Über Sicherheit und Gerechtigkeit im Zeitalter nach Merkel

Mit seiner These „Innere Sicherheit ist die neue soziale Gerechtigkeit“ trifft Nickolas Emrich einen Nerv. Viele erleben alltäglich, was er beschreibt und aufgreift, trauen sich aber keine Reaktion zu. Genau das will Emrich ändern. Ein Aufruf zu Zivilcourage und Rechtsdurchsetzung in widrigen Zeiten.

Nickolas Emrich ist sicher kein Schreibtischtheoretiker. Der 1987 in West-Berlin geborene Autor hat als Franchise-Unternehmer, Streifenpolizist, Polizeiausbilder im Fach Strafprozessordnung und schließlich auch U-Bahnfahrer seine Stadt aus ganz unterschiedlichen Perspektiven erlebt. Inzwischen hat er sich als Autor von Bestsellern etabliert. Nun ist es mit diesen Shortlists so eine Sache. Sie spiegeln erst einmal nur das initiale Interesse wider, das sich in den Vorbestellungen ausdrückt. Der wirkliche Erfolg eines Buchs und sein Einfluss können sich offenbar erst danach erweisen. Genau dieser Einfluss wäre Emrichs neuem Buch zu wünschen.

Denn der Blick aus vielen Perspektiven macht die Stärke dieses Bandes aus. Emrich kennt nicht nur die erdrückende Bürokratie aus Unternehmersicht, er kennt auch die Brennpunkte der Polizeiarbeit und die schutzlose Auslieferung gegenüber der Verwahrlosung des öffentlichen Raums als U-Bahnfahrer. Was er beschreibt – vermüllte Bahnhöfe, ignorierte Störer und den schleichende Rückzug vieler aus dem öffentlichen Raum –, ist keine abstrakte Klage, sondern beruht auf eigenen Beobachtungen.

Plädoyer für eine innenpolitische Kehrtwende
»Ohne Sicherheit keine Freiheit. Ohne Freiheit keine Demokratie.«
Intrigierend ist vor allem seine Neufassung der sozialen Gerechtigkeit, die bisher meist romantisch verbrämt als sozialistisches Schwert gegen Freiheit und Eigeninitiative genutzt wird. Emrich löst den Gerechtigkeitsbegriff wieder von der Umverteilung und stellt fest: Wenn der öffentliche Raum zum herrenlosen Niemandsland wird, trifft das vor allem jene, die sich nicht in Taxi, Dienstwagen und Business-Lounges zurückziehen können. Die soziale Frage verändert sich heute vor unser aller Augen. Wer auf Bus, Bahn, Schule und die Sicherheit im Viertel angewiesen ist, den treffen die Folgen der Verrohung und der staatlichen Resignation am härtesten. Das ist keine ideologische Behauptung aus dem Elfenbeinturm, sondern eine empirisch untermauerte, in wahrstem Sinne erfahrungsgesättigte Einsicht, die Emrich mit konkreten Beispielen belegen kann.

Seine Antworten stammen zum Großteil aus der Praxis des Polizisten und Polizeiausbilders und sind klar und handfest: Null Toleranz gegenüber kleineren Vergehen im Sinne der Broken-Windows-Theorie, mehr Untersuchungshaft für Wiederholungstäter, schnellere Verfahren, Einstellung von Verfahren möglichst nur mit Auflagen, fürderhin ein eigener Straftatbestand für Angriffe auf die Infrastruktur (Vulkangruppe!) und eine realistische Neubewertung der Strafunmündigkeit, schließlich härtere Strafen für Sexualdelikte, die bekanntlich infolge der Invasion nahöstlicher Immigranten seit 2015 steil zugenommen haben. Dabei geht es Emrich darum, genau jene Täter zu treffen, die das Gemeinwesen in Frage stellen. Und so kann man an fast jedem seiner Vorschläge den Handlungsbedarf der wokisierten „Zuwanderungsgesellschaft“ erkennen.

Zielsichere Maßnahmen gegen das Unrecht, kein allmächtiger Staat

Als Liberaler und Hayek-Anhänger wünscht sich Emrich dabei keinen allmächtigen Staat und distanziert sich ausdrücklich von dem neuen staatlichen „Durchgriff“ auf die Meinungsfreiheit. Sein Fokus liegt auf denjenigen, die den öffentlichen Raum für alle unsicher machen – und auf dem Schutz der Opfer statt auf der Romantisierung von Täterbiographien.

Emrich ist auf dem Boden geblieben, das lässt sich sagen. Seine Bücher sind auch eine Art „Hillbilly Elegy“ für Deutschland – auch wenn sie Olaf Scholz wohl nicht die Tränen einschießen lassen. Sein Stil bleibt dabei stets sachlich, ohne billige Empörung. Das macht sein Buch umso wirkungsvoller. Es beginnt mit dem Bibelwort „Der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein“ und endet bei der praktischen Forderung nach mehr Zivilcourage. Echter Friede, auch für die Opfer schwerer Straf- und Gewalttaten – das ist Emrich ein wirkliches Anliegen.

Tichys Lieblingsbuch der Woche
„Wir verlieren dieses Land“ - oder der Medienkrieg
Dass er schon das Anzeigen von Straftaten zum Formenkreis von Mut, Courage und Engagement zählt, sagt mehr über den Zustand der Gegenwart aus als vieles andere. Eine Gesellschaft, in der es der Courage bedarf, um den Rechtsstaat anzurufen, hat offenbar nicht allein die „soziale“, sondern die elementare Gerechtigkeit – die Gleichheit aller vor dem Gesetz – seit langem vernachlässigt. Tatsächlich denkt man an 1000 Fälle, wenn man Emrichs Zeilen liest: das Ausländeramt, in dem Einbürgerungen per Faustrecht erworben werden; die Schulen, an denen ebenso das „Recht des Stärkeren“ gilt; Innenstädte, die nicht nur vermüllen und verwahrlosen, sondern auch Brutstätten des Unrechts sind.

Emrichs Vorschläge sind stets von Umsicht geprägt. Letztlich legt er aber den Finger in die Wunde und zeigt zugleich konkrete Lösungswege (vor allem aus polizeilicher Sicht) auf. Wer die alltägliche Unsicherheit in deutschen Städten und Verkehrsmitteln nicht länger hinnehmen will und nach einem erfahrungsbasierten Gegenentwurf sucht, findet in diesem Buch eine präzise Auswertung von Ist und Soll, die das öffentliche Gespräch über innere Sicherheit und Gerechtigkeit neu erden kann.

 

Nickolas Emrich: Der Preis unserer Toleranz. Warum innere Sicherheit die neue soziale Gerechtigkeit ist. Deutscher Wirtschaftsbuch-Verlag, Paperback, 176 Seiten, 18,00 €.


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Kommentare ( 11 )

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Dieter Rose
17 Tage her

Um einen Bademantel hat er sich schon gekümmert!

KorneliaJuliaKoehler
24 Tage her

Die Überschrift müsste eigentlich ……..seit! Merkel heißen.
Ansonsten gilt von jeher „keine Toleranz für Intolerante“. .

Innere Unruhe
24 Tage her

Zivilcourage kann in der Wahlkabine ausgeübt werden.
Da die Politik sich nicht um die innere Sicherheit kümmert, steht der Wähler vor der Wahl – AfD oder weiter so.
Hier muss jeder an seine eigene Sicherheit denken. Nicht an die einer Fatima, die von ihrem Ehemann „im Krieg“ zurückgelassen wurde, während er sich nach Deutschland abgesetzt hat.

Ho.mann
24 Tage her

Den hohen Preis, den wir für unsere Merkel-Toleranz noch immer bezahlen, führt uns nahtlos zum Lehrgeld, das wir nun auch unter Merz’s Führung völlig gerechtigkeits – und sicherheitsbefreit für unsere auferlegte Vogelfreiheit bezahlen müssen.

Unsere Staatsdiener auf Zeit drehen derweil völlig frei und sie schädigen dabei maximal ihren Arbeitgeber, der es aber wiederum nicht schafft seine unsäglichen Angestellten, trotz erdrückender Straftatbestände, in die Wüste zu schicken. Was bleibt ist ein Arbeitsverhältnis, wo die Angestellten ihren Arbeitgeber befehligen, ausbeuten und enteignen. Die dystopische Zukunft ist daher bereits da und sie manifestiert sich bereits täglich immer mehr.

Dundee
24 Tage her

„Zeitalter nach Merkel“ Wir sind immer noch mittendrin in Merkels Zeitalter. Wenn die Politik trotz anderer Wahlen, seit zwei Legislaturen EXAKT so ist wie unter Merkel – dann ist die Politik immer noch unter Merkel. Sie steuert mit ihrem Dutzend Mitarbeitern, die sie nahtlos aus dem Kanzleramt mitnahm, die wie Merkel selber und auch ihr Friseur vom Steuerzahler bezahlt werden, mit Hilfe der von Merkel eigens für diesen Zweck umgebauten VS und BND, SÄMTLICHE Politiker und SÄMTLICHE Medien von „ihrem“ Büro aus, Platz der Republik 1, 11011 Berlin. Warum sonst fragt kein Journalist mal, was ich seit mehr als einem… Mehr

Haba Orwell
24 Tage her
Antworten an  Dundee

> Wir sind immer noch mittendrin in Merkels Zeitalter.

Merkel ist lediglich eine „Global Leader“ des WEF, damit ist es eigentlich WEF-Zeitalter. Die Marionetten mögen ausgetauscht werden, die Strukturen mit der Agenda bleiben.

Dundee
23 Tage her
Antworten an  Haba Orwell

Merkel ist nicht lediglich eine Global Leader Marionette, wie alle Politiker, sogar Söder oder Wüst, es sind. Sie ist einer der Köpfe, vielleicht sogar DER KOPF des WEF. Sie IST das WEF. Wer sonst, der anderen „Global Leader“, hat NACH seiner offiziellen Amtstätigkeit ein Büro mit den exakt gleichen Mitarbeitern direkt aus seiner Amtstätigkeit? Merkel wurde vier Mal gewählt. Baute in der Zeit ihre persönliche Machstruktur auf. Und behält nach offiziellem Ausscheiden aus ihrem Amt die exakt identische Machtstruktur, die sie selber aufbaute ! Mit einem Büro an einer Fünfsterneadresse, mit fünf Einsen im Schriftzug. So was gibt es auf… Mehr

MaxVanMoritz
24 Tage her

Ein sterbendes Volk voller Feiglinge rufen wir mal zum Mut?

Harry Charles
24 Tage her

DER LINKSGRÜNE FEUDALISMUS ist eine perfide Form von Sozialdarwinismus. Ich versuche mal, die Logik der linksgrünen Bourgeoisie zu entwirren: jeder will ja für „reich“ und „edel“ gehalten werden, und der Reiche kann sich Gutmenschphrasen ja in der Tat locker leisten. Dem Reichen kann es egal sein, ob der Liter Sprit 2 oder 10€ kostet, er zahlt jeden Preis und gibt sich dann als edler „Klimaretter“. Dem Reichen kann es auch egal sein, ob illegale Massenmigration ein Land verhunzt, er kann sich eine ganze Horde privater Bodyguards leisten (z.B. um sich vor Drogenkriminalität zu schützen, Kokain nimmt er vielleicht sogar ganz… Mehr

Schwabenwilli
24 Tage her

Die Lösung heißt Remigration.
Das haben die Spanier nach 800 Jahren auch gelernt……… und machen jetzt die gleichen Fehler wieder.

Dieter Rose
17 Tage her
Antworten an  Schwabenwilli

Die Spanier haben gelernt, aber keine Lehren daraus gezogen – sehenden Auge ins Verderben! So was nennt man tragisch. Mag im Theater ganz gut anzuschauen sein, im wirklichen Leben für die gezwungenermaßen mitwirken „Müssenden“ wird es hart, sehr hart!