Selenskyj baut erneut die Regierung um: Auch Verteidigungsminister muss gehen

Nach den Feiern und Unterstützungsversprechen in Paris ist Wolodymyr Selenskyj zurück im Regierungs-Alltag: Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko wird als Botschafterin nach Washington weggelobt, und auch Selenskyjs Verteidigungsminister verliert nun nach nur sechs Monaten im Amt seinen Job.

picture alliance / SIPA | Eliot Blondet-Pool

Stabilität sieht dann doch etwas anders aus, die NATO- und EU-Pafrtner bekommen neue Ansprechpartner in Kiew: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat eine weitreichende Regierungsumbildung eingeleitet. Selenskyj begründete den Schritt mit einer „neuen politischen Strategie“: Jeder wichtige außenpolitische Schwerpunkt – vor allem die Beziehungen zu den USA, aber auch zu Polen, Ungarn und die EU-Integration – solle künftig von einem erfahrenen Verantwortlichen mit Durchsetzungskraft betreut werden. Zu diesen Aufgabenbereichen zählten auch die Produktion von Patriot-Luftabwehrsystemen in Lizenz und die Vorbereitung auf einen harten Winter. „Das erfordert eine Erneuerung des Kabinetts“, schrieb der Präsident auf seinen Social-Media-Kanälen. Er dankte Svyrydenko für ihre „klare, stabile und effektive Arbeit“ und bot ihr eine neue, bedeutende Aufgabe in den Beziehungen zu einem „Schlüsselpartner“ an, ukrainische Medien berichten übereinstimmend, dass Svyrydenko als neue Botschafterin in Washington vorgesehen ist.

Ministerpräsidentin war nur zwölf Monate im Amt

Die 40-jährige Ökonomin hatte das Amt der Ministerpräsidentin erst im Juli 2025 übernommen. Zuvor war sie Erste Stellvertretende Ministerpräsidentin und Wirtschaftsministerin und hatte maßgeblich am Rohstoff-Deal mit den USA mitgewirkt. Ihr Rücktritt gilt als Teil einer größeren personellen Neuaufstellung, die bereits seit Wochen hinter den Kulissen vorbereitet wurde.

Als Nachfolger im Amt des Ministerpräsidenten gilt der 48-jährige Serhij Korezkyj: Der Manager aus Luzk leitet seit Mai 2025 den Konzern Naftogaz und zuvor bereits die Unternehmen Ukrnafta und Ukrtatnafta. Unter seiner Führung steigerte das Unternehmen die Öl- und Gasförderung und erwirtschaftete Rekordgewinne trotz massiver russischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur. Selenskyj lobte Korezkyj öffentlich für seine „effektive Arbeit“ an strategisch wichtigen Staatsunternehmen und betonte dessen Eignung zur Bewältigung der bevorstehenden Probeleme im Winter. „Die Prioritäten sind klar, es ist die Vorbereitung auf den Winter“, sagte der Präsident. Korezkyj gilt als unabhängiger, erfahrener Manager ohne enge politische Verstrickungen, der den Fokus auf Energie-Sicherheit und Infrastruktur-Resilienz legen könnte.

Auch Verteidigungsminister Mykhailo Fedorow wird abgesetzt: Der erst 35 Jahre alte Politiker war im Januar 2026 zum jüngsten Verteidigungsminister der Ukraine ernannt worden. Zuvor hatte er als Digitalminister und Vize-Regierungschef die Digitalisierung des Landes vorangetrieben und 2019 die Medienkampagne von Selenskyjs Präsidentschaftswahlkampf geleitet. Als Verteidigungsminister setzte er stark auf technologische Innovationen, insbesondere die Massenproduktion und den Einsatz von Drohnen. In einer ausführlichen Telegram-Stellungnahme zählte er 22 Erfolge auf. Besonders hob er hervor, dass in nur vier Monaten mehr Drohnen beschafft worden seien als im gesamten Vorjahr. Die Abfangquote bei russischen Drohnen sei von 83 auf 91 Prozent, bei Marschflugkörpern von 47 auf 87 Prozent gestiegen. Die Ukraine produziere inzwischen über zehn Millionen Drohnen pro Jahr. Er erwähnte auch Erfolge bei der Störung russischer Starlink-Verbindungen.

Fedorow betonte in seinem Statement, „nicht noch mehr Mitarbeiter entlassen zu haben, die Reformen gebremst hätten“. Er schrieb, es sei eine „große Ehre“ gewesen, dem ukrainischen Volk als Verteidigungsminister zu dienen. Auf X teilte er Fotos aus seiner kurzen Amtszeit, darunter auch Aufnahmen mit dem deutschen Verteidigungsminister Boris Pistorius. Als Gründe für seinen Abgang werden interne Konflikte mit Teilen der militärischen Führung und ungelöste Probleme bei der Zwangsmobilisierung genannt. Sein innovativer, startup-ähnlicher Führungsstil soll auf Widerstand bei der traditionellen Armeeführung gestoßen sein, berichten ukrainische Medien. Als möglicher Nachfolger wird Ihor Klymenko, der derzeitige Innenminister, gehandelt.

Korruptionsermittlungen sollen auch diese Regierungsumbildung in der Ukraine ausgelöst haben: Die ukrainische Botschafterin in den USA, Olha Stefanishyna, muss aus dem diplomatischen Dienst ausscheiden – gegen sie laufen Ermittlungen wegen Korruption im Zusammenhang mit dem Kauf einer Immobilie im ersten Kriegsjahr, damals war sie noch Ministerin für die EU- und NATO-Integration. Stefanishyna hatte den Botschafterposten in Washington erst im August 2025 übernommen.

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Kommentare ( 29 )

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Bernd Schulze sen.
1 Monat her

Die Ukraine hat nur Ex Präsidenten und jede Unterschrift ist wertlos, daß sollte man wissen. Bekommen tut seine Order von der EU und England, Uschi hat sich nicht umsonst, mit Pauken und Trompeten in Kiew, angemeldet. Hallo Putin nicht schießen in bin in Kiew und habe mit jemanden was zu besprechen. Seine Leute in den Ämtern Spuren nicht so, wie wir das wollen. Komisch, man zeigt Bilder von Demonstranten, die gegen den Rausschmiss des Verteidigungsminister sind. Für den der die Zwangsrekrutierung mit zu verantworten hat. Zusehen sind Anwärter für den Schützengraben, dürften aber sicherlich zur Elite zählen und in Munitionfabriken… Mehr

Manfred_Hbg
1 Monat her

NACHTRAG
Nachdem ich mich schon ein Stück weiter unten zu der Entlassung vom ukrainischen Verteidigungsminister Mykhailo Fedorow geäußert und gesagt hatte das laut ukrain. Medien anscheinend Teile der Bevölkerung und Militärs mit der Entlassung Fedorow nicht einverstanden sind, habe ich nun eine kurze Meldung gesehen, dass Fedorow wohl eine größere Pressekonverenz gegeben haben und sich zu seiner Entlassung ausführlich geäußert haben soll. Wobei in dieser kurzen Meldung auch zu lesen war, dass bei M.Federov Entlassung wohl der ukrainische General Syrskyj eine unrühmliche Rolle spielen soll.
Soweit hierzu die neueste Meldung……

Manfred_Hbg
1 Monat her
Antworten an  Manfred_Hbg

P.S. Für jene die es interessiert, hier ein paar Hintergründe zur Entlassung von M.Fedorow. – Demnnach scheint es wohl so, dass es vor allem zwischen M.Federow und den ukrainische Obergeneral Syrskyj mit seinen „Generälen russischer Schule“ schon seit Längerem wegen Federiw’s militärischer vor- und herangehensweise Unstimmigkeitem gegeben hat. Auch scheint es mit Blick auf Syrskyj’s „Generälen altrussischer Schule“ innerhalb mancher ukrainischer Einheiten zu unakzeptablen Vorgehens- und Denkweisen gekommen zu sein was -nicht nur- bei den einfachen ukrain. Soldaten zur Mißstimmung geführt hat. Doch vor allem der Obergeneral Syrskyj scheint dem Präsidenten Selenskyj sehr nahe zu stehen so das es nun… Mehr

Deutsche
1 Monat her

Magyar (Ungarn) baut gerade einen Ein Parteienstaat und Selensky lässt sich von der EU aushalten und eskaliert mit „unserer Hilfe“ den Krieg.
Die Favoriten der Werte EU.
In Deutschland schaut es auch nicht viel besser aus. Maximal geschröpfter Bürger, der gefälligst Altparteien wählen soll. Nach angestrebter Zwangsimpfung mit Plörre kommt „Wirtschaftswachstumskrieg“.

Michaelis
1 Monat her

So wie jetzt die jüngeren ukrainischen Männer, die praktisch nicht mehr ausreisen dürfen, damit man sie auf dem Schlachtfeld opfern kann. UNFASSBAR, dass diese Scheiße noch aktiv von der Drecks-EU unterstützt wird!!!

Kraichgau
1 Monat her

kein Problem,da er seit schon 2 Jahren nicht mehr demokratisch legitimiert ist,kann er auch jetzt seine Korruptionskarussele drehen,wie er mag,die EU wird sich daran nie stören,zuviele Kickbacks hängen an diesem Desaster

Moses
1 Monat her
Antworten an  Kraichgau

Über welche Korruptionsfälle von ihm wissen Sie etwas?

Manfred_Hbg
1 Monat her
Antworten an  Kraichgau

Sorry bitte, aber wie kommen Sie darauf, dass der demokratisch vom Volk gewählte Präsident Selenskyj „seit schon 2 Jahren nicht mehr demokratisch legitimiert ist“?
-> Wenn ich Ihnen einen Vorschlag unterbreiten darf, dann würde ich Ihnen empfehlen mal einen Blick in die ukrainische Verfassung zu werfen und dort unter den Abschnitten „Wahlen während Kriegszeiten“ und „Die Präsidentschaft während Kriegszeiten“.
Dann werden auch Sie erfahren und sehen können, wie sehr doch der Präsident Selenskyj in sein Amt „demokratisch legitimiert ist“.

Britsch
1 Monat her

Bevor man selbst als Ursache, Täter entlarft wird, erden Andere vorgeschoben, Diese beschuldigt und „geopfert“

Last edited 1 Monat her by Britsch
Klaus Kabel
1 Monat her

Selensky und die Ukraine hängen mir sowas zum Halse raus. Der ideale Staat für EU-Uschi, korrupt und kriminell.

Privat
1 Monat her

Jemand hat mir erzählt, das der Massenmörder Elensky früher als Pornodarsteller gearbeitet hat, ja damals sogar im ukrainischen Fernsehen mit einem obzönen pornografischen Auftritt für Abscheu gesorgt hat.
Der war damals schon bekannt wie ein bunter Hund. Und heute wird der von den kranken willigen wie ein Staatsgast empfangen.
Das ist irgandwie pervers.

Moses
1 Monat her
Antworten an  Privat

Lügen zuzuhören ist schädlich.

Manfred_Hbg
1 Monat her

Zitat: „Als Gründe für seinen Abgang werden interne Konflikte mit Teilen der militärischen Führung und ungelöste Probleme bei der Zwangsmobilisierung genannt“ > Mhh, wenn man sich die ukrainischen Medien und Bevölkerungsteile anguckt, dann scheint die Entlassung vom Verteidigungsminister Mykhailo Fedorow in der Bevölkerung und bei bei den ukrain. Militärs wohl doch nicht so eindeutig und klar zu sein. Und auch mir selber sind bezüglich M. Fedorow keine Beschwerden und Klagen und stattdessem eher seine positive Vorgehensweise bei der gesteigerten Massenanfertigung von Drohnen und bei den Erfolgen beim Kampf mit den Drohnen aufgefallen. Nun ja, dann mal schauen was sein Nachfolger… Mehr

Haba Orwell
1 Monat her

Böses Medium heute über gewisse Entität: „SBU-Terror von Monaco bis zur Krim-Brücke: Zivillisten als „biologische Drohnen““ > „… Der tödliche Sprengstoffanschlag auf den Geschäftsmann Wadim Jermolajew im Herzen von Monaco markiert eine beispiellose Eskalationsstufe in den verdeckten Operationen des ukrainischen Geheimdienstes SBU. Die Spuren dieses Attentats führen direkt in ein weitreichendes kriminelles Netzwerk, das sich über ganz Europa und Russland erstreckt. … Die Drahtzieher agieren dabei aus dem Verborgenen und nehmen für ihre zerstörerischen Ziele ohne Zögern massive Kollateralschäden in Kauf.  …“ Für all das wird immer noch Geld aus Westeuropa geschickt, wo man endlich aufhören sollte, über Terrorismus und… Mehr