Parship – Alle 11 Minuten … stirbt die Ewigkeit

Mit der Partnerschaftsvermittlung kann nichts mehr schiefgehen und unsere Persönlichkeitsentwicklung bremsen. Wenn der Funke nicht überspringt binnen 11 Minuten Zeit, stimmt etwas nicht mit uns.

© Westend61/Getty Images

Die Verheißungen von Werbung und PR scheinen in Zeiten der Haltlosigkeit die letzte Bastion großer Wertvorstellungen zu sein. Das kann traurig machen … oder glücklich.  Ein tiefer, kurzer Blick lohnt, um dann – ganz beruhigt – in die Kleinheit unser aller Leben zurückzusinken.

Es ist Mumpitz zu glauben, dass früher die Liebe noch liebenswerter gewesen sei. Nein, so haben uns Kulturwissenschaftler und Genderverantwortliche gelehrt, früher sei die romantische Liebe noch vollkommen unbekannt gewesen. Man kam irgendwie zusammen. Es galt Grundbedürfnisse zu befriedigen und den Nachwuchs zu organisieren. In anderen Bereichen würde man von „Chain-Management“ sprechen. Nun ist auch die Liebe ein Kulturphänomen: Im Rahmen der um sich greifenden und spannend anzusehenden  Selbstüberschätzung des modernen Menschen, galt es irgendwann mit seinem Leben allen Ernstes einen „Sinn“ zu verknüpfen, der zunehmend in sich selbst lag. Leibniz, heute vor allem für Kekse und weniger für Gedanken bekannt, hatte dazu eine klare Meinung: „Alles kommt durch die Sinne in den Sinn … nur der Sinn selber nicht.“ Vielleicht war dieser Gedanke der Anfang vom Ende der Solidarität des Menschengeschlechts und der Liebe, who knows.

Liebe muss also in einer „sinnvollen“ Welt den Einzelnen bereichern. Das ist gar nicht so einfach, weil doch die Liebe eben zwei unvereinbare Gegensätze verbinden soll: Zum einen soll sie immer wieder die edlen Züge unseres Charakters hervorbringen, uns motivieren uns selbst zu überwinden – das gelingt nur, indem wir uns permanent entwickeln und über uns hinauswachsen (und in der Anfangszeit über unsere finanziellen Budgets) . Zum anderen aber heißt Liebe auch Ankommen und Beständigkeit. Beide Aspekt der Liebe widersprechen dem Zeitgeist. Denn die Selbstüberwindung zugunsten von etwas anderem als uns selbst, ist fast schon eine Beleidigung. Der immer gern zitierte Fernando Pessoa brachte das ziemlich cool auf den Punkt: „Wir lieben niemanden, nie. Wir lieben allein die Vorstellung, die wir von jemanden haben. Unsere eigene Idee – uns selbst also – lieben wir.“ Touché.

Beständigkeit bringt uns in die Bredouille, weil doch das Leben endlich ist und danach nix mehr kommt … da gilt es die Zeit „in Fülle“ zu nutzen. Calvinismus funktioniert auch ohne Gott.

Diese Modernitätslücke füllt die freundliche Partnerschaftsvermittlung Parship aus Hamburg. Alle 11 Minuten verliebe sich ein Single auf Parship, lässt uns die Dame wissen und lächelt sinister. In einer Welt ohne Unbekanntes ist nun auch das letzte Feld der Unwägbarkeit – zum Glück – statistisch ausgewertet und zielgruppenspezifisch instrumentiert. Da kann nichts mehr schiefgehen und unsere Persönlichkeitsentwicklung bremsen. Wenn nämlich die Liebe planbar ist und wir wissen, dass die individuellen Übereinstimmungspunkte bei 100% liegen, dann ist es allein an uns und unserer Unvernünftigkeit, wenn der Funke nicht überspringt. 11 Minuten Zeit haben wir dazu … ansonsten stimmt etwas nicht mit uns. Denn auch Liebe ist ein Durchschnittswert, der eine klare – Achtung Modewort! – Skalierbarkeit erlaubt. Zum Schluss ist also auch das Gefühl eine Folge von Fakten … aber, wo bleibt denn da die universelle Vorstellung unserer Einzigartigkeit? Es ist zum Verzweifeln oder Verlieben, aber bereits Ernst Neger wusste dies ganz nonchalant zu nehmen: Heile, heile Mausespeck … in Hundert Jahr`n ist alles weg.

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Kommentare ( 10 )

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Argonautiker
7 Jahre her

Bliebe die Frage, wer war zuerst da, das Huhn oder das Ei?

Ist es die Liebe, die die Hormonbildung hervorruft, oder ist es die Hormonbildung, die die Liebe hervorruft?

Es gibt da schon Studien die belegen, daß die Funktion des Körpers, auch die Hormonelle, immer leicht dem Ursprung hinterher hinkt, was nahelegt, daß Liebe eben keine Biochemische Funktion des Körpers ist, sondern die Liebe biochemische Reaktionen hervorruft. Kleiner aber feiner Unterschied.

F.Peter
7 Jahre her

Mmh, dann wird sich das Geschäftsmodell von Parship in gerundet 315 Tagen erledigt haben. Denn dann wären alle 82 Millionen hier lebenden verbandelt!
Und wer das Thema vertiefen möchte, sollte mal den schwarz-weiß-Test auf Parship absolvieren. Mehr als Geld verdienen lässt sich mit solch einer Plattform wohl eher nicht!

Hosenmatz
7 Jahre her

„Bigamie ist, wenn man eine Frau zu viel hat. Monogamie ist das gleiche.“
Rowan Atkinson
🙂

ZurückzurVernunft
7 Jahre her

Tatsache ist, dass die Zahl der Scheidungen und der Alleinerziehenden auf Rekordniveau liegen.

Eigentlich seltsam für eine Kultur in der die freie Partnerschaftswahl gilt.
Niemand darf uns bei der Partnerwahl reinreden, aber wenn es schief geht, dann bürgen Staat, Eltern und Großeltern.

Früher haben die Eltern bei der Partnerwahl ein Wort vorgesprochen und auch in den islamischen und anderen Kulturen ist das heute noch so.

Zapatak
7 Jahre her
Antworten an  ZurückzurVernunft

Gelobt sei der Prophet.

Montgelas
7 Jahre her

Heirate oder heirate nicht – du wirst es bereuen! (Sokrates)

Arthur Dent
7 Jahre her

Ich weiß jetzt nicht wieviele Nutzer Parship hat, aber bei 100.000 Benutzern (vereinfacht 2 x 50.000 Partner) ergibt das bei „alle 11 Minuten“ eine durchschnittliche Erfolgszeit von 190 Tagen, bei 1.000.000 Benutzer sind es schon 1.900 Tage.
Also aus mathematischen Gründen wäre es somit für den Benutzer besser, wenn es nur 10.000 Benutzer gibt, dann würde es nur 19 Tage dauern.

Montgelas
7 Jahre her
Antworten an  Arthur Dent

42 ? 😉

Nonsens
7 Jahre her

Sogar die Liebe ist kommerzialisiert. Nach welchen Kriterien werden die Partner online ausgesucht? Aussehen? Laut Werbung schon! Für eine hedonistisch geprägte Gesellschaft ist es nicht verwunderlich. Na gut, der Mann muss auch ein Regal anbringen können. Funktional? Nützlichkeit? „Es muss funktionieren“, dies war stets das Motto einer jeder Partnerschaft. Wie kann eine Partnerschaft funktionieren? Wenn die Werte konform sind, dann gibt es weniger Reibereien, denn das Leben ist schwer genug, als man noch gegeneinander kämpfen muss, gar kulturelle Missverständnisse im Wege sind. Wobei wir bei der Lösung der Ängste und Problemen in DE wären. Ängste vom Aussterben wären unsinnig, wenn… Mehr

Poco100
7 Jahre her

Ausgerechnet Parship…….sie machen halt eine geschickte Werbung………….