“ von fremden Truppen finden sich beispielsweise in den Ostgebieten der Ukraine mit ihren berühmten „grünen Männchen“, die nichts anderes als getarnte russische Truppen waren.

Ab einer bestimmten Masse würde ich versuchen, das dort bestehende System zu unterwandern. Ich würde sehen, dass meine Leute in verantwortungsvolle Positionen in Regierung, Verwaltung, Medien, Polizei und Justiz kommen. Diese Personen müssten in sich gefestigt sein, nationalistisch, ideologisch oder religiös, nicht, dass sie mir am Ende noch zum „Feind“ (der noch gar nicht weiß, dass er einer ist) überlaufen. Ab dann könnte ich indirekt oder sogar direkt auf die Politik meines Gegners Einfluss nehmen. Dabei wiederum sind zwei Szenarien denkbar: Die „neu Hinzugekommenen“ bilden aus sich heraus eine eigene Nomenklatura und nehmen so allmählich aber irreversibel Einfluss auf den Staat, bis sie schließlich zur beherrschenden Kaste werden.

Die andere Möglichkeit ist, dass ich meine „fünfte Kolonne“ schon im Land habe, durch Einschleusung und Überzeugung, und nur aktivieren muss, damit sie loslegt. Ein Rundruf und der Aufstand oder die Rebellion ist da. Sehr schön zu sehen beim „Anschluss Österreichs“ oder in der „Sudetenkrise“. Jetzt noch ein „Hilferuf der benachteiligten Bevölkerung“ und die Truppen fallen ein.

Also, so würde ich es versuchen. Es schadet also nichts, Schläferzellen oder eine „strategische Reserve“ in einem anderen Land zu platzieren.

Spinnen wir ein wenig herum. Reine Verschwörungstheorie. Nur so zum Spaß. Mein Land ist ziemlich verwüstet, aber etwa 975.000 meiner Landsleute leben in der Diaspora und, im Verhältnis zu dem, wo sie herkommen, sogar ganz gut. Geld läuft monatlich aufs Konto und wird dann an die lieben Verbliebenen daheim gesendet. Nun erklärt mir der Präsident des Aufnahmelandes, dass er mir gerne etwa 800.000 Leute zurücksenden würde. Das ist keine gute Idee. Für mich, denn dann entgehen mir deren Devisen.

Um dem Präsidenten klarzumachen, dass ich sein Begehr eher suboptimal finde, könnten auch einige dieser 975.000 Landsmänner mobilisert werden, um Druck aufzubauen. Auf der Straße, in den Parlamenten oder anderswo. Viele braucht es nicht, um ein Problem für die Regierung des Gastgeberlandes zu werden.

Dazu würde ich eine „strategische Reserve“ als Druckmittel brauchen. Aber, wie gesagt, das ist alles nur Herumspinnerei. So etwas ist in der Realität nicht denkbar.


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Kommentare ( 48 )

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48 Comments
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Dieter Rose
16 Tage her

Nicht denkbar? Ja, mit dem Denken haben es unsere Regierenden nicht so arg.

luxlimbus
14 Tage her

Echte Gruselmomente am Bildschirm!  Eine ähnliche Ignoranz durfte ich einmal bei einer 3Sat Magazinsendung mit Moderatorin Cécile Schortmann plus einer Frau aus Afrika, als Gast, erfahren. Es ging um das Verhältnis von Afrika zu Europa, und umgekehrt. Während Frau Shortmann eine gemeinsame rosarote Zukunft diagnostizierte, versteifte sich ihr Gast auf die Behauptung, dass die Europäer zum Arbeiten da seien, dass es ja bereits deren traditionellen Rolle sei, währenddessen die Afrikaner sich besser zum „leben“ eignen würden – und so eigentlich, auf den positiven Tenor einer glorreichen gemeinsamen Zukunft Replik nehmend, – mit meinen Worten – „so allen geholfen sei“. Als… Mehr

deltacenter
16 Tage her

Was diese Figuren ablehnen oder nicht,interessiert mich null! Als die Syrer hierher kamen hat mich auch keiner gefragt ob oder ob nicht ! Also …der Krieg ist vorbei …geht nach Hause ,schnell! Versucht es mal mit Arbeit ,einem friedlichem Miteinander und baut euer schönes Land zu etwas friedvollem und glücklichem um . Nur geht endlich und kümmert euch selbst um euere Angelegenheiten und euer Land ! Da könnt ihr reschpeckt fordern und auch selber erbringen !

hansgunther
16 Tage her

Es laufen die offenen Unterwanderungen, angeführt durch Islamisten, in der Hinterhand die gemäßigten, die ohne jeden Zweifel am Ende, wenn es darauf ankommt, ihnen folgen werden. Alles gewollt, finanziert, gebilligt von diversen arabischen Staaten inklusive Erdogan und seinen Grauen Wölfen. Die Ditib ist auch schon da! Die Türken sind die Vorfeldbasis, der Millionen unterschiedlichster Herkunft, aber mit dem Koran unterm Arm. Sie alle stehen als Schattenarmee gegen das europäische Erbe in seiner Gänze! Ihnen zu arbeitet, der gesamte deutsche Parteienstaat, auf allen Ebenen, in allen gesellschaftlichen Bereichen. Alles hat den ideologischen grün-linken, kommunistischen Anstrich der Vernichtung des Eigenen und der… Mehr

Haedenkamp
16 Tage her
Antworten an  hansgunther

Danke für einen der klarsichtigsten Kommentare überhaupt.

E.Frei
9 Tage her
Antworten an  hansgunther

So ist es, die wahren Feinde und Verräter der Aufklärung und Freiheit sitzen in den eigenen Reihen und der „Point of no return“ scheint immer näher zu rücken.

Kassandra
16 Tage her

Sehen Sie – Sie haben es verstanden.
Erfolgsmeldungen von denen, die uns regieren, sagen immer aus, für welche Seite sie arbeiten.

Thomas S62
16 Tage her

Also Entschuldigung Herr Gastautor, aber ein bischen Geschichtswissen hat noch niemanden geschadet.
Das mit Österreich und dem Sudetenland ist doch in keinster Weise mit der syrischen Invasion vergleichbar.
Beide, Österreicher wie Sudetendeutsche, sind Deutsche, die 1000 Jahre in Deutschland gelebt haben – und damit meine ich nicht das tausendjährige Reich, sondern das Heilige römische Reich deutscher Nation –
und nur die unseligen Friedensdiktate von Versailles, Saint Germain en Laye und Trianon, die 1919 verhindert haben, das sich die Deutschen wiedervereinigen, haben zu 1938 geführt.
Einfach mal etwas recherchieren

Kassandra
16 Tage her
Antworten an  Thomas S62

Tja. Diese wahren Flüchtlinge und auch die Heimatvertriebenen haben hier nach dem Krieg klaglos angedockt, in die Hände gespuckt und mit für das deutsche Wirtschaftswunder gesorgt.
Was aber auch aussagt, dass sie dort, wo sie über Jahrhunderte lebten, Fremdkörper geblieben sein mussten.
So viel zu „Integration“ – wiewohl u.a. zwischen Slowaken und Deutschen wenigstens die Religion noch stimmte.

RiverHH
16 Tage her

Was soll diese überflüssige Diskussion? Die Syrer (und all die anderen aus aller Herren islamischer Länder) gehören in ihre Heimat. Ich will die hier nicht. Diese brandgefährliche Ideologie Islam ist unser Untergang. Unsere letzte Chance: Remigration und Grenzen zu. Da „unsere“ Politikdarsteller mit „ihrer“ Demokratie unser Land systematisch zerstören ist die AfD unsere wohl letzte Chance!!!

Innere Unruhe
16 Tage her

Zählen Sie ruhig andere Migranten dazu – Eritrea, Somalia, Afghanistan, andere…. auch Ukrainer…
Bisher habe ich keine Statistik gesehen, die das Verhältnis der Männer im kämpffähigen Alter angibt: Deutsche vs. Migranten und dann aufgeschlüsselt nach Herkuftsländern….
Migranten werden stets zu der gesamten Bevölkerung in Bezug gesetzt. Dabei haben wir kaum Ü50 Schutschuchende in relevanter Zahl.

Kassandra
16 Tage her
Antworten an  Innere Unruhe

„Dabei haben wir kaum Ü50 Schutschuchende in relevanter Zahl.“
Wie können Sie das wissen?
Mit dem Familiennachzug kommen auch Urgroßeltern – und bekommen hier Alimentierung.

Innere Unruhe
16 Tage her
Antworten an  Kassandra

Sie haben Recht. Ich kann es nicht wissen, es ist eine Schätzung.
Es wäre gut, hier genaue Statistiken zu sehen.
Ich hoffe, Tichys Einblick hält diese Frage auch für relevant.

Innere Unruhe
16 Tage her

„Jetzt noch ein „Hilferuf der benachteiligten Bevölkerung“ und die Truppen fallen ein.“
Man hat Angst, Putin würde Baltische Staaten angreifen, um die ethnischen Russen dort zu schützen.
Deutsche Migrationspolitik setzt Deutschland derselben Gefahr aus und multipliziert sie sogar: Syrien, Türkei, Ukraine, Afghanistan, Afrika….

Das kann man auch europäisch betrachten: wir haben viele Migranten aus China, Indien, Südamerika…

Was passiert, wenn diese Länder auf die Idee kommen, ihre Bürger würden in Deutschland „Hilfe und Schutz“ benötigen?

Haba Orwell
16 Tage her
Antworten an  Innere Unruhe

> Man hat Angst, Putin würde Baltische Staaten angreifen, um die ethnischen Russen dort zu schützen.

Von mir aus kann er sie sich genauso holen wie das gesamte Banderastan. Erst in Polen und Buntschland kann es kaum Russen geben – es sei denn, die „Ukros“ hier kommen plötzlich darauf, die seien eigentlich Russen. Da erst angekommen, kann sich Putin gerne ebenso alle holen (falls er für sie Verwendung sieht), aber ohne Ländereien.

Daniel Petersburger
16 Tage her

Mal abgesehen, dass Anschluss, Sudetenland, etc. krachend gescheitert sind, gibt es die strategische Reserve schon, aber für Deutschland. Syer und Iraker, also Araber, haben eine rechtskonservative Grundeinstellung ( Arbeit, Familie, Religion) sind also nicht links verdorben.Eine AFD Regierung könnte dieses Potential nutzen, um nach Vorbild von France Afrique, Deutsch- Arabien zwischen Mittelmeer und Euphrat und Tigris entstehen zu lassen. Dazu braucht es nicht viel. Die Araber in Deutschland sind nicht alle dumm, so wie nicht jeder Jude klug ist. Es braucht nur etwas Bildung, egal ob Handwerk, Studium, Sprache sowie Freiheit zu handeln. Als Folge wird der Austauch an Waren,… Mehr

Haba Orwell
16 Tage her
Antworten an  Daniel Petersburger

> Syer und Iraker, also Araber, haben eine rechtskonservative Grundeinstellung ( Arbeit, Familie, Religion) sind also nicht links verdorben.

So hoffte ich früher, aber im Frühjahr ging ich in Hattingen zufällig an einer Moschee-Baustelle vorbei, wo am Bauzaun gepriesen wurde, wie „klimaneutral“ das Ding sein soll. Besser, gerade in dieser Hinsicht hätten sich die Muslime nicht integriert.

Mausi
16 Tage her

„Die Syrer in der Diaspora sind ein strategisches nationales Gut und keine Belastung. Wir lehnen jegliche Versuche der Zwangsumsiedlung entschieden ab und arbeiten eng mit unseren Partnern zusammen, um die Infrastruktur wiederherzustellen und ein sicheres Umfeld zu schaffen, das der freiwilligen und würdevollen Rückkehr gerecht wird.“
So geht EU konforme Formulierung von „Initiativen“. Auch der europäische Gerichtshof oder der der EU – welcher auch immer zuständig wäre – würden dem zustimmen und alle Klagen abweisen.

Last edited 16 Tage her by Mausi