Der (Alb-)Traum von der polizei- und soldatenbefreiten Zone

Was brauchen wir Polizei oder Armee? Ja, wir leben in einem Land der Wunder, in dem Träume Wirklichkeit werden, etwa der von einer polizei- und soldatenbefreiten Zone des ewigen Friedens! 

IMAGO / Jochen Tack
Demonstration gegen das Versammlungsgesetz in Düsseldorf

Für die Nachgeborenen: Viele Berliner Eigenarten verdanken sich der Tatsache, dass junge Männer einst vorzugsweise in Berlin studierten, weil man dort vom Wehrdienst befreit war, den man im übrigen „Kriegsdienst“ zu nennen beliebte. Aber auch als schnöder Kriegsdienstverweigerer im Westen Deutschlands musste man nur halbwegs überzeugend das eigene grundlegend friedenswillige Wesen bekunden – und schon war‘s das mit dem Dienst an der Waffe. Das hinderte übrigens viele nicht daran, bei Demonstrationen auch schon mal Steine zu schmeißen und dabei „Sieg im Volkskrieg!“ zu skandieren. So eine Volkskriegsguerilla bezog ihre Legitimation zwar nicht aus demokratischen Wahlen, sondern lediglich aus der Macht ihrer Gewehre, aber irgendwie war das Volk, das sie zu vertreten und zu befreien behaupteten, schon was anderes als das deutsche Volk, dem Vertretung nicht zusteht, oder? 

Nun, das ist lange her. Doch mittlerweile haben die damaligen „Pazifisten“ ihren Weg durch die Institutionen hinter sich und auch ihre Nachkommen setzen das früh Verinnerlichte um. Bullen sind Schweine? „ACAB“ (All Cops are Bastards), ruft da die Antifa auch in der SPD, und nicht nur in Berlin macht man erfolgreich auf „Defund the Police“. Ebenfalls in Hessen, in Frankfurt am Main, wo der Innenminister das SEK kurzerhand aufgelöst hat, weil sich ihre Mitglieder in privaten Chats rechts danebenbenommen haben sollen. Die Polizisten im Spezialeinsatzkommando sind unter anderem für Terrorismusbekämpfung und Geiselbefreiung ausgebildet. Braucht man heutzutage wohl nicht mehr. Viel wichtiger in „Coronazeiten“ ist, die Polizei zur Razzia gegen Jugendliche zu missbrauchen, die endlich wieder feiern wollen.

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Wichtig und richtig ist natürlich auch, intensiv darüber nachzugrübeln, welche Motive wohl ein somalischer Messermörder hat. Fix muss es nur dann gehen, wenn es gilt, bei Polizei oder Bundeswehr „rechte“ Umtriebe auszumachen. Keine Unschuldsvermutung für „Bullen“! Und keine Schutzpflicht der Dienstherren ihren Untergebenen gegenüber. Erwartet angesichts dessen jemand noch ernstlich Loyalität von seinen Sicherheitskräften? 

Die Tochter von Freunden fragt sich längst, ob sie unter diesen Umständen noch Polizistin bleiben will. Die Affäre um das SEK, die eigentlich eher eine Affäre um den hessischen Innenminister ist, hat ihre Bereitschaft nicht gerade erhöht, Kopf und Kragen zu riskieren für die Sicherheit im öffentlichen Raum. Und das geht vielen ihrer Kollegen so. 

Nun, Menschen, die von Recht und Gesetz nicht viel halten, sind auch nicht dümmer als unsere Politiker und dürften das als Aufforderung lesen, sich peu à peu weitere Territorien des öffentlichen Raums anzueignen, die man hernach „No Go Areas“ nennt, also: „Polizisten müssen draußen bleiben“. 

Das stört natürlich niemanden, der meint, es gäbe ja sowieso nichts zu verteidigen in diesem Land. Weshalb es vielen am Allerwertesten vorbeigeht, dass deutsche Soldaten „unsere Sicherheit“ auch am Hindukusch verteidigt haben (was man allerdings mit Fug und Recht bezweifeln kann). Sie haben sich allerdings nicht selbst dorthin geschickt, das verantwortet unser Parlament. Und sie haben nicht nur Brunnen gebaut und Mädchen auf dem Schulweg begleitet, sie sind dort auch gestorben.

Dafür wurden sie in Deutschland gründlich vergessen, so auch jetzt, wo Soldaten nach zwanzig Jahren Präsenz der Bundeswehr in Afghanistan zurückkehren. Sie angemessen zu empfangen, ist angeblich wegen Corona nicht möglich.

Im Grunde ist ihre Existenz ja auch anachronistisch. Was brauchen wir Polizei oder Armee? Ist das nicht immer noch überwiegend Männersache, also toxisch, und wenig geeignet für den fluiden Metropolenlauch?

Ist es, übrigens. War es schon immer. Daran ändert auch nichts, dass beide Berufe mittlerweile Frauen weit offenstehen – das ist auch nötig, angesichts geburtenschwacher Jahrgänge. Das heißt allerdings nicht, dass Frauen allesamt an der Front stehen, weshalb die Panzer für schwangere Soldatinnen umgebaut werden müssen. 

Ende des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr
Erbärmlich: Niemand aus der Polit-"Elite" begrüßt die heimkehrenden Soldaten
Dennoch fühlte sich Ursula von der Leyen als Verteidigungsministerin nicht nur für die politisch korrekte Sauberkeit in Soldatenspinden, sondern auch für Schwangerschaftsuniformen zuständig. „Die Belastbarkeit der ‚Bekleidungsvarianten Dienstanzug und Feldbekleidung‘ wird nun im Feldversuch geprüft. 60 schwangere Soldatinnen sollen Passform und ‚Tragekomfort‘ beurteilen. Passt alles, geht die Umstandsmode in den Farben Weiß, Khaki bis Schwarz in Serie.“

Etwa 400 der insgesamt 20 400 Frauen in der Bundeswehr waren 2017 schwanger. Der Anteil der Berufs- und Zeitsoldatinnen sowie der Frauen, die freiwillig Wehrdienst leisten, beträgt 2020 rund dreizehn Prozent. Die Mehrheit der Frauen betätigt sich im Sanitätsdienst. Kurz: Kaum eine schwangere Frauen wird sich in einen Panzer zwängen müssen.

Doch wozu braucht die Truppe überhaupt Panzer, wenn es offenbar weder am Hindukusch noch hierzulande noch etwas zu verteidigen gibt? Sturmreif schießt sich dieses Land von selbst.

Ach, Guido. So ist das halt mit der spätrömischen Dekadenz. Wer für alles offen ist, ist eben nicht ganz dicht. 


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Kommentare ( 58 )

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58 Comments
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reiner
4 Monate her

Das ist die Frage. Erst mischen sich die Großmächte überall ein und die Scherben können dann ja noch die Anderen aufheben. Das wird uns dann noch mit Rettung versucht zu verkaufen. Bekloppter geht’s nicht. Ich war auch gegen Ende der 70er Jahre bei der Bundeswehr als Zeitsoldat .Ich wollte eigentlich Hubschrauberpilot werden aber durch eine Sehschwäche wurde daraus leider nichts mehr im Endeffekt, so dass sie nach zwei Jahren als Fahnenjunker mit viel Theater entlassen wurde.

Last edited 4 Monate her by reiner
country boy
4 Monate her

In den Niederlanden können bereits jetzt die Kriminellen der OK missliebige Journalisten kaltblütig abknallen. Die Linken und Grünen in Politik und Medien hierzulande werden schon dafür sorgen, dass es bei uns bald auch so zugeht.

Durchblick
4 Monate her

Diejenigen die stets zu unseren Ordnungshütern (sic!) gehalten hatten, wurden von den Berliner Helden mit Füßen getreten, mit Knüppeln geschlagen und im November eiskalt geduscht. Seit dieser Demo, habe ich jeden Respekt vor der Polizei verloren. Da war viel Aggression und Leidenschaft zu spüren, als es gegen Frauen, Kinder und Rentner zur Sache ging. Pfui Teufel. Genauso wie niemand gezwungen wird zur Polizei zu gehen, wurde auch keiner gezwungen nach Afghanistan oder sonstwo hin zu gehen! Die Gründe für Soldaten waren in erster Linie GELD und Abenteuer. Ich kenne einige davon und nur einer davon kam nicht mehr in den… Mehr

Konservativer2
4 Monate her

Nüchtern betrachtet stellt auch die Demontage der Sicherheitsorgane einen Teilschritt zur Auflösung der christlich-westlichen Zivilisation dar. In Summe glaube auch ich hierbei nicht mehr daran, dass dies aus Unbedarftheit, Naivität oder nur Dummheit geschieht. Die Drahtzieher wissen, dass dies in ein regenbogenfarbenes Chaos mündet, Deindustrialisierung, Armut, Umverteilung und totale Überwachung eingeschlossen, das letztendlich von einem straff geführten Kalifat abgelöst wird. Dies sind in meinen Augen die streng logischen Schritte, die sich aus Politik und Demographie ergeben. Da sich Islam und Regenbogen diametral gegenüberstehen stellt sich lediglich die Frage, wie lange die bunte Übergangsphase toleriert wird. Auch hier wird entscheidend sein,… Mehr

Last edited 4 Monate her by Konservativer2
DW
4 Monate her

Warum überlässt man denen, die das wollen, nicht eine ganze Stadt, passenderweise Berlin?
Man baut eine hohe Mauer drumherum. Weder Polizei, noch Bundeswehr, noch Feuerwehr, Müllabfuhr oder Rettungsdienst dürfen da rein. Die wollen alles besser machen, die können angeblich alles besser, also sollen sie sich halt selbst verwalten.
Zum Selbstschutz kann man ihnen ja ein paar tausend Regenbogenfähnchen reinwerfen, denn die Clans sind bewaffnet.

HGV
4 Monate her
Antworten an  DW

Seattle wäre doch als „proof of concept“ für Berlin geeignet. Oder hat sich das nicht bewährt?

Peter Keis
4 Monate her
Antworten an  DW

genau das war auch schon mal ein Vorschlag von mir hier auf TE. Und es sollte verwirklicht werden. Die wenigen vernünftigen und nicht rot-schwarz-grün wählenden Berliner vorher evakuieren. Wir haben Platz außerhalb Berlins – aber nur für „normale“ Leute.Sollte dieses „normal“ auch im Wahlslogan der AfD stehen, so ist meine diesbezügliche Bemerkung hier kein Zufall. Es ist erst kürzlich ein Ehepaar hier in Baden-Württemberg in unser kleines Dorf gezogen. Haben ursprünglich in Berlin und danach im Umland von Berlin gewohnt. Und wenn man sich dann eine Mietwohnung weit weg im ländlichen Raum in Baden-Württemberg aussucht, dürfte dies schon zu denken… Mehr

reiner
4 Monate her
Antworten an  DW

Den Film die Klapperschlange als Vorbild.

Chaosherrscher
4 Monate her

auch wenn mir das einige Daumen nach unten einbringen wird, aber… wäre ein Land ohne DIESE Polizei (SEK ausdrücklich ausgenommen, die machen einen hervorragenden Job!) wirklich schlechter für uns ehrliche Steuerzahler? In den Brennpunkten ändern sie nichts, dafür Prügeln sie im Park auf Omas und Kinder ein. Vor 1,5 Jahren hätte ich nie so einen Kommentar verfasst, aber ich glaube nicht, dass ich sie vermissen würde. Im Zweifelsfall helfen sie mir nicht, sondern schaden mir. Gleiches gilt fürs Ordungsamt etc. Niemand interessiert sich da für rücksichtslose Radfahrer die in der vollen Fußgängerzone (ich muss leider für meine Arbeit in die… Mehr

reiner
4 Monate her
Antworten an  Chaosherrscher

Absolut richtig

welpi
4 Monate her

Kann ich nur zustimmen. Bis 2020 dachte ich tatsächlich meist an Freund und Helfer wenn ich an die Polizei dachte. Seit ich deren Umgang mit Coronamaßnahmengegner gesehen habe, denke ich eher es handelt sich um den verlängerten Arm der Regierung.

Iso
4 Monate her

Inzwischen haben es viele Frauen nicht nur in den Bundestag geschafft, sondern auch an den Kabinettstisch, bis hin zum Bundekanzler. Aber ist die Politik deshalb besser, und dieses Land lebenswerter geworden? Ich habe nicht den Eindruck, und finde, dass das Gegenteil passiert ist.

Kundesbanzler
4 Monate her

Und wozu überhaupt noch Feuerwehr und Rettungsdienst (allesamt stark toxisch und rechtsverdächtig) Auch die werden in Berlin, NRW und anderswo im Regenbogenland mit Steinen beworfen!

Felicitas21
4 Monate her

Es gibt doch schon jetzt Viertel, in die sich die Polizei nur noch in Mannschaftsstärke traut. Wo ein Polizist alleine noch nicht einmal ein falsch geparktes Auto aufschreiben darf, ohne dass umgehend “ Familie“ kommt, die den Beamten massiv bedroht. Viertel, beherrscht von kriminellen Familienclans “ Dies ist unsere Strasse“ und Orte, in denen Linksextremisten gegen die “ ACAB“ Krieg führen. Dafür sollten sich alle Polizisten und Sodaten mal in einem offenen Brief bei Merkel und allen anderen links- grünen Politiker mal bedanken. Und ab sofort keinen Polizeischutz mehr diese Verantwortlichen.

reiner
4 Monate her
Antworten an  Felicitas21

Es könnte so einfach sein. Stelle mir vor dass der überwiegende Teil der Sicherheitskräfte ihre Arbeit niederlegt und dass wir für zwei Tage was hier im Land los wäre. Corona wäre vorbei und die korrupte Politik ebenfalls.