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So, 12. Jul 2026
Grüner Fraktionsvize leugnet bei Lanz Baerbocks Plagiate – und blamiert sich Screenshot ZDF: Markus Lanz
Oliver Krischer bei Markus Lanz
Grüner Fraktionsvize leugnet bei Lanz Baerbocks Plagiate – und blamiert sich

Bei Markus Lanz demontieren die Grünen sich live und in Farbe selbst. Der Vize-Fraktionsvorsitzende im Bundestag versucht zu leugnen, dass Baerbock überhaupt abgeschrieben hat, er spricht lieber von "Parallelitäten".

VON Max Mannhart | 7. Juli 2021
„Lügt“ die EU über das ungarische Gesetz gegen LGBT-Werbung für Kinder? IMAGO / NurPhoto
Ungarn
„Lügt“ die EU über das ungarische Gesetz gegen LGBT-Werbung für Kinder?

In einem Kommentar für 'The American Conservative' bezeichnet Rod Dreher die Stellungnahme von Ursula von der Leyen in Bezug auf das neue Gesetz Ungarns zum Schutz von Kindern gegenüber einer Werbung für Homosexualität als „Lüge“.

VON Gastautor | 7. Juli 2021
Hohe Energiepreise gefährden Existenz von Unternehmen imago images / Jannis Große
Kraftwerke abschalten und dann wundern
Hohe Energiepreise gefährden Existenz von Unternehmen

Einer der wichtigsten Standortfaktoren für viele Unternehmen, die Kosten für Energie, zeigen nur in eine Richtung, nach oben. Einen Energiepreisschock erleben auch Privatleute. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, stiegen die Energiepreise um 9,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

VON Holger Douglas | 7. Juli 2021
Der (Alb-)Traum von der polizei- und soldatenbefreiten Zone IMAGO / Jochen Tack
Stephans Spitzen:
Der (Alb-)Traum von der polizei- und soldatenbefreiten Zone

Was brauchen wir Polizei oder Armee? Ja, wir leben in einem Land der Wunder, in dem Träume Wirklichkeit werden, etwa der von einer polizei- und soldatenbefreiten Zone des ewigen Friedens! 

VON Cora Stephan | 6. Juli 2021
Die Ständige Impfkommission weist Forderung aus der Politik zurück IMAGO / Christian Ohde
Corona-Impfung von Kindern:
Die Ständige Impfkommission weist Forderung aus der Politik zurück

Die Ständige Impfkomission bleibt dabei, keine Impfempfehlung für Kinder auszusprechen. Dafür wird sie von Politik und Medien gescholten. Jetzt wehrt sie sich gegen die Vorwürfe.

VON Redaktion | 6. Juli 2021
Johnson und Laschet wollen „mit dem Virus leben“ – was auch sonst? IMAGO/ nurphoto | PoliticalMoments
Paradigmenwechsel in der Pandemie
Johnson und Laschet wollen „mit dem Virus leben“ – was auch sonst?

Der britische Premier Boris Johnson und der wahrscheinlich künftige Bundeskanzler Armin Laschet haben zeitgleich einen Paradigmenwechsel der Pandemiepolitik eingeleitet: den Abschied vom NoCovid-Größenwahn.

VON Ferdinand Knauss | 6. Juli 2021
John Ioannidis bei „Servus TV“: Der Unerhörte, der Recht behielt ServusTV / Manuel Seeger
Kollateralschäden schwerer als die des Virus
John Ioannidis bei „Servus TV“: Der Unerhörte, der Recht behielt

Der amerikanische Epidemiologe John Ioannidis zieht bei Servus TV eine umfassende Corona-Bilanz: „Die Reaktion war nicht wirklich angemessen und zielte nicht darauf ab denen zu helfen, denen geholfen werden sollte.“

VON Max Roland | 6. Juli 2021
Baerbock erhielt ein ungewöhnlich langes Stipendium der Böll-Stiftung IMAGO / photothek
40000 Euro für eine abgebrochene Dissertation
Baerbock erhielt ein ungewöhnlich langes Stipendium der Böll-Stiftung

Von der Heinrich-Böll-Stiftung erhielt Annalena Baerbock über 39 Monate ein Promotionsstipendium – weit mehr als üblich. Bei der grünennahen Stiftung gab man sich Mühe das zu verschleiern. TE enthielt man Informationen vor.

VON Redaktion | 6. Juli 2021
Die Tat von Würzburg darf nicht nur zum Fall für den Psychiater werden IMAGO / HMB-Media
Keine "Härteleistungen" für Opfer?
Die Tat von Würzburg darf nicht nur zum Fall für den Psychiater werden

Wer den politischen Hintergrund einer Terrortat aus politischen Gründen in Frage stellt, der schädigt die Opfer, die Angehörigen und die Überlebenden ein zweites Mal. Wer Terror psychiatrisiert, handelt politisch.

VON Alexander Wallasch | 6. Juli 2021
Linksradikale im öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Ein kleiner Faktencheck IMAGO / ari
Antifa in der ARD?
Linksradikale im öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Ein kleiner Faktencheck

Gibt es Redakteure mit linksradikalen Bezügen bei ARD und ZDF, wie der frühere Verfassungsschutzpräsident und CDU-Bundestagskandidat Hans-Georg Maaßen behauptet hat? Der Konflikt entzündete sich an judenfreundlichen Äußerungen Maaßens, die im WDR nicht allen gefielen ...

VON Gastautor | 6. Juli 2021
Wikipedia: Atomkraftbefürworter verschwinden, Baerbocks Affären werden verschwiegen IMAGO / Hans Lucas
"Nuklearia e.V." gelöscht
Wikipedia: Atomkraftbefürworter verschwinden, Baerbocks Affären werden verschwiegen

Die deutsche Wikipedia weist immer deutlicher eine politische Schlagseite auf. Es zeichnet sich eine neue Strategie ab: Nicht mehr nur verdrehen, sondern gleich ganz verschweigen. Egal ob Baerbocks Plagiate oder ein Atomenergie-Verein – was nicht gefällt, existiert nicht mehr. Ein Autor ist besonders aktiv.

VON Redaktion | 6. Juli 2021
Protest-Brief gegen Iran-Glückwünsche des österreichischen Bundespräsidenten IMAGO / Bernd Elmenthaler
"...dass Raisi ein Verbrecher ist"
Protest-Brief gegen Iran-Glückwünsche des österreichischen Bundespräsidenten

Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat dem neugewählten iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi gratuliert. Wissenschaftler, Publizisten und Künstler protestieren dagegen in einem offenen Brief, den wir im Folgenden dokumentieren.

VON Dokumentation | 6. Juli 2021
Es grünt so grün in Baerbocks Vita, wenn ein Parteifreund Wikipedia bestückt IMAGO / Rüdiger Wölk
"eine unglaubliche Leistung"
Es grünt so grün in Baerbocks Vita, wenn ein Parteifreund Wikipedia bestückt

Während Annalena Baerbock wegen verspäteter Meldung von Nebeneinkünften, ihres frisierten Lebenslaufs und Plagiaten in ihrem Buch angegriffen wird, ist wenigstens auf Wikipedia ihre Welt noch in Ordnung. Kein Wunder. Den Wiki-Eintrag schreibt unter anderen ein Parteifreund.

VON Alexander Wallasch | 6. Juli 2021
Warum es der Politikertyp Baerbock nicht können kann picture alliance/dpa | Christoph Soeder
Das Zauberwort heißt Verantwortung
Warum es der Politikertyp Baerbock nicht können kann

Der grüne Hochmut, das selbstgerechte Alles-Besser-Wissen und die moralische Herablassung gegenüber dem einfachen Volk bleibt. Die Baerbock-Buch-Blamage hat diesen Sachverhalt exemplarisch beleuchtet, dafür darf man durchaus dankbar sein. Von Michael W. Alberts

VON Gastautor | 6. Juli 2021
Baerbock erstellte ganze Buchseite fast vollständig im Collage-Verfahren Collage mit: picture alliance/dpa | Christoph Soeder
Über Zwei Drittel abgeschrieben
Baerbock erstellte ganze Buchseite fast vollständig im Collage-Verfahren

Plagiatsprüfer Stefan Weber hat neue Funde aus Baerbocks Buch vorgelegt. Langsam wird die Dimension deutlich: Weber vermutet, dass große Teile des Buches im "Collage-Prinzip" erstellt wurden.

VON Redaktion | 6. Juli 2021
Die Gender-Streber von der Haltungs-Klasse IMAGO / Martin Müller
SPIEGEL und HANDELSBLATT gendern jetzt auch
Die Gender-Streber von der Haltungs-Klasse

Ein Alleingang ist es nicht, was der Spiegel hier inszeniert. Insofern ist er als Streber etwas hinten dran. Die Taz, die ein ähnliches Publikum bedient wie der Spiegel, ist schon viel weiter, das ZDF ohnehin, dpa und Handelsblatt auch.

VON Josef Kraus | 6. Juli 2021
Gunnar Heinsohn: Kompetente Länder kommen besser durch Coronakrise IMAGO / ZUMA Wire
„Intelligenzismus statt Rassismus“
Gunnar Heinsohn: Kompetente Länder kommen besser durch Coronakrise

Länder in Fernost überstehen nicht nur Covid-19 besser, sie überflügeln auch im Bildungs- und Technologiewettbewerb den Westen immer weiter. Erleben wir ein ostasiatisches Jahrhundert? Warum fällt Europa zurück? Tichys Einblick sprach mit dem Soziologen Gunnar Heinsohn.

VON Alexander Wendt | 5. Juli 2021
Leserstimmen zur Rückkehr der Bundeswehr-Soldaten aus Afghanistan picture alliance/dpa/dpa-Pool | Hauke-Christian Dittrich
Zustände wie im alten Rom
Leserstimmen zur Rückkehr der Bundeswehr-Soldaten aus Afghanistan

TE-Leser sind empört darüber, dass den aus Afghanistan heimkehrenden Bundeswehrsoldaten keinerlei Ehre, kein Willkommen, kein Dank, keine Achtung für ihren riskanten Einsatz zuteil wird. Der öffentliche Tenor sei: Nun sind sie halt wieder da! Hier eine kleine Auswahl an Leserkommentaren.

VON Barbara Goergen | 5. Juli 2021
Lockdown für Ungeimpfte? NoCovid-Politiker zweifeln an der Aussagekraft der Inzidenz IMAGO / Jens Schicke
Corona-Update 5. Juli 2021
Lockdown für Ungeimpfte? NoCovid-Politiker zweifeln an der Aussagekraft der Inzidenz

Der Inzidenzwert war der alles bestimmende Parameter der Pandemiepolitik. Nun hinterfragen führende Politiker seine Aussagekraft. Der Grund könnte weniger Einsicht sein als vielmehr ein Strategiewechsel auf dem Weg zum nächsten Lockdown.

VON Max Mannhart | 5. Juli 2021
Die Angst vor der Intoleranz: „Ein Faktor sind die Medien“ IMAGO / Reiner Zensen
Interview mit Allensbach-Forscher
Die Angst vor der Intoleranz: „Ein Faktor sind die Medien“

Eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach sorgt für Aufregung: Die Mehrheit der Deutschen sieht die Meinungsfreiheit in Gefahr. Ein Interview von Sebastian Sasse mit dem Instituts-Mitarbeiter Thomas Petersen.

VON Gastautor | 5. Juli 2021

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12. Juli 2026

WISSENSCHAFT AUF ABWEGEN

 „Folge der Wissenschaft“

Von
Gastautor

Die Wissenschaft umgibt sich mit der Aura steter Beschleunigung, die zu immer neuen Möglichkeiten führt, unsere Welt zu verstehen und zu verändern. Auch für die Herausforderungen der Zukunft setzen wir große Hoffnungen auf Wissenschaftler und wissenschaftliche Strukturen. Aber ist die heutige Forschung diesen Anforderungen gewachsen? „Folge der Wissenschaft“ gilt als Motto vieler Aktivisten – aber welche Wissenschaft meinen die, die dieses Motto wie eine Monstranz vor sich hertragen, genau, und können sie diesen Anspruch einlösen?

Aus der Abschiedsansprache von US-Präsident Dwight D. Eisenhower aus dem Jahr 1961 wird in der politischen Diskussion in diesem Zusammenhang häufig zitiert, weil er bei dieser Gelegenheit nicht nur vor dem „militärisch-industriellen Komplex“ warnte, sondern auch Trends in der Wissenschaft kritisch und weitblickend reflektierte. Der abtretende Präsident machte schon vor 65 Jahren deutlich, dass ökonomische Interessen oder Abhängigkeiten in der Wissenschaft großen Schaden anrichten könnten. Auch ein zweites Problem sah Eisenhower voraus: Wissenschaftliche Eliten könnten politische Prozesse kapern. Sie beschädigten aufgrund der Rückwirkungen auch die Wissenschaft selbst.

In der Tat sind Förderungen heute ideologisiert – ebenso wie Studieninhalte und Auswahlprozesse des Nachwuchses. Dass Dissens und Unabhängigkeit wesentliche Voraussetzungen für wissenschaftlichen Fortschritt sind, wurde von dem damals sehr populären polnisch-britischen Philosophen Jacob Bronowski betont. Auch Karl Popper erwies sich als früher Kritiker der Entwicklungen im wissenschaftlichen Betrieb. Er schrieb sehr weitsichtig im Jahr 1968: „Ich denke, dass die zwei wesentlichen Hindernisse für den Fortschritt in der Wissenschaft sozialer Natur sind: ökonomische und ideologische Hindernisse.“ Er warnte dann vor dem, was er – im Grunde ähnlich wie Eisenhower – „Big Science“, also „große Wissenschaft“, nannte: Zu viel Geld würde zu wenige Ideen jagen, und die explosionsartig zunehmende Zahl an Publikationen würde die seltenen guten in einer Flut des Mittelmaßes oder Unsinns ertränken.

Qualität im Sturzflug

Augenmaß und gesunder Menschenverstand
Wokeness: der polemische Gegenbegriff zur Normalität
Genau dies ist tatsächlich geschehen. Popper hatte aber auch noch einen anderen – sagen wir es etwas flapsig – Frust, gegen den er regelmäßig anschrieb: intellektuelle Überheblichkeit und unangemessene „große Worte“. „Das Verfahren – wo die Argumente fehlen, da ersetze man sie durch den Wortschwall – war erfolgreich.“ Dieser „Wortschwall“ wird heute verwendet, um immer mehr immer irrelevante Artikel zu publizieren oder um bestimmte ideologisch motivierte Ideen mit großen Worten zu verteidigen, selbst wenn sie längst an der Realität gescheitert sind. Denken wir an Energiewende, Wirtschaftskrise, Migrationspolitik: Viele Maßnahmen, die angeblich dem Umweltschutz dienen, lassen sich wortgewandt „wissenschaftlich“ herbeizaubern.

Die Warnungen wurden nicht ernst genommen. Die negativen Folgen werden immer deutlicher und beschädigen den wissenschaftlichen Prozess nachhaltig. Zahlreiche Untersuchungen und Experimente zeigen, dass qualitätssichernde Maßnahmen in der Wissenschaft nicht hinreichend funktionieren und zudem von ideologischen Wunschvorstellungen ausgebremst werden. Alan Sokal hat dies bereits vor 30 Jahren öffentlichkeitswirksam gezeigt. Er sandte einen völlig unsinnigen Wortsalat-Artikel an ein führendes sozialwissenschaftliches Journal, wo er ohne Probleme publiziert wurde.

Systematischer wurde das kürzlich von John Bohannon getestet. Unter Pseudonym sandte er Varianten eines offensichtlich fehlerhaften Artikels an Hunderte Zeitschriften. In den meisten Fällen konnte er keine erkennbare Qualitätssicherung feststellen. Weitere vielfach zitierte und fundamentale Arbeiten stammen von John Ioannidis (Stanford-Universität). Die Titel wissenschaftlicher Studien seien häufig verklausuliert oder vage, stellte er fest, was auf seinen Artikel von 2005 keineswegs zutraf: „Warum die meisten publizierten wissenschaftlichen Erkenntnisse falsch sind“. Die untersuchten Arbeiten seien methodisch so schlecht, dass deren Ergebnisse irrelevant seien und im Grunde nie hätten publiziert oder rezipiert werden dürfen.

Mode beherrscht auch die Forschung

Ganze Forschungsbereiche können modischen Strömungen verfallen, etwa die Hirnforschung, wo über lange Zeit der Einsatz bildgebender Verfahren in der Auswertung meist funktioneller Magnetresonanztomographie geradezu eine Notwendigkeit für Publikationen war. Nun hat sich herausgestellt, dass wesentliche statistische Prinzipien in einem großen Teil dieser Studien ignoriert wurden und viele Arbeiten daher nutzlos sind. Millionen Euro an Forschungsmitteln wurden hier wohl verschwendet, die man ohne Zweifel nutzbringender hätte einsetzen können. Den bisher vielleicht größten Aufruhr lösten umfangreiche Studien des Psychologen Brian Nosek 2015 und 2018 aus. Sein Team untersuchte 100 vermeintlich hochwertige psychologische Studien. Diese sollten gemäß der methodischen Beschreibung wiederholt werden. Kaum 50 Prozent der hochrangigen Arbeiten ließen sich jedoch replizieren.

Hinzu kommt eine immer stärkere Ideologisierung der Wissenschaft. Auch diese ist gut untersucht. Im Jahr 2023 veröffentlichte etwa Kaitlin Kimmel eine Studie, in der 350 Artikel im Fachbereich Ökologie untersucht wurden. Sie fand in vielen Fällen systematische Übertreibungen und selektive Berichterstattung. Auch die (ebenfalls stark politisierte) Klimaforschung bleibt von diesem Problem nicht verschont. Patrick T. Brown, ein kalifornischer Klimaforscher, veröffentlichte 2023 eine wissenschaftliche Arbeit in der hoch angesehenen Zeitschrift „Nature“. Danach beklagte er, dass er nur einen Teil seiner Erkenntnisse in den Artikel aufnehmen konnte, sonst wäre er nicht publiziert worden. Jessica Weinkle, eine US-Professorin, die sich intensiv mit der Frage des Zusammenspiels von Wissenschaft und Politik beschäftigte, bestätigte dies in einer Ansprache vor dem US-Senat: „Die Wissenschaft zum Klimawandel zeigt ein unterschätztes dynamisches System von Interessenkonflikten zwischen Klimaforschern, Interessenverbänden und der Finanzindustrie.“ Diese ideologische Schlagseite wird offensiv vertreten.

So schrieb etwa Marcia McNutt als Chefredakteurin von „Science“, einem der bedeutendsten wissenschaftlichen Magazine weltweit, in einem Editorial über Klimaforschung im Jahr 2015, dass die Zeit der Debatte beendet sei. Sie verglich den Klimawandel mit Dantes „Inferno“ und diskutierte, an welcher Stelle einzelne Sünder in den Ringen der Hölle einzuordnen wären. Nun kann man sich überlegen, welche Wirkung ein solches Editorial auf Wissenschaftler hat, die aus Karrieregründen in diesen Journalen publizieren müssen. In dieser Gemengelage ist es auch nicht mehr verwunderlich, wenn führende Wissenschaftsmagazine Wahlempfehlungen, etwa bei der Entscheidung zwischen Trump und Biden, abgeben. So hieß es in einem Aufmacher von „Nature“: „Wir können nicht tatenlos zusehen, wie die Wissenschaft unterminiert wird. Joe Bidens Vertrauen in Wahrheit, Beweise, Wissenschaft und Demokratie machen ihn zur einzigen Wahl bei den US-Wahlen.“

Fälschungen nehmen zu

Die fossilen Grundlagen unserer Zivilisation
Wer die Welt verändern will, sollte verstehen, wie sie funktioniert
Aber nicht nur ideologisch getriebene Forschung und dramatische Qualitätsprobleme plagen die Wissenschaftspraxis, zudem nehmen harter Betrug und Fälschung (auch befeuert durch KI) bedrohliche Ausmaße an. Dazu zählt die Fälschung von Daten, die Erfindung von Experimenten, die gar nicht stattgefunden haben, oder eine manipulative statistische Darstellung. Hinzu kommen andere als unethisch geltende Praktiken. So gaben in einer großen niederländischen Studie rund die Hälfte der Doktoranden und Professoren zu, regelmäßig wenigstens eine von elf zur Auswahl gestellten fragwürdigen Praktiken anzuwenden. Der schon genannte John Ioannidis schätzte im Gespräch mit dem Autor, dass die oftmals genannte Zahl von einem Prozent Betrug in der Wissenschaft wohl eher bei zehn Prozent liege, Tendenz steigend.

Rasanter Stillstand

Der bekannte britische Physiker David Deutsch deutete in einem Gespräch in seinem Büro auf das Bild der 30 Physiker, die an der Solvay-Konferenz 1913 in Brüssel teilgenommen hatten. Dabei bemerkte er leicht polemisch, dass dies mehr oder weniger die Welt-Physik vor hundert Jahren war. Diese Physiker hätten die wesentlichen Grundlagen der Physik gelegt. Heute hätten wir um Größenordnungen mehr Physiker, aber es herrsche seit 50 Jahren weitgehend Stillstand in fundamentalen Fragen. Jetzt könnte man hoffen, dass wir zwar eine dramatische Qualitätskrise erleben, neben der es dennoch eine blühende Wissenschaftslandschaft gibt, zumal die Zahl an Wissenschaftlern, Publikationen und verwandten Ressourcen seit Langem sehr schnell zunimmt. Viel mehr Menschen mit viel mehr Geld und immer besserer Technik sollten auch entsprechend mehr leisten. Es zeigt sich leider, dass das Gegenteil der Fall ist. Stagnation in der Wissenschaft ist ebenso wie in anderen Bereichen unserer Gesellschaft gang und gäbe.

Die deutsche Physikerin Sabine Hossenfelder fasst dies für die Physik pointiert so zusammen: „… meine Generation war erstaunlich erfolglos […] über mehr als dreißig Jahre waren wir nicht in der Lage, die Fundamente der Physik zu verbessern.“ Das ist im Übrigen nicht Polemik, sondern lässt sich auch quantitativ erfassen.

Die Corona-Protokolle des RKI
Beruhte die Corona-Impfkampagne auf der Vorspiegelung falscher Tatsachen?
Tatsächlich gibt es zahlreiche Untersuchungen, die diese Stagnation für große Teile der Wissenschaft, nicht nur in der Physik, mit Zahlen belegen. Das Schaubild oben verdeutlich dies, denn die vertikalen Achsen sind logarithmisch, das bedeutet, dass die Zahl an Wissenschaftlern exponentiell anwächst (dasselbe trifft zu auf die Zahl an Publikationen), während die Produktivität im gleichen Maß abnimmt. Wir treten also Wasser, mit stetig stark steigenden Aufwänden und Kosten. Eine beispielhaft herausgegriffene, umfangreiche Studie des Stanford-Ökonomen Nicholas Bloom findet genau diesen Zusammenhang. Die Wissenschaftler untersuchen das Verhältnis von Forschungsaufwand im Vergleich zu den erzielten Ergebnissen. Dabei werden in verschiedenen Fachbereichen mikroökonomische Vergleiche der Produktivitätsveränderungen angestellt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Alle 13 Jahre halbiert sich die Forschungsproduktivität. Man muss solche Zahlen kritisch reflektieren, aber die Ergebnisse sind so eindeutig, vielfach belegt und so negativ, dass man den Effekt kaum bestreiten kann.

Falsche Anreize

Natürlich wird auch heute noch gute Wissenschaft betrieben, aber es steckt immer mehr Sand im Getriebe, und ganze Forschungsgebiete drohen im Qualitätssumpf zu versinken oder sind bereits verschwunden. Es gibt verschiedene Begründungen für das zunehmende Versagen. Max Perutz, der während der Nazi-Diktatur aus Österreich nach Cambridge (UK) vertriebene und 1962 mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Chemiker, wurde am Ende seines Lebens einmal gefragt, wie es gelungen sei, aus seinem Labor neun Nobelpreisträger hervorzubringen. Perutz’ Anwort spricht für sich: „Keine Politik, keine Komitees, keine Berichte, keine Gutachter, keine Interviews. Nur begabte, hoch motivierte Menschen, ausgewählt von einer kleinen Zahl von Männern mit guter Urteilskraft.“ Der mittlerweile emeritierte österreichische Philosoph Konrad Paul Liessmann formulierte es in seiner seit 2006 in mittlerweile 17. Auflage erschienenen „Theorie der Unbildung“ so: „Forschung [braucht] vor allem eines […]: Zeit und Freiheit“.

Ein wesentlicher Grund für die heutige Dysfunktionalität liegt in der außer Kontrolle geratenen Wissenschaftsbürokratie sowie systemischer Inkompetenz. Was hätten Albert Einstein, Marie Curie, Immanuel Kant oder Werner Heisenberg gesagt, hätte man sie aufgefordert, nach Stundenlisten zu forschen? Ein Zeitalter der Rekonstruktion ist für wesentliche politische Systeme ebenso wie für die Wissenschaft unabdingbar. Das Schlimmste an der Krise aber ist die Tatsache, dass diese weitgehend schulterzuckend zur Kenntnis genommen und zum fragwürdigen Tagesgeschäft übergegangen wird. Nur wenige Disziplinen und Wissenschaftler versuchen das Problem aktiv anzugehen. Ganz mit Goethes Mephisto gesprochen: „So lang der Wirt nur weiter borgt, sind sie vergnügt und unbesorgt“.

So wäre selbst unter normalen Umständen der Aufruf „Folge der Wissenschaft“ fragwürdig – denn die Wissenschaft ist keine Instanz, hat keine Vertreter der Wahrheit, auch wenn so manche Wissenschaftler wie Propheten auftreten. Unter den genannten Rahmenbedingungen wird diese Forderung vollends zur Farce. Der erste Schritt zur Besserung wäre es, Karl Poppers Aufruf zu mehr intellektueller Bescheidenheit zu folgen und das Motto der ersten wissenschaftlichen Gesellschaft der Welt, der 1660 in London gegründeten britischen Royal Society, ernst zu nehmen: „nullius in verba“ – „Verlass dich auf das Wort von niemandem“. Gemeint war damit, dass man auch wissenschaftliche Autoritäten nicht beim Wort nehmen, sondern kritisch hinterfragen sollte.

Alexander Schatten. Hexenmeister oder Zauberlehrling? Die Wissensgesellschaft in der Krise. Seifert Verlag, Hardcover, 352 Seiten, 28,00 €


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12. Juli 2026 Chatkontrolle

Neues Ticket-System

Smartphone-Pflicht im Stadion: Wie Bayern München der EU bei der Chatkontrolle hilft

Von
Alexander Heiden

Der FC Bayern schafft die gedruckte Eintrittskarte ab. Komplett. In die Münchner Allianz-Arena kommen die Fußballanhänger nur noch, wenn sie ein Smartphone haben – UND entweder die FC-Bayern-App oder die Allianz-Arena-App.

Externe Anbieter wie Apple Wallet oder Google Wallet werden nicht mehr unterstützt. Auch PDF-Tickets werden nicht mehr akzeptiert. Screenshots reichen nicht; sie werden weitgehend unterbunden.

Kein Handy – kein Stadion

Der Club nennt das „Service“ und behauptet, der Stadionbesuch werde dadurch „noch einfacher“. Diese Redewendungen kennt man: Es ist die Sprache jeder digitalen Entmündigung. Erst wird ein analoges Angebot abgeschafft, dann nennt man die Verringerung der Wahlmöglichkeiten „Komfort“.

Früher ging der Fan des deutschen Rekordmeisters zu den Spielen mit einer Eintrittskarte und einem rot-weißen Schal. Heute braucht derselbe Fan ein Smartphone, einen Akku, ein Betriebssystem, eine App, ein Konto, ein Login-Passwort – und die Zustimmung zu einem geschlossenen technischen System.

Wer das nicht hat, bleibt draußen.

Der Fan als Datensatz

Der Verein nennt das „modernes Ticketing“. In Wahrheit ist es die totale Zutrittskontrolle.

Denn der Stadionbesucher kauft ja gar keine Eintrittskarte mehr. Stattdessen geht er eine digitale Geschäftsverbindung ein, und in der ist der Informationsfluss maximal einseitig. Der Club weiß, wer kauft, wer weiterleitet, wer annimmt, wer mit wem kommt, welches Konto genutzt wird, welche App installiert ist. Aus dem Stadionbesuch wird ein digitaler Überwachungsvorgang. Aus dem Anhänger wird ein Nutzer, aus der Eintrittskarte wird ein Kontrollinstrument.

Natürlich lautet die offizielle Begründung: weniger Schwarzmarkt, weniger Fälschungen, mehr Sicherheit, weniger Papier. Der FC Bayern schreibt selbst, das digitale Ticket sorge für Transparenz, verhindere gefälschte Karten und erhöhe die Stadionsicherheit, weil der Zutritt klar und nachvollziehbar geregelt sei.

„Klar und nachvollziehbar“ ist der moderne Code für: lückenlos überwacht.

Fußball als Wartezimmer der Chatkontrolle

Das passiert nicht zufällig im selben Moment, in dem die EU die nächste Großoffensive gegen das gestartet hat, was von der bürgerlichen Privatsphäre noch übrig war.

Das EU-Parlament hat unter Missachtung seiner eigenen Regeln die befristete Fortsetzung einer skandalösen Ausnahmeregelung durchgewunken. Die erlaubt den üblichen Plattformen, private Kommunikation zu scannen.

Im Klartext: Es geht um Chatkontrolle.

Begründet wird das natürlich mit „Jugendschutz“ und dem „Kampf gegen Kinderpornografie“. Klar, mehr moralisches Argument geht nicht. Doch dahinter wird jede private Kommunikation zum staatlichen Prüfobjekt. Digitale Räume werden zu Kontrollzonen. Bürger werden unter einen automatisierten, von Algorithmen verwalteten Generalverdacht gestellt.

Die Demokratie bekommt „Totalüberwachung“ als Werkseinstellung.

Der FC Bayern hat in Brüssel nicht mit abgestimmt. Der Verein schreibt auch keine EU-Verordnungen. Er tut etwas Schlimmeres: Ohne Not implementiert er die Logik der Kontrolle im Alltag. Er gewöhnt Hunderttausende Fans daran, dass die Teilnahme am öffentlichen Leben und an Veranstaltungen nur noch mittels Digitalgerät und App funktioniert. Er trainiert die Bürger darauf, dass selbst der Fußball künftig an technische Erfassung gebunden ist.

Wer nicht mitmacht, bleibt draußen. Das heißt dann nicht Verbot, sondern Innovation.

Arroganz der Macht

So etwas kann sich nur ein internationaler Großkonzern extremer Marktmacht leisten. Der FC Bayern ist kein Dorfverein mit Vereinslokal in der Eckkneipe. Im Geschäftsjahr 2024/25 meldete der Club einen Umsatz in Höhe von 978,3 Millionen Euro und ein EBITDA von 187,8 Millionen Euro.

Wer den Deutschen Meister sehen will, muss in die Allianz-Arena. In der abgelaufenen Saison 2025/26 waren alle Heimspiele überbucht. Die Nachfrage nach Sitzplätzen im Stadion ist also größer als das Angebot. Das ist die perfekte Machtposition: Wer rein will, muss alles schlucken. Wer nicht schlucken will, muss draußen bleiben.

Fußball oder Datenschutz?

Ganz abgesehen von der drastischen Entwertung der Fankultur. Gedruckte Tickets sind Erinnerungen zum Anfassen (und nicht selten sündhaft teure Sammlerstücke). Sie hängen an Wänden und steckten in Fotoalben. Das neue E-Ticket verschwindet nach dem Scan im Verdauungsapparat der App.

In einem funktionierenden Markt straft der Kunde solche Bevormundung ab. Aber die Bundesliga ist schon lange kein funktionierender Markt mehr. Der FC Bayern hat in vielerlei Hinsicht ein Quasi-Monopol. Ein Fußball-Fan ist kein herkömmlicher Kunde. Er kann nicht einfach zum Konkurrenzanbieter wechseln. Das weiß der geschäftstüchtige Club nur zu gut:

Seine „Kunden“ sind emotional abhängig. Die lassen sich mehr gefallen als ein normaler Geschäftspartner in einem funktionierenden Markt.

Ausnahmen kaschieren Zumutungen

Und was machen die vielen älteren Fans? Die Kinder, die Menschen mit geringem Einkommen, die technischen Analphabeten, die Menschen mit Behinderung? Was machen Fangruppen, wo einer die Tickets für alle kauft? Was machen Fans mit kaputtem Display, leerem Akku oder altem Betriebssystem (unterstützt werden nur noch iOS-Geräte ab Version 16.6 und Android-Geräte ab Version 7.0)?

Für all diese Menschen solle es Ausnahmeregelungen geben, beschwichtigt der Verein. Na, dann ist ja alles gut.

Nichts ist gut. Denn in Wahrheit geht es um Gewöhnung. Heute Stadion, morgen Bahn, übermorgen Behörde. Dann Arzt, Museum, Schule, Hotel, Konzert, Messe, Stadtfest. Überall heißt es: nur noch App, nur noch digital, nur noch kontrollierbar. Jeder einzelne Schritt wirkt praktisch. Alle zusammen ergeben eine Gesellschaft, in der man offline nicht leben darf.

Der FC Bayern könnte zeigen, dass Digitalisierung Wahlfreiheit bedeutet. Digitale Tickets für alle, die sie wollen. Papier für alle, die es wollen. Das wäre wirklich kundenfreundlich, freiheitlich und modern.

Mia san scanbar

Der FC Bayern ist Deutschlands größter und mächtigster Fußballverein. Was Bayern macht, wird Standard. Wenn der Branchenprimus seine Fans an die digitale Leine nimmt, wird es die Konkurrenz bald auch tun.

Der erste Nachahmungskandidat ist Borussia Dortmund. Der BVB ist eine börsennotierte GmbH & Co. KGaA mit einem Konzernumsatz im Geschäftsjahr 2024/25 in Höhe von 526 Millionen Euro. Sein Stadion, der Signal-Iduna-Park, fasst 81.365 Zuschauer und ist – wie die Allianz-Arena – in praktisch allen Spielen frühzeitig ausverkauft. Wer will dagegen wetten, dass der BVB auch schon bald den Bayern-Weg gehen wird?

Die Bundesliga wird zur App-Liga.

So entsteht Kontrolle nicht nur durch Gesetze, sondern durch Konzernentscheidungen, die den Bürgern ihren Alltag vorschreiben. Die EU zimmert die politische Architektur. Großunternehmen sorgen für die tägliche Gewöhnung.

Der Staat fordert Durchleuchtung. Der FC Bayern trainiert Gehorsam.

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12. Juli 2026

Emmy Party 2026

„Wir werden nur noch angelogen“ – Tina Ruland rechnet mit der Politik ab

Von
Redaktion

Solche Sätze gehören auf Veranstaltungen der deutschen Unterhaltungsbranche zu den allerseltensten Darbietungen. Schauspielerin Tina Ruland hat bei einem Event von Emmy in Berlin gegenüber TIK online die politischen Zustände in Deutschland mit einer Schärfe beschrieben, die weit über die üblichen Prominentenfloskeln hinausgeht.

Ruland nennt die gegenwärtige Lage „extremst beängstigend“. Was derzeit in der Politik geschehe, gehe „auf keine Kuhhaut“. Ihre Worte treffen eine politische Klasse, die sich an gebrochene Versprechen, folgenlose Affären und den wachsenden Zorn der Bevölkerung gewöhnt hat.

Tina Ruland wurde 1991 als Uschi in der Kultkomödie „Manta, Manta“ an der Seite von Til Schweiger bundesweit bekannt. Die Rolle machte sie über Nacht zu einem der populärsten Gesichter des deutschen Films. 2023 kehrte sie für „Manta Manta – Zwoter Teil“ zu ihrer Paraderolle zurück.

Ihre Karriere reicht weit über den Ruhrpott-Kultfilm hinaus. Ruland spielte in mehr als 70 Film- und Fernsehproduktionen, darunter mehrere Jahre in der ARD-Serie „Nicht von schlechten Eltern“, in „Drehkreuz Airport“, „Das Traumschiff“, „Der Feuervogel“ und zahlreichen Fernsehfilmen. 1994 erhielt sie einen Bambi. Sie gehört seit mehr als drei Jahrzehnten zum festen deutschen Fernsehbetrieb.
Darum sind die Aussagen Rulands auch nicht ohne ein erhebliches berufliches Risiko für die mutige Frau.

Gerade aus diesem Milieu kommt nun eine Abrechnung mit der Berliner Politik. Ruland fordert die amtierenden Politiker auf, endlich wieder den Bürgern zuzuhören. Der Souverän sei ihr Arbeitgeber. Seine Erwartungen, Wünsche und Forderungen müssten für politische Entscheidungen maßgeblich sein. Nach ihrer Wahrnehmung geschieht genau das längst nicht mehr.

„Wir werden nur noch angelogen. Es wird was ausgesprochen und dann wird das einfach wieder zurückgenommen und niemand schert sich mehr.“

Politische Zusagen besitzen nach Rulands Urteil kaum noch Wert. Erklärungen werden abgegeben und anschließend einkassiert. Die Verantwortlichen sitzen den entstandenen Schaden aus. Die Bevölkerung sei durch dieses ständige Schauspiel inzwischen derart abgestumpft, dass viele nur noch resigniert feststellten: Die da oben machen ohnehin weiter.

Ruland beschreibt eine Regierungskaste, der die Reaktion der Bürger vollkommen gleichgültig geworden sei. Schon diese Trennung zwischen „denen“ und „uns“ hält sie für ein Alarmsignal. Politik und Bevölkerung müssten ein gemeinsames „Wir“ bilden. Dieses gemeinsame Fundament finde inzwischen kaum noch statt.

„Denen ist völlig egal. Und alleine diese Aussage ist schon schlecht, weil das sollte eigentlich ein Wir sein. Und das findet aber nicht mehr statt.“

Diese Entfremdung mache ihr große Angst. Ruland spricht damit einen politischen Zustand aus, den Millionen Bürger jeden Tag erleben: Sie wählen, zahlen und tragen die Folgen. Entscheidungen fallen über ihre Köpfe hinweg. Protest wird moralisch abgewertet. Gebrochene Versprechen verschwinden im nächsten Nachrichtenzyklus.

Auf die Frage nach den Folgen für das Wahlverhalten wird Ruland noch deutlicher. Sie hält die weitere Verschiebung der politischen Kräfte für vorhersehbar. Die Verantwortung dafür weist sie den etablierten Parteien zu.

„Daran sind nicht die Bürger schuld, daran ist auch nicht die AfD schuld. Daran sind einzig und allein die Altparteien schuld, die schlechte Politik machen.“

Wer die Bürger dauerhaft übergehe, erzeuge die politische Gegenreaktion selbst. Bürger, die sich nicht mehr gehört fühlten, wählten schließlich eine andere Partei. Für Ruland ist das eine logische Konsequenz. Die Verantwortung liege bei jenen Parteien, die seit Jahren regieren und ihre Politik trotz offenkundiger Ablehnung fortsetzen.

Damit verweigert sie sich der bequemen Schuldzuweisung, nach der Wähler aus moralischem Versagen bei der AfD ihr Kreuz machen. Ruland richtet den Blick auf die Ursachen: schlechte Politik, die Missachtung der Bürger und die Weigerung der Verantwortlichen, aus Wahlergebnissen Konsequenzen zu ziehen.

Besonders hart fällt ihr Urteil über den Umgang mit politischen Affären aus. Amtsträger dürften bei schwerem Fehlverhalten nach ihrer Forderung nicht straffrei ausgehen. Als Beispiel nennt sie die Maskenaffäre. Ruland zieht einen Vergleich mit Spanien. Dort müsse ein verantwortlicher Minister nach ihrer Darstellung für 19 Jahre ins Gefängnis. In Deutschland werde Jens Spahn dagegen befördert. Ihre Frage lautet: „Was läuft schief?“

„Das kann nicht sein. Man muss einfach so damit umgehen, wie jeder von uns, jeder Arbeitnehmer, jeder Arbeitgeber sich verhalten muss.“

Ruland verlangt für Politiker dieselben Maßstäbe, die in jedem Unternehmen und für jeden Bürger gelten. Fehlentscheidungen müssen Konsequenzen haben. Der politische Betrieb hat nach ihrem Eindruck eine Sonderzone geschaffen, in der Verantwortung verdunstet und Karrieren selbst schwere Affären überstehen.

„Das kann nicht sein“

Den tiefsten Verfall erkennt sie im Verlust des politischen Ehrenkodex. Gewissen und persönliche Verantwortung seien aus der Politik verschwunden. Der eigene Vorteil beherrsche das Denken vieler Amtsträger.

„Es gibt für mich scheinbar keine Ehre und kein Gewissen mehr in der Politik. Es geht nur noch darum: Wie bereichere ich mich selber?“

Ruland beschreibt Politiker, die ihre Zeit im Amt für die eigene Karriere nutzen und anschließend mit hohen Bezügen bis ans Lebensende versorgt werden. Für die Bevölkerung bleiben die Rechnungen, die Schulden und die Folgen ihrer Entscheidungen. „Das kann nicht sein“, sagt sie zweimal. Der Satz klingt wie das Urteil über ein politisches System, dessen Vertreter sich von den Regeln entfernt haben, die sie allen anderen auferlegen.

Ruland hat damit ausgesprochen, was der deutsche Kulturbetrieb gewöhnlich sorgsam umgeht. Die politische Klasse verliert das Vertrauen der Bürger durch ihr eigenes Handeln. Affären bleiben folgenlos. Verantwortliche steigen weiter auf. Der Souverän wird erst wieder interessant, wenn seine Stimme für den nächsten Machterhalt gebraucht wird.

„Die Politiker kümmern sich null!“

Auch Schauspielerin Caroline Beil fand auf derselben Veranstaltung ungewöhnlich deutliche Worte. Die Tochter des Journalisten und Talkmasters Peter Beil gehört seit Jahrzehnten zu den bekannten Gesichtern des deutschen Fernsehens. Einem breiten Publikum wurde sie durch Moderationen bei Sat.1 und RTL, zahlreiche Fernsehrollen sowie Formate wie „Sturm der Liebe“, „Verbotene Liebe“ oder „Der Landarzt“ bekannt.

Beil eröffnete ihre politische Einordnung mit einer scharfen Abrechnung mit Berlins Bürgermeister Kai Wegner (CDU), der seinen Rückzug angekündigt hatte.

„Ein Mensch, der lügt und Tennis spielt, während 45.000 Haushalte ohne Strom sind, der sollte auch schleunigst zurücktreten.“

Es sei ein Wunder, dass dieser Schritt nicht schon früher erfolgt sei, sagte die Schauspielerin. Für Politiker dieser Art fand sie eine ebenso knappe wie vernichtende Beschreibung: „Solche Pfeifen braucht keiner.“

Auf die Frage, was sich ändern müsse, formulierte Beil eine Forderung, die viele Bürger unterschreiben dürften: Politik müsse wieder für die Menschen gemacht werden und nicht für die nächste Legislaturperiode oder den eigenen Machterhalt. Nach ihrer Wahrnehmung wächst die Frustration, weil immer mehr Menschen den Eindruck hätten, die politische Klasse kümmere sich nicht mehr um die Probleme des Landes: „Die Politiker kümmern sich null!“.

Stattdessen würden Reformen angekündigt, die ihren Namen nicht verdienten. Während Unternehmen Stellen abbauten und die wirtschaftliche Lage immer schwieriger werde, verliere sich die Politik in Debatten und Symbolmaßnahmen. Beil verwies dabei auf die Krise der deutschen Industrie und die angekündigten Stellenstreichungen bei Volkswagen. Die Wirtschaft befinde sich im Abschwung, sagte sie, die Menschen sähen diese Entwicklung mit großer Sorge.

Besonders scharf fiel schließlich ihr Urteil über die politische Führung des Landes aus.

„Dann sitzen da irgendwelche Pfeifen, die nicht mal einen Schulabschluss haben und wollen unser Land regieren.“

Für Beil steht hinter dieser Entwicklung eine politische Klasse, die sich von den Lebensrealitäten der Bürger entfernt hat und deren Antworten auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme des Landes immer weniger Menschen überzeugen.

Auch Simone Thomalla schlug auf der Emmy Party ungewohnt kritische Töne an. Die aus zahlreichen Fernsehproduktionen bekannte Schauspielerin zog Parallelen zwischen der heutigen gesellschaftlichen Stimmung und eigenen Erfahrungen aus der DDR. Immer häufiger müsse man Informationen hinterfragen. Zugleich entstehe der Eindruck, bestimmte Meinungen könnten nicht mehr frei geäußert werden.

Deutschland entwickle sich ihrer Auffassung nach zunehmend von einer Streit- zu einer Wutgesellschaft.

„Bist du nicht der Meinung, wird gleich über dich Hass gekippt. Das finde ich ein bisschen schade. Dieser fehlende Dialog und dass man nicht sagen kann, was man denkt, überhaupt in den Austausch zu gehen – das kenne ich. Ich bin ein Kind der DDR. Und das finde ich gerade nicht ganz so optimal.“

Besonders deutlich wurde Thomalla beim Thema AfD-Verbot. Statt immer neue Verbotsforderungen zu erheben, müsse sich die Politik endlich mit den Ursachen beschäftigen, weshalb Menschen die Partei überhaupt wählten. Nicht Verbote lösten Probleme, sondern eine Politik, die die Sorgen der Bürger ernst nehme.

„Und immer diese Verbote auch. Verbieten, verbieten, verbieten. AfD verbieten. Nein, man sollte sich um die Probleme der Menschen kümmern, die sie dazu bringen, die AfD zu wählen. Das ist die Alternative und nichts anderes. Nicht immer nur verbieten.“

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12. Juli 2026

WM-Delirium

Zwischen „Hey Jude“, Tuchel-Donnerwetter und Messis magischem Blick

Von
Giovanni Deriu

„Hey Jude“ – viel mehr brauchte es nicht in der feuchtwarmen Abenddämmerung von Miami. Die englischen Fans strömten erschöpft, euphorisch und mit heiseren Stimmen aus dem Hard Rock Stadium. Sie hatten auf den Rängen alles gegeben. Ein Beatles-Klassiker lieferte den Soundtrack für einen Fußballabend, der für England einmal in die Geschichtsbücher eingehen könnte.

Der Grund dafür trägt einen Namen: Jude Bellingham. Der Mann von Real Madrid ist längst mehr als nur ein herausragender Mittelfeldspieler. Er ist für England der emotionale Kompass, der Leuchtturm im Nebel und manchmal auch der Rettungsring, wenn das Schiff gefährlich ins Schlingern gerät. Gegen Norwegen zeigte er erneut diese besondere Mischung aus Eleganz, Wucht und Nervenstärke. Zwei Tore, beide mit der Ruhe eines Schachspielers in seiner letzten Partie, während ringsum der Fußball-Wahnsinn tobte.

England steht damit erst zum vierten Mal in einem WM-Halbfinale. Am Mittwoch lebt der Traum vom zweiten Stern auf dem Trikot weiter. Der erste stammt aus dem Jahr 1966 – eine Ewigkeit im Fußballuniversum. Sechs Jahrzehnte Sehnsucht lasten inzwischen auf den Schultern dieser Nation.

Und nun wartet Argentinien. Natürlich nicht irgendein Gegner. Der Weltmeister. Der Titelverteidiger. Und natürlich: Lionel Messi. Es gibt kaum ein größeres Fußball-Theater. England gegen Argentinien ist nicht nur ein Halbfinale. Es ist Geschichte, Emotion und ein Stück Fußball-Mythologie – in 90 oder vielleicht 120 Minuten. The Telegraph nennt es zu Recht ein Duell, das kaum reizvoller sein könnte.

Doch bevor England vom Finale träumen darf, musste Thomas Tuchel seine Mannschaft zunächst wachrütteln. Der deutsche Trainer verfiel nach dem Sieg über die Wikinger keineswegs in den üblichen Siegerrausch. Keine billigen Glückwünsche, kein „Wir haben alles perfekt gemacht“. Stattdessen lieferte er eine ehrliche Analyse mit der Präzision eines Chirurgen. Tuchel war nicht zufrieden.

Zu langsam. Zu unpräzise. Zu viele technische Fehler. Zu wenig Kontrolle. Brutal? Vielleicht. Aber genau diese kompromisslose Haltung zeichnet einen Spitzentrainer aus. Während andere nach großen Siegen gern Wattebäusche verteilen, legt Tuchel die Messlatte höher. Erfolg ist für ihn kein Sofa, auf dem man sich ausruht. Erfolg ist ein Laufband, das immer schneller wird.

Natürlich sorgte diese Kritik für Gesprächsstoff. Besonders bei Jude Bellingham, dem Matchwinner. Auf die Aussagen seines Trainers angesprochen, reagierte er trocken mit einem „Whatever“. Ein kleiner Seitenhieb? Vielleicht. Aber auch ein Zeichen dafür, dass Spieler und Trainer nicht immer dieselbe Perspektive haben müssen.

Bellingham verwies darauf, wie schwierig es bei dieser Hitze sei, gegen Spieler wie Erling Haaland, Martin Ødegaard, Antonio Nusa oder Alexander Sørloth zu bestehen. Und er machte einen Punkt: Ein WM-Spiel gewinnt man nicht immer mit tausend perfekten Pässen und Fußball aus dem Lehrbuch. Manchmal muss man sich durchbeißen. Manchmal muss man „schmutzig“ gewinnen. Genau das hat England getan – und das Glück, das man bei solchen Turnieren braucht, dankbar angenommen.

Tuchel wiederum stellte klar, dass seine Kritik keine Distanz zu seinen Spielern bedeute. Im Gegenteil. Er betonte seine Verbundenheit mit der Mannschaft. Er liebt dieses Team – aber er fordert es auch. Das ist vielleicht der wichtigste Unterschied zwischen einem Freund und einem Trainer.

Auch das Thema Glück spielte eine Rolle. Beim Ausgleich gab es eine kuriose Szene mit der Spidercam. Nachdem der Ball offenbar ein Kameraseil gestreift hatte, sprang er günstig für England und leitete den Gegenangriff ein. Hinzu kam ein aberkanntes norwegisches Tor nach VAR-Prüfung.

Tuchel sagte offen: England hatte Glück. Und genau damit löste er fast eine kleine Fußball-Debatte aus. Denn Glück gehört zum Turnierfußball wie der Rasen zum Stadion. Kein Weltmeister gewinnt ohne diese kleinen Momente, in denen der Ball anders springt, ein Pfiff anders ausfällt oder ein Zentimeter entscheidet.

Die FIFA bestätigte später, dass die Sensoren im Ball bei der Spidercam-Szene keinen ungewöhnlichen Ausschlag registriert hatten. Doch die Diskussion zeigt einmal mehr: Fußball ist eben nicht nur Mathematik. Fußball ist Drama. Und England kennt Drama.

Fast auf den Tag genau 40 Jahre nach dem legendären WM-Duell gegen Argentinien von 1986 treffen beide Nationen wieder aufeinander. Damals: Diego Maradona, die „Hand Gottes“ und dieses unglaubliche Jahrhundert-Solo. Ein Spiel, das bis heute in der Fußballgeschichte nachhallt und besonders bei Nostalgikern immer wieder lebendig wird.

Hinzu kommt die politische Spannung um die Falklandinseln, die als historischer und oft zitierter Schatten über dieser Begegnung liegt. Fußball kann solche Geschichten nicht auslöschen – manchmal verstärkt er sie sogar.

Jetzt aber geht es um den Ball. Um drei Löwen gegen einen Floh. Denn Messi – in Argentinien liebevoll „La Pulga“ genannt – ist zwar kleiner als viele seiner Gegenspieler, seine Wirkung auf dem Platz ist jedoch gewaltig. Der kleine Magier mit dem großen linken Fuß bleibt der Mann, der aus einer halben Chance einen Weltmoment machen kann.

Doch auch Argentinien trägt die Spuren dieses langen Turniers. Mehrere Verlängerungen haben Kraft gekostet. Messi selbst erlitt zuletzt gegen die Schweiz einen Cut am Auge. Das Bild vom verletzten Auge des Genies passt fast zu dieser WM. Der magische Blick ist noch da, doch der Weg zum Triumph wird immer härter.

England kommt mit Bellingham, mit Tuchels eiserner Hand und mit einer Generation, die nicht länger nur über die Vergangenheit sprechen möchte. Argentinien kommt mit Messi, Erfahrung und dem Glauben an die eigene Fußball-DNA. Dieses Halbfinale wird kein Spaziergang. Es wird ein Fight in Fußballschuhen. Taktik trifft auf Magie. Disziplin auf Inspiration.

Und irgendwo im Stadion wird vielleicht wieder jemand „Hey Jude“ anstimmen. Die Frage ist nur: Wird danach ganz England singen – oder springt am Ende doch wieder „La Pulga“ seinem Pokaltraum entgegen?

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12. Juli 2026

Keine Ermittlungserfolge bei Linksterrorismus

Linksextremismus: „Angry Birds“ legen erneut Bahnstrecke lahm

Von
Richard Schmitt

Der aktuelle Anschlag der Gruppierung „Angry Birds“ stoppte den Schienenverkehr nördlich von Leverkusen am Freitag und verursachte erhebliche Schäden an Kabeln und an der Infrastruktur. Die Deutsche Bahn berichtete in einer Aussendung von „immensen Schäden“. Die Strecke wurde nach intensiven Reparaturarbeiten, die seit Freitag durchgehend liefen, am frühen Abend des Samstags wieder freigegeben. Der Zugverkehr rollt seither ohne größere Einschränkungen.

Auf der linken Plattform indymedia.org erschien dazu am Samstagmorgen ein Bekennerschreiben der Gruppe „Kommando Angry Birds“. Darin lobt sich die linksextremistische Vereinigung für die „Sabotage der Bahnstrecke nördlich von Leverkusen“. Die Täter gaben an, Brandsätze in einem großen Kabelschacht im nordöstlichen Teil der Brücke über die Wupper sowie in einem schmaleren Schacht deponiert zu haben. Als Zündmittel sollen Timer und ein Liter Grillanzünder verwendet worden sein. Als Motiv nannte die Gruppe das „Massensterben“ durch „technologische Eskalation“, das aufgehalten werden müsse. Die Bewegung strebe die „vollständige Zerschlagung des technologisch-industriellen Systems“ an.

Die Staatsanwaltschaft Köln bestätigte den Sabotageverdacht, der Staatsschutz übernahm die Ermittlungen. Die Täter konnten aber bislang nicht gefasst werden. Die linksextreme Gruppe gilt als loses Netzwerk im anarchistischen Spektrum und ist nicht streng hierarchisch organisiert – ein Umstand, der die Ermittlungen erschwert.

Bereits vor etwa einem Jahr, im Juli 2025, hatte sich „Kommando Angry Birds“ zu einem ähnlichen Anschlag auf die Bahnhauptstrecke zwischen Düsseldorf und Duisburg bekannt. Damals legten Brandsätze die Strecke tagelang lahm. Anfang Januar 2026 versuchte diese Gruppe zudem einen Anschlag auf ein Umspannwerk in Erkrath bei Düsseldorf durchzuführen, der jedoch fehlschlug. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte bereits im August 2025 vor der Gewaltbereitschaft der linksextremen Gruppierung gewarnt und auf frühere Sabotageakte in der Region Düsseldorf – darunter Anschläge auf Telekommunikationsmasten in Langenfeld/Erkrath und einen Tunnelbrand an der A 46 – hingewiesen.

Reul sagte nun zu dem aktuellen Anschlag: „Solche Taten sind kein Protest, sondern gezielte Sabotage.“ Sie träfen den Alltag vieler Menschen und nähmen „Kollateralschäden“ billigend in Kauf. Und die WELT zitiert dazu den Innenminister: „Diese Chaoten berufen sich darauf, eine Welt herzustellen, in der es Pflanzen, Tieren und Menschen besser gehe. Und dann verüben sie einen Brandanschlag, ausgerechnet jetzt, wo überall Trockenheit herrscht. Allein daran sieht man: Diese Menschen wollen keine bessere Welt. Diese Menschen wollen Chaos. Sie zielen darauf ab, Politik durch Gewalt zu ersetzen. Das akzeptieren wir nicht.“

Auch kein Fahndungserfolg nach Angriff auf Berlins Stromversorgung

Dieser neue Anschlag der Linksextremisten erinnert auch an den Angriff auf die Stromversorgung Berlins im Januar dieses Jahres: Mitglieder der „Vulkangruppe“ zerstörten eine Kabelbrücke am Teltowkanal in Berlin-Lichterfelde. Der Brand löste einen großflächigen Stromausfall in mehreren südwestlichen Bezirken aus, der bis zu 100.000 Menschen und 45.000 Haushalte betraf. Bei winterlichen Temperaturen fielen auch viele Heizungen aus.

Der Blackout dauerte mehrere Tage an und gilt als längster Stromausfall in Berlin seit 1945. Die Ermittlungen dazu übernahm der Generalbundesanwalt – ein Bekennerschreiben der „Vulkangruppe“ wurde so wie beim aktuellen Attentat der „Angry Birds“ auf die Bahnstrecke auf der Website indymedia.org veröffentlicht.

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12. Juli 2026

Terrorpropaganda

Merz mit Macron und Trump auf iranischer Todesliste

Von
Richard Schmitt

Mit einer Fotomontage ruft die regierungsnahe iranische Zeitung Hamshahri zu Terror und Mordanschlägen auf: Die Publikation, die von der Stadtverwaltung Teheran herausgegeben wird und als Sprachrohr der Hardliner gilt, zeigt auf einer Grafik westliche Staats- und Regierungschefs in orangefarbenen Häftlingsanzügen – so, wie sie in US-Gefängnissen getragen werden, oder wie der Islamische Staat seine Opfer vor den gefilmten Exekutionen zeigt. Über der Collage prangt auf Persisch der Schriftzug „Rache ist unvermeidlich“. Darunter heißt es sinngemäß, die „kriminellen Verantwortlichen“ müssten mit ihrem Tod rechnen.

Auf der Fotomontage sind neben Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auch US-Präsident Donald Trump, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni, der britische Premierminister Keir Starmer, US-Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth sowie weitere israelische und amerikanische Spitzenpolitiker wie Außenminister Gideon Sa’ar, Botschafter Mike Huckabee und Militärs zu sehen. Besonders hervorgehoben sind Trump und Netanjahu: Auf ihren Stirnpartien prangen noch dazu Fadenkreuze. Diese Grafik wurde über das Online-Portal der iranischen Zeitung verbreitet.

Dass auch der Bundeskanzler auf dieser Todesliste aufscheint, hat wohl weniger mit den aktuellen Entwicklungen im Krieg der Vereinigten Staaten und Israels mit dem Iran zu tun, sondern mehr mit seinen generellen Äußerungen zum Regime in Teheran: Bereits während der landesweiten Proteste im Januar 2026 hatte er das Mullah-Regime als „faktisch am Ende“ bezeichnet und mit dessen baldigem Sturz gerechnet. Deutschland hatte zudem die Einstufung der Revolutionsgarden als Terrororganisation durch die EU mitgetragen – Merz begrüßte die Listung der Revolutionswächter (IRGC) als „klares Signal gegen die brutale Gewalt“ und betonte: „Die friedlich demonstrierenden Iraner dürfen nicht zum Schweigen gebracht werden. Wir stehen an ihrer Seite.“ Der Kanzler forderte zudem einen friedlichen Übergang zu einer demokratisch legitimierten Regierung.

Die Bundesregierung hat bislang keine offizielle Stellungnahme zu der konkreten Fotomontage abgegeben. Die iranische Zeitung Hamshahri mit einer Auflage von 400.000 Exemplaren wird seit Jahren als Propagandainstrument der Hardliner genutzt. Früher stand sie unter der Kontrolle von Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf, der heute eine wichtige Rolle bei internationalen Kontakten des Regimes spielt.

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Norbert Emmerich und Enxhi Seli-Zacharias
11. Juli 2026

Wenn eine Putzaktion zum Skandal wird

Der Preis für Klartext: AfD-Bürgermeister in Gelsenkirchen abgewählt

Von
Matthias Nikolaidis

Die Altparteien haben es gegeben und nun auch wieder genommen. Für Norbert Emmerich ist es kein Drama, dass er nicht mehr Zweiter Bürgermeister in Gelsenkirchen ist. Dem WDR sagte Emmerich in einer ersten Reaktion: „Wir sind in einer Demokratie und da zählt immer die Mehrheit. Und die Mehrheit hat mich heute abgewählt und dann ist das halt so.“ Emmerich hat offenbar im Sinn, dass sich Mehrheiten auch ändern können. In Gelsenkirchen hatten CDU, SPD, FDP und Grüne nur dank ihrer Vierparteienkoalition die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit gegen Emmerich.

Andere sprechen davon, dass „ein Fehler behoben“ wurde, so der SPD-Fraktionschef im Rat Dominic Schneider. Anscheinend hatte man Emmerich nur aus Versehen oder irgendwie gegen den eigenen Willen zum Bürgermeister gewählt. Neben der SPD haben sich auch Grüne und FDP die Abwahl ans Revers geheftet. Aber auch die CDU hatte die Abwahl beantragt. Die freut sich offenbar nur etwas weniger öffentlich über ihren Erfolg.

Viele AfD-Anhänger werden enttäuscht sein. Denn die Bürgermeisterposten werden zunächst nach Proporz vergeben. Es geht also nicht darum, die Mehrheit, sondern einen gewissen Stimmenanteil zu haben. In Gelsenkirchen hat man diesen Konsens nun verlassen. Die politische Stimmung ist damit antagonistischer geworden. Und das dürften wiederum viele begrüßen, denn es macht die Wahl der Bürger klarer.

Keine Berührungsängste – Rassismus war nicht erkennbar

Was war vorausgegangen? Emmerich war zusammen mit der Landtagsabgeordneten Enxhi Seli-Zacharias in einem Video aufgetreten, in dem sie „Kinder vom fahrenden Volk“, aber auch erwachsene Frauen und Männer, zum Saubermachen auf den Straßen von Gelsenkirchen-Ückendorf aufforderten (TE berichtete). Der Stadtteil ist seit langem für Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien bekannt. Es geht um Roma und Sinti, die man in Spanien auch Gitanos nennt. Die Stadt selbst spricht von einer „großen Herausforderung“. Laut Welt haben Duisburg, Dortmund, Hagen und Gelsenkirchen im vergangenen Jahr 1181 EU-Zuwanderern aus Rumänien und Bulgarien Sozialleistungen gestrichen und sie zur Ausreise verpflichtet.

Gelsenkirchen und Ruhrgebiet
Enxhi Seli-Zacharias fordert Personen des fahrenden Volkes zum Aufräumen auf
Vor allem Seli-Zacharias zeigte dabei wenige Berührungsängste und trat besonders energisch auf. Emmerich nannte die Anwohner „Kinder vom fahrenden Volk, heute hier, morgen da“, und erkannte vielleicht auch darin einen soziologischen Grund für ihre Sorglosigkeit im Umgang mit Müll und Unordnung.

So waren zwei AfD-Politiker den Problemen auf der Straße, aber auch den Menschen in Gelsenkirchen viel näher als irgendeiner der SPD-, FDP- oder Grünen-Hanseln, die sich nun als Bessermenschen hervortun.

Besonders informativ zu den neueren Entwicklungen ist der Artikel des gebührenfinanzierten Deutschlandfunks in einfacher Sprache (nachrichten leicht). In der Einleitung heißt es: „Gelsenkirchen ist eine Stadt im Ruhr-Gebiet. Dort war ein Politiker von der Partei AfD 2. Bürger-Meister. Er heißt Norbert Emmerich. Emmerich hat ein rassistisches Video gedreht. Jetzt ist er als Bürger-Meister abgewählt worden.“

Man erfährt, dass die Minderheit der Sinti und Roma „in vielen Ländern diskriminiert“ werde. Aber das soll nicht in Deutschland passieren. „Einige von den Sinti und Roma haben gesagt: Die AfD-Politiker haben uns eingeschüchtert.“ Und: „Politiker von den Parteien SPD, FDP und Grüne sagen: Das Video war menschen-verachtend.“ Diese Sprache ist rechtschreibungsverachtend.

Dazu gibt es einige Wörterbucheinträge. „Rassismus“ soll demnach bedeuten, dass „jemand gegen Menschen aus bestimmten Ländern oder mit einer bestimmten Hautfarbe ist“. Das aber ließ sich in dem Video gar nicht erleben. Emmerich und Seli-Zacharias haben sich viel eher darum bemüht, den Roma und Sinti im Video hiesige Sitten und Gebräuche nahezubringen. Sie haben sich sozusagen als Integrationshelfer betätigt.

Keine Ruhrpott-Besonderheit

Das Problem ist dabei alles andere als eine Gelsenkirchener oder auch nur deutsche Besonderheit.

 

In Großbritannien gibt es schon indisch-pakistanische Zustände: ganze Flüsse sind vermüllt.

Die deutsche Parteienlandschaft bleibt in einem Schuldkomplex gefangen. Umgehend tauchen Begriffe wie Diskriminierung, Antiziganismus und Rassismus auf – dabei ging es doch nur um Ordnung und Integration. Niemand sagte ein böses oder gar rassistisches Wort. Aber die Sinti und Roma haben angeblich nur aus Einschüchterung mitgemacht.

Der Viererbande ist das egal

Tatsächlich scheint den anderen Parteien CDU, SPD, FDP und den Grünen die öffentliche Lage in Gelsenkirchen und anderswo in Deutschland herzlich egal zu sein. Viel Raum nimmt in ihrem Denken anscheinend der besagte Schuldkomplex ein. Aber in Wahrheit wird der immer nur dann hervorgeholt, wenn es um die AfD geht, den neuen Konkurrenten im Parteiensystem. Um den zu diskreditieren, reicht es noch aus. Aber eine wirkliche Distanzierung von eigenen, tief inhalierten Stereotypen zu Roma und Sinti gibt es bei den etablierten Parteien nicht. Man ignoriert die zugewanderten Rotationseuropäer lieber nach Kräften. Vor allem geht es ihnen nicht um die von ihnen regierten Städte, die zunehmend schlechter aussehen.

Ausweitung der Elendszone
Ausverkauf einer Stadt: Duisburgs Abstieg

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11. Juli 2026

WM-Delirium

Halbfinale: Frankreichs Fußballmaschine trifft auf Spaniens „Killer“ Merino

Von
Giovanni Deriu

Die WM geht nun langsam in ihre letzten Züge, und sie hat ihre ersten großen Botschaften verschickt: Frankreich und Spanien sind nicht einfach nur weiter – sie marschieren. Während andere Mannschaften noch nach der richtigen Gebrauchsanweisung für dieses Turnier suchen, wirken diese beiden Teams, als hätten sie den Bauplan schon vor Monaten blind einstudiert. Manche Spötter behaupteten sogar, die DFB-Elf habe alles dafür getan, Frankreich möglichst elegant aus dem Weg zu gehen.

Frankreich jedenfalls zeigte gegen Marokko, warum diese Mannschaft der Albtraum jedes Trainers ist. Kylian Mbappé wurde gefoult, gejagt und bearbeitet, als hätte man versucht, eine Hochgeschwindigkeitslokomotive mit einer Fahrradkette zu stoppen. Selbst sein Elfmeter war ungewöhnlich zahm – ein Schuss, den der marokkanische Torwart vermutlich auch mit dem Sitzpolster hätte entschärfen können.

Doch dann kam die Erinnerung daran, dass Mbappé eben Mbappé ist. Ein kurzer Moment, ein Kunstschuss aus dem Stand, und plötzlich sah die Verteidigung aus wie eine schlecht sortierte Schrankwand. Beim 2:0 durch Dembélé war er ebenfalls beteiligt. Danach rannte die französische Mannschaft gemeinsam zur Bank und feierte mit den Ersatzspielern. Dieses Bild war vielleicht der wichtigste Treffer des Abends: Frankreich wirkt nicht wie eine Ansammlung von Stars, sondern wie eine Mannschaft.

Abseits des Rasens

Abseits des Rasens zeigte sich allerdings wieder die komplizierte französische Realität in der Heimat. Während in den Stadien gefeiert wurde, brannten nach der Übertragung in einigen französischen Städten Mülltonnen und Straßen. Fußball ist manchmal ein Spiegel, und manche Spiegel zeigen nicht nur schöne Bilder. Frankreich ringt seit Jahren mit der Frage, was Zusammengehörigkeit eigentlich bedeutet. Die Sprache verbindet Millionen Menschen, löst aber nicht automatisch alle gesellschaftlichen Spannungen.

The New Normal
Wenn Marokko spielt, rüsten Westeuropas Städte zum Straßenkampf

 

Dabei gäbe es auf dem Platz ein wunderbares Gegenbild: Mbappé und Hakimi. Einst Teamkollegen bei Paris Saint-Germain, heute Gegner auf höchster Bühne, aber weiterhin Freunde. Zwei Fußballer, die zeigen, dass Herkunft, Konkurrenz und Respekt kein Widerspruch sein müssen.

Ein Kenner der Szene meinte mit einem Augenzwinkern, Frankreich könnte bei dieser WM vermutlich zwei Mannschaften melden, und beide hätten Chancen auf das Halbfinale. Nach den bisherigen Auftritten klingt diese Übertreibung fast wie eine nüchterne Analyse.

Und dann wäre da noch Spanien, „la bestia roja“, die rote Bestie, plötzlich nur allzu menschlich. Eine Mannschaft, die den Ball behandelt, als wäre er ein wertvolles Familienerbstück. 649 Minuten ohne Gegentor – bis De Ketelaere diese spanische Festung per Kopf erschütterte. Jede Serie endet irgendwann. Selbst die schönsten.

Fast ein vorgezogenes Finale

Gegen Belgien zeigte Spanien wieder seine ganze Klasse. Lamine Yamal, der junge Superstar mit dem Marktwert eines kleinen Unternehmens, produzierte Chancen in Serienfertigung. Manchmal allerdings wirkte er, als spiele er mehr für die Galerie als für seine Mitspieler. Ein Künstlerproblem: Wer zu sehr auf den perfekten Pinselstrich wartet, vergisst gelegentlich das einfache Bild. Aber Spanien gewinnt. Und solange die Ergebnisse stimmen, darf ein Wunderkind auch einmal etwas zu verspielt sein.

Fabián Ruiz hatte nach seinem 1:0 ohnehin schon den perfekten WM-Moment: Ball im Netz, Jubel und vermutlich die schönste persönliche Widmung des Turniers – den Ball kurz unter dem Trikot versteckt als Gruß an seine schwangere Partnerin. Die endgültige Erlösung von der Verlängerung folgte dann tatsächlich mit dem 2:1 kurz vor Schluss, wieder einmal durch Miguel Merino. Ein Abstauber? Ja, und ein „echter Killer“, wie der spanische Reporter dem Joker entgegen schleuderte. Belgien trocknete die Tränen, doch irgendwie schien die Luft bereits raus zu sein.

Die WM hat nun zwei Mannschaften im Halbfinale, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Frankreich, die athletische Hochgeschwindigkeitsmaschine, und Spanien, die elegante Fußballwerkstatt. Ein TGV gegen eine Uhrmacherwerkstatt – nur, dass beide wissen, wie man einen Wettbewerb gewinnt. Spanien gegen Frankreich ist deshalb nicht nur ein Halbfinale. Es ist fast schon ein vorgezogenes Finale.

Und immerhin: Ein Deutscher ist noch dabei. Mit England gegen Norwegen: Taktikfuchs Thomas Tuchel. Lionel Messi bekommt es derweil mit der Schweiz zu tun. Ach ja, der Fußball kann manchmal herrlich antideutsch sein. Und genau dann ist er am schönsten.

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11. Juli 2026

"Aktionsplan" gegen Missbrauch

Bundesregierung räumt hohe Dunkelziffer bei Sozialleistungsmissbrauch ein

Von
Redaktion

Die Bundesregierung geht selbst davon aus, dass das tatsächliche Ausmaß des Sozialleistungsmissbrauchs deutlich größer ist als die offiziell erfassten Fälle. Wie das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) der Welt am Sonntag mitteilte, bleibt ein erheblicher Teil des Missbrauchs unentdeckt. Grund seien vor allem unzureichend vernetzte Behörden und fehlender Datenaustausch.

Nach Angaben des Ministeriums leiteten die Jobcenter im Jahr 2025 rund 133.640 neue Verfahren wegen des Verdachts auf Leistungsmissbrauch ein. In etwa 110.000 Fällen bestätigte sich der Verdacht oder es wurde wegen eines begründeten Verdachts Strafanzeige erstattet. In der Statistik sind auch Ordnungswidrigkeiten enthalten. Nicht erfasst sind allerdings die Jobcenter in rein kommunaler Trägerschaft, für die dem Bund keine entsprechenden Daten vorliegen.

Das BMAS betont deshalb, dass die Zahlen lediglich die dokumentierten Fälle widerspiegeln. Das tatsächliche Ausmaß des Sozialleistungsmissbrauchs dürfte nach Einschätzung der Bundesregierung deutlich höher liegen. Viele Fälle blieben unentdeckt, weil die beteiligten Behörden Informationen bislang nicht oder nur unzureichend austauschten.

Wie hoch der finanzielle Schaden für den Staat tatsächlich ist, kann die Bundesregierung nach eigenen Angaben nicht beziffern. Weder dem Arbeitsministerium noch dem Bundesinnenministerium lägen strukturierte Daten vor, die eine belastbare Schätzung der entstandenen Schäden ermöglichten. Entsprechend lasse sich derzeit auch nicht abschätzen, welche Einsparungen die geplanten Gegenmaßnahmen bringen werden.

Mit einem Aktionsplan gegen Sozialleistungsmissbrauch will die Bundesregierung den Datenaustausch zwischen den zuständigen Behörden verbessern. Zudem soll der Zugang zu Sozialleistungen für EU-Bürger verschärft werden. Nach derzeitiger Rechtslage können Ausländer nach fünf Jahren gewöhnlichen Aufenthalts in Deutschland Anspruch auf Grundsicherung erwerben, auch wenn sie kein Aufenthaltsrecht nachweisen können.

Künftig soll während des gesamten Zeitraums des Leistungsbezugs ein gültiges Aufenthaltsrecht nachgewiesen werden müssen. Nach Auffassung des Arbeitsministeriums soll diese Änderung die missbräuchliche Inanspruchnahme von Sozialleistungen erschweren.

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10. Juli 2026

Tichys Lieblingsbuch der Woche

Freiheit hat eine Form – und sie raschelt

Von
Roland Tichy

Max Ottes Buch landete in der Kalenderwoche 24 auf Platz eins der SPIEGEL-Bestseller-Liste. Das ist ein mehrfaches Signal: Lange hat sich der SPIEGEL bemüht, mit Tricks und Finten vermeintlich „rechte“ Bücher fernzuhalten. Das gelingt nicht mehr. Otte, früher schon mit mehreren Titeln dort vertreten, ist wieder da, obwohl er einer der Autoren ist, die man aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen versuchte – mit allen Mitteln.

Wer glaubt, das Bargeld sei nur eine technische Frage des Zahlungsverkehrs, die in modernen Zeiten eben auch durch digitale Signale ersetzt werden könnte, hat Max Ottes neues Buch „Rettet unser Bargeld“ noch nicht gelesen. Otte schreibt keine nostalgische Liebeserklärung an Geldscheine, weil sie so schön rascheln und immer schon da waren. Er beschreibt Bargeld als die letzte materielle Grenze zwischen dem Bürger und der Totalüberwachung seines Handelns durch Staat.

Das macht die Lektüre interessant. Denn Otte argumentiert nicht aus der Perspektive eines Technikfeindes, sondern eines Ökonomen. Digitalisierung sei sinnvoll, bequem und vielfach effizient. Die entscheidende Frage laute jedoch: Ist sie zwangsläufig mit vollständiger Transparenz aller finanziellen Vorgänge des Bürgers verbunden?

Hier setzt seine zentrale These an. Bargeld ist für Otte kein Anachronismus, sondern ein Freiheitsrecht. Solange Menschen anonym bezahlen können, existiert ein Bereich privaten Lebens, den weder Staat noch Banken noch große Technologiekonzerne vollständig erfassen können. Verschwindet das Bargeld, verschwindet auch dieser letzte geschützte Raum. Ja, auch Banknoten tragen längst Nummern und damit ist ihr Weg nachvollziehbar.

TICHYS LIEBLINGSBUCH DER WOCHE
Geld als Machterhaltungsmittel oder Alternativen in der Geldpolitik
Im Video-Gespräch mit Roland Tichy formuliert Otte den Kern seiner Argumentation sinngemäß so: Mit dem digitalen Euro gehe es nicht nur um eine neue Form des Geldes, sondern um die Möglichkeit vollständiger finanzieller Nachvollziehbarkeit. Gerade darin liege die eigentliche politische Dimension.

Bemerkenswert ist dabei, dass Otte die Debatte bewusst international einordnet. Er verweist auf China mit seinem Social-Credit-System, auf programmierbares Geld und auf die Möglichkeiten moderner Zentralbankwährungen. Europa sei davon keineswegs grundsätzlich getrennt; viele technische Voraussetzungen wurden bereits geschaffen. Sein Einwand lautet nicht, dass diese Instrumente morgen missbraucht würden. Sondern dass man Systeme nicht nach den Absichten heutiger Regierungen beurteilen dürfe, sondern nach den Möglichkeiten zukünftiger. Freiheit gibt es weder garantiert noch auf Vorrat. Sind Unfreiheit und Zwang in einem gesellschaftlichen Verfahren angelegt ist die Gefahr zu groß, dass sie bei Belieben aktiviert wird.

Darin liegt die Stärke des Buches. Es argumentiert institutionell, nicht parteipolitisch. Freiheitsrechte müssen auch dann Bestand haben, wenn einmal Regierungen an die Macht kommen, denen man gerade nicht vertraut. Dieses Bewusstsein für Gewaltenteilung und Beschränkung ist zunehmend verloren gegangen. Otte provoziert Widerspruch. Kritiker werden ihm entgegenhalten, dass der digitale Euro zunächst nicht darauf angelegt sei, Bargeld abzuschaffen. Die Europäische Zentralbank betont vielmehr regelmäßig, Bargeld solle parallel bestehen bleiben.

Crashprophet und Börsenbulle
Max Otte: »Viele Sparer trauen sich nicht an Aktien heran«
Otte wiederum hält dagegen, dass formale Zusicherungen wenig wert seien, wenn ökonomische und regulatorische Entwicklungen Bargeld Schritt für Schritt unattraktiv machten. Damit beschreibt er weniger einen einzelnen politischen Beschluss als einen schleichenden Prozess, den jeder nachvollziehen kann: Immer häufiger findet sich ein schmuddeliges Zettelchen im Schaufenster das besagt: Hier wird nur noch Kartenzahlung akzeptiert. Die Rechtssprechung in Deutschland erlaubt neuerdings, dass die bislang eherne Regel im Bundesbankgesetz, wonach jede Schuld mit Bargeld beglichen werden kann, mit einem handgeschriebenen Wisch unterlaufen werden kann.

Das Buch gewinnt zusätzlich dadurch, dass Otte den Blick weitet. Es geht ihm nicht ausschließlich um Bargeld. Es geht um Eigentum, Vermögensschutz, Inflation, Staatsverschuldung und die Frage, wie frei Bürger in einer zunehmend digitalisierten Wirtschaft tatsächlich noch handeln können. Wer lediglich ein Sachbuch über Zahlungsmittel erwartet, erhält stattdessen eher ein politisch-ökonomisches Plädoyer für individuelle Selbstbestimmung.

Im TE-Interview bringt Otte diese Perspektive auf den Punkt: Europa drohe zwischen den Machtblöcken USA und China an Eigenständigkeit zu verlieren, während gleichzeitig innerhalb Europas Kontrollinstrumente gegenüber den eigenen Bürgern ausgebaut würden. Der digitale Euro erscheine ihm deshalb nicht isoliert, sondern als Teil einer umfassenderen Entwicklung.

Nicht jede Prognose des Autors wird eintreffen müssen. Manche Szenarien wirken zugespitzt. Doch gerade das gehört zur Funktion eines Warnbuches. Otte will nicht beschreiben, was sicher kommt. Er will zeigen, was möglich wird, wenn Freiheitsrechte schrittweise zugunsten technischer Machbarkeit aufgegeben werden.
Am Ende bleibt deshalb weniger eine Debatte über Scheine und Münzen als über das Verhältnis von Staat und Bürger.

Bargeld ist für Otte keine Romantik. Es ist eine Art Grundrecht auf Freiheit, das im Portemonnaie raschelt.

Max Otte. Rettet unser Bargeld. Digitaler Euro und Vermögensregister – schützen Sie Vermögen und Privatsphäre. Deutscher Wirtschaftsbuchverlag, Ausstattung, 128 Seiten, 18,00 €


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10. Juli 2026

Der fette Tropfen zuviel

EU: „Ein reines Scheinparlament“ – kritische Stimmen zum Durchpeitschen der Chatkontrolle

Von
Sofia Taxidis

Das Europäische Parlament hat die Chatkontrolle zurückgebracht. 314 Abgeordnete wollten den Antrag ablehnen, 276 hielten ihn am Leben. Die Mehrheit der abstimmenden Abgeordneten stand gegen diese Überwachungsregelung. Brüssel machte daraus trotzdem eine Annahme. So sieht Machtpolitik aus, wenn sie den Mehrheitswillen offen missachtet.

Mehrheit dagegen – Brüssel setzt es trotzdem durch

No Democracy
„Metsola sollte sich neuen Job suchen“ – Pürner greift EU-Chatkontrolle scharf an
Der für ein demokratisches Parlament schäbige und unwürdige Trick lag im Verfahren: Für die Ablehnung des Ratstextes waren 360 Stimmen nötig. Die Gegner der Chatkontrolle gewannen die Abstimmung im Saal und verloren an einer Hürde, die den Mehrheitswillen aushebelte. Das ist schlicht und ergreifend antidemokratisch. Brüssel hat in der Wahl des Verfahrens und des Zeitpunkts die demokratische Fratzenmaske abgelegt.

Der Termin lag am letzten Plenardonnerstag vor der Sommerpause. 607 Parlamentarier waren anwesend; viele Abgeordnete befanden sich bereits auf der Abreise in den Sommerurlaub. Wer an einem solchen Tag eine absolute Mehrheit gegen einen Überwachungstext verlangt, organisiert das Scheitern der Ablehnung gleich mit. Die Vorlage war zuvor zweimal gescheitert. Im März hatte das Parlament noch verlangt, automatisierte Scans auf konkrete Verdachtsfälle zu begrenzen und KI-Analysen unbekannter Bilder oder privater Chatverläufe auszuschließen. Dann setzte Parlamentspräsidentin Roberta Metsola die Sache erneut auf die Tagesordnung, im Dringlichkeitsverfahren, kurz vor der Sommerpause, gegen den erkennbaren Widerstand im Parlament. Der demokratische Widerspruch wird nicht respektiert. Er wird verwaltet, umgangen und am Ende niedergewalzt.

Die Union liefert den Kontrollstaat

Die EVP um Manfred Weber spielt dabei die zentrale Rolle. Manfred Weber von der CSU ist als treibende Kraft hinter der Chatkontrolle 1.0 identifiziert; besonders die CDU/CSU-Fraktion im Europaparlament setze sich unter Weber für die Fortsetzung ein. Jens Spahn hatte im vergangenen Jahr noch erklärt, eine anlasslose Kontrolle privater Chats werde es „mit uns nicht geben“. Jetzt kommt sie mit ihnen. Genau diese Union treibt den digitalen Kontrollstaat voran und kann nun als Honeckers legitime Erben bezeichnet werden.

Honeckers Erben
Die CDU/CSU-Chatkontrolle kommt

Das Ergebnis passt zur Linie dieser politischen Familie. Der Bürger wird digital durchsichtig gemacht. Der Staat schließt seine Fenster. In Deutschland gibt es zugleich heftige Kritik an Plänen zur Einschränkung der Informationsfreiheit; die Bundesdatenschutzbeauftragte warnte vor einer „Abschaffung der seit zwanzig Jahren bestehenden Informationsfreiheit“. Auch IP-Adressenspeicherung und neue Befugnisse für Verfassungsschutz und BND stehen auf der Tagesordnung. Die Union verliert Vertrauen und lässt mit schwindender Wählerzustimmung ihre demokratische Maske fallen, indem sie jeden Bürger gläsern machen will.

Friedrich Pürner, parteiloser Europaabgeordneter aus Bayern, schilderte den Ablauf mit einer Wucht, die zum Vorgang passt:

„Mein Eindruck von der heutigen Abstimmung über die Chatkontrolle im EU-Parlament: Ein beträchtlicher Teil der Abgeordneten hatte nicht den leisesten Schimmer, was Sache ist. Es kam zu tumultartigen Szenen, und eine entscheidende Abstimmung wurde künstlich lange offengehalten, bis die Abstimmungsgeräte geschlossen wurden.
Man könnte fast meinen, das alles passiert mit voller Absicht. Ach was, streichen wir das „fast“ – man kann es absolut glauben, man kann es halt nur nicht beweisen.
Dieses Hohe Haus ist kein Parlament mehr, sondern gleicht eher einer intellektuell und demokratisch verwahrlosten Butze. Ein reines Scheinparlament.
Wenn wir überhaupt noch abstimmen dürfen, dann doch nur, damit die Presse das ohnehin feststehende Ergebnis brav und kritiklos vermelden kann. Im Prinzip könnten von der Leyen, Metsola und Manfred Weber das Resultat vorher auf eine Serviette schmieren und direkt an die Journalisten verteilen.
Um es ganz klar zu sagen: Die Ergebnisse stehen längst fest. Was hier in diesem Parlament abgeliefert wird, ist eine einzige Schande. Was hier in der Europäischen Union läuft, ist hochgradig antidemokratisch.“

Fabio De Masi vom BSW formulierte es gegenüber der Berliner Zeitung kürzer, aber nicht weniger scharf: „Es wird abgestimmt, bis das Ergebnis passt.“ Die Chatkontrolle sei ein „trojanisches Pferd“, um anlasslose Massenüberwachung von Hunderten Millionen Bürgern durchzusetzen. De Masis Satz zum Kern der Sache: „Man öffnet auch nicht jeden Brief, um Straftäter zu identifizieren.“

Martin Sonneborn berichtete aus dem Plenarsaal von Jubel in den Reihen der EVP, als erklärt wurde, das Parlament werde „unsere Kinder schützen“. Sein Kommentar: „Wir sollten uns vor den Leuten schützen, die unsere Kinder schützen wollen.“ Gemeinsam mit Sibylle Berg hatte Sonneborn zuvor Metsola aufgefordert, das Dringlichkeitsverfahren zu stoppen; ihrer Ansicht nach beschneidet es parlamentarische Rechte und nimmt Abgeordneten Zeit, die nötige absolute Mehrheit zu organisieren.

450 Millionen Bürger unter Generalverdacht

LIVE um 18:00 Uhr
Brüssel-Diktatur: EU prügelt Chatkontrolle durchs Parlament
Die Regelung erlaubt Anbietern wie Meta und Google wieder, private Kommunikation freiwillig und verdachtsunabhängig zu durchsuchen. Damit werden rund 450 Millionen Bürger Europas unter Generalverdacht gestellt. Der private digitale Raum wird zum Vorprüfraum der Plattformen. Das ist eine totalitäre Logik.

Reuters berichtet, dass Ende-zu-Ende-verschlüsselte Kommunikation wie WhatsApp, Telegram und Signal ausgenommen wurde. Die Piraten-Abgeordnete Markéta Gregorová sagte Reuters dazu: „Gleichzeitig ist freiwilliges Massenscanning leider durchgekommen.“ Diese Einschränkung ändert nichts am Kern. Das Prinzip verdachtsunabhängiger Kontrolle privater Kommunikation ist wieder etabliert. Wer diese Tür öffnet, streitet später nur noch über die Breite des Durchgangs.

Internationale Presse: Schnüffelfest, Film-Zombie, Spione in unseren Taschen

Die internationale Presse liest den Vorgang klarer als viele deutsche Verklärstücke zum Beispiel von Tagesschau und anderen deutschen größeren Medien – die meisten sparen das Thema eh weitestgehend aus.

Wired titelt: „Eine Mehrheit europäischer Gesetzgeber stimmte dagegen, Big Tech unsere Nachrichten lesen zu lassen. Sie werden es trotzdem tun.“ Der Bürgerrechtler Simeon de Brouwer von European Digital Rights wird mit dem Satz zitiert: „Sie könnten jede Nachricht lesen, die Sie schreiben, jede E-Mail, die Sie senden, jedes Bild, das Sie teilen.“

The Register nennt die Rückkehr der Chatkontrolle ein „Schnüffelfest“. Das britische Tech-Medium hält fest: Damit werde effektiv das Scannen aller Nutzerkonten ohne Durchsuchungsbefehl ermöglicht.

Tom’s Hardware beschreibt den Vorgang als Wiederauferstehung per Verfahrenstrick: Die Chatkontrolle sei mehrfach abgelehnt worden und kehre „wie ein Film-Zombie“ durch „juristische Taschenspielertricks“ zurück. Nach der Veröffentlichung im Amtsblatt dürften Plattformen Nutzerdaten ohne Durchsuchungsbefehl massenhaft scannen, unter dem Vorwand der Suche nach Missbrauchsmaterial.

TechRadar zitierte Patrick Breyer von der Piratenpartei bereits nach dem Ratstext mit einer Formulierung, die auf diesen Parlamentsbeschluss passt: „Dies ist kein Sieg für die Privatsphäre; es ist eine Katastrophe, die darauf wartet zu passieren.“ TechRadar verweist zudem auf ID- und Altersverifikation im Netz. Der Kryptograf Bart Preneel wird mit dem Satz zitiert: „Altersbewertung ist höchst problematisch für die Privatsphäre.“

Techdirt rubriziert die Chatkontrolle unter „Spione in unseren Taschen“. In dem Beitrag heißt es, die Chatkontrolle führe zum Scannen privater Gespräche von Milliarden Menschen. In der Praxis sei die Chatkontrolle „Chat-Überwachung“ mit Zugriff auf alles auf einem Gerät und „wahlloser Überwachung von allem“.

The Guardian warnte bereits grundsätzlich: „Die EU will jede in Europa versandte Nachricht scannen. Macht uns das wirklich sicherer?“ Im Text heißt es, die Auswirkungen auf Privatsphäre und Sicherheit seien „erschütternd“. Der Guardian verweist auf die Warnung europäischer Datenschutzbehörden, die Regel könne zur Grundlage einer faktisch allgemeinen und wahllosen Durchsuchung nahezu aller elektronischen Kommunikation in der EU werden.

Die Kommission und ihre schmutzige Kampagne

Die EU-Kommission trägt selbst noch einen weiteren Makel in dieser Geschichte. Der Datenschutzverein noyb meldete, der Europäische Datenschutzbeauftragte habe festgestellt, dass die Kommission illegal Werbung mit sensiblen Daten zu politischen Ansichten ausgespielt habe. Es ging ausgerechnet um Werbung für die Chatkontrolle. Brüssel warb für digitale Überwachung mit Methoden, die nach den eigenen Datenschutzmaßstäben rechtswidrig waren. So handelt eine Institution, die sich selbst über die Regeln stellt, während sie den Bürgern immer neue Regeln auferlegt.

Der Weg in die Diktatur
EU-Parlament winkt Chatkontrolle im Eilverfahren durch
Die Chatkontrolle läuft bis 2028 oder, bis eine dauerhafte Regelung beschlossen wird. Parallel wird über die Chatkontrolle 2.0 verhandelt. Der nächste Schritt liegt bereits bereit: Scans, Risikopflichten, Altersprüfung, ID-Verifikation, Zugriffsinfrastruktur. Aus einer angeblichen Übergangsregel wird ein Dauerbau am digitalen Überwachungsstaat.

Dazu passt die geplante Alters- und ID-Verifikation im Netz. Unter dem Lieblingsschwindeletikett der CDU/CSU Jugendschutz wächst die nächste Infrastruktur für digitale Zutrittskontrollen. Wer Minderjährige herausfiltern will, muss am Ende eben auch jeden Erwachsenen prüfen. Aus dem freien Netz wird ein Raum mit Berechtigungsnachweis. Der Bürger soll sich ausweisen, bevor er liest, schreibt, sucht, kommentiert oder Inhalte aufruft. Das ist der Traum jeder Diktatur.

Die totalitäre Logik des digitalen Europas

Totalitär wird eine Politik, wenn sie private Kommunikation, Netzzugang, Altersprüfung, IP-Speicherung und Nachrichtendienstbefugnisse zu einem System verschaltet. Genau in diese Richtung marschiert Europa unter dieser EU-Kommission. China arbeitet mit Realnamenregimen, Russland mit Überwachungssystemen, Nordkorea mit digitaler Abriegelung. Die EU übernimmt Elemente dieser Logik.

„Offener Einstieg in digitalen Totalitarismus“

Die Mehrheit der Abstimmenden wollte die Chatkontrolle stoppen. Brüssel setzt sie trotzdem durch. Kann man noch härter gegen Demokratie und auf die Interessen der Bürger scheißen? Kaum. So handelt eine Machtordnung, die Demokratie nur so lange benutzt, bis das Ergebnis passt, und Verfahren missbraucht, sobald der Mehrheitswille stört. Genau so sieht eine Europäische Union aus, auf die man allerspätestens nach gestern komplett verzichten kann.

Hayek-Club Weimer schreibt auf X:

„So oft der Vorschlag bereits abgelehnt wurde, wird er einfach neu verpackt und wieder eingereicht. So lange, bis die Öffentlichkeit müde wird und niemand mehr hinsieht. Das ist kein Kinderschutz. Das ist der systematische Einstieg in die digitale Tyrannei. Sobald ein System existiert, das Millionen privater Gespräche analysieren kann, reicht eine künftige gesetzliche Reform aus, um seinen Einsatz auf jedes andere Delikt oder Ziel auszuweiten. (…) Wer permanent die Privatsphäre aller Bürger knacken will, hat selbst etwas zu verbergen: nämlich den tiefen Drang, die totalitäre Kontrolle über das Leben der Menschen zu erlangen. Wer immer mehr Verantwortung an die Herrschenden abgibt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er eines Tages in der Diktatur aufwacht.

Privatsphäre ist keine Verhandlungsmasse für Brüsseler Bürokraten. Sie ist ein unveräußerliches Grundrecht. Wer es antastet, erklärt sich zum Feind der Freiheit.“

Aber auch für die CDU/CSU läuft es alles andere als gut, das kennen die Damen und Herren und Diversen dieses rückgratlosen Vereins eh schon. Und schöner wird es nicht. Wir werden bald Werte in Umfragen für die Union sehen, die Richtung 15 Prozent gehen.

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10. Juli 2026

The New Normal

Wenn Marokko spielt, rüsten Westeuropas Städte zum Straßenkampf

Von
Redaktion

Frankreich beendete Marokkos WM-Lauf am Donnerstagabend mit einem 2:0. In westeuropäischen Städten begann anschließend der inzwischen eingeübte zweite Teil solcher Fußballabende: Polizeiketten, Schutzhelme, Straßensperren, Pyrotechnik, Flaschenwürfe und Festnahmen.

In Düsseldorf versammelten sich rund 1.500 überwiegend marokkanische Fans in der Nähe des Hauptbahnhofs. Nach dem Abpfiff flogen Böller und Glasflaschen gezielt auf Polizisten. Drei Beamte wurden verletzt. Einer musste im Krankenhaus behandelt werden. Mehrere Strafverfahren wurden eingeleitet. Härtere Konsequenzen gegen die neuen Overlords werden wohl ausbleiben.

In London drängten große Gruppen auf die Edgware Road. Pyrotechnik wurde gezündet, Gegenstände flogen auf Einsatzkräfte. Ein Polizist wurde von einer Flasche getroffen und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Vier Personen wurden festgenommen. Amsterdam meldete acht Festnahmen wegen Störungen der öffentlichen Ordnung. Stadtverwaltung und Polizei hatten sich gemeinsam mit Streetcoaches und eigens mobilisierten „Vätern aus den Stadtvierteln“ auf den Abend vorbereitet.

Das ist für sich genommen schon der Weg hin zur Kapitulation. Schon die Zusammensetzung dieses Aufgebots wirkt wie ein Offenbarungseid. Ein europäischer Staat benötigt familiäre Hilfstruppen, damit erwachsene Männer nach einem Fußballspiel keine Straßenschlacht beginnen.

In Den Haag griff die Polizei im Stadtteil Schilderswijk ein und räumte Bereiche rund um die Vaillantlaan. Bereits nach Marokkos Sieg gegen die Niederlande waren dort Beamte mit Feuerwerkskörpern, Steinen und anderen Gegenständen angegriffen worden. In Den Haag und Rotterdam gab es damals 17 Festnahmen.

Die Begleiterscheinungen hängen kaum noch vom Spielausgang ab. Bei Siegen eskalieren die Feiern. Bei Niederlagen eskaliert die Wut. Europas Innenstädte erhalten in beiden Fällen dasselbe Ergebnis. Westeuropas, wohlgemerkt. Oder haben Sie schon von Eskalationen dieser Art nach einem marokkanischen Fußballspiel aus Prag, Budapest oder Warschau gehört? Eben.

Brüssel kennt diese Nächte schon seit Jahren. Wasserwerfer, brennende Autos, verwüstete Geschäfte und Angriffe auf Polizisten gehören dort zum wiederkehrenden Bild nach Spielen Marokkos. Vor der Partie gegen Frankreich wurden Buslinien verlegt und Gegenstände aus gefährdeten Straßen entfernt. Eine Hauptstadt räumt vorsorglich ihr Mobiliar weg, weil eine ausländische Nationalmannschaft Fußball spielt.

Paris blieb diesmal von größeren Ausschreitungen verschont. Natürlich wurde hier und dort ein weißer Franzose umgetitscht. Das zählt den westeuropäischen Regierungen nochmal weniger als konkreter Mord an ihren Staatsbürgern. Frankreich hatte dafür rund 20.000 Polizisten und Gendarmen mobilisiert, davon 8.000 in der Hauptstadt. Metrostationen wurden geschlossen, Straßen gesperrt, Kraftstofftransporte eingeschränkt. Der französische Staat behandelte das Viertelfinale wie das, was es war und ist: eine nationale Gefahrenlage.

Diese Ruhe war das Ergebnis militärisch wirkender Polizeipräsenz. Ein Fußballspiel in Nordamerika genügte, um Teile von Paris abzuriegeln. Westeuropas Regierungen haben aus Städten mit großer maghrebinischer Bevölkerung schwelende Unruhegebiete gemacht und präsentieren das anschließende Großaufgebot als professionelle Sicherheitsvorsorge. Da darf man doch mal gratulieren. Die Erfahrung zwingt sie dazu. Beim vorherigen WM-Duell zwischen Frankreich und Marokko wurden allein im Großraum Paris 167 Menschen festgenommen. Die Vorwürfe umfassten Angriffe auf Polizisten, Waffenbesitz und das Mitführen von Sprengmitteln.

Paris, Brüssel, Amsterdam, Den Haag, London und Düsseldorf liegen in verschiedenen Ländern. Die Einsatzberichte folgen demselben Muster. Große Gruppen junger Männer beanspruchen Straßenraum, missachten Anweisungen, greifen Polizisten an und testen die Durchsetzungsfähigkeit des Staates jedes Mal aufs Neue.

Politik und Medien verpacken diese Vorgänge anschließend in eine Sprache der Vernebelung. „Feiern kippen.“ „Emotionen kochen hoch.“ „Fans geraten mit der Polizei aneinander.“ Die Täter verschwinden sprachlich, die Gewalt erscheint wie ein Wetterereignis. Die Herkunft und politische Sozialisation der Beteiligten werden systematisch aus dem Befund herausgehalten.

Solche Bilder zeigen den Zustand der Integration genauer als jede Regierungsstatistik. Wer sich nach Jahrzehnten in Europa stärker mit Rabat als mit Düsseldorf, Amsterdam oder Brüssel identifiziert, lebt körperlich im Westen und politisch betrachtet in einer Parallelwelt. Die Staaten und Regierungen Westeuropas haben diese Parallelwelt selbst gefördert und tun dies immer noch. Herkunft wurde zur dauerhaften Identität erklärt. Nationale Bindung an das Aufnahmeland galt als Zumutung. Migrantenverbände wurden und werden finanziert, Loyalitätskonflikte verdrängt, kulturelle Abgrenzung als Vielfalt gefeiert.

Jetzt stehen Polizeibeamte in Schutzausrüstung auf den Straßen und zahlen den Preis dieser Politik mit ihrer Gesundheit. Ladenbesitzer (auch marokkanische, die vor 30 oder 40 Jahren nach Europa gekommen sind) verbarrikadieren ihre Geschäfte. Anwohner meiden ihre Viertel. Steuerzahler finanzieren Tausende Einsatzkräfte. Wie man hier in Frankreich sieht, geht es durchaus auch immer wieder gegen die eigenen Leute, vor allem aber gegen diejenigen darunter, die sich integriert hatten. Auch sie gelten unter den neu Hinzugekommenen als Vertreter ihrer Gegengesellschaft.

Die politischen Verantwortlichen reagieren weiterhin mit ritualisierter Betroffenheit und mit der weiteren Flutung der westeuropäischen Länder bis zur Unkenntlichkeit und Nichtbeherrschbarkeit. Sie verurteilen „Gewalt von einzelnen Chaoten“ und schützen damit das gesamte ideologische Gebäude ihrer katastrophalen Einwanderungspolitik. Jeder strukturelle Befund wird zum Einzelfall zerlegt.

Ein Einzelfall ereignet sich einmal. Diese Ausschreitungen kehren bei jedem großen Turnier wieder. Dieselben Städte bereiten sich vor, dieselben Viertel werden geräumt. Und die immer gleichen Gruppen greifen Einsatzkräfte an. CDU-CSU-SPD-Grünen-Politiker erklären anschließend, Integration sei ein langfristiger Prozess. Aber immer nur Bringschuld des aufnehmenden Landes, nie die ganz konkrete Forderung an die Menschen, die zu Millionen aus inkompatiblen Kulturen hier eingeschleust wurden.

Der langfristige Prozess hat längst ein Ergebnis hervorgebracht. Westeuropäische Staaten besitzen Großstadtviertel, in denen ausländische Fußballspiele die öffentliche Ordnung aussetzen. Eine Nationalmannschaft aus Nordafrika entscheidet mit Sieg oder Niederlage darüber, ob westeuropäische Innenstädte Wasserwerfer benötigen.

Dortmund zog die Konsequenz sogar schon vor dem Viertelfinale. Das große WM-Public-Viewing im Hafengarten wurde vorsorglich eingestellt, obwohl die Stadt das Projekt unterstützt und die Infrastruktur bereitgestellt hatte. Der Grund war bemerkenswert genug: Nach dem Achtelfinalsieg Marokkos über Kanada hatten marokkanische Vandalen Zäune zerstört, Mobiliar beschädigt und technisches Equipment verwüstet. Hinzu kamen wiederholte Konflikte mit dem Sicherheitspersonal und gezielte Störungen des Veranstaltungsbetriebs. Der private Betreiber kam nach eigenen Angaben zu dem Ergebnis, dass ein Weiterbetrieb nur noch mit einem massiv erhöhten Sicherheitsaufgebot möglich gewesen wäre – finanziell nicht mehr tragbar und organisatorisch kaum noch beherrschbar.

Eine deutsche Großstadt kapitulierte vorsorglich vor der Aussicht auf die nächste Eskalation rund um ein Spiel der marokkanischen Nationalmannschaft. Das Public Viewing wurde nicht nach Ausschreitungen beendet, sondern vor dem Viertelfinale gegen Frankreich.

Marokkos Mannschaft hat sportlich eine starke Weltmeisterschaft gespielt. Teile ihres westeuropäischen Anhangs lieferten erneut das Gegenbild: aggressive Parallelgesellschaften, schwache Staatsgewalt und eine politische Klasse, die den Zusammenhang weiterhin leugnet.

Frankreich steht im Halbfinale. Marokko ist ausgeschieden. Westeuropa bleibt mit den Folgen einer absolut katastrophalen Einwanderungspolitik zurück, deren Scheitern inzwischen nach jedem marokkanischen Spiel unter Blaulicht sichtbar wird.

Auch in Marokko selbst blieb es ruhig:

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10. Juli 2026 Nationalität

Kampf gegen Vertrauensverlust

Polizei nennt wieder Nationalität der Täter

Von
Richard Schmitt

„Dieses Hin und Her hat jetzt ein Ende“, sagte Manuel Hagel (CDU), Innenminister in Baden-Württemberg. Bisher prüfte die Polizei in jedem Einzelfall, ob ein „sachlich begründetes öffentliches Interesse“ an der Nennung der Nationalität eines Tatverdächtigen besteht. Einmal wurde sie genannt, dann wieder nicht – oft nur auf Nachfrage. Das schaffe Verwirrung und Misstrauen in der Bevölkerung. Hagel will mit der Neuregelung nun für mehr Transparenz und Vertrauen sorgen: „Wer Vertrauen will, muss Klartext reden – besonnen, sachlich und überall gleich.“

Ausnahmen bleiben möglich, etwa bei Jugendlichen, laufenden Ermittlungen oder wenn die Nennung die Anonymisierung eines Verdächtigen gefährden könnte, berichtet dazu der Bayerische Rundfunk. Hagel drängt zudem auf eine bundesweit einheitliche Regelung. „Dass in Baden-Württemberg für Straftäter das eine und in Berlin das andere gelten soll, kann doch niemand verstehen“, argumentierte der Innenminister.

Baden-Württemberg schließt sich mit dieser Entscheidung einer wachsenden Gruppe von Bundesländern an: In Bayern, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Sachsen wird die Nationalität bereits grundsätzlich genannt, sofern keine datenschutz- oder ermittlungstaktischen Gründe dagegen sprechen. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) begründete den Schritt mit den Worten: „Wer die Realität sehen will, muss sie auch messen.“ Auch in Bayern gilt seit Oktober 2025 die klare Vorgabe, Alter, Geschlecht und Staatsangehörigkeit standardmäßig zu veröffentlichen.

Bereits 2024 hatte der damalige Innenminister Thomas Strobl (CDU) bei der Innenministerkonferenz eine bundeseinheitliche Lösung gefordert. Damals wurde die Entscheidung vertagt. Nun setzt Hagel als neuer Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident die Linie fort – auch vor dem Hintergrund anhaltender Diskussionen über die Kriminalitätsentwicklung und Integrationspolitik.

Hintergrund ist aber nicht die progressive Einsichtsfähigkeit der CDU in Baden-Württemberg, eine Klage von Journalisten, der in mehreren Gerichten und Instanzen stattgegeben wurde. Was hier als Heldentat verkauf wird wurde als von Gerichten erzwungen.

Der Deutsche Presserat hält übrigens in seinem Pressekodex fest, dass die Zugehörigkeit zu ethnischen, religiösen oder anderen Minderitäten nur bei einem „begründeten öffentlichen Interesse“ erwähnt werden soll, um „diskriminierende Verallgemeinerungen“ zu vermeiden. Ausländerbeiräte und Integrationsvertreter befürchten, dass die systematische Nennung Vorurteile schüren könnte.

Befürworter der Nennung der Nationalität von Tatverdächtigen hingegen argumentieren, Transparenz stärke das Vertrauen in Polizei und Justiz und verhindere Verschwörungstheorien über ein Motiv für eine mögliche Vertuschung.

Stefanie Hinz, die Landespolizeipräsidentin von Baden-Württemberg, hat bereits seit längerem auf die Problematik einer immer wieder unterschiedlich praktizierten Information hingewiesen: Bei Bandenkriminalität oder schweren Delikten werde die Nationalität oft genannt, bei Bagatelldelikten selten. Die neue Regelung soll diese Einzelfallprüfung weitgehend ablösen. Und Innenminister Hagel betont: Es gehe nicht um Polemik, sondern um sachliche Information.

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Bonnie Tyler beim Konzert in Berlin am 2. Oktober 2023
10. Juli 2026 bonnie tyler

Zum Tod von Bonnie Tyler

Turn around, bright eyes

Von
Gastautor

Ein Uhr nachts, irgendeine Nostalgie-Disco zwischen Palermo und Flensburg. Die Tanzfläche hat schon bessere Momente gesehen, die Getränke sowieso. Dann legt der DJ diese Klavierakkorde auf. Ein Raunen. „Turn around“, singt eine Männerstimme, und spätestens beim „bright eyes“ ist der ganze Laden dabei, die Achtzehnjährigen wie ihre Eltern, die Textsicheren wie die, die nur ungefähr die Vokale treffen. Vier Minuten Einigkeit. Nationalhymnen schaffen das nicht mal an guten Tagen.

Wer Bonnie Tyler erst in solchen Nächten kennengelernt hat, lange nach ihren großen Jahren, begreift vielleicht am besten, was diese Frau konnte. Ihre Lieder brauchten die Achtzigerjahre nicht. Sie brauchten nicht einmal Erinnerung. Sie funktionierten bei Leuten, die 1983 noch gar nicht geboren waren, und das ist eine Währung, in der man Popmusik ehrlicher misst als in Chartplatzierungen. Am Mittwoch ist Bonnie Tyler in einem Krankenhaus im portugiesischen Faro gestorben, 75 Jahre alt, nach wochenlangem Kampf.

Die Bergarbeitertochter

Geboren wurde sie 1951 als Gaynor Hopkins im walisischen Skewen, der Vater Bergarbeiter, die Mutter eine Opernliebhaberin. Der Vater gab ihr den Staub in der Stimme, die Mutter das Drama. Sie wuchs mit fünf Geschwistern auf, sang bei einer Truppe namens „Bobby Wayne and the Dixies“ und gründete dann eine eigene Band, die sie mit hübschem Größenwahn Imagination taufte.

Fast zehn Jahre lang tingelte sie durch die Pubs und Nachtclubs von Südwales. Wer weiß, wie ein walisischer Pub am Samstagabend klingt, weiß auch, dass man sich dort das Publikum jeden Abend neu verdienen muss, gegen das Klirren der Gläser und mindestens eine Schlägerei an. Es gibt keine bessere Schule, aber empfehlen möchte man sie niemandem.

1976 dann „Lost in France“, der Durchbruch. Ein Jahr später „It’s a Heartache“, dieses müde, wissende Lied, das nach Nashville klang, obwohl sie nie dort gewesen war. Da hieß sie längst Bonnie Tyler. Und da hatte sie auch schon diese Stimme.

Der schönste Betriebsunfall der Popgeschichte

Wobei, stimmt nicht ganz. Die Stimme, die alle kennen, kam erst noch. Ende der Siebzigerjahre ließ sich Tyler Knötchen von den Stimmlippen entfernen, ein Routineeingriff. Der Arzt verordnete danach striktes Schweigen, wochenlang. Der Legende nach hielt Tyler das nicht durch: Irgendwann schrie sie vor lauter Frust laut auf, mitten ins Schweigegebot hinein, und ruinierte damit die Heilung endgültig.

Zurück blieb ein Timbre wie Schmirgelpapier. Für eine Sängerin eigentlich das Ende. Für Bonnie Tyler war es der Anfang, denn dieses beschädigte, raue Organ klang nach gelebtem Leben, nach durchwachten Nächten und verlorenen Lieben, selbst wenn sie nur die Speisekarte vorgelesen hätte.

Und, das muss man dazusagen, kaputt war da gar nichts. Wer eine ihrer Live-Aufnahmen hört, auch die späten, hört eine Frau, die über einem Rockorchester steht wie ein Turm, ohne Netz, ohne doppelten Boden, ohne die Software, die heute halbe Stadien füllende Karrieren zusammenhält. Manch gefeierter Star der Gegenwart würde neben dieser angeblich versehrten Stimme klingen wie ein Anrufbeantworter. Die Wunde wurde zum Markenzeichen, aber getragen hat sie ein Instrument von brutaler Kraft.

Diese Kombination fiel einem Mann auf, der genau so etwas suchte: Jim Steinman, der Komponist, der Rockmusik schrieb, als wäre sie Wagner, nur mit mehr Nebelmaschine. Für Tyler schrieb er „Total Eclipse of the Heart“, fünfeinhalb Minuten Weltuntergang in Balladenform. 1983 stand das Lied auf beiden Seiten des Atlantiks an der Spitze der Charts, und das Album machte sie zur ersten Britin, deren Platte direkt auf Platz eins der heimischen Charts einstieg. Belcanto mit Föhnfrisur. Wer je erlebt hat, wie ein ganzer Saal beim letzten Refrain die Arme hebt, ahnt, dass die Trennung von E- und U-Musik eine Erfindung ist, an die sich das Herz nie gehalten hat.

Mit „Holding Out for a Hero“ legte sie nach, jenem galoppierenden Stück Bedürftigkeit, in dem eine Frau fragt, wo all die guten Männer hin sind, die Götter, die Starken, die Schnellen. Die Frage stellt sich seitdem nur umso dringlicher.

Die Unverwüstliche

Danach hätte man ihr einen würdevollen Rückzug gegönnt. Rückzug war erkennbar nicht ihr Genre. Sie nahm weiter Alben auf, tourte unermüdlich, trat 2013 mit über sechzig noch beim Eurovision Song Contest für Großbritannien an und wurde Neunzehnte von sechsundzwanzig, was weniger über sie aussagt als über den Wettbewerb. Noch 2025, nach einer Knieoperation, stand sie wieder auf der Bühne und sang, versteht sich, live. Anfang dieses Jahres erschienen neue Lieder. Aufhören kam in ihrem Wortschatz schlicht nicht vor.

Im Mai dann die Notoperation in Faro, wo sie zuletzt lebte. Wochen im künstlichen Koma, ein Herzstillstand, ein kurzes Erwachen, dann das Verlöschen. Ihre Familie teilte mit, sie sei unerwartet im Krankenhaus gestorben. Catherine Zeta-Jones trauerte um „unsere Königin Bonnie“, Cliff Richard erinnerte an ihre ansteckende Lebensfreude.

„Every now and then I fall apart“, heißt es in ihrem größten Lied. Hin und wieder zerbreche ich. Man glaubte ihr beides, das Zerbrechen und das Weitermachen, und vermutlich lag genau darin ihr Geheimnis. In den Nostalgie-Discos wird es weitergehen, ein Uhr nachts, die Klavierakkorde, das Raunen. Turn around, bright eyes. Und alle singen mit.

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10. Juli 2026

Gauck kritisiert die Bürger statt Merz

Bei Lanz: Sind AfD-Wähler auf dem Irrweg?

Von
Gastautor

Die amtierende Bundesregierung tut sich schwer damit, wegweisende Reformen zum Wohle des Landes zu verabschieden. Die schwarz-rote Koalition ringt und streitet, doch am Ende steht fast immer ein fauler Formelkompromiss. Ob Sozialkassen, Wettbewerbsfähigkeit oder Energieversorgung, das Land steht vor großen Herausforderungen. Die Politik verweigert sich aber der Realität und scheut die notwendigen Weichenstellungen.

In früheren Tagen gab es im Schloss Bellevue einen Bundespräsidenten, der die regierenden Politiker an ihre Aufgabe erinnerte und die Bevölkerung mitnahm. Bundespräsident Herzog forderte einst, dass ein Ruck durch das Land gehen müsse. Heute sitzt mit Frank-Walter Steinmeier die Verkörperung des politischen Stillstands in Bellevue und fordert höchstens einen Ruck gegen Rechts, um “unsere Demokratie” zu schützen.

Neu: TICHYS Rechtsstaat
Die Rechtslage: Erfurt einfach erklärt – Jura-Professor behauptet, Gewalt sei erlaubt
An diesem Donnerstagabend sitzt mit Joachim Gauck ein Altbundespräsident bei Lanz, der mangelnden Reformwillen innerhalb der Bevölkerung kritisiert. Ganz im Sinne der Regierung hat er auch Vorbehalte gegen das Erstarken der AfD.

Das Gespräch zwischen Lanz und Gauck ist ob der vielen langatmigen Monologe von Gauck ziemlich öde. Der Altbundespräsident philosophiert über die Deutschen und die AfD aus einem akademischen Elfenbeinturm heraus. Obwohl die Regierung wenige Ergebnisse geliefert hat und der Kanzler viele Versprechen brach, kommt von Gauck keine Kritik. Vielmehr sieht der Theologe Friedrich Merz auf einem guten Weg. In der Sendung fehlt es an interessanten Debatten. Weitere Gäste hätten für mehr Schwung und Diskurs gesorgt.

Die AfD als drohende Gefahr

Im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise von 2015 sprach Joachim Gauck damals von „Dunkeldeutschland“ in Bezug auf die kritische Haltung vieler Ostdeutscher zu Merkels Grenzöffnung. Nun stehen in diesem Jahr in Ostdeutschland sehr spannende Landtagswahlen an, bei denen die AfD zum ersten Mal an die Macht kommen könnte. Gauck ist besorgt: „Es ist eine Gefahr.“

Der Altbundespräsident hatte vor wenigen Jahren gänzlich ausgeschlossen, dass die AfD überhaupt nur in die Nähe der Macht kommen könnte. Jetzt muss Gauck seine Meinung revidieren und nach Erklärungen suchen. „Die Progressiven haben das Bedürfnis nach Heimat diffamiert“, meint der ehemalige Sonderbeauftragte für Stasi-Unterlagen. „Es gibt viele verunsicherte Menschen“, analysiert Gauck weiter. Wirklich nachvollziehen kann Gauck die Sorgen und Nöte dieser Wähler nicht. „Die Menschen befinden sich auf einem Irrweg“, kritisiert er die AfD-Wähler.

Gewaltaufrufe
Die Antifa ist die neue SA
Aus seiner Sicht träumen Wähler der AfD von einer autoritären Führung. Eine gewagte These. Gerade von einem Ostdeutschen hätte man eine differenzierte Meinung erwartet. Die Menschen in den neuen Ländern wollen nichts weniger als einen autoritären Staat. Während Corona war vor allem im Osten der Widerstand gegen einen repressiven Staat und seine Zwangsmaßnahmen sehr groß. Viele AfD-Wähler im Osten wählen die Partei aus Protest gegen zu viel staatliche Bevormundung und für mehr Freiheit. Es ist verblüffend, dass Gauck als Verfechter der Freiheit dieses Motiv der Menschen gänzlich übersieht.

Offenkundig hat der Altbundespräsident den Bezug zu Teilen der Bevölkerung verloren, wenn diese nicht sein Weltbild teilen. Er sagt auch offen: „Ich bin der Meinung, dass sie falsch wählen.“ Mehr Entfremdung in einem Satz geht nicht. Der CDU rät der ehemalige Sonderbeauftragte für Stasi-Unterlagen zu einer Zusammenarbeit mit der ehemaligen SED. „In einer bestimmten Situation muss die Union die Kröte schlucken“ , meint Gauck lapidar dazu. Für viele Parteimitglieder der CDU ist dieser Schritt aber undenkbar. Vor dem Hintergrund der Geschichte der Linkspartei dürfte es zu massiven Verwerfungen in den Ost-Verbänden der Union kommen, sollte die CDU mit den Linken zusammenarbeiten.

Deutsche sind reformunwillig

Ein Stück weit kommt Joachim Gauck an diesem Tag zu Lanz ins TV-Studio, um über seine Landsleute zu lästern. Gauck kritisiert den fehlenden Reformwillen. „Wir sind vertraut, im Gesicherten zu bleiben“, beklagt der Altbundespräsident. „Wir verwalten das, was wir geschaffen haben“, ergänzt er. Nun ist es in der Natur des Menschen, dass er auf Bewährtes zurückgreift. Was Gauck unter fehlendem Reformwillen subsumiert, ist in Wahrheit der Wunsch nach einem funktionierenden Staat, wie es vor wenigen Jahren noch war.

Bevorzugte Quelle
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Die Bürger haben das Gefühl, dass die Politiker den Staat mit Schwung gegen die Wand fahren. Deshalb ist die Skepsis groß. Außerdem liefert die Regierung keine Reformen, sondern schmiedet Minimal-Kompromisse, um sich im Amt zu halten. Kritik an der Bundesregierung hat Gauck aber nicht zu bieten. Kanzler Friedrich Merz wird gelobt. „Er will, dass dieses Land wieder nach vorne kommt“, behauptet der Theologe. Kritiker des Kanzlers sehen es anders. Vielmehr ist es nämlich so, dass Merz das Land hinten anstellt, um an der Macht zu bleiben. Die SPD nutzt diesen Umstand gnadenlos aus und diktiert die Leitlinien der Koalition.

Gauck ist aber kein Kritiker von Merz, sondern zielt mit seinen Plattitüden auf die Bevölkerung ab. „Verwalten und verwahren schafft keine Zukunft“, erklärt er. Ein Satz, der so platt ist, dass ihn jede Partei auf ein Wahlplakat schreiben könnte. „Es kann auch jedermann etwas kosten“, findet Gauck. Solche Sätze gehen einem Menschen einfacher über die Lippen, wenn er über 200.000 Euro Ehrensold im Jahr verfügt. Alles in allem ist der Talk eine ziemlich anstrengende Angelegenheit für den geneigten Zuseher. Von oben herab monologisiert Altbundespräsident Joachim Gauck endlos und weitschweifig. Ein Ruck wird wegen seinem Auftritt nicht durchs Land gehen. Wahrscheinlich ist es ein Gähnen.

10. Juli 2026

Auspressen wie die Zitrone

Bürger sind zum zahlen da, Walleri und Wallera

Von
Fritz Goergen

Was reitet eine politische Klasse, die sehr erfolgreich Wohlstand für Alle schaffende Wirtschaft Stück für Stück genau daran zu hindern? Wer gibt ihnen das Recht, den Bürgern den Lohn ihres Fleißes und ihre Freiheit willkürlich wegzunehmen?

Auspressen wie die Zitrone. Der Arbeitsbürger ist die natürliche Ressource der politischen Klasse, die anders als Kohle mit der Mehrwertsteuer mehrfach genutzt wird. Mit dem Steuer-auf-Steuer-Effekt als Rasenmäher über alles hinweg. Zuerst zahlt der Bürger Einkommensteuer, Sozialabgaben etc. auf seinen Verdienst. Mit dem, was übrig bleibt, kauft er Waren und Dienstleistungen – und zahlt darauf nochmal 19 % MwSt (nach kolportierten Plänen bald 22 Prozent). Die MwSt wird auf Verbrauchsteuern wie Energiesteuer, Stromsteuer, Tabaksteuer, Alkoholsteuer usw. erhoben. Der Staat kassiert also MwSt auf seine eigenen Steuern. – Viele Bürger wissen das nicht und von denen, die es wissen, zucken die meisten mit den Achseln – ist halt so. Wenn es mit allem so ist, wie es ist, bleibt es halt, wie es ist.

Für die Millionäre und Milliardäre Wind- und Solarbarone zahlen die Arbeitsbürger einmal durch die Subventionen aus ihren Steuern, ob sie wollen oder nicht. Noch einmal für Strom und Heizung. Das dritte Mal an der Tankstelle. Bei jedem Einkauf am unbedingt Nötigen und so weiter. Und wer garantiert den Wind- und Sonnen-Baronen ihre Riesenverdienste, egal wie viel ihre Anlagen liefern oder nicht? Die politische Klasse des Parteienstaats.

Nach der natürlichen Ressource Bürgereinkommen nimmt sich die politische Klasse das menschliche Naturrecht der Freiheit vor. Je weniger Freiheit dem Bürger bleibt, desto braver erdudet er sein Dasein als Arbeitsbürger zum Steuerzahlen. Aktuell hat der Überstaat EU die von ihrem Parlament schon gestrichene Macht wiedergeholt,  private Mails, Chats, Fotos und Videos von 450 Millionen Menschen automatisch durchsuchen zu lassen – ohne einen Verdacht oder Anlass, einfach so. Wie machen das die Trickser und Täuscher? Sie warten, bis genug Abgeordnete vorzeitig in die Sommerpause entschwunden sind. Die CDU/CSU-Chatkontrolle schlägt zu.

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Kurz vor der heutigen Abstimmung in Bundestag und Bundesrat über Änderungen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) dringen die Hausärzte auf den Stopp der ganzen „Reform“-Päne der NichtRegierungsKoalition. Sie will die Finanzierung der GKV „stabilisieren“, das drohende Defizit von 19 Mrd. 2027 durch „Sparen“ von 16 bis 20 Mrd. vermeiden. – Wie gestern hier gesagt, meint die poliische Klasse beim Sparen ebenso wie beim Zahlen immer den Steuerbürger. Redet sie von „Ausgaben-Kürzungern“ meint sie Leistungskürzungen. Nach der politmedialen Logik: Beiträge rauf, Leistungen runter. – „Spätestens der Bundesrat muss diese Irrfahrt stoppen“, sagte die Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Nicola Buhlinger-Göpfarth (RP). Käme das Spargesetz, sei das „ein einziges Fiasko“ für die Hausarztpraxen und ihre Patienten. Wollten Bund und Länder weiterhin eine gute hausärztliche Versorgung für ihre Bürger, müsse dieses Gesetz aufgehalten werden. Die Folgen des Kahlschlags wären, die Vor-Ort-Versorgung würde in immer weniger Regionen gewährleistet, die Bürger müssten immer länger auf Termine warten und für ihre Behandlung bliebe immer weniger Zeit. Auch die Modernisierung von Praxen und die Einstellung von neuem Personal würden den Kürzungen zum Opfer fallen.

KI statt Arzt. Nach einer Befragung der Krankenkasse Pronova BKK verzichtet fast jeder dritte Deutsche nach einer Unterhaltung mit einer „Künstlichen Intelligenz“ (KI) auf den Besuch einer Arztpraxis (Funke). Für die Studie „KI-Nutzung im privaten Alltag 2026“ befragte die Krankenkasse bundesweit 3.500 Erwachsene zu ihrer KI-Nutzung bei Partnerschaft, Erziehung und Gesundheit. Fast 90 Prozent der 18- bis 29-Jährigen nutzen KI bei gesundheitlichen Fragen. Über die Hälfte hat sich eine KI-Diagnose geholt, statt zum Arzt zu gehen. Aber auch bei den Über-60-Jährigen nutzt rund jeder vierte Befragte KI bei Gesundheitsfragen. In allen Altersgruppen holen sich 46 Prozent medizinischen Rat bei ChatGPT und anderen KI. Die Zufriedenheit ist hoch. 87 Prozent hatten ein gutes Gefühl bei den Ratschlägen, viele schätzen ausführliche und verständliche Antworten. Trotzdem bleibt die klassische Arztpraxis für viele die verlässlichere Anlaufstelle. Anke Hurst, Beratungsärztin bei der Pronova BKK, warnt vor blindem Vertrauen in „Künstliche Intelligenz“. Die ausformulierten Erklärungen klängen oft sehr überzeugend und erweckten einen verlässlichen Eindruck. In Wahrheit könne KI aber veraltete, unvollständige und schlicht falsche Informationen liefern, weil sie oft mit ungeprüften Quellen und veralteten Leitlinien arbeite.

Ob Kanzler Merz vorher eine KI konsultiert, ist nicht bekannt. Er will am 15. Juli in der traditionellen „Sommerpressekonferenz“ seine folgenlosen Spüche fortsetzen. Veranstalter: Verein Bundespressekonferenz mit 900 Parlamentskorrespondenten als Mitgliedern. Wie üblich geht’s um „aktuelle Themen der Innen- und Außenpolitik“ – um alles und nichts also.

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Einen aktuellen Stand im Geduldpoker Trump gegen Teheran hier und heute nicht. Die meisten westlichen Medien haben noch immer nicht begriffen oder wollen nicht aussprechen, worum es geht: Wer das Nebeneinander von Verhandlungen hinter verschlossenen Türen und Folgen von Militlärschlägen länger durchhält.

Der aktuelle Blick auf die Straße von Hormus zeigt, wieviel tatsächlich an Öl und Gas in die Welt transportiert wird in dem Nervenkrieg zwischen Trump und Islam-Teheran, die Energie-Preise erklärt das nicht. Das Geschehen am Golf liefert den Preis-Börsen den psycholgischen Stoff für ihre Geschäftsinteressen.

9. Juli 2026

Eine Farce

Familiennachzug ohne Ende – von Migrationsbremse keine Spur

Von
Redaktion

Ende Mai 2025 legte das Bundesinnenministerium den Entwurf vor, mit dem die Regierung von Friedrich Merz ihre Migrationswende sichtbar machen wollte. Der Familiennachzug zu subsidiär Schutzberechtigten sollte für zwei Jahre ausgesetzt werden. Am 24. Juli 2025 trat das Gesetz in Kraft.
Betroffen sind Migranten mit eingeschränktem Schutzstatus. Sie erhalten in Deutschland kein Asyl und gelten auch nicht als anerkannte Flüchtlinge.

Fast 400.000 dieser subsidiär Schutzberechtigten leben in Deutschland. Viele stammen aus Syrien. Ein unbeschränkter Familiennachzug galt für diese Gruppe bereits vorher nicht. Seit 2018 war der Nachzug auf höchstens 1000 Visa im Monat begrenzt. Im Jahr waren das maximal 12.000 Fälle.
Die schwarz-rote Koalition nahm also einen begrenzten Teil der Migration ins Visier. Politisch reichte das für erheblichen Lärm. Die SPD quälte sich mit der Härte gegen Familien und Kinder. Kirchen und das linke Vorfeld aus Sozial- und Flüchtlingsorganisationen protestierten. Die Koalition zog das Gesetz trotzdem durch.

Innenminister Alexander Dobrindt verkaufte die Aussetzung als Beleg für einen neuen Kurs. Er sprach vom Abbau eines Pull-Faktors und vom Geschäftsmodell krimineller Banden: Nur einer müsse es nach Deutschland schaffen, danach könne die komplette Familie folgen. Diese Logik sollte gebrochen werden.

Die neuen Zahlen zeigen nun, wie begrenzt dieser Zugriff ausfällt. Von Anfang Januar 2025 bis Ende Mai 2026 wurden 18.570 Visa zum Familiennachzug für Angehörige von Schutzberechtigten erteilt. Die Zahlen stammen aus der Antwort der Bundesregierung auf eine AfD-Anfrage.

Für die zehn zahlenstärksten Nationalitäten weist die Bundesregierung 229 Visa für Angehörige von Asylberechtigten aus. Hinzu kommen 10.241 Visa für Angehörige anerkannter Flüchtlinge. Weitere 7278 Visa gingen an Angehörige subsidiär Schutzberechtigter. Gerade diese letzte Zahl ist politisch brisant. Der reguläre Nachzug zu subsidiär Schutzberechtigten ist seit Juli 2025 ausgesetzt. Das Bundesinnenministerium verweist darauf, dass der größte Teil der Visa vor Inkrafttreten des Stopps erteilt wurde. Weitere Fälle beruhen auf Gerichtsentscheidungen oder behördlichen Zusagen aus der Zeit vor der Gesetzesänderung.

Die größte Herkunftsgruppe bilden Syrer. Sie stellen rund die Hälfte der Fälle. Danach folgen türkische Staatsbürger und Afghanen. Die Asylmigration der vergangenen Jahre schreibt sich damit in der Familienmigration fort. Seit der Aussetzung ist das Neugeschäft offenbar eingebrochen. Neue Anträge werden kaum gestellt, weil die Erfolgsaussichten gering sind. Die AfD sieht darin keine Entwarnung. Sie geht davon aus, dass viele Familien die zweijährige Frist schlicht abwarten. Ihr innenpolitischer Sprecher Gottfried Curio fordert deshalb, den Familiennachzug zu subsidiär Schutzberechtigten dauerhaft zu beenden, abgesehen von engen Härtefällen. Die Aussetzung habe im gesamten Bereich des Familiennachzugs nur einen begrenzten Effekt.

Diese Einschätzung stützen die Gesamtzahlen. Deutschland erteilte im Jahr 2025 insgesamt 128.358 Visa zum Familiennachzug für Angehörige von Drittstaatsangehörigen. Darunter fallen Schutzberechtigte, Fachkräfte, Akademiker aus Nicht-EU-Staaten und weitere Migranten aus Drittstaaten.

Der größte Block war der Ehegattennachzug mit 67.831 Visa. Auf den Kindernachzug entfielen 54.882 Visa. Bei den Herkunftsländern lagen unter anderem die Türkei, Syrien, Indien und Kosovo vorn. Bis Ende Mai 2026 kamen bereits weitere 43.739 Visa hinzu.

Die Behörden lehnten im Jahr 2025 rund 21.265 Visaanträge ab. Im laufenden Kalenderjahr waren es bis Ende Mai 9126 Ablehnungen. Auch diese Zahlen zeigen, wie groß der Druck im System bleibt. Die Visastatistik erfasst den Weg über deutsche Auslandsvertretungen. Das Ausländerzentralregister weist zusätzlich Aufenthaltstitel aus familiären Gründen aus. Diese Kategorie ist breiter. Sie umfasst auch Drittstaatsangehörige, die sich bereits rechtmäßig in Deutschland aufhalten und hier ihren Status wechseln.

Zum Stichtag 31. Mai 2026 waren für das Jahr 2025 insgesamt 170.699 solcher Aufenthaltstitel registriert. Davon entfielen 39.330 auf Angehörige deutscher Staatsangehöriger. Besonders häufig erhielten Familienangehörige aus der Türkei, aus Syrien sowie aus Vietnam und der Ukraine einen solchen Titel.

Weitere 131.369 Aufenthaltstitel gingen an Familienmitglieder von Drittstaatsangehörigen, die sich bereits in Deutschland aufhalten. Gemeint sind Angehörige von Personen ohne deutschen oder sonstigen EU-Pass. Auch hier dominieren Menschen aus Syrien und der Türkei; Indien folgt ebenfalls weit oben.

Die Migrationswende der Regierung Merz ist damit keine. Der größere Familienzuzug läuft weiter. Über Ehegatten, Kinder, Aufenthaltstitel aus familiären Gründen und Statuswechsel wächst die Zuwanderung Jahr für Jahr in einer Größenordnung, die in vielen Kommunen längst Alltagssprengstoff ist.

Im Juli 2027 endet die Aussetzung, falls der Gesetzgeber sie nicht verlängert. Dann lebt die alte Regelung wieder auf. Bei fast 400.000 subsidiär Schutzberechtigten bleibt das Nachzugspotenzial erheblich.

Die Regierung hat die Debatte deshalb nur vertagt. Ihre Zahlen liefern bereits den nächsten Konflikt. Schwarz-Rot hat bisher vor allem ein Symbol produziert, das in zwei Jahren automatisch abläuft. Bis dahin haben SPD rot und SPD schwarz Deutschland eh geschafft und ausgesogen. In zwei Jahren steht wohl eh kaum noch ein Stein auf dem anderen.

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9. Juli 2026

No Democracy

„Metsola sollte sich neuen Job suchen“ – Pürner greift EU-Chatkontrolle scharf an

Von
Redaktion

Das Europäische Parlament hat am Donnerstag in Straßburg die Fortsetzung der sogenannten Chatkontrolle ermöglicht. Die Entscheidung fiel nach einem kurzfristig angesetzten Eilverfahren. Brisant ist der Vorgang auch deshalb, weil sich das Parlament noch im März gegen eine Verlängerung ausgesprochen hatte.

Nach Angaben aus dem Umfeld der Kritiker stimmte zwar eine Mehrheit der anwesenden Abgeordneten für die Zurückweisung des Gesetzes. Durch die gewählte Verfahrenslage reichte dieses Votum am Ende nicht aus. Damit bleibt eine Regelung auf dem Tisch, die unter dem Deckmantel des Kinderschutzes private digitale Kommunikation von Jedermann betrifft.

Der bayerische Europaabgeordnete Dr. Friedrich Pürner, parteilos, kritisierte den Beschluss scharf. Er sieht in der Verlängerung einen erneuten Angriff auf die Privatsphäre unbescholtener Bürger.

„Seit 2021 dürfen Meta & Co. unverschlüsselte E-Mails und Kurznachrichten durchsuchen – angeblich zum Schutz von Kindern. Grundlage dafür ist eine Übergangsverordnung, die bislang keine nachweisbaren Fortschritte im Kampf gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern gebracht hat. Das Parlament hatte bereits im März eine klare Position bezogen: Ohne konkreten Verdacht darf es keinen Eingriff in die Privatsphäre der Bürger geben. Deshalb haben wir gleich zweimal gegen die erneute Verlängerung dieses angeblich nur vorübergehenden Überwachungsgesetzes gestimmt.“

Pürner richtet seinen Angriff ausdrücklich gegen Parlamentspräsidentin Roberta Metsola aus der EVP. Ihr wirft er vor, den früheren Beschluss des Hauses übergangen zu haben.

„Ausgerechnet Parlamentspräsidentin Roberta Metsola hat den Beschluss ihres eigenen Hauses ignoriert. Ob Bruch der parlamentarischen Geschäftsordnung, Umgehung der zuständigen Fachpolitiker oder ein fragwürdiges Doppelspiel mit dem Rat – offenbar war kein Manöver zu schade, um die anlasslose Überwachung unbescholtener Bürger weiter zu ermöglichen.“

Die Chatkontrolle wird seit Jahren mit dem Kampf gegen Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern begründet. Kritiker warnen vor anlassloser Massenüberwachung und vor einer technischen Infrastruktur, die private Kommunikation dauerhaft unter staatlich flankierten Verdacht stellt. Die aktuelle Entscheidung verschärft diesen Konflikt.

Besonders heikel wirkt das Vorgehen, weil das Parlament im März bereits eine andere Linie erkennen ließ. Der neue Anlauf kurz vor der Sommerpause, dazu noch im Eilverfahren, nährt den Vorwurf, dass in Brüssel so lange an Verfahren gedreht wird, bis das politisch gewünschte Ergebnis steht.

Pürner fordert nun persönliche Konsequenzen für Metsola: „Für mich ist deshalb klar: Roberta Metsola sollte sich einen neuen Job suchen – am besten im Eilverfahren.“

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9. Juli 2026

Gescheiterte Energiewende

Hitzeflaute für deutsche Windkraft: ohne Kohle bräche die Versorgung zusammen

Von
Redaktion

Jedes Jahr im Hochsommer berichten deutsche Medien aufgeregt über die Nicht-Nachricht, dass einige wenige der 56 französischen Reaktoren und das Schweizer Kernkraftwerk Beznau herunterfahren – nicht, weil die Hitze der Technik schadet, sondern um die Fauna der Kühlflüsse zu schonen. „Zu heiß für Atomstrom“, desinformierte etwa der SWR kürzlich sein Publikum. Die sommerliche Drosselung der Kernkraft macht in Frankreich auf das Jahr gerechnet gerade ein Minus bei der Stromerzeugung von maximal 0,3 Prozent aus.

Auf der anderen Seite schafft es ein wirklich wichtiges Thema nie in den deutschen Altmedien: Liegt im Sommer eine Hitzeglocke über Mitteleuropa wie im Juni 2026, dann bricht die Windstromerzeugung fast zusammen. Denn ein langandauerndes stationäres Hoch bedeutet immer: Es geht kaum ein Luftzug. In einem Land wie Deutschland, dessen Stromerzeugung sich nach der politischen Doktrin überwiegend auf Wind-Strom stützen soll, führen die heißen Wochen Jahr für Jahr vor: Die Versorgung eines (Noch)-Industrielandes mit wetterabhängigen Anlagen funktioniert nicht.

Der Blick auf die Stromerzeugung der Woche 26 zeigt das beispielhaft: Die gut 31.000 Windturbinen an Land trugen in diesen Tagen mickrige 8,7 Prozent zur Stromerzeugung bei, die gut 1700 Anlagen auf See gerade 2,5 Prozent. Die Stromerzeugung macht wiederum gerade 20 Prozent der deutschen Primärenergieerzeugung aus. Allein die installierte Leistung der Windkraft an Land beträgt 68.067 Megawatt. Das nützt nur nichts, wenn sich unter dem blauen Himmel fast nichts bewegt. In der Woche 26 trugen (wieder einmal) die fossilen Energieerzeuger die Hauptlast: Braunkohle steuerte 16,2 Prozent bei, Gas lieferte 9,3 Prozent, Steinkohle 5,8 Prozent. Hauptenergieträger der Woche waren Solaranlagen mit einer Einspeisung von 40,6 Prozent. Deren Leistung fällt allerdings nachts auf null.

Die stationären Hochdruckzonen liegen fast jeden Sommer über Deutschland – mal länger, mal kürzer. Nicht nur in der sogenannten Dunkelflaute, sondern auch im Juni bis August bleiben die Lichter in der Bundesrepublik nur dank der fossilen Kraftwerke an, von denen auch das Merz-geführte Kabinett genauso wie die Ampel-Koalition bis 2035 den größten Teil stilllegen will. Nordrhein-Westfalens Regierung plant den Kohleausstieg sogar schon bis 2030. Die neuen Gaskraftwerke, die dann bei Sommer- und Dunkelflaute einspringen sollen, stehen noch auf dem Planungspapier. Und: Sie erzeugen, wenn sie einmal stehen, den nötigen Strom sehr viel teurer als abgeschriebene Kohlemeiler.

RWE-CEO Markus Krebber stellte kürzlich in einem WELT-Interview fest, das Stromangebot in Deutschland sei in den vergangenen zehn bis 15 Jahren „um rund 100 Terawattstunden gesunken“. Und zwar durch die Abschaltung grundlastfähiger Kraftwerke.

Das Fazit der völlig gescheiterten deutschen Energiewende lautet: Auch 2026, auch nach hunderten Milliarden Subventionen sind Wind- und Solaranlagen weit davon entfernt, Deutschland zuverlässig mit Elektroenergie zu versorgen. Die Kohle macht den Strom des angeblichen grünen Vorreiters Deutschland zum am drittstärksten CO2-Belasteten in der EU (nach Polen und Tschechien).

Die Antwort der Jetzt-Erst-Recht-Energiewendefraktion auf diese Zahlen lautet: Dann müssen eben noch mehr Windräder errichtet werden. Für Turbinen in Schwachwindgebieten, die bei jeder Flaute als erste stillstehen, reicht Umweltminister Carsten Schneider (SPD) eine üppige Sonderförderung aus.

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9. Juli 2026 Schulden

Geld her und kuschen

Die Politdroge Schulden trägt nur bis zur Kreditunwürdigkeit des Landes

Von
Fritz Goergen

Sagen sie sparen, meinen sie die Arbeitsbürger. Sagen sie zahlen, meinen sie die Arbeitsbürger. Sagen sie entlasten, meinen sie umverteilen – von unten nach oben. Sie nehmen es der Mehrheit der wenig bis mittel verdienenden einheimischen und zugewanderten Arbeitsbürger weg. Sie geben es Machthabern im Süden unter dem Vorwand, den von diesen Ausgebeuteten und Unterdrückten zu helfen. Im Inland geben sie es jenen Migranten, die hier nicht am Arbeitsleben teilnehmen wollen, sowie den direkten und indirekten Staatsdienern als jährlich überauskömmlich erhöhte Bezüge. Und sie vergeben Millionen und Milliarden an fremde Länder, die daheim für die Reparatur der Infrastruktur und ihre Instandhaltung fehlen. – Wie das ganze heißt? Parteienstaat.

Politdroge Schulden. Den zwei liberalen Ökonomen Lars Feld und Clemens Fuest werden Merz-Klingbeil bei ihren Vorsschlägen von Schuldenbremse nicht folgen, sondern den Schuldenberg um 205 Milliarden erhöhen. Laut ifo-Institut haben Merz-Klingbeil mit 95 Prozent der Sonderschulden – angeblich als Investitionsfonds – Löcher im Sozialsystem gestopft. Schulden sind die politische Droge des zu keiner Reform fähigen Parteienstaats.

Schulden-Junkies. Klingbeil allein daheim, Merz bei der NATO in Ankara in der Trump’schen Sonne: Man sieht es Merz förmlich an. Außenkanzler, ja, so darf es bleiben. Trump loben ist schöner als beschimpfen: Trump habe „über die gesamte Zeit ausnahmslos an den Beratungen teilgenommen“, bis zum Ende im Sitzungssaal geblieben und habe auch den Vertretern kleinerer Nato-Mitgliedstaaten aufmerksam zugehört, so Merz vor Journalisten. Trump im Schlusswort habe von einem „Feeling of love in the air“ gesprochen, schwärmte Außen-Merz. Das habe ihn „persönlich etwas überrascht, aber auch sehr gefreut“. Die Nato sei „europäischer denn je“, bleibe zugleich aber „transatlantisch fest verankert“. Zwar spreche Trump öffentlich bisweilen schärfer, er habe aber die gestiegenen Verteidigungsausgaben der Partner mehrfach gewürdigt. „Die Trittbrettfahrerei der Europäer ist jetzt halt zu Ende.“ Nicht Trump zuliebe, sondern aus eigenem Sicherheitsinteresse. – Schon beeindruckend, der durch die Manege Geführte lobt den Leinenführer.

Schulden für Rüstung. Die NATO hat der Ukraine Rüstungsbeschaffungen von mehr als 50 Milliarden US-Dollar zugesagt und einen weiteren Ausbau ihrer Verteidigungsindustrie. 2025 hätte sie ihre Investitionen in die Kernverteidigung um mehr als 139 Milliarden US-Dollar erhöht. Produktionskapazitäten für Rüstungsgüter sollen erweitert,  Handels-Hemmnisse abgebaut und Innovationen – besonders bei Künstlicher Intelligenz beschleunigt werden. Präzisionswaffen, integrierte Luft- und Raketenabwehr, unbemannte Systeme, Cyber- und Weltraumfähigkeiten sowie eine interoperable transatlantische militärische Cloud. 2026 soll es Militärhilfe, Ausrüstung und Ausbildung von 70 Milliarden Euro geben – 2027 mindestens gleich viel. Die EU-Entscheidung, die Ukraine über ein mehrjähriges Finanzierungsinstrument langfristig zu unterstützen, wird begrüßt. Dann das Placebo keine Atomwaffen für Teheran, das die freie Schifffahrt in der Straße von Hormus uneingeschränkt gewährleisten muss. – Schluss und Kuss.

Erwischt. SPD-Justizministerin Hubig will beim Informationsfreiheitsgesetz (IFG) den Grundkonsens erhalten. Der Koalitionsvertrag wolle eine Reform, die den Bürgern zugutekommen und das Gesetz schlagkräftiger machen solle. Mutmaßungen über Gebühren in Höhe von künftig mehreren ztehntausend Euro für IFG-Anfragen wies die Ministerin scharf zurück. Solche Überlegungen fänden sich „nirgendwo“ und seien reine Spekulation. IFG-Anfragen sollen nur noch von Privatpersonen und bei nachgewiesenem „berechtigtem Interesse“ gestellt werden dürfen. Organisationen und Medienunternehmen seien ausgeschlossen. Der Gebührendeckel von 500 Euro soll von „kostendeckenden“ Gebühren ersetzt werden zum  „Bürokratieabbau“ und Schutz kritischer Infrastruktur. Zahlreiche Organisationen und Medien sprechen von einem „Angriff auf die Pressefreiheit“ – klar, weil diesmal selbst betroffen. Bei der Chat-Kontrolle in Brüssel schweigen die meisten.

Sündenbock Krankfeierer. Grünen-Lang spricht von Schnapsidee, „nur um davon abzulenken, dass die Regierung auf die eigentlichen Probleme der Wirtschaft keine Antwort hat (Funke)“.

Experten halten das Altersvorsorgedepot, das die Riester-Rente ersetzen soll, zum 1. Januar 2027 für nicht machbar (SZ). Wirtschaftsprofessor Beenken sagt, der Start werde über den 1. Januar 2027 hinaus dauern. Die Verordnung, die wichtige Details regele, sei nicht da. Für private Anbieter brauche es eine Ausschreibung. Allein das dauere Monate. Grünen-Bundestags-Finanzer Schmidt sieht den pünktlichen Start des Standardprodukts in Gefahr. Es drohten massive Wettbewerbsnachteile für private Anbieter, den Verbrauchern werde die Möglichkeit genommen, sich von Anfang an für ein günstiges Altersvorsorgeprodukt zu entscheiden. – Einfacher gesagt ist die Kapitalrente genau so mit der heißen Nadel gestrickt wie die ganze angebliche Reform der NichtRegierungsKoalition nur ein schäbiges Ablenkungs-Manöver vom systematischen Versagen.

Die Linke-Fraktionsvorfrau Reichinnek sagt zur Krankenkassenreform: „Wenn uns so kurzfristig 279 Seiten mit Änderungsanträgen vorgelegt werden – darunter Anträge über Milliardenbeträge – und die Regierung es selbst nicht schafft, alle von ihr geplanten Änderungen bis zur Abstimmung vorzulegen, ist das kompletter Irrsinn (t-online)“. Deshalb solle das Bundesverfassungsgericht die zweite und dritte Lesung vor der Sommerpause aufhalten. – Tja, die NichtRegierungsKoalition will mit der Husch-Husch-Aktion vor der Sommerpause krampfhaft den Anschein retten, es hätte so etwas wie eine „Reform“ zustande gebracht. 

Rüstungwirtschaft. Beschaffungsvorhaben der Bundeswehr von mehr als 9,5 Milliarden hat der Haushaltsausschuss des Bundestags gebilligt. Größter Posten:  Fregatten des Typs Meko A-200 DEU für 6,3 Milliarden. Dazu die nächste Stufe des Projekts „Combat Fighter System of System Nucleus“ (CFSN). Das umfasst auch die Entwicklung unbemannter Experimentierplattformen (UCAV), Bodenkontrollstationen sowie Test- und Analyseinfrastrukturen. Ein Hochenergielaserwaffensystem für die Marine entwickeln zur Abwehr kleiner, schwer zu erfassender Ziele wie Drohnen, die Nah- und Nächstbereichsverteidigung von Kriegsschiffen verbessern, eine Technik mit wirtschaftlichen Vorteilen, da sie ohne konventionelle Munition auskommt. 13 weitere Beschaffungsvorhaben wie modulare Sanitätseinrichtungen, Optiken für Sturmgewehre, Mehrzweckkampfboote für Spezialkräfte der Marine, geschützte und ungeschützte Militärfahrzeuge, Munition verschiedener Kaliber, gehärtete IT-Komponenten sowie ein gebrauchtes Flugzeug des Typs Bombardier Global 6000 für das Aufklärungsprojekt Pegasus. Außerdem wurden Mittel für das IT-Folgeprojekt Herkules sowie für ein gemeinsames Raumfahrtvorhaben zur schnellen Verbringung militärischer Fähigkeiten in den Orbit freigegeben. – Da knallten die Sektkorken bei Rüstungsfirmen, von den folgenden Spenden vor allem für ein und dieselbe Partei wie schon immer und sonstigen, eher unsichtbaren Geldflüssen nicht zu reden. Viel schlimmer aber ist, die Schulden-Junkies Klingbeil und Merz werden das als Rettung der deutschen Wirtschaft missverstehen.

Brüssel im Lenkungswahn. Wer schon länger Auto fährt, aufgepasst. Nur nicht, wie in der Fahrschule gelernt, zu lange nach links oder rechts schauen beim Einbiegen, sonst stoppt die EU-Automatik das Gefährt abrupt und gesundheitsgefährdend. – Da hat wieder eine Lobby viel Geschäft besorgt wie beim Pflicht-Nippel an Plastik-Flaschen-Dreh-Verschlüssen und zur Befriedigung der Regulierungswut der EU-Bürokratie.

♦

Ob man je erfährt, warum Donald Trump von Ankara nachhause wirklich die alte Air Force One nahm und nicht die neue, von Qatar gespendete? Jedenfalls beschäftigt Zahllose im Netz, was Trump dem Reporter antwortete, der fragte: »Spekulationen sagen, Sie fliegen nicht in der neuen Air Force One heim aus Sicherheitsbedenken, den Iran betreffend?« Trump: »“I’m number one on the kill list for Iran” – Ich bin die Nummer eins auf ihrer Todesliste.«

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