Es soll einfach ein riesiges, schräges und fröhliches Musikfest sein. Doch die Eurovision will sogar aus dem größten Live-Musikevent der Welt vier Belehrungsstunden machen. Das gelingt zwar – aber anders als gedacht.
picture alliance / APA-Images | Klaus Titzer
Sparen wir uns jede Vorrede und steigen gleich in den Wettbewerb ein. Halt, nein: doch nicht. Zuvor verlieren wir noch ein ganz kurzes Wort über das „Wort zum Sonntag“.
Das kommt direkt vor Beginn des „Eurovision Song Contest“ (ESC) vom Katholikentag in Würzburg. Gesprochen wird es von einer gewissen Johanna Vering. Sie ist Pastoralreferentin. Die Katholische Bischofskonferenz traut sich also noch nicht einmal mehr, einen geweihten echten Geistlichen vor das TV-Millionenpublikum zu schicken, um das Wort Christi zu verbreiten.
Frau Verings Auftritt ist modisch ein Anschlag auf den Sehnerv und intellektuell ein Anschlag auf die Vernunft. Wer will, kann sich in der ARD-Mediathek selbst davon überzeugen. Ich würde davon aber dringend abraten, zum Wohle des Seelenheils.
Deutschlands Katholische Kirche ist nicht zu retten.
Versager des Abends
Niemand dürfte widersprechen, wenn man sagt, dass Festivals der Country-Musik Kult-Veranstaltungen für traditionelle Mannsbilder und deren Verehrerinnen sind. Damit tritt man niemandem zu nahe.
Der ESC ist das Gegenteil: eine Kult-Veranstaltung für die schwul-lesbische Community. Auch das kann man sagen, ohne jemandem zu nahe zu treten.
Veranstalter ist, wie nun schon seit 70 Jahren, die Eurovision. Das ist der Zusammenschluss aller staatlichen (oder öffentlich-rechtlichen) Fernsehsender Europas. Weil im vergangenen Jahr Österreich den Wettbewerb gewonnen hatte, findet der ESC diesmal in Wien statt. Ausrichter ist also Österreichs Staatssender ORF.
Wer sich in Deutschland über ARD und ZDF erregt, wird am ORF verzweifeln.
Moderatorin Victoria Swarowski ist die Erbin der zweitreichsten Familie Österreichs. Außerdem ist sie die Verlobte von Mark Mateschitz, das ist der Erbe der reichsten Familie Österreichs. Beides zusammen erklärt womöglich, warum sie es im ORF so weit gebracht hat. An etwas anderem kann es kaum liegen, bei nüchterner Betrachtung.
Ihr Co-Moderator Michael Ostrowski bemüht sich sowohl ästhetisch wie habituell, aus dem Moderatoren-Paar ein Moderatorinnen-Duo zu machen. Das führt den arglosen Beobachter in die Irre, denn der Mann zieht sich zwar an wie Elton John und bewegt sich wie Liberace, hat tatsächlich aber vier Kinder. Er passt sich nur seinem Publikum an, siehe oben.
Der Kommentator bei der ARD-Übertragung heißt Thorsten Schorn. Er fackelt, wie schon in den beiden Vorjahren, ein schier endloses Kalauer-Feuerwerk ab. Der Nachfolger des legendären Peter Urban ist erneut eine Zumutung. Aber hier gilt analog die Bibel – genauer: Markus 10,25. Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass sie beim ÖRR einen personellen Fehlgriff zugeben oder gar korrigieren.
Aufreger des Abends
Das kroatische Lied thematisiert den stillen, körperlichen Widerstand kroatischer und bosnischer Katholikinnen gegen die osmanische Herrschaft im 15. bis 19. Jahrhundert.
Dabei geht es vor allem um die sogenannten Sicanje-Tattoos: Das waren traditionelle Symbole, die sich slawische Frauen während der osmanischen Besatzung stachen, um sich vor Zwangskonvertierung und Versklavung zu schützen. Türkische Medien und Kommentatoren in den sozialen Medien haben gegen das Lied scharf protestiert, weil es „anti-türkisch“ und „anti-osmanisch“ sei.
In jedem Fall ist es der politischste Beitrag des Abends, ein Lied mit echter historischer und nationaler Grundierung.
Aber ARD-Kommentator Thorsten Schorn thematisiert diesen Inhalt mit keiner Silbe. Stattdessen fabuliert er irgendeine andere Geschichte, um die es in dem Text angeblich gehe. Das ist, mit Verlaub, glatt gelogen – und mehr als nur ein kleiner Skandal.
Lied des Abends
Insgesamt fällt auf, dass wieder viel mehr Lieder in der Muttersprache der Sänger vorgetragen werden. Sarah Engels, die deutsche Teilnehmerin, trällert allerdings auf Englisch. Das sagt viel über Europa aus – und leider auch über Deutschland.
Italien zeigt am deutlichsten, dass Heimatliebe außerhalb der Bundesrepublik nicht versteckt wird. Sal da Vinci ist mit 57 Jahren nicht nur der älteste Teilnehmer, er singt auch das mutigste Lied. „Per sempre sì“ („Für immer ja“) erzählt vom ewigen Versprechen bei der Hochzeit, von Treue und Verzicht und vom christlichen Glauben. Es ist so etwas wie eine gesungene Kriegserklärung an den woken Modernismus. „Gefährliche Nostalgie“ kommentierten linke Kulturkritiker denn auch.
Aber, siehe da: Den Leuten gefällt das. Italien landet auf dem fünften Platz. Es hat sicher auch nicht geschadet, dass die italienischen Tänzerinnen echte Kleidung tragen und nicht aussehen wie Bahnhofsnutten (was bei vielen anderen Vorträgen der Fall ist).
Israel
Den österreichischen Sieger aus dem letzten Jahr kennt niemand mehr. „JJ“ ist sein Künstlername, sein Ruhm war extrem schnell verblasst.
Also begann er, wie so viele Künstler im Schaffens- und Erfolgsloch, sich mit steilen politischen Äußerungen wieder ins Gespräch zu bringen. In einem Zeitungsinterview zeigte er sich enttäuscht darüber, dass Israel am diesjährigen ESC teilnehmen darf. Das sei falsch, wegen Gaza und so.
Die Empörung darüber ist ihm nun aber nicht so wichtig, dass er in der Show auf seine zwei Eröffnungsnummern – und den damit verbundenen monetären Mehrwert – verzichten würde.
Konsequenz wird halt doch sehr überschätzt.
Boykottiert wird aber trotzdem. Die Staatssender von Irland, Island, den Niederlanden, Slowenien und Spanien sind dem ESC demonstrativ ferngeblieben, weil der israelische Künstler mitsingen darf. Das ist aber nicht weiter schlimm, weil die Show auch ohne die fünf Israel-Hasser vier Stunden dauert.
Randnotizen
Musikalisch ist die Show nicht erhebend, aber sie hat durchaus ihre Momente.
Die will ich Ihnen, lieber Leser, hier auf keinen Fall unterschlagen. Schließlich habe ich mir das Ganze ja überhaupt nur deshalb angesehen, damit Sie es nicht müssen. Die meisten Nummern sind bestenfalls nichtssagend. Aber nicht alle.
Norwegen schickt einen Freddie Mercury für Arme: Schnurrbart, schwarze Latzhose, freier Oberkörper. Und das Mikrofon hält er wie… na, Sie wissen schon. An die Musik des Herrn kann ich mich leider beim besten Willen nicht erinnern.
Auch an den Griechen wird sich niemand wegen der Stimme oder wegen des Sangesguts erinnern, denn beides ist nicht vorhanden. Dafür fährt der Typ in kurzen Hosen, mit Sonnenbrille, orangefarbenen Fellstiefeln und Wollmütze zu einem irren Techno-Rhythmus auf einem Roller über die Bühne. Das hat, man kann es nicht anders sagen, einen gewissen Unterhaltungswert.
Wer hingegen nach Gründen sucht, weshalb Serbien auf keinen Fall in die EU gelassen werden darf, dem liefert die Band aus Belgrad drei Minuten nonstop Argumente am Stück.
Abstimmen dürfen neben dem Publikum in allen zugeschalteten Ländern übrigens auch wieder „professionelle Jurys“. Die sind natürlich ausschließlich dazu da, den Publikumswillen im Sinne der Politischen Korrektheit so weit wie möglich auszuhebeln. Darin sind sie den Regierungen in den meisten Teilnehmerstaaten nicht unähnlich.
Das klappt diesmal nur so mittelgut. Die Jurys können nicht verhindern, dass die ersten Drei in der Publikumswertung auch insgesamt das Podium besetzen: Bulgarien gewinnt vor Israel und Rumänien.
Fehlt noch was? Ach ja: Deutschland wird Drittletzter. Null Punkte vom Publikum. Nur die Österreicher und die Briten landen noch hinter uns.
Das passt irgendwie, oder?



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Platz 23 von 22 (?) ist schon ehrenhaft und klingt wie Platz 40 von 30. Das ist auch Deutschlands Platz in der Welt.
Interessant war zu beobachten, wie Linksgrüne im Saal unüberhörbar gegen Israel gebuht haben, während eine Mehrheit der normalen Menschen deutlich ihre Sympathien für Israel bei der Abstimmung im Netz gezeigt haben.
Ein paar Worte zu dem Autrittvon Engel/Deutschland hätte ich mir schon gewünscht
> Die Staatssender von Irland, Island, den Niederlanden, Slowenien und Spanien sind dem ESC demonstrativ ferngeblieben
Geblieben ist Frankreich, welches Land in Mali islamistische Terroristen unterstützt sowie Buntschland, wo etliche Infos darüber verschwiegen werden: https://anti-spiegel.ru/2026/laut-franzoesischen-medien-kaempfen-in-afrika-ukrainer-zusammen-mit-terroristen-fuer-frankreichs-interessen/
Oder auch hier: https://www.rtl.fr/actu/international/comment-la-france-chassee-du-mali-combat-indirectement-la-junte-au-pouvoir-et-ses-soutiens-russes-via-des-militaires-ukrainiens-7900632677. Ukro-Terroristen sind auch dabei – mit den 90 Milliarden bezahlt?
Alle Hochachtung, wer sich das Specktakel 4 Stunden lang an tut. Ich schaue mir das Woke-Festival schon mindestens 25 Jahre nicht mehr an, nicht weil es Woke ist sondern mit wenigen Ausnahmen einfach nur schlechte Musik und dazu noch schwul-lesbische LGBTQ Moderation und politische Statements wie Fahnen usw. hervor bringt. Nein die dürfen alle schwul-lesbische LGBTQ und sonst was sein. Das möchte ich den Herren und Damen und für was sie sich sonst noch fühlen und halten nicht absprechen. Allerdings ich brauche das nicht, und hatte auch keinerlei Motivation mir das rein zu ziehen. Offensichtlich hat sich im Free TV… Mehr
Wer Israel haßt, haßt auch Deutschland. Aber das versteht nicht jeder, auch nicht jeder Israeli.
High Five..:-)
Humor wie ich Ihn Liebe..:-)
Ich würde davon aber dringend abraten, zum Wohle des Seelenheils.
Pfötschen High Five.. Pfötschen..:-)
„Schließlich habe ich mir das Ganze ja überhaupt nur deshalb angesehen, damit Sie es nicht müssen.“
vielen Dank dafür und für die Zusammenfassung.
0 Punkte für Deutschland spricht Bände.