Die Deindustrialisierung schreitet schneller voran. Wie das Handelsblatt aus einem internen Papier berichtet, empfiehlt der VW-Aufsichtsrat weitere Stellenstreichungen bei Porsche. Was wir erleben, ist keine Unternehmenskonsolidierung, sondern ein partieller Kollaps der deutschen Automobilbauer.
picture alliance / dpa | Franziska Kraufmann
Der Hagelschlag schlechter Nachrichten aus der deutschen Automobilindustrie will einfach nicht enden. Immer wieder treffen grobe Hagelkörner aus den Pressestellen der Firmen auf die bangen Belegschaften der Autobauer, verhageln den Politikern den Wahlkampf, zerstören die letzte Hoffnung derer, die sich noch immer an den Erfolg eines E-Autos Made in Germany klammern.
Jüngster Einschlag: Nach einem Bericht des Handelsblatts, das eine interne Handlungsempfehlung des VW-Aufsichtsrats zitiert, soll im Bereich „Sport Luxury“, also bei Porsche, das Personalskalpell erneut geführt werden. 4.100 Jobs sollen bei Porsche gestrichen werden, nachdem bereits vorher klar war, dass in den kommenden Jahren insgesamt 9.000 Stellen wegfallen werden. Derzeit arbeiten bei Porsche noch 41.800 Angestellte.
Nach der Vorlage des VW-Aufsichtsrats soll Porsche sein Betriebsergebnis bis Ende des Jahrzehnts um 3,8 Milliarden Euro verbessern. Allein bei den Gemeinkosten klafft, so die Rechnung des Aufsichtsrats, noch eine Lücke von rund 700 Millionen Euro. Diese soll durch die zusätzlichen Stellenstreichungen geschlossen werden. VWs Sparkurs scheint inzwischen wöchentlich aktualisiert zu werden.
Die Vorstellung, dass sich die VW-Luxusmarke Porsche vor dem konzernweiten Umbau – oder nennen wir es besser Kahlschlag – schützen könnte, ist damit endgültig perdu. Die Krise wirkt tief, sie ist vollumfänglich und hat bislang 150.000 Jobs im Automobilsektor gekostet. Für die Beratungsagentur Roland Berger ist hier noch längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Bei Berger rechnet man damit, dass bis zum Jahr 2030 weitere 200.000 Jobs im deutschen Automobilsektor wegfallen. Ganze Wertschöpfungsketten und mit ihnen Kaufkraft, Wissen und Prosperität gehen damit verloren.
Eine Katastrophe für die Zulieferer, für die Regionen, für die Stadtkämmerer, die so fest mit den Einnahmen der ehemaligen deutschen Vorzeigeindustrie rechneten. Aber so ist es nun einmal, wenn man sich ideologisch verrannt hat …
Stuttgart liefert die Blaupause für alle Industriestandorte der Republik, die sich bis zuletzt mit Verve in den warmen, ökologistischen Strom legten. Die Heimatstadt von Porsche und Mercedes-Benz schloss das vergangene Haushaltsjahr mit einem Fehlbetrag von 712 Millionen Euro ab – aus der gut betuchten Luxuskommune dürfte, wenn niemand die Notbremse zieht, ein Armenhaus werden. Die Bewohner dieser Regionen werden sich darauf einstellen müssen, dass öffentliche Daseinsvorsorge – gut ausgestattete Schulen, kommunale Sportanlagen, Schwimmbäder und Freizeiteinrichtungen – zum Luxusgut wird. Die Automobilindustrie geht; sie hinterlässt leere Kassen, hohe Arbeitslosigkeit. Ein deutscher Rust Belt entsteht vor unseren Augen.
Der Abstiegsstrudel hat sämtliche Segmente des deutschen Automobilbaus erfasst: hoher Wettbewerbsdruck aus China, Zollstress aus den USA und dazu noch die turmhohen Energiekosten am Heimatstandort sowie nicht mehr endende Regulierungswut verhageln das Geschäft. So war es nur eine Frage der Zeit, bis auch eine Luxusmarke wie Porsche unter die Räder geraten würde.
Dabei kam einem die Kommunikationsstrategie der Firma bekannt vor: In einer Art Salamitaktik, wie sie in der Politik gang und gäbe ist, teilte die Firma seit 2024 mit, Porsche lasse befristete Verträge in der Produktion zunächst auslaufen. Rund 1.500 Beschäftigte traf es in jenem Jahr. Im Februar 2025 folgte die Ankündigung, bis 2029 rund 1.900 Stellen in Zuffenhausen und Weissach zu streichen. Weitere 500 Zeitverträge sollten nicht verlängert werden.
Im Mai 2026 ging es weiter: Porsche teilte die Schließung der Tochterfirmen Cellforce, eBike Performance und Cetitec mit. Über 500 Jobverluste standen unterm Strich. Ende Juli dieses Jahres schließlich wurde das Zukunftspaket präsentiert: Weitere 5.000 Stellen bis 2035 sollen, selbstverständlich sozialverträglich, gestrichen werden. So viel sollte einem die Zukunft schon wert sein.
In der Summe macht das etwa 9.000 Arbeitsplätze – mehr als jeder dritte Job am Heimatstandort soll also wegfallen. Nun kommen noch die 4.100 neuen Jobstreichungen hinzu – das Unternehmen wird immer weiter zerrieben.
Volkswagens Niedergang beschleunigt sich. Ein Blick auf die eingedampften Margen ist mehr als bloß alarmierend: Ursprünglich kalkulierte die Geschäftsleitung in diesem Jahr mit einer operativen Marge von 4 bis 5,5 Prozent. Aktuell ist sie auf 1 Prozent zusammengeschrumpft. Ein Sondereffekt von 10 Milliarden Euro belastet das Ergebnis. Der erkrankte Konzern liegt auf der Intensivstation.
Was sich bei Volkswagen vollzieht, ist das große Spiegelbild der deutschen Industrie: Schlechte heimische Rahmenbedingungen, viel zu hohe Energiekosten nach katastrophalen politischen Entscheidungen machen Industrieproduktion am Heimatstandort nahezu unmöglich. Seit 2018 ist etwa 15 Prozent der deutschen Industrieproduktion verschwunden. Rund 420.000 Jobs sind im Verarbeitenden Gewerbe seit 2019 weggefallen. Mit diesen Jobs verschwindet auch das Ingenieurswissen, das für eine Gesellschaft so unverzichtbar ist. Katastrophale Bauprojekte wie der BER, Stuttgart 21 oder die Hamburger Oper, bei denen regelmäßig Kosten und Zeitrahmen aus dem Ruder laufen, künden lautstark vom deutschen Brain Drain.
Deutschland im Jahr 2026: Die einen sind nicht mehr in der Lage, Infrastrukturprojekte zu organisieren, die anderen, Vertreter von Wirtschaft und Gewerkschaften, sind unfähig, die Trends am Weltmarkt zu antizipieren. Gemeinsam stimmt man in der Not das Hohelied des Moralismus an, im grünen Oberton, stets selbstgewiss, arrogant gegenüber abweichender Kritik. Eine Melodie des Niedergangs.


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Läge es am Standort Deutschland, dann würde Tesla nicht unlängst bekanntgeben, dass die Gigafactory in Grünheide erweitert/ausgebaut wird. So wird man nicht nur die Anzahl der Arbeitsplätze hochfahren, sondern auch vor Ort mit einer eigenen Zellfertigung beginnen und auch die Produktionszahlen hochschrauben. Tesla steht am gleichen Standort wie Porsche oder VW. Sie zahlen vermutlich auch ähnliche Strompreise. Der Fehler wird bei anderen gesucht, es ist hierzulande aber das Management. Erst die E-Mobilität ausgelacht, dann ignoriert und dann wurde man überrollt. Dann halbherzig umgesetzt und man dachte man kommt ohne eigene Zellen aus, weil sie nur zugekauft werden müssen. Absolute Fehlentscheidung.… Mehr
Es sind nur noch Funktionäre – auf allen Seiten.
Die Automobilindustrie in Deutschland hat zwar ein Standortproblem, aber es gibt keine generelle Krise.
Selbst die temporären Probleme bei VW und Porsche werden in wenigen Jahren vergessen sein.
Porsche baut heute immer noch Autos mit 480 PS aufwärts. Das wird nicht ewig gut gehen, zumal das EU-weite Tempolimit 130 bald Realität auch in Deutschland wird.
Die Industrie und mit ihnen die Arbeitsplätze verschwinden und aus dem Orkus verkünden die schwarz-roten Orakel Merz und Klingbeil das unaufhaltsame Wirtschaftswunder. So etwas kann sich kein vom Verstand geleitetes Hirn ausdenken.
Liebe Deutsche, ihr habt es geschafft.
Und eure Mama Merkel hatte recht:
Gemeinsam habt ihr das geschafft.
Alle sind mitmarschiert.
Und wer ist denn wirklich Schuld am Niedergang der Automobilindustrie. Und liebe Kommentaren bitte nicht gleich mit dem Roten Daumen Antworten, wir befinden uns hier in einer Blase, und wenn man mit dem Mainstream so spricht sind die davon überzeugt, dass sich die Batterietechnologie sich durchsetzen wird, die Chinesen – auch in diesem Sektor- besser aufgestellt sind. Den Niedergang einzig und allein in den hohen Energiekosten zu verorten ist zu einfach. Natürlich liegt es auch an der: Bürokratisierung (mehr Gesetzte ziehen auch mehr Verwaltung nach sich), fehlende Innovationsfreudigkeit, einer vernüftigen Fiskalpolitik… Es geht darum den rot-grün Denkendeninnen an Zahlen und… Mehr
Schmeißt sie alle raus, die Einheitsfrontwähler.
Die schiefe Bahn ist seit 2022 zur Klippe geworden. Damals konnte man durch die billige Energie und Rohstoffe aus Russland, viele der dummen Entscheidungen, wie die Energiewende, kompensieren. Außerdem hatte man den größten Automarkt Europas frei zugänglich.
Das ist nun aufgrund des von den USA angestachelten Krieges und der Sanktionen vorbei. Natürlich wurde nebenbei noch die Nordstream zerstört.
Passt doch. Leider lernen die Deutschen niemals aus ihrer Geschichte und laufen jedem neuen Führer, meisten Ausländer, wie der „Österreicher“, heute die US-Präsidenten (Oligarchen-Puppen), hinterher.
Warum werden die Schuldigen nicht benannt? Die Politik und die willfährigen Automanager sind die Verursacher. Konsequenzen?
Keine . Nur Vertuschung. Und wir dürfen es ausbaden .
Die Schuldigen? „Wir“ haben diese Politik doch mehrheitlich gewählt. Die Konsequenzen werden „wir“ tragen müssen. Zu recht.
Sie haben die Wahlberechtigten (inklusive der schlauen Nicht- und Ungültigwähler) vergessen, die in ihrer Mehrheit diese Politik erst ermöglicht haben.
Die Eigner des Autokonzerns sitzen in der Bredoullie, denn wer kauft schon einen mitgelenkten Staatskonzern und bindet sich damit ein Klotz ans Bein und nun müssen sie sehen, wie sie sich mit allerlei Zugeständnissen vor dem Ruin bewahren und damit recht wenig Aussicht auf Besserung besteht und ein Manager eines großen Konzerns aus Hamburg hat doch schon angedeutet, daß man nicht das gleiche Syndrom der Autoindustrie erleiden wolle und das sagt doch alles über den Zustand aus, wo es kein Entrinnen mehr gibt. Das einzige was die Mehrheitsaktionäre noch an größten Verlusten bewahren könnte, wäre eine Filetierung des Gesamtkonzerns um… Mehr