Beim Krach im VW-Reich geht es nicht nur um einen Machtkampf zwischen Männern

Bei VW fliegen die Fetzen. Ferdinand Piëch, Großaktionär und Aufsichtsratschef von VW hat einen Konflikt zwischen Aufsichtsrat, Großaktionären und Vorstand richtig schön groß und öffentlich gemacht.
Er sei auf „Distanz zu Winterkorn“, sagte der 77-Jährige Ende der Woche dem "Spiegel" über den 10 Jahre jüngeren Vorstandschef. Martin Winterkorn ist der Vorstandsvorsitzende des größten europäischen Autokonzerns, hat einen Vertrag bis Ende 2016 und die volle Unterstützung des mächtigen Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh und des Landes Niedersachsen, das 20 Prozent an dem Zwölf-Marken-Konzern hält.

VON Roland Tichy | 12. April 2015
Frühling, Schuh-Zeit und The Epitome of Ugliness

Auf einen jeden Tag folgt der Abend. Auf eine jede Nacht der Morgen. Auf Regen wieder Sonnenschein. Und ebenso sicher kann man sich auch darin sein, dass auf eine jede Saison in der Modewelt eine andere folgt, in der das französische Modehaus Céline eine neue Geschmacklosigkeit im Schuhdesign hochrülpst, die dann von allen Modemagazinen und zahlreichen Modebloggern im Stil von "Und täglich grüsst das Murmeltier" hochgejubelt wird.  

VON Sofia Taxidis | 11. April 2015
Schäfflers Freisinn: Ein libertärer Graswurzel-Kandidat für das Präsidentenamt der USA

Am Dienstag hat sich ein neuer Kandidat für die US-Präsidentschaft aus der Deckung gewagt, der so gar nicht in bekannte Schemata der US-Politik passt: Rand Paul, Senator aus Kentucky.

Ohne Pause redete der Republikaner im März 2013 dreizehn Stunden lang vor dem US-Senat, weil er dem Präsidenten nicht das Recht zugestehen wollte, gegen eigene Bürger mit Drohnen vorzugehen. Sein Ritterschlag war ein ganzseitiges Portrait in der „New York Times“ Ende Januar 2014. Für den Durchschnittsleser der bekanntesten Zeitung in den Staaten war der Artikel ein Verriss, für viele Insider jedoch der Hinweis: da streckt einer den Kopf heraus und strebt vielleicht sogar nach dem höchsten Amt im Staate.

VON Frank Schäffler | 10. April 2015
Staatliche Lohnkontrolle und Bürokratisierung der Beschäftigung - wie die Groko auf die Unternehmen zugreift

Die „Bürokratie-Bremse“ ist der neueste Hit der GroKo. Für jede neue Bürokratiebelastung soll an anderer Stelle eine in diesem Umfang entfallen. Kling gut, dieser Kabinettsbeschluss? Glauben Sie daran? Dann lesen Sie bitte nicht weiter. Denn an Ihrem Glauben sollten Sie nicht rütteln lassen.

Die Fakten jedenfalls sprechen gegen die Bürokratie-Bremse. Denn erst mal wird wieder bürokratisiert. Und sicherheitshalber für die nächste Woge geplant und vorbereitet. Die Bürokratie-Bremse mag kommen. Bis dahin ist die Welt eine andere. Die Groko hat es auf die Personalabteilungen der Unternehmen abgesehen und will sie unter staatliche Kontrolle und Lenkung bringen. Die Hauptarbeit ist schon getan.

VON Roland Tichy | 9. April 2015
Wer ist hier der Boss? // Griechenland zwischen allen Stühlen

Griechenlands Premier Alexis Tsirpas darf endlich einen Erfolg feiern: Der russische Kollege Wladimir Putin war endlich mal nett zu ihm, statt immer nur GELD, GELD, GELD von ihm zu verlangen! Endlich darf er für Russland eine Pipeline bauen, um den Boykott zu umgehen und wieder Gemüse nach Russland liefern. Endlich mal Boss sein! Ist das nicht schön?

Die Freude und der Triumph ist ihm ins Gesicht geschrieben. Achten Sie auf die würdevolle Handkanten-Geste Putins und den Zeigefinger. Tsipras ist so stolz, dass er gleich beide Stühle in Beschlag nimmt. 

VON Sofia Taxidis | 9. April 2015
Bettina Röhl direkt zu dem fragwürdigen Atomabkommen mit dem Iran

Obamas in Lausanne vorbeschlossener Atomdeal macht die Welt nicht sicherer. Im Gegenteil, er birgt die Gefahr das Ziel zu verfehlen und die Situation weiter zu verkomplizieren.
Die Präsidentschaft von Barack Obama neigt sich ihrem Ende. Die außenpolitische Bilanz Obamas ist nicht nur einfach frei von Erfolgen, vielmehr kann sie mit Fug und Recht negativ beurteilt werden. Selbst kleinste Minimalerfolge wie das kleine Tauwetter zwischen Kuba und der USA sind weniger dem Können Obamas geschuldet als vielmehr der Biologie: Fidel Castro liegt nach einem langen Diktatorenleben im Sterben und seine Ideologie verblasst im eigenen Land.

VON Bettina Röhl | 7. April 2015
Alles hofft auf den Grexit , dabei droht der Breit - und Griechenlands Hass-Politiker zielen auf Deutschland

Die nächsten Tage werden spannend - wir erleben eine tatsächlich ernsthafte Europakrise: Schafft es Griechenland am Donnerstag, seine Schulden beim Internationalen Währungsfonds IWF zu begleichen - und eskaliert es wirklich den Konflikt mit Deutschland wegen seiner an den Haaren herangezogenen Reparationsforderung von 280 Mrd. den Konflikt mit Deutschland? Gelingt es Athens Ministerpräsident Alexis Tsipras, bei Russlands Wladimir Putin Kredite oder zumindest niedrigere Gaspreise zu erbetteln? Oder verschafft er sich bei US-Präsident Barrak Obama Unterstützung bei seinen Versuchen, die Europäischen Partner zu weiteren Geldgeschenken zu veranlassen? Und wenn diese Fragen irgendwie, also mit Geld, geklärt sind, kommen schon die nächsten Zahlungsverpflichtungen Griechenlands und weitere Verhandlungen, Erpressungen und Tricksereien, damit das Land an Geld kommt - während seine Wirtschaft verfällt und seine Bürger die daheim dringend benötigten Mittel entweder verstecken oder ins Ausland transferieren. Und dann droht da noch der Brexit.

VON Roland Tichy | 7. April 2015
GBUREKS GELDWOCHE: Diesmal über Griechenland und das Spiel mit dem Feuer

Countdown Nummer x: Am kommenden Donnerstag muss Griechenland Geld an den IWF zahlen, im Mai wieder. Da bietet es sich an, wenigstens von Altschulden loszukommen. Die Vorbereitungen darauf laufen schon.

Mit größter Wahrscheinlichkeit möchten Sie nicht schon wieder an Griechenland erinnert werden. Und dennoch, spätestens am kommenden Donnerstag wird es wieder so weit sein: Dann sollen die Griechen gut 450 Millionen Euro – die Angaben schwanken ein wenig – an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zahlen. Doch woher nehmen? Das Geld sei da, heißt es. Aber vielleicht könne man die Summe doch nicht pünktlich zahlen. So oder ähnlich wird es weiter gehen, denn gut einen Monat später ist der nächste Betrag fällig, dann sogar an die 770 Millionen Euro.

VON Manfred Gburek | 6. April 2015
Der kleine Internetbegleiter für Migranten im Social Web

Das Internet ist ein Raubtier. Wer legt schon seinen Kopf gerne in den Rachen eines Tigers? Millionen von naiven Nutzern bei Twitter aber tun genau dies. Gut, dass es gerade für Anfänger einen Ratgeber gibt: "Rule 34". Eigentlich ist Rule 34 (engl. für Regel 34) ein Meme, und wenn Sie nicht wissen wofür, dann sollten Sie das Buch lesen. 

VON Roland Tichy | 5. April 2015
Ein rabiater Naturschutz zerstört gewachsene Kulturlandschaften

Der „Osterspaziergang“ ist ein urdeutsches Thema. Wir ziehen „hinaus in die grünende Flur“, spätestens seit Johann Wolfgang von Goethe dieses Gedicht  für seinen Faust geschrieben hat. Beim Osterspaziergang durch den Schwarzwald oder in der Pfalz könnten die Wanderer künftig in die Kadaver von toten Rehen und Hirsche treten. Ein neues Jagd-Gesetz in Baden-Württemberg verbietet, was bisher Pflicht war: Im Winter Rehe und Hirsche zu füttern. Jetzt sollen sie verhungern, statt gejagt zu werden. Auch in NRW soll es bald ein ähnliches Gesetz geben. Es richtet sich nicht gegen die Jagd, die brutale. Es geht um ein anderes Naturverständnis: Nicht mehr die vom Menschen letztlich hergestellte Naturlandschaft ist das Ziel, in denen der Jäger eine wichtige Funktion in der Regulation darstellt, sondern eine wilde Natur soll es sein, ein Urwald, ein urwüchsiger Wald. Und da kommt es auf ein paar Rehe nicht an. 

VON Roland Tichy | 5. April 2015
Eine kleine Reportage über die Karfreitagsprozession

Jesus zieht in Jerusalem ein, begrüßt und umjubelt von den Menschen. Mit diesem Bild beginnt die Karfreitagsprozession in San Cristóbal de la Laguna auf Teneriffa.

VON Roland Tichy | 4. April 2015
Dennoch sind nach 100 Tagen Mindestlohn noch die allermeisten Fragen offen

Seit drei Monaten gilt weitgehend der flächendeckende gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Drei Monate sind auf dem Arbeitsmarkt eine sehr kurze Zeit, um die Auswirkungen bestimmter Eingriffe feststellen zu können. Dennoch sei hier eine Zwischenbilanz versucht.

1. Der Mindestlohn hat bisher keine regulären Arbeitsplätze vernichtet. So stellt die Bundesagentur für Arbeit in ihrem März-Bericht fest: „Belastende Auswirkungen der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns auf die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sind nicht zu erkennen.“

VON Hugo Müller-Vogg | 4. April 2015
Beim Feiertagsessen geht’s ans Eingemachte

„Zu Ostern das Lamm“ schrieb Klaus Trebes in seinem Kochbuch. Das Restaurant Gargantua des ehemaligen Hausbesetzers im Frankfurter Westend war lange Stammlokal von 68-Kameraden wie Joschka Fischer. In der Welt der Veganer und Vegetarier hätte nur noch wenig aus dem Repertoire des begnadeten Kochs mit Juraexamen Bestand. Sein Auberginen-Curry ja, aber sein gebratener Chicorée schon nicht, denn da braucht es Butter.

VON Fritz Goergen | 3. April 2015
Schäfflers Freisinn

Wenn in der Politik über bessere Bildung gesprochen wird, dann gehen viele Politiker den Weg des Zentralismus: Einheitliche Schulen, damit die vermeintlich Starken den Schwächeren helfen; eine bessere Ausstattung, damit die Schüler das Computerzeitalter nicht verpassen und gleiche Bildungsstandards von Oberammergau bis Flensburg gelten. So wäre das Bildungsniveau besser messbar, die Ergebnisse vergleichbar und beim Umzug kämen nicht zu große Anpassungsprobleme für die Schüler zustande.

VON Frank Schäffler | 3. April 2015
Entschuldigung.....

Unsere gestrige Meldung von einer EU-Satire-Kennzeichnungspflicht war reiner Humbug. Ein Aprilscherz. Mehrere Leser haben uns gewarnt: Wir sollten die EU-Kommission nicht auf solche Ideen bringen. Zuzutrauen wäre es ihr doch. Das zeigt: So ganz daneben liegen wir mit unserem Scherz nicht. Unser Autor jedenfalls hatte ja eine wunderbare Begründung gefunden, warum es eine schiere Pflichtvergessenheit der EU-Kommission ist, dass es dies noch nicht gibt. So schreibt Prof. Wohlgemuth von Open Europe Berlin:

VON Roland Tichy | 2. April 2015
Wo die Sensation des Unmenschlichen das Menschliche verdrängt

Keine Katastrophe ist zu schrecklich und kein Leid zu unermesslich für den seelenlosen Automaten der großen Öffentlichkeitsmaschinerie. Die Sensation des Flugzeugabsturzes ist das beherrschende Thema, nicht das Leid der Menschen. Beängstigend schnell geben Leid und Trauer der Menschen nur noch den Hintergrund ab für eilfertige Verdächtigung und Vorverurteilung von Schuldigen. Die Lufthansa wird als erste buchstäblich so ins Bild gesetzt.

VON Fritz Goergen | 1. April 2015
Satire - schadet dem Friedensprojekt EU, sagt Verbraucher-Kommissarin Vera Jourová

Vera Jourová, EU-Kommissarin für Justiz, Verbraucher und Gleichstellung plant eine EU-weite Satire-Kennzeichnungspflicht. Vor dem Hintergrund der schrecklichen Ereignisse um die Satirezeitschrift Charlie Hebdo und der skurrilen Verwirrungen um den Mittelfinger des griechischen Finanzministers hat die Kommissarin heute erklärt, dass die 2500 gefährlichen Produkte, die in der EU aus dem Verkehr gezogen werden sollen, noch lange nicht die politisch Gefährlichsten seien. Satire könne dem Friedensprojekt der EU noch mehr schaden als die gemeinsame Währung – und beides kombiniert erst recht, so die Kommissarin nach inoffiziellen Quellen.

VON Gastautor | 1. April 2015
Wann ist ein Opfer es wert, dass man sich darüber politisch-korrekt aufregt?

Während Medien und Politik die Opfer politischer Gewalt in der Welt weitgehend beschweigen, gibt es für die 150 Opfer der Flugkatastrophe einen Tsunami der Aufmerksamkeit und der Fürsorge. Gibt es eine willkürliche Selektion in politisch genehme und weniger genehme Opfer?

Wissen Sie, wieviele Menschen gestern eines unnatürlichen Todes gestorben sind? Wissen Sie, wieviele Menschen heute auf dieser Erde eines unnatürlichen Todes gestorben sein werden?
Wenn Sie nicht erleuchtet sind, wissen Sie es nicht. Niemand weiß es und niemand schert sich darum, dass er es nicht weiß. Insbesondere dem Mainstream, um dieses verpönte Wort hier zu gebrauchen, ist es schnurzpiepegal, wieviele Menschen durch Mord, durch Krieg, durch Unfall jeden Tag aufs Neue zu Tode kommen. Und dem politisch korrekten Mainstream, um ein zweites verpöntes Wort zu verwenden, ist es noch gleichgültiger, welches menschliche Leid aktuell auf "unserem" Globus gerade passiert.

VON Bettina Röhl | 31. März 2015
GBUREKS GELDWOCHE: DIESMAL ÜBER DIE UNVERMEIDLICHE GELDENTWERTUNG

Geld in unvorstellbaren Mengen ergießt sich über Aktien, Immobilien und sogar immer noch über Anleihen, deren Renditen gegen null tendieren. Aber warum bleibt dann die Inflationsrate so niedrig? Gemach, ihr Anstieg ist so gut wie programmiert. 

VON Manfred Gburek | 30. März 2015