Anti-Korruptions-Razzia: Selenskyj feuert Spitzenbeamtin

Nur Stunden nach dem Start einer großen Anti-Korruptions-Operation in der Ukraine hat Präsident Wolodymyr Selenskyj seine Stellvertretende Leiterin des Präsidentenamtes, Iryna Mudra, entlassen. Bei der „Operation Forrest Gump" kam es auch zu Hausdurchsuchungen in Mudras Wohnung und an ihrem Arbeitsplatz.

picture alliance / PA Images | Niall Carson

Das Nationale Antikorruptionsbüro (NABU) und die Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAPO) starteten am Mittwoch mehrere Razzien bei hochrangigen Beamten, Abgeordneten sowie Managern der staatlichen Sense Bank.

Ukrainische Medien wie Ukrainska Prawda, Kyiv Post und Censor.NET berichten, dass auch Iryna Mudra (51) zu den Tatverdächtigen zählen soll – die zweifache Mutterswar bisher Stellvertretende Leiterin des Büros des Präsidenten der Ukraine (Office of the President).

Fluchtversuch
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Sie arbeitete also eng mit Selenskyj zusammen und war für alle rechtlichen Angelegenheiten, für die Justizreform, für die internationale rechtliche Aufarbeitung der russischen Invasion (einschließlich der Förderung eines Sondertribunals) sowie für Fragen der Wiedergutmachung und Sanktionen zuständig.

Irina Mudra sei laut den Ermittlern in diesen neuen Korruptionsfall involviert: Nach Angaben des NABU soll eine mutmaßliche kriminelle Organisation, an der Abgeordnete, sowie hochrangige Mitarbeiter des Präsidentenamtes und Spitzenmanager der Sense Bank beteiligt gewesen sein sollen, 150 Millionen Hrywnja – umgerechnet 3,4 Millionen US-Dollar – in bar über Briefkastenfirmen und Konten der staatlichen Bank gewaschen haben.

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Das Geld sei genutzt worden, um die Kaution für den früheren Energieminister Herman Haluschtschenko zu stellen, der im vergangenen Jahr in den Mittelpunkt des 100-Millionen-Dollar-Korruptionsskandals „Operation Midas“ geraten war. Die Kaution wurde Ende im Juni hinterlegt.

Die Korruptionsermittler des NABU veröffentlichten Abhörprotokolle, aus denen der Name der Operation stammt. In einem Mitschnitt sagt ein Tatverdächtiger: „Wir haben ‚Saving Private Ryan‘, oder? Aber nur ein Idiot würde den Diebstahl von Geld – und noch die Bezahlung der Ausbildung der Kinder – auf die eigenen Kinder schreiben. Deshalb ist es wohl ‚Forrest Gump‘.“

Selenskyjs Spitzenbeamtin schwer belastet

In weiteren Aufnahmen ist eine als stellvertretende Leiterin des Präsidentenamtes identifizierte Frau zu hören, die formuliert: „Korruptionsbekämpfung ist der falsche Ansatz … Korruption muss systematisiert und kontrolliert werden.“ Das NABU nannte Iryna Mudra in der offiziellen Stellungnahme nicht direkt, bestätigte jedoch Durchsuchungen bei einer Stellvertreterin des Präsidentenbüros.

Ermittlungen und Rücktritte
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Ukrainische Quellen wie ZN.ua und UA.NEWS identifizierten sie klar als Tatverdächtige. Auch gegen den Abgeordnete Wadym Stolar (ehemals Opposition Platform – For Life) und den Ex-Abgeordnete Maksym Mykytas sowie gegen die Bankvorstände Mykola Hladyschenko und Oleh Stupak werde ermittelt.

Die „Operation Forrest Gump“ knüpft direkt an die vorangegangene „Operation Midas“ an – in diesem Verfahren ging es um Schmiergelder von zehn bis 15 Prozent bei Aufträgen des staatlichen Kernkraft-Konzerns Energoatom. Der Geschäftsmann Timur Minditsch – ein enger Vertrauter und früherer Geschäftspartner Selenskyjs aus der Zeit der Produktionsfirma Kwartal 95 – gilt dabei als zentrale Figur.

Minditsch floh kurz vor den Durchsuchungen im November 2025 ins Ausland und hält sich nach Medienberichten in Israel auf. Bei Razzien in seinem Umfeld wurden große Mengen Bargeld und Luxusgüter sichergestellt, das Foto von seiner vergoldeten Toilette ging über Social-Media-Plattformen um die Welt. Haluschtschenko und weitere Personen, darunter der frühere Leiter des Präsidentenamtes Andrij Jermak, sind bei dieser Causa ebenfalls beschuldigt.




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Kommentare ( 4 )

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Emsfranke
33 Minuten her

…..in diesem Verfahren ging es um Schmiergelder von zehn bis 15 Prozent bei Aufträgen des staatlichen Kernkraft-Konzerns Energoatom……
Täusche ich mich oder bringe ich das was durcheinander, hat nicht der Grüne Patrik Graichen einen lukrativen Posten im Aufsichtsrat von Energoatom?
Ein Freund hat mich gebeten, diesbezüglich doch mal nachzufragen.😉

Last edited 31 Minuten her by Emsfranke
Jens Frisch
36 Minuten her

Ob 3,4 Millionen, 100 Millionen oder hunderte Milliarden – das wäre mir alles egal – wäre es nicht unser Steuergeld.
Ein souveräner Staat hätte längst jede Zahlung an diese korrupten Misthaufen eingestellt!

Sun Zhongshan
36 Minuten her

Darüber gibt es bestimmt heute Abend eine Sondersendung im Ersten!

Adorfer
38 Minuten her

Die Ukraine. Wenn man sich die zig-Milliarden allein aus Dummland vor Augen hält die da ungeprüft dorhin geschoben wurden und werden, kann man eigentlich nur froh sein, dass der dummdoofe deutsche Bürger nicht alles mitbekommt. Es könnte ja sogar sein, dass manche aufwachen und Fragen stellen. Auch die Journalisten sind gefragt oder?