Das Emirat am Golf, Großaktionär bei VW, bremst einen Rüstungs-Deal mit Israel zur Sanierung des Werks in Osnabrück aus. Wer autoritäre Staaten als Miteigentümer hofiert, verkauft nicht nur Aktien – sondern seine Seele.
IMAGO / Swaantje Hehmann
Volkswagen erhält gerade eine Lehrstunde in Geopolitik. Sie kommt nicht von irgendeiner Universität oder aus irgendeinem „Think Tank“. Sie kommt direkt aus dem Aufsichtsrat.
VW kriselt, das ist inzwischen hinlänglich bekannt. Offen wird über die Schließung kompletter Standorte gesprochen. Das Werk im niedersächsischen Osnabrück gilt als besonders gefährdet. Dort läuft die heutige Fahrzeugproduktion schon im kommenden Jahr aus. Dann stehen mehr als 2.300 Mitarbeiter auf der Straße.
Plötzlich taucht ein weißer Ritter auf. Nach Informationen der BILD-Zeitung will das israelische Staatsunternehmen Rafael Advanced Defense Systems im VW-Werk Osnabrück Komponenten für das Raketenabwehrsystem „Iron Dome“ bauen lassen. Der Deal würde dem akut gefährdeten Standort schlagartig und unerwartet eine neue Perspektive geben.
Doch jetzt lernen sie bei VW, was Globalisierung wirklich bedeutet.
Denn das Emirat Katar ist über seinen Staatsfonds mit 17 Prozent der Stimmrechte und gut zehn Prozent des gesamten Aktienkapitals der drittgrößte Anteilseigner bei Volkswagen. Und das autokratisch geführte Land hat nach BILD-Recherchen mit seinen drei Vertretern im VW-Aufsichtsrat sein Veto gegen den Israel-Deal eingelegt.
Katar genießt selbst in der arabischen Welt keine großen Sympathien. Das Land teilt sich mit dem Iran das weltgrößte Erdgasfeld im Persischen Golf. Auch, aber nicht nur deshalb unterhalten Doha und Teheran stabile Beziehungen. Seit vielen Jahren steht das Emirat weltweit immer wieder in der Kritik. Ihm wird kontinuierliche und systematische Finanzierung internationaler Terroristen vorgeworfen – vor allem der Schlächter von der „Hamas“ im Gaza-Streifen.
Das US-Finanzministerium verhängte nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 Sanktionen auch gegen Akteure in Katar. Es nannte unter anderem einen in Katar ansässigen Finanzvermittler mit engen Verbindungen zum iranischen Regime. Ganz zweifellos kann man sagen, dass Katar zu den radikalsten Israel-Hassern in den Vereinten Nationen gehört.
Das ist der Moment, in dem aus einer abstrakten „Internationalisierung“ plötzlich eine sehr konkrete Unternehmensstrategie wird. Jahrelang galt das schöne Geld aus Katar als höchst willkommenes Kapital. Jetzt zeigt sich: Dieses Geld kommt nicht einfach so. Es wird getauscht nicht nur gegen ökonomische Interessen, sondern auch gegen Geopolitik.
Ganz aktuell gegen ein paar tausend Arbeitsplätze in Deutschland.
Menetekel Osnabrück
Katar ist nicht irgendein Kleinanleger. Katar sitzt im Maschinenraum eines deutschen Weltkonzerns.
Jetzt reicht ein israelischer Kunde, damit ein lukrativer Zukunftsdeal abgesagt wird. Rafael schützt mit seinem „Iron Dome“ israelische Zivilisten vor Raketen. Dieser Schutz soll aber nicht aus Deutschland kommen, weil ein moslemischer Großaktionär seinen Hass auf Juden in den Konzern trägt. Freedom House stuft Katar 2026 als „Not Free“ ein, mit nur 25 von 100 möglichen Punkten. Dieser Staat darf nun dabei mitreden, ob ein deutsches Werk für einen israelischen Verteidigungskonzern produziert.
Oder anders: Deutschland hat seine Kronjuwelen verscherbelt.
Volkswagen ist nur das aktuelle Beispiel. Deutsche Manager haben über Jahre Staaten und Staatsfonds ins Boot geholt, deren politische Struktur fragwürdig ist, um es einmal ganz vornehm auszudrücken.
• Die chinesische BAIC Group ist mit 9,98 Prozent der Stimmrechte größter Einzelaktionär von Mercedes-Benz; weitere wichtige Anteilseigner sind der eng mit dem Regime in Peking verbandelte Chinese Li Shufu sowie der Staatsfonds von Kuwait, „Kuweit Investment Authority“.
• Hapag-Lloyd gehört zu 12,3 Prozent der „Qatar Holding LLC“ und zu 10,2 Prozent dem saudischen „Public Investment Fund“ (PIF).
• Die Deutsche Bank führt die „Paramount Service Holding“ mit 4,91 Prozent als Großaktionär; dahinter steht eine Investorengruppe um den ehemaligen Emir Hamad bin Khalifa Al-Thani.
• Covestro, einst Teil der deutschen Chemiegeschichte, wird inzwischen von Abu Dhabi kontrolliert: Im Dezember 2025 erwarb die ADNOC International Germany Holding 154,5 Millionen Aktien sowie rund 74,33 Prozent der Anteile und Stimmrechte.
• Im Hamburger Hafen hält COSCO Shipping Ports, noch so ein Unternehmen aus dem Kosmos chinesischer Staatskonzerne, knapp 25 Prozent am Container-Terminal Tollerort.
Die angestellten Top-Manager, die sich bei uns so gerne mit richtigen Unternehmern verwechseln, finden vor Lachen kaum in den Nachtschlaf. Denn egal, was passiert: Ihre Millionen-Einkommen sind gesichert. Sie nennen das: Globalisierung.
In Wahrheit ist es der Ausverkauf ökonomischer Entscheidungsfreiheit.
Quartalsberichte contra jahrzehntelange Strategie
Katar macht nichts falsch. Katar vertritt katarische Interessen – so wie China chinesische Interessen vertritt und Saudi-Arabien saudische.
Das Problem sind die deutschen Vorstände, Aufsichtsräte und Politiker. Sie tun so, als sei Kapital neutral. Das ist es nicht und war es noch nie, jeder Student im ersten Semester Wirtschaftsgeschichte weiß das. Staatsfonds sind keine Kreissparkassen, sie sind Instrumente nationaler Macht. Sie kaufen Einfluss, Zugang, Reputation, Technologie, Infrastruktur und politische Hebel.
Deutsche Top-Manager, bei denen jedoch nur das Einkommen „top“ ist, sind Jünger des kurzfristigen Denkens: schnelles Geld, potente Investoren, höhere Boni. Staaten wie Katar denken langfristig: Sitz am Tisch, Einfluss im Konzern, Vetoposition bei sensiblen Fragen.
Der eine denkt an den nächsten Quartalsbericht. Der andere denkt an die nächsten Generationen seines Volkes.
Wann wachen wir auf?
Jetzt steht das VW-Werk in Osnabrück da wie ein Mahnmal der naiven und verantwortungslosen deutschen Geldgier. Jetzt hängen deutsche Arbeitsplätze am religiösen Furor eines autokratischen Staates.
Jahrelang haben unsere Nieten in Nadelstreifen erklärt, wir müssten uns für fremdes Kapital öffnen, internationaler sein, uns global vernetzen. Das klang ja so modern. Nun zeigt sich: Wer autoritäres Kapital annimmt, bekommt autoritäre Interessen frei Haus.
Deutschland hat geglaubt, es verkaufe nur Aktien. In Wahrheit hat es Einfluss verkauft.
Das Problem endet nicht bei VW. Verteidigung, Energie, Häfen, Chemie, Logistik, Daten, Batterien: Überall treffen deutsche Standortinteressen auf ausländische Staatsinteressen. Sind wir dazu fähig, die richtigen Schlüsse zu ziehen? Sind wir bereit, ausländische Beteiligungen wirklich kritisch zu prüfen?
Denn genau das müssen wir tun. Strategische Unternehmen und kritische Standorte brauchen tadellose Eigentümer. Nicht nur bei Komplettübernahmen, sondern schon bei Sperrminoritäten, Aufsichtsratsmandaten und Vetorechten. Wir können nicht über Resilienz, Sicherheit und Zeitenwende schwadronieren und gleichzeitig zulassen, dass ein Golfstaat mit Hamas-Schatten das Rettungsseil für ein deutsches Werk durchschneidet, weil irgendwer „Israel“ ruft.
Die naive Geldgier deutscher Top-Manager wird teuer. Aber nicht für die Manager. Die bekommen ihre Boni und Abfindungen auch, wenn sie irgendwann – meist viel zu spät – endlich gefeuert werden. Nein, die richtige Rechnung zahlt der deutsche Arbeiter.
Das ist das eigentlich Obszöne an der ganzen Sache.
Rafael, der israelische Staatskonzern, nimmt den deutschen Wahnsinn kühl zur Kenntnis und tut das, was er immer tut: Er vertritt israelische Interessen – und plant die bis eben noch für Osnabrück vorgesehene Produktionslinie von Tamir-Abfangraketen jetzt eben in Indien.



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Katar hat Recht. Mit den Israelis muss man keine Geschäfte machen. VW hätte gescheite Autos bauen und sich für den Standort Deutschland einsetzen sollen. Dann müsste man keine schmuddeligen Geschäfte machen.
Der einzig autoritäre Miteigentümer vpn VW ist das Land Niedersachsen. Und Katar verhindert eine Zusammenarbeit mit israelischen Kriegsverbrechern.
Sie haben offenbar ihr Pali- Tuch am 7.Okt.23 ganz fest vor die Augen und Ohren gebunden.
Die Kriegsverbrecher und Massenmörder sind Hamas, Hisbollah Huthis und der Mastermind, das islamist. Mörderregime der Ajatollahs und IRGC.
Ihre weiteren Sympathien mit den Muslimbrüdern in Katar kommen daher nicht überraschend.
Wie blöd muss man sein, sich 2 Gegner in‘s gleiche Boot zu holen. Den einen als „Miteigner“, den anderen als „Kunden“
Das ist ein entscheidender Satz: Katar vertritt seine Landesinteressen, so wie es auch China und andere Länder tun, was angemessen ist. Nur Deutschland eben nicht.
Wer global unterwegs ist, sollte seine Herkunft nicht vergessen, denn sonst ist er mittelfristig ein Niemand.
Rettung hin, Rettung her. Ich hätte Bauchschmerzen, dass man dann auch noch total in den Nahostkrieg hineingezerrt wird. Die Frage steht natürlich auch im Raum: Großisrael auf Kosten von allen Anreinern. Da sollte Deutschland nicht mit hineingezogen werden. Reicht nicht schon der Ukrainekrieg? Kriegswirtschaft ist nie die Rettung, sondern nur eine Verzweiflungstat, weil die Wirtschaft abschmiert.
Hier sieht man, warum arabische Staaten sich schlicht nicht einkaufen dürfen in deutsche Unternehmen. Man sollte das gesetzlich verbieten.
Eine weitere Facette der Unterwerfung…
VW schwurbelt von sich weltoffen, bunt und vielfältig, verkauft keine Autos zu den üblichen Konditionen an die AfD und ist vor allem offenbar ein ausführendes Organ des Antisemitismus. Von so einem Unternehmen braucht man ja eigentlich auch kein Auto – nicht einmal geschenkt. Ganz am Rande bemerkt hat Deutschland ein eigenes sicherheitspolitisches Interesse, das durch die Behinderung des Iron Domes direkt betroffen ist, denn die Bundesrepublik prüft ja den Kauf des Systems. Und deutsche Arbeitnehmer dieses prächtigen und volldemokratischen, jedoch zunehmend ins eher Historische abgleitenden Autobauers werden erst von der eigenen Regierung – mit emphatischer Unterstützung der Gewerkschaft – unrentabel… Mehr
Da klingt etwas Einfaches recht kompliziert. VW wird Osnabrück stillegen. Der Fertigungsstandort wird von einer Firma gekauft, der grade keine Kataris im Aufsichtsrat sitzen hat. Rein zufällig gibt es zeitgleich in der Region viele Fachkräfte, die das Werk in und auswendig kennen, und die übernommen werden können.
Nun, VW ist ja nicht nur wegen seiner Chef-Idioten ins Anseits gerutscht.
Mangelnde Qualität und zu hohe Kosten sind auch ein Arbeitsresultat der sogenannten VW-Fachkräfte.
Und wenn dann noch die voll beknackten Gewerkschaften dazukommen (in welchen genau diese sogenannten Facharbeiter ja Mitglieder sind, ergo den Gender- und Klima-Mist noch unterstützen), ja dann kommt es eben so, wie es gekommen ist.
Und solche viel zu teuren Facharbeiter, welche man im Zweifelsfall nur mit hohen Abfindenungen los wird – die braucht keiner.
So ist das eben, mit einer wehrhaften „Demokratie“ in einem wehrlosen Staat.
Einfach machen. Wenn den Kameltreibern das nicht passt, können sie ihre Anteile ja verkaufen.
Im Prinzip ja, aber wer soll die wertlosen Anteile kaufen, von diesem abgewirtschafteten Unternehmen, wenn keine Verbrenner mehr hergestellt werden.