Beim jüngsten Ansturm auf Ceuta ertranken 88 Migranten am Strand von El Tarajal. Während Pedro Sánchez die Schuld auf Mafias und „interessierte Lektüren“ eines Gerichtsurteils schiebt, wächst die Kritik an der spanischen Regierung – und der Streit in der EU um illegale Migration entflammt neu.
picture alliance / ZUMAPRESS.com | Samuel Vega
88 Migranten starben laut letzter Zählung an der Playa El Tarajal beim Versuch, vom marokkanischen Fnideq (auch Castillejos genannt) in die spanische Enklave Ceuta zu schwimmen. Es war nicht die erste Tragödie mit diesem Namen. Auch im Februar 2014 ereignete sich eine inzwischen sprichwörtliche „Tragedia del Tarajal“ am selben Ort, als schon einmal rund 250 Personen versuchten, auf illegale Art und Weise in die spanische Stadt zu gelangen. Damals ertranken 15.
Für den innenpolitischen Sprecher der Grünen ist laut taz „beschämend, wie wenig die vielen Todesopfer, darunter Kinder, für die Bundesregierung eine Rolle spielen“. Emmerich kritisiert damit vor allem, dass Kanzler Merz es gewagt hat, einen gemeinsamen Protestbrief mit Giorgia Meloni zu unterzeichnen. Darin drängen 22 EU-Regierungschefs darauf, dass Pull-Signale für mehr illegale Migration, wie sie Spanien ausgesandt habe, unterbleiben müssten.
Meloni drängt daneben auf die Einrichtung von Aufnahme- und Abschiebezentren in Nordafrika und anderswo. Die Liste von möglichen Partnerländern umfasst Ruanda, Ghana, Senegal, Tunesien, Libyen, Mauretanien, Ägypten, Uganda, Usbekistan, Armenien, Montenegro und Äthiopien.
Die Linken in SPD und Grünen finden den Brief der EU-22 „weder souverän noch europäisch“, wobei die Frage ist, was an der laschen Haltung von Pedro Sánchez „europäisch“ sein soll. Auch Vizekanzler Klingbeil steht wie selbstverständlich an Sánchez’ Seite, obwohl die spanische Regierung und Judikative eine zentrale Verantwortung an der neuerlichen Tragödie tragen. Für die SPD sind Parteibande noch allemal wichtiger als nationale Interessen. Die dänischen Sozialdemokraten warnen dagegen seit langem vor genau den Toten des internationalen Schlepper- und Invasionswesens und daraus den Schluss einer Ablehnung jeder illegalen Zuwanderung gezogen.
Madrid, oder die Last des Nichthandelns
In Spanien wunderte sich Sánchez, erstmals etwas Luft schöpfend, dass die marokkanischen „Menschenhändler-Mafias“ das Urteil des Obersten Gerichtshofs in Madrid so „eigennützig“ ausgelegt haben. So etwas aber auch! Mafias, die am Eigennutz interessiert sind. Das ist in der sozialistischen Welt von Pedro Sánchez nicht vorgesehen. Der spanische Premier stellt die Tragödie als einen misslichen Zu- und Unfall dar, dessen Verhinderung offenbar nicht seine Aufgabe war.
Aus neuen Details des Ablaufs geht allerdings klar hervor: Die 88 Todesopfer hätte es wohl nicht gegeben, wenn die Madrider Regierung im Vorfeld klarer agiert und sich dabei an den Interessen der Spanier orientiert hätte.
Noch immer ist nicht geklärt, warum das Innen- und das Verteidigungsministerium nicht auf die Vorzeichen des großen Ansturms reagierten, die selbst interessierte Bürger bemerkten. Daneben häufen sich die Aussagen von Marokkanern, dass die eigenen Grenzbeamten sie über die Grenze ließen. Auch über diesen Vorgang hätte Madrid – bei geeigneter Aufklärung – im Bilde sein müssen. Entweder man wusste es nicht oder man wollte es nicht wissen. Beides lastet gleichermaßen schwer auf einer Regierung.
In der linksgrünen taz wird nun gar gemutmaßt, dass Donald Trump hinter dem Ansturm stehen könnte. Für das Streuen dieses Gerüchts reicht der Redaktion schon, dass die Trump-Regierung „gute Kontakte“ zu Rabat unterhält, während sie mit Sánchez im Streit liege. Das ist natürlich höhere Kaffeesatzleserei.
Zudem sollen die „ätzenden Warnungen“ Trumps vor der Invasion Ceutas ein Warnsignal sein, dass der US-Präsident hinter dem Geschehen stecken könnte – ebenso werden Berichte in russischen Medien und die Reaktionen zahlreicher migrationskritischer Parteien in Europa gewertet. Hier zeigt sich die Selbstisolation des linken Denkens in unserer Zeit: Wenn ein Ereignis den „Rechten“ nutzt, steckt sicher eine Weltverschwörung dahinter, in diesem Fall sogar unter Einbeziehung des Weißen Hauses. Und dabei gilt Verschwörungsdenken doch bei anderer Gelegenheit immer als antisemitisch und überhaupt sehr unkorrekt.
Afghanen und Palästinenser in Ceuta
Welche Personen wirklich über Ceuta nach Spanien und in die EU streben, das deckt die spanische Tageszeitung El Mundo in einer Reportage auf. Es waren also nicht nur Marokkaner und andere Afrikaner, die da schwimmend nach Europa kamen. El Mundo deckt auf, dass auch in diesem Fall ein beliebiges Tor nach Europa ausreicht, um Reisewillige aus aller Herren Ländern anzulocken, so wie es auf und um Lesbos oder Lampedusa war. Die US-Südgrenze ist ein weiteres Beispiel.
In diesem Fall gibt es den konkreten Fall von drei palästinensischen Brüdern, von denen zumindest einer 17 Jahre alt sein soll und damit zu den berühmten unbegleiteten Minderjährigen gehört. Ein anderer der Brüder, der 26-jährige Ahmed, lebte dagegen schon im Madrider Vorort Fuenlabrada und besuchte angeblich die Akademie des Fußballclubs Atlético Madrid. Danach sei er weitergereist nach Deutschland, um dort seinen Fußballertraum zu verwirklichen, sei aber abgeschoben worden. Danach habe er seine Mutter und die beiden Brüder in Tanger getroffen. Angeblich stammt diese halbe Familie aus dem Gazagebiet, wo der Vater noch immer sei. Der Rest der Familie könne aber nicht dorthin zurückkehren, aus den bekannten Gründen.
Eine andere Geschichte wird von zwei Afghanen, Najeeb und Najeebullah, erzählt, die es bis nach Marokko schafften und den Wunsch nach einem Leben in Europa noch nicht aufgegeben haben. Angeblich fliehen sie vor dem Taliban-Regime und damit zwar nicht vor einem Krieg, aber vor „dem Tod“. Dem Tod waren sie allerdings spätestens mit der Ankunft in Marokko entronnen. Die Frage ist, warum sie ihre Reise fortsetzen wollen.
Die zurückgewiesenen Schwimmer halten sich derweil in großer Zahl im Gewerbegebiet von El Tarajal, also auf marokkanischem Territorium, auf – in Erwartung der nächsten sich bietenden Gelegenheit. Laut weiteren Berichten halten sie sich auch direkt am Strand auf.
4000 „Schutzlose“, die Ceuta sprengen könnten
Die hier gezeigten jungen Erwachsenen gelten innerhalb eines europäischen Landes dann leicht als „unbegleitete Minderjährige“, weil man ihnen ja nichts anderes nachweisen kann. Um diese Gruppe wird nun wieder am meisten Aufhebens gemacht – auch der Grüne Emmerich hat ja auf die angeblichen „Kinder“ verwiesen, die schwimmend zu Tode gekommen seien. Eine unbelegte Aussage.
Was die Jugendlichen in Ceuta angeht, die als „unbegleitete Minderjährige“ tituliert werden, so finden sie eben nur zum Teil im temporären Aufenthaltszentrum von Ceuta (Centro de Estancia Temporal de Inmigrantes de Ceuta, CETI) Platz, das normalerweise Raum für weniger als tausend Personen hat. Zwischen 3.000 und 4.000 „Schutzlose“, so das Nachrichtenportal Urgente24, leben derzeit auf den Straßen von Ceuta. Sie verlassen die Stadt nur zum Baden oder wenn die Sicherheitskräfte sie zurückschieben, wie es im Artikel einer anderen spanischen Zeitung hieß. Lokale Reporter – wie Nick Shirley – finden die jungen Männer überall in der Stadt, Männer, die behaupten, Ceuta sei Marokko.
Für Ceuta muss nichts aus der überfallartigen Invasion folgen, wenn nun gehandelt wird. Auf dem Höhepunkt der Invasion konnten die Ceuties ihre Wohnungen nicht verlassen. Aber die Stadt droht langfristig demographisch umzukippen, tut das wohl ohnehin bei einem Muslim-Anteil von derzeit 48 Prozent. Wenn nun noch zugelassen wird, dass sich Personen aus Marokko dauerhaft in der Stadt aufhalten – nicht anders übrigens als in Paris, Marseille, Brüssel oder Köln –, dann könnte das Gleichgewicht in der Stadt, zu dem neben Christen auch eine indische Gemeinschaft zählt, bald verloren sein.
Vox warnte schon im Vorfeld vor Ceuta und den Booten
Die rechte Oppositionspartei Vox hat indes schon lange vor dem „großen Schwimmen“ dieser Woche gefordert, dass die spanische Regierung ihre Kräfte für den Schutz Ceutas bündelt und verstärkt, wie das Medium Ceuta TV berichtet hat.
Schon Mitte Juli stellte die Vox-Fraktion in den Cortes Generales eine ganze Reihe von Fragen an die Regierung Sánchez, die der Tatsache Rechnung trugen, dass sich der Druck auf die nordafrikanische Exklave im ersten Halbjahr 2026 deutlich erhöht hatte. Gleichzeitig seien auch die Überfahrten über die Straße von Gibraltar deutlich gestiegen. Und Ceuta diente dabei zunehmend als Abfahrtshafen.
Und dann thematisierten die Vox-Abgeordneten auch ausdrücklich den Richterspruch zur Einreise durch Schwimmen. An die Regierung stellten sie die Frage nach einer möglichen Gesetzesänderung angesichts der verstärkten Schlepperei wie auch der Sorge eines Ansturms auf Enklaven wie Ceuta und Melilla, die leicht schwimmend zu erreichen sind.
All das wurde vielleicht angehört, aber Reaktionen der Regierung folgten nicht daraus. Vielmehr stellte man sich nun schon taubstumm, um heute, am Tag danach, Krokodilstränen über „interessierte Lektüren“ eines Richterspruchs zu vergießen. Das ist der Gipfel politischer Naivität und Verantwortungslosigkeit, die man beide der sozialistischen Regierung in Madrid anlasten muss. Und es ist ein Ausfluss aus der Brandmauer-Mentalität, die zweifellos auch in Spanien das Verhältnis zwischen PSOE und der neuen Vox kennzeichnet.
Insofern stellt sich dann doch und erneut die Frage nach der Verantwortung der spanischen Regierung für die aktuelle Zuspitzung rund um Ceuta. Auch den Brief der EU-22 hätte Sánchez insofern voll verdient, egal von wem er letztlich unterschrieben wurde. Alles spricht dafür, dass die Regierung Sánchez – durch Naivität oder Mutwillen – einen Ansturm auf Europa riskiert hat. Ob sie den Schaden nun in ihrem Sinne nutzen kann, steht auf dem nächsten Blatt der Geschichte. Bis jetzt ist ihr das noch nicht gelungen. Aber die Diskussion auch in Deutschland beginnt erst wieder, die migrationistische Internationale erhebt ihr Haupt, während der spanische Außenminister José Manuel Albares von einer „reaktionären Internationale“ spricht, die seine Regierung kritisiere. Etwas wehleidig klingt das. Dennoch darf man gespannt sein, welcher Seite die Ereignisse in Ceuta am Ende mehr nützen werden. Der Streit über die illegalen Einreisen in der EU ist neu entbrannt.







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BK Merz hat den Brief der EU22 sicher nur deshalb unterschrieben, weil wichtige LT-Wahlen mit hohem AfD-Erfolgspotential anstehen.
…und die treudoofen Wahlschafe werden ihm wieder auf den Leim gehen: „Ach, endlich tut die CDU u. der Bundeskanzler etwas gegen die Migration. “
Und nach der Wahl kooperiert/koaliert die CDU dann mit den Linken…
Madrid meldet heute, dass jetzt 72.000 Immigranten aus Marokko in Spanien festgestellt wurden.
Das straft die Behauptung der Tagesschau, die Masse der Immigranten sei auf dem Weg zurück nach Marokko lügen.
Wenn man wollte, wäre es ganz einfach: Die Grenzen dicht. Kein Asyl. Kein Flüchtlingsstatus. Kein gar nichts. Wie Australien mal schrieben „“No Way — You will not make Australia home“.
Und dann kann man als Staat überlegen, ob man ausgesuchte Einwanderer, die einem selbst nutzen, rein lässt. Und sonst keinen.
Wenn man das durchhält, weiß es jeder und diese ganze „Migrationskrise“ ist vorbei.
Aber das wird niemals passieren. Weil es niemand will. Linke wollen sowieso Masseneinwanderung. Und die etablierten „konservativen“ Parteien machen, was ihnen am wenigsten Probleme macht.
Merz und Sánchez singen wohl glückselig die Internationale während Menschen aufgrund von verfehlten Pullfaktoren dort ersaufen und hier erstochen und vergewaltigt werden und Menschen, welche die Solidarität tatsächlich benötigen würden, verhungern, weil Europa sein Volksvermögen sinnlos in die Schlepperindustrie, Islamisten und Glücksritter investiert.
soso, 88 also. Und? Soll ich Mitleid haben? Oder was will mir der Artikel nahelegen? Wieviele Deutsche sind durch solche Migranten hier im Land bereits gestorben? Hört endlich einmal auf mit dieser Mitleidstour. Keiner hat die gezwungen ins Wasser zu springen und anschließend Europa zu fluten. Das sind großteils Wirtschaftsflüchtlinge und Glücksritter die hier keiner benötigt. Oder schwimmen die sogenannten Facharbeiter, Ärzte, Raketentechniker, Wissenschaftler seit neuestens zu uns mangels anderer Transportmöglichkeiten? Der wohlstandsverwahrloste Westen ist unfähig zu erkennen, welche Gefahren für unsere Gesellschaft von diesem Ges……. ausgehen, darum zurück mit ihnen, ausnahmslos.
Die EU und Deutschland zahlen Unsummen an Marokko.
Wie viel davon wird sich wohl jedes Jahr der König von Marokko in die eigene Tasche stecken ❓
Das ganze läuft völlig aus dem Ruder, weil es nicht von Anfang an, seit mindestens 2015, klare Regelungen und Durchführungen gab.
Wenn ich das heute so richtig verstanden habe, sollen in Fällen wie am Wochenende in Ceuta die Leute nicht ausgekehrt sondern auf das spanische Festland gebracht werden und anschließend gleichbleibend auf alle EU-Länder verteilt werden. So sieht es die neue EU-Regel für Asylis in der Theorie vor. In der Praxis will keiner außer Deutschland diese „Fachkräfte“ haben. In Deutschland wird wie immer auf europäische Lösungen verwiesen. Landen dann alle in DE, ist man zufrieden.
>> Mafias, die am Eigennutz interessiert sind. Das ist in der sozialistischen Welt von Pedro Sánchez nicht vorgesehen. <<
Das wäre mir neu. Fragen Sie seine Ehefrau. Steht die nicht genau deshalb demnächst vor Gericht?