Deutschlands Schulen: Hauptsache gleich, notfalls gleich schlecht

Deutschlands Schulen scheitern nicht am Klima, sondern an Jahrzehnten pädagogischer Gleichmacherei. Leistung wurde verdächtig, Unterschiede sollten wegreguliert werden. Mit dem Ergebnis, dass Eltern Lesen, Schreiben und Rechnen inzwischen privat nachholen lassen müssen. Nur der Staat beaufsichtigt sein eigenes Versagen weiterhin zuverlässig.

picture alliance / maxppp | L. Theillet

Was hat der Klimawandel mit der Schulmisere zu tun? Alles, antwortet der gläubige Grüne. Man muss die Kette nur lang genug spinnen, dann erkennt man: Klimawandel bedeutet mehr Dürre. Dürre bedeutet schlechtere Ernten. Schlechtere Ernten bedeuten mehr Hunger. Mehr Hunger bedeutet mehr Flüchtlinge. Mehr Flüchtlinge bedeuten mehr Schüler, die kein Deutsch können, weil sie an deutschen Schulen alles Mögliche lernen, nur kein Deutsch. Sie werden um ihre Bildungschancen betrogen, und daran ist der Klimawandel schuld.

Umgekehrt geht es genauso gut. Dann gilt: Klimawandel bedeutet mehr Regen. Mehr Regen bedeutet mehr Überschwemmungen. Mehr Überschwemmungen bedeuten schlechtere Ernten. Schlechte Ernten bedeuten weniger Getreide, weniger Getreide bedeutet mehr Hunger, mehr Hunger bedeutet mehr Flüchtlinge, mehr Flüchtlinge bedeuten mehr Kinder, die um ihr Recht auf Bildung geprellt werden, weil deutsche Schulen überhitzt sind und man in überhitzen Schulen nichts lernen kann.

Was tun? Vielleicht dasselbe wie der Intendant der Berliner Volksbühne, also ein Schwimmbad vor jeder Schule aufstellen, in dem sich Schüler und Lehrer vom Unterricht in überhitzten Klassenräumen entspannen und erholen können. Scheidet leider aus, weil das Schwimmbad Muslims diskriminieren könnte, die vom Schwimmen nicht viel halten, vom gemeinsamen Schwimmen schon gar nicht. Kommt also auch nicht in Frage.

So bleibt der Traum vom Fortschritt auf der Strecke. Hatten die Grünen denn nicht die Erziehung in Sommerhill gepriesen, in einer Schule, deren Direktor Neill – „Neill, Neill, Birnenstiel“, wie er sich selbst gern nannte – Lehrer*innen und Schüler*innen zwar vom gemeinsam Unterricht, aber nicht vom gemeinsam Nacktbaden dispensieren wollte, dabei auch selbst mit gutem Beispiel voranging? Da gab es was zu gucken, so machte die Emanzipation endlich einmal Spaß. So ähnlich wie in der Odenwaldschule, deren Direktor den Sexualkundeunterricht gern im Bett erteilte, soweit bekannt, nicht nur an kleine Jungs, sondern auch – Gleichstellung! – an kleine Mädchen. Bi war damals ja schon Mode, divers, trans, inter oder queer noch nicht.

Modewissenschaften haben nicht mehr zu bieten als Moden; und die wechseln. Kein Humbug, den die Erziehungswissenschaft nicht propagiert hätte: Schreiben nach Gehör, Schule ohne Noten, ohne Angst und ohne Leistung – Schulangstforschung galt als seriöses Fach, in dem man promovieren konnte. Dieselben Pädagogen, die uns gestern noch die Raucherecke auf jedem Schulhof als Rechtsanspruch verkaufen wollten, verdammen sie heute als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Statt der Raucherecken fordern sie jetzt die Rückzugsräume, in denen die Schüler unter sachkundiger Anleitung „Puff für alle“ spielen lernen. Besonders beliebt in Schulen, deren Personal unter den unmenschlichen Auflagen des Zölibats zu leiden hat.

Das große, bis heute unvergessene Versprechen heißt Gleichheit, genauer: Chancengleichheit. Der Weg dorthin führt über die bewusst leistungsheterogen gebildete, aus starken und schwachen Schülern zusammengesetzte Klasse – ein menschenfreundliches Vorhaben, so lange man nicht vergisst, dass Gleichheit sich auf zwei ganz verschiedenen Wegen herstellen lässt: dadurch, dass man alle gleich stark oder alle gleich schwach zu machen sucht. Das zweite Ziel ist leichter zu erreichen, und deshalb hat sich die staatlich betriebene Gleichstellungsindustrie für den zweiten Weg entschieden.

„Gleiche Lernziele, gleiche Lernerfolge“ oder, einfacher und primitiver: „Alle Schüler schaffen es!“ hieß die amtliche Devise. Da „es“ eine unbestimmte Größe war, fühlte sich ein progressiver Gesamtschullehrer dazu ermutigt, seine Schule zur atomwaffenfreien Zone zu erklären und seinen Unterricht auf Friedenspädagogik einzudampfen. Als einige besorgte Eltern danach fragten, wo ihre Kinder denn nun lesen und schreiben lernen sollten, erklärte der gute Mann: „Zu Hause!“

Und so geschah es denn auch. Eltern, denen es mit den Kulturtechniken ernst war, brachten ihren Kindern das Lesen, das Rechnen und das Schreiben nun selbst bei, schickten sie zur Nachhilfe oder griffen, wenn genug Geld da war, auf die ehrwürdige Institution des Hauslehrers zurück. Das war natürlich gegen das Programm, musste also verhindert werden. Es machte den Schulerfolg ja von der sozialen Herkunft abhängig, und das war gefährlich, denn Eltern sind Laien und Dilettanten, die erst einmal einen Erziehungsführerschein, ausgestellt von irgendeinem Bürgerbüro, erwerben müssen, bevor man sie auf ihre Kinder loslassen darf.

Karin Prien, auf Bundesebene für Bildung, Familie und Gedöns zuständig, scheint das immer noch zu glauben. Sie vergleicht die Bildung mit einer Schere, die bei der Geburt geschlossen ist, sich bis zum Alter von sechs Jahren aber immer weiter öffnet – und von der Schule dann so gut es eben geht wieder geschlossen werden muss. Das ist, wie jeder, der Kinder kennt und liebt, bestätigen wird, ein groteskes Zerrbild. Die Schere ist ein Produkt aus Erbe und Umwelt, bewegt sich deshalb ständig und lässt sich deshalb niemals wieder schließen. Überdies gibt es Scheren ganz unterschiedlichen Kalibers, Nagel- und Heckenscheren zum Beispiel, und selbst Frau Prien dürfte es nicht schaffen, aus einer Nagel- eine Heckenschere zu machen.

Wenn ihr schon alles gleichmachen wollt, hat ein kluger Mann einmal gesagt, dann fangt doch jedenfalls nicht bei den Köpfen an! Aber genau das haben die Bildungsforscher, Bildungsplaner und Bildungspolitiker gemacht. Und machen es immer noch. Ihr Ideal ist nicht die Wiese mit ihren vielen schönen bunten Blumen, sondern die gleichmäßig geschorene Rasenfläche. Eltern, denen die Blumen lieber sind, schicken ihre Kinder zur Schülerhilfe, die sich unter der Fuchtel von Gleichstellungspolitikern zu einem Geschäftszweig mit Milliardenumsatz entwickelt hat. Kann man sich einen überzeugenderen Beweis für den Verfall der öffentlichen Schulen wünschen? “Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates“, heißt es im Grundgesetz. Von wegen!

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Kommentare ( 16 )

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Britsch
24 Tage her

Der Schulleiter einer Grund und Hauptschule hat bereits vor Jahren gesagt das wichtigsdte in Der schule sei den Kindern Politik, Kunst, Kultur Reden, Redernschwingen beizubringen, ganz wichtig Theatertbesuche und andere „Kulturveranstaltungen,m Zu Demonstrationen Gehen, wie nman so etwas Macht, organisiert. Rechnen, Lesen, schreiben usw. das könnten die Eltern serlber beibringen. Nehme mal an, da wurden die Anforderungen auch so gesenktm daß auch die schlechteren Schüler gute noteb bekamen. daß duie besseren unterfordert und nicht gefördert wurden, die lust verlieren interessiert ja nicht. Bildung von Linken und „Grünen“ „Experteb“ und gleichmachern al zuzkunftsweisenmd und „gerechte“ Gleichschaltung eingeführt und gefördert. Im „Bildungs“… Mehr

Deutscher
24 Tage her

Keiner soll mehr ertragen müssen, dass ein Anderer besser ist. Besser sein ist böse, böse, böse!

Britsch
24 Tage her
Antworten an  Deutscher

Denen die im Kopf oder sonst wie besser sind muß man das abgewöhnen und austreiben

Apfelmann
25 Tage her

Vor allen braucht es mehr männliche Lehrkräfte. Jungen schneiden in der Schule immer schlechter ab und schaffen es immer seltener in die Uni. Dieses Tendenz soll sich sogar noch intensivieren. Evtl. könnten männliche Lehrer besser Jungen fördern im Unterricht sodass wir wieder ein besseres Gleichgewicht der Geschlechter bekommen.

Endlich Frei
25 Tage her

Mir berichtete ein Berufsschullehrer, der kurz vor seiner Pensionierung verpflichtet wurde, auch Integrationskurse zu geben, schon vor 25 Jahen von hoffnungslosen Zuständen in den Klassen. Man könne sich das nicht vorstellen, wenn man es nich mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört habe. Der Unterricht habe 0,0% Effiziens, sei völlig sinnbefreit, selbst die simpelsten Dinge seien vielen Goldstücken – falls überhaupt anwesend – nicht vermittelbar. Der Steuerzahler versenke hier Milliardenbeträge, mit denen man frühe jede gute Schule zu einer Topschule hätte machen können. Am Ende für nichts.

Last edited 25 Tage her by Endlich Frei
Haba Orwell
25 Tage her
Antworten an  Endlich Frei

> Der Unterricht habe 0,0% Effiziens, sei völlig sinnbefreit, selbst die simpelsten Dinge seien vielen Goldstücken – falls überhaupt anwesend – nicht vermittelbar.

Immer wieder sieht man, dass die angeblich grandiosen Bio-Michels keineswegs schlauer sind.

Deutscher
24 Tage her
Antworten an  Haba Orwell

Immer wieder sieht man, dass die angeblich integrierten Bio-Olegs keineswegs integriert sind.

Last edited 24 Tage her by Deutscher
Endlich Frei
25 Tage her

Klar ist, dass in Deutschland, als es noch eine weitgehende homogene Bevölkerung gab, das Bildungsniveau doppelt so gut war.
Wer Sarrazin gelesen hat, wusste, dass es nur steil nach unten gehen konnte.
Der nächste logische Schritt (siehe USA) sind Privatschulen. Allerdings in Deutschland nur für eine überschaubare, reiche Schicht. Denn die staatlichen Schulen werden, auch wenn ungenutzt, durch hohe Steuerabgaben ja weiterhin durch jedermann finanziert.

Heute machen Leute das „Abitur“, die früher nach der 10. Klasse nicht versetzt worden wären….(wenn sie überhaupt so weit gekommen wären).

Last edited 25 Tage her by Endlich Frei
Haba Orwell
25 Tage her
Antworten an  Endlich Frei

> Klar ist, dass in Deutschland, als es noch eine weitgehende homogene Bevölkerung gab, das Bildungsniveau doppelt so gut war.

Es liegt nicht bloß an der homogenen Bevölkerung, sondern weil man damals Spinnereien unterlassen hat. Rannten damals freitags ganze Schulen „für Klima“ hüpfen?

Elisabeth5
25 Tage her

Genauso. Ich habe praktisch die gesamte Schulzeit meines Sohnes private Hauslehrerin spielen müssen, weil ich kein Geld für Nachhilfe hatte. Das war quasi eine Nebenjob von mir. Neben der Erwerbstätigkeit. Was wir erlebt hatten, auf Schulen mit gutem Ruf, war unfassbar. Weder wurde in der Grundschule Lesen und Schreiben beigebracht, noch auf dem Gymnasium in den ersten 4 Jahren Mathematik. Eine Nullnummer, Lief alles privat. Griechisch konnte ich nicht beibringen. Und teure Griechischlehrer fanden sich auch nicht. Nach 3 Jahren Griechisch-Unterricht konnte mein Sohn noch nichtmal die Buchstaben. Es erschienen „Lehrer“, die nichts beibrachten. Nach 5 Jahren Lateinunterricht wurden immer… Mehr

Haba Orwell
25 Tage her
Antworten an  Elisabeth5

> Griechisch konnte ich nicht beibringen.

Ich habe nie im Leben Griechisch gelernt – wofür braucht man das überhaupt? Einmal im Leben machte ich Urlaub in Athen, wo man sich auf Englisch verständigen konnte.

Moses
24 Tage her
Antworten an  Haba Orwell

Dies dient der besseren allgemeinen Entwicklung von Kultur und Gehirn.
Im späteren Lebensabschnitt verzögert dies den Ausbruch von Alzheimer.

LiKoDe
25 Tage her

Schon 1960 ruinierte die damalige Kultusministerkonferenz (KMK) mit der Saarbrücker Rahmenvereinbarung die gymasiale Oberstufe, weil man vermutete, dass das Schulziel nun lauten müsse ‚Denken statt Wissen‘.

Dabei standen und stehen Denken und Wissen in gegenseitiger Abhängigkeit. Das eine geht nicht ohne das andere und umgekehrt.

Schüler wurden in der gymnasialen Oberstufe fortan nicht mehr untrennbar in Physik+Chemie+Biologie+Mathematik unterrichtet und geprüft, mit der Folge, dass künftige Akademiker nicht mehr umfassend naturwissenschaftlich gebildet waren.

Weil man damit die gymnasiale Oberstufe noch nicht genug ruiniert hatte, folgte dann 1974 die refomierte Oberstufe. Von Allgemeinbildung konnte man dann nicht mehr sprechen.

joly
25 Tage her

Abi 1974; die Umfrage des Klassenlehrers wer was werden wollte ergab 80% Beamte oder städtische Angestellte. Der Rest wusste noch nicht genau was er machen sollte. 60% der Beamte tendierten zum Lehramt. Gefragt warum: Halbtagsjob, gut bezahlt, massig Urlaub. Es sind die Falschen die Lehrer werden

Teiresias
25 Tage her

Es begann mit Willy Brand.
„Nivellierungspolitik“ haben sie es genannt.
Die Herkunft sollte nicht mehr über den Bildungserfolg entscheiden, der Vorsprung, den Akademikernachwuchs gegenüber Arbeiterkindern hat, sollte in der Schule eingeebnet werden.
Die Schule änderte dadurch ihre Rolle von der Bildungsvermittlung zur Sozialklempnerei.
Heute geht es nicht mehr um Gleichheit Akademiker/Arbeiter, es geht um die diskriminierungsfreie Gleichheit zwischen deutschen und Migrantenkindern aus Ländern wie Syrien mit einem durchschnittlichen IQ von 74.
Da ist kein Platz mehr für schriftliches Dividieren. Sie können es nicht lernen.

Damit vernichtet die Bildungspolitik die einzige Ressource, die Deutschland hatte.

OJ
25 Tage her

Schulen mit bis zu 100 % Ausländerquote zeigen die Perfektion unseres Systems:
Wohnungsnot, Integrationsverweigerung und politisches Wegsehen arbeiten hier endlich mal Hand in Hand.
Warum auch durchmischen, wenn man das kollektive Scheitern so schön sauber an einem einzigen Ort konzentrieren kann❗

Last edited 25 Tage her by OJ