Schon die Gästeliste wirkt wie eine Schlafpille. Die beiden ehemaligen Kanzleramtsminister Peter Altmaier und Wolfgang Schmidt erzählen von besseren Zeiten, und die ehemalige Spiegel-Zweite Melanie Amann sagt dazu, was sie so glaubt. Spannung am Anschlag also, mit Händen kaum zu fassen. Von Brunhilde Plog
Screenshot ZDF / Markus Lanz
Dass die Sendung schon von vornherein von 75 auf 60 Minuten eingedampft wird, ist ein untrügliches Zeichen. Niemand im ZDF oder in der üppig bezahlten Lanz-Produktionsfirma rechnet offenbar mit interessanten Geschehnissen, von Erkenntnisgewinn gar nicht zu reden.
Und genau so soll es dann auch kommen.
Lanz kündigt vollmundig einen Blick in den „Maschinenraum der Macht“ an, doch was er liefert, ist eine elend langweilige Plauderstunde nach dem Motto „Opa erzählt vom Krieg“. Wolfgang Schmidt fläzt sich wohlig ins Gestühl und erzählt von seiner Zeit mit Olaf Scholz, Peter Altmaier sitzt wie ein Korken im Sessel, doch es platzt kaum etwas aus ihm heraus. Denn dazu ist er zu loyal. Stattdessen erzählt er Döntjes über Angela Merkel, der er weiland treu diente. Dazu eine Melanie Amann (früher Spiegel, jetzt Funke), die zum Besten gibt, was sie alles glaubt und was ihr so alles zugetragen wurde.
Quälend lang müht sich Lanz ab, aus der Runde herauszubekommen, warum die Beliebtheitswerte des Kanzlers der zweiten Wahl (nur noch 13 Prozent, Tendenz fallend) eigentlich so dermaßen im Keller sind. Die korrekte Antwort aber will ihm niemand geben. Dass Friedrich Merz alle Wahlversprechen gebrochen hat, ständig lügt, hunderte einfache Bürger wegen angeblicher Beleidigungen mit Strafanzeigen überzogen hat oder einzelne Fragesteller persönlich in Bürgerfragestunden übel schurigelt, das alles kommt nicht zur Sprache.
Amann mutmaßt, es könne „an der Art liegen, wie er mit den Menschen spricht“. Doch das ist schon Peak-Level der Kritik. Altmaier hingegen äußert sich gar nicht zu Merz, weigert sich sogar auf mehrfache Nachfrage hin. Stattdessen spricht er über die Parteien im Allgemeinen und darüber, dass „die Probleme sehr groß sind“ und dass man nicht alle Wahlversprechen halten könne und dass man Kompromisse machen müsse und dass dann „die Enttäuschung vorprogrammiert“ sei und, und, und – und überhaupt. Na gut, die Diskussion zur Schuldenbremse sei auch „nicht hundertprozentig ehrlich geführt worden“, euphemisiert Schmidt.
Merz habe „auf der nach unten offenen Beliebtheitsskala“ ja sogar Olaf Scholz abgelöst, wirft Lanz genüsslich ein. Ex-Sherpa Schmidt weigert sich, die damals schon erschreckend niedrigen Werte seines Koma-Kanzlers Scholz zu nennen. Er könne sich nicht erinnern, behauptet er. Melanie Amann glaubt, dass das bestimmt nicht stimmt. Und siehe da, wenig später kann Schmidt in anderem Zusammenhang nicht nur die Werte, sondern sogar den jeweiligen Zeitpunkt der Erhebung exakt benennen. Scholz kam in seinen schlechtesten Zeiten auf 18 Prozent.
Wen das alles interessiert? Der Bus mit diesen Leuten hat heute wohl Verspätung. Oder sie fahren mit der Bahn, dann kommen sie gar nicht.
Die Unbeliebtheit nimmt Lanz allerdings zum Anlass, seinen Talk zur einer relativ plumpen Dauerwerbesendung für Angela Merkel zu machen. Freudig sekundiert von Altmaier und Amann, stellt er die Alt-Kanzlerin als Macherin und talentierte Strategin dar. Eine Frau, die aber auch – wie Amann zugetragen wurde – bis in die Nachtstunden mit den Ministerpräsidenten beim Wein saß, um zu erfassen, was im Land so vor sich geht. Merkels Tiefstwert bei der Beliebtheit seien 46 Prozent gewesen – erstaunlich, beachtlich, da schau her; Lanz ist ganz begeistert. Und durchs Studio weht plötzlich ein sehr seltsamer Duft. Es müffelt nach „Eau de Bündesprésident:in“. Man hat den Eindruck, die ganze Runde wolle Merkel auf Teufel komm rein (sic!) irgendwie ins Amt labern.
Sogar der kleine, vergessliche Scholz wird über den grünen Klee gelobt. Altmaier hebt an: „Er hatte auch einen ganz starken Moment. Und das war diese Zeitenwende-Rede. Da saß ich vor dem Fernsehgerät Sonntag morgens, wie viele Millionen Leute in der Republik – und das hat er wirklich gut gemacht.“ Lanz hört stumm zu. Millionen? Sonntags morgens? Er wäre sicher froh, wenn überhaupt noch irgendwann irgendwelche Millionen vor dem ÖRR-Volksempfangsgerät säßen.
Die Runde versteigt sich trotz der knappen Zeit hochprofessionell in allerlei Absurditäten. Altmaier etwa lobt die drei „Reformpakete“ (so nennt er die Einsparprogramme): Das sei „mehr, als man der Regierung nach den ersten Übungen zugetraut hat“.
Höhepunkt: Die Runde lobt Alexander Dobrindt und Jens Spahn als erfahrene Politiker, Sie wüssten, wie Politik funktioniert und könnten Probleme perfekt meistern, befindet der Stuhlkreis am Ende des Regenbogens.
Also ausrechnet Mister Maut und Meister Maske, die den Steuerzahler um Milliarden gebracht haben. Dobrindt war als Bundesverkehrsminister (2013 bis 2017) der zentrale Architekt der gescheiterten Pkw-Maut. Und Jens Spahn hat als Bundesgesundheitsminister (2018 bis 2021) Corona-Masken geordert, die für Milliarden-Beträge erst gekauft, dann gelagert und schließlich verbrannt wurden (und noch immer werden). Sich selbst gönnte er in dieser Zeit eine Villa für vier Millionen Euro, die er zunächst angeblich mit einer Erbschaft bezahlt haben wollte. Bis er zugeben musste, dass es den reichen Onkel gar nicht gab und die Geschichte frei erfunden war.
„Viel gelernt heute“, sagt Lanz am Ende wie immer. Ja, das haben die Zuschauer ganz sicher, über Ehrlichkeit in der Politik und „Journalismus“ am Limit.
Wenn sie nicht zwischendurch eingeschlafen sind.

Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
Wieder mal köstlich von der Autorin kommentiert !
EIN Grund, dankbar für dieses bizarre Meeting bei Lanz d a n k b a r zu sein.
Eine Werbeveranstaltung für gescheiterte und katastrophale Politik.
Ein WEITERER Grund..Sie ersparten mir das Live-Dabeisein……danke, danke, danke….
Fährt Amann zwischen ihren nicht mehr zu zählenden Quasselrunden-Auftritten überhaupt noch nach Hause? Was qualifiziert die dafür, als allgegenwärtige Stimme des Volkes und Erkläbärin zu dienen?
„Blick in den Maschinenraum der Macht“, ja, ja…Ist halt Unterhaltung für die, die immer noch TV glotzen und den ÖRR für eine Quelle der Information halten. Bei Wolfgang Schmidt, Olaf Scholz-Vertrauter, Bundesminister für besondere Aufgaben und Beauftragter für die Nachrichtendienste im Kabinett Scholz denke ich automatisch an Wirecard… und Epstein, mit dem Schmidts Partnerin Philippa Sigl-Glöckner Umgang pflegte und korrespondierte (dazu Video von Stefan Homburg) Sigl-Glöckner ist auch so eine Gestalt, die aufgrund von wer was was für unerfindlichen Gründen bereits im zarten Alter von nicht mal 30 Jahren Karriere im Bundesministerium der Finanzen und anschließend als persönliche Referentin Schmidts… Mehr
Eine WG mit DunzMünstermannQuadbeck.
früher hat sie rumgespiegelt jetzt funkt sie mehr.
Sie sollten mal ihr Maul halten !
Drei Transferleistungsempfänger und eine Märchentante…
Wer ordnet mir das ein?
Unsere Regierung verwechselt reden mit handeln, reden darüber wie sie missverstanden werden mit konkreten Gesetzesvorschlägen oder Anweisungen an die Exekutive. Bei Lanz wird dann darüber geredet, wer was wie schön gesagt hat. Gelegentlich taucht dann mal ein Fakt auf, z.B. die Zahl abgebauter Stellen, und der wird dann ignoriert, umschifft, und am Ende der AfD vorgeworfen sie würde das Land „schlechtreden“. Die Krise des Gesundheitssystems wird genannt, der Grund aber verschwiegen, und im Studio sind sich alle einig, dass die doofen gesetzlich Versicherten jetzt aber den Gürtel enger schnallen müssen, weil doch das Gesundheitssystem so nicht mehr funktioniere. Deshalb kann… Mehr
3 Dinos, deren Mumifizierungsprozeß sich vor laufenden Kameras unaufhaltsam fortsetzt.
Altmaier sieht immer aus wie ein Sitzsack mit Helge Braun drauf ( letzterer allerdings noch zu Zeiten, als er seinen Testosteronspiegel chronisch niedrighalten mußte, um der kleinen Dickmadame nicht ab und zu mal an die Gurgel zu gehen. Nachdem er dort weg war hat der den Spiegel vermutlich wieder anheben lassen und sein Übergewicht verloren.)
Altmaier etwa lobt die drei (… Einsparprogramme): Das sei „mehr, als man der Regierung nach den ersten Übungen zugetraut hat“.
Ausgeschlossen.
Dieser Regierung traut man inzwischen ALLES zu.
Mehr geht nicht.