Bei Miosga: Nachwuchspolitiker stellt Schwesig bloß

Ein 26-jähriger Nachwuchsbürgermeister schenkt Manuela Schwesig bei Miosga kräftig ein. Seine Kritik ist niederschmetternd. Die SPD sei wie ein Tanker, nicht mehr zu steuern und völlig aus der Zeit gefallen. Schwesig kann nicht kontern, versucht es mit Eigenlob und müden Parolen. Schwesig wirkt bräsig. Von Brunhilde Plog

Screenprint: ARD / Caren Miosga

Bisweilen ist es recht erfrischend, einem Nachwuchspolitiker zuzuhören, der den Kopf noch voller Ideen hat und das Herz voll Zuversicht. Stärker könnte der Kontrast daher kaum ausfallen, wenn ein solcher Mann, in diesem Fall Luca Piwodda aus Gartz, auf Manuela Schwesig trifft, seit 2017 Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern. Klare Sicht trifft auf Nebelbänke, konkrete Ideen treffen auf müde Lobpreisungen der eigenen Arbeit. Ergebnis dieser schonungslosen Konfrontation: Die Zahl der SPD-Versteher dürfte weiter sinken.

Doch bevor Piwodda überhaupt am Tisch Platz nimmt, macht Schwesig bereits im Einzelgespräch mit Miosga eine erschreckend schlechte Figur. Sie bringt es ums Verbiegen nicht fertig, sich auch nur ansatzweise vom jüngsten Aufreger ihrer Parteikollegin Bärbel Bas zu distanzieren.„Es wandert niemand in unsere Sozialsysteme ein“, hatte die Sozialministerin erklärt – eine realitätsfremde Behauptung, für die sie seit Tagen harte Kritik erntet. Doch nicht einmal diesen Ausbund an Absurdität kann Schwesig klar beim Namen nennen. Im Gegenteil: Sie windet sich wie ein Zitteraal, lobt die Ministerin sogar für ihr Durchgreifen gegen die Einwanderung in die Sozialsysteme, die es angeblich doch gar nicht gibt. Schnell schlägt sie sodann den Bogen zum finalen Angstgegner und warnt: Nach einer „Machtübernahme“ durch die AfD „wird das Land ein anderes sein.“

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Das Schreckgespenst AfD zieht sich wie ein blauer Faden durch den Abend. „Ganz entscheidend“ sei es, „sich nicht als allererstes an der AfD abzuarbeiten“, sagt Schwesig. Nur um sich anschließend als allererstes und fast endlos an der AfD abzuarbeiten. In ihrem Bundesland liegt die Partei laut jüngster Umfrage gerade acht (!) Prozent vor der SPD. Die Angst muss groß sein.

Und diese Angst reicht bis in konkrete Fragen, etwa zu explodierenden Energiepreisen. 50 Prozent der Bundesbürger würden noch immer Gaslieferungen aus Russland befürworten, sagt Miosga. Für Schwesig völlig inakzeptabel, weil: „Das benutzt die AfD, und das ist natürlich sehr unehrlich von der AfD.“

Schwesig versucht es mit großen Worten, spricht von „Stabilität und Verlässlichkeit“, doch dabei wirkt sie instabil und verzweifelt. „Ich glaube nicht, dass die Antwort ist ‚Alle zusammen gegen die AfD‘, sondern ‚Alle zusammen für die Bürgerinnen und Bürger‘“, rattert sie herunter. Und behauptet sodann Dinge, die sie zwar nicht belegt, die aber von Miosga in gewohnter Müdigkeit auch nicht hinterfragt werden, etwa: „Dann muss die AfD jetzt aber auch mal erklären, warum sie nicht dafür ist, dass wir Schulen sanieren, der Feuerwehr Geld geben und Straßen sanieren.“

Bei der 1.000-Euro-Entlastungsprämie, die gerade spektakulär im Bundesrat scheiterte, formuliert Schwesig deutliche Kritik: Die Vorgehensweise der Regierung sei „umprofessionell, und es ist ein Beispiel dafür, wie es nicht mehr weiterlaufen kann in Deutschland.“ Man könne nicht „so einen Unfrieden in der Bevölkerung schüren“. Aus dem Scheitern sollten „der Bundeskanzler und die gesamte Regierung“ etwas lernen.

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Geradezu irre wirken Schwesigs Vorschläge zur Bekämpfung der explodierenden Staatsverschuldung: Der Staat müsse jetzt „Geld wieder mehr eintreiben“ und „sich Geld zurückholen“. Doch sie meint nicht etwa Masseneinwanderung, Asylbetrug, Solar-Subventionen, Toiletten in Afrika, Radwege in Peru, Millionen an NGOs oder Entwicklungshilfe an China – nein der Staat solle vielmehr bei geschiedenen Familien „durchgreifen“, wenn er mal im Notfall die Unterhaltszahlungen übernommen hat.

Kaum verwunderlich, dass ein junger Luca Piwodda mit einer solchen SPD nichts mehr anfangen kann, obwohl sein Vater und sein Großvater ihn einst an die damalige Arbeiterpartei heranführten. Ihm fehlen bei den Genossen „die klaren Ideen. Niemand weiß, wofür steht die SPD noch“. Piwodda hat am Ende seine eigene Partei gegründet (FAP, Freiparlamentarische Allianz) und wurde prompt zum ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt. Die SPD, sagt er, sei wie alle Altparteien: „ganz große Tanker, die einfach nicht zu lenken sind“. Überall gebe es „nicht reformierbare Strukturen“.

Schwesig lächelt gequält. Von Miosga befragt, wie schmerzhaft das alles für sie sei, sagt sie: „Dieser junge Mann schmerzt mich gerade gar nicht.“ Es freue sie, wenn junge Menschen sich engagieren undsoweiterundsofort …

Doch Piwodda hat auch noch nicht fertig. Bei ihm im kleinen Gartz an der Oder holte die AfD zuletzt 52,4 Prozent. Für die Arbeit im Stadtparlament offenbar kein Problem. Piwodda: „Ich habe das Vertrauen verloren, dass dieselben Menschen, die zehn, 15 Jahre in der Parteispitze sind oder auch in der Bundesregierung, dass die jetzt auf einmal einen magischen Schalter finden und auf einmal große Reformen machen oder das Ruder doch noch rumreißen können.“

Piwodda hat auch konkrete Vorschläge: Der Bundesrat solle künftig zur Hälfte mit kommunalen Vertretern besetzt sein, damit nicht nur die Bundesländer vertreten sind. Und für die Abgeordneten fordert er eine Koppelung der Bezüge an eine Präsenzpflicht: „Dass man mindestens eine Bürgerversammlung pro Quartal vor Ort in seinem Wahlkreis machen muss, sonst gibt’s die Diät nicht.“ Ziel: „Dass man vor Ort eine Präsenz herstellt, die bislang nur die AfD oder andere Kräfte haben.“

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Diktatur ist Demokratie und Demokratie ist Diktatur
„Präsenz“ – Stichwort für Feuer von der anderen Seite. Auch der Vierte am Tisch schießt auf Schwesig. Nikolaus – „Möge die gesamte Republik mit dem Finger auf sie zeigen“ – Blome (RTL) hat auf Bummeltouren durch die Republik Erstaunliches festgestellt: „Wenn Sie durch die ostdeutschen Bundesländer so’n bisschen fahren: Da ist auf den Marktplätzen eben ein AfD-Stand nicht nur im Wahlkampf, sondern beinah jede Woche.“ Der meinungsstarke Mainstream-Mitschwimmer Blome stellt fest, dass sich die SPD von ihrer Wählerschaft völlig entkoppelt habe. Entscheidend sei, „wie die Partei auf Menschen guckt, die mit ihren Händen arbeiten“, und das sei bei der SPD „offenkundig nicht über die Maßen wertschätzend“. Damit wiederholt er, was Soziologe Klaus Dörre gerade in einem Einspieler diagnostiziert hat: Die SPD sei „eine Partei, die keine Vision für eine bessere Gesellschaft hat“, und ihr Wähler „fühlt sich nicht gewertschätzt“.

Es kommt knüppeldick für Manuela von der Waterkant. „Ich kann diese pauschale Einschätzung nicht teilen, und das ist mir auch zu pauschal“, stolpert es aus ihr heraus. Dann erzählt sie, wie toll sie ihre Bürgerdialoge macht. Und „gerade vor wenigen Wochen“ sogar „eine große Bürgermeister-Konferenz“, damit „nicht zwischen den Bürgermeistern und mir dann noch so viele Stufen sind“. No Queens, wie bezaubernd.

Wenn dann aber die – da ist sie wieder – AfD am Ruder wäre, dann käme „nichts, was für die Bürger gut ist“, sondern „nur Hass und Hetze“. Auf Landesebene werde es ganz sicher „keine Zusammenarbeit mit der AfD geben“.

Piwodda hingegen spricht ohne Schaum vorm Mund: „Die haben uns nicht dafür gewählt, dass wir Bundestag spielen in der Stadtverordnetenversammlung.“ Dort zählten nur konkrete Ergebnisse. Und zum Angstgegner-Getöse sagt er: „Wir haben es jetzt zehn Jahre mit der Brandmauer probiert. Das Resultat ist, die AfD wurde immer stärker.“ Zu moralisieren und ständig zu erklären, warum die AfD schlecht ist, sei „komplett fehl am Platz, weil das zum Anti-Effekt führt. Die Menschen fühlen sich bevormundet“.

Schwesig wird diese pauschale Einschätzung vermutlich nicht teilen. So was Konkretes dürfte ihr auch zu pauschal sein.

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Kommentare ( 80 )

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Siggi
1 Monat her

Starker Toback, aber gerechtfertigt. Schwesig wird die Wahl verlieren, dann kommt die Aufarbeitung, die zeigen wird, wie sie mit Russland gekungelt hat. Das wird das Initial zur Beseitigung der SPD. Es reicht.

Dunkelsachse
1 Monat her
Antworten an  Siggi

Sie bemängeln, dass sich Schwesig für eine sichere und preiswerte Energieversorgung eingesetzt hat?

Ich finde, dass ist das Einzige, was man ihr positiv anrechnen könnte.

Siggi
1 Monat her
Antworten an  Dunkelsachse

Nein, dass bemängele ich nicht. Nur das, was im Hintergrund an klebrigen Sachen lief und die Verlogenheit.

Eddy08
1 Monat her
Antworten an  Siggi

Sie freuen sich auch über hohe Energiepreise, oder. Gehören Sie auch der Fraktion ADACvorsitzender an, welche hohe Benzin und Energiepreise fordert. Ich weiß ja nicht in welchem Teil der BRD sie zuhause sind, aber als es billiges ÖL und Gas aus Russland gab, haben Sie bestimmt nicht gejammert, oder wussten Sie garnicht bis 22 wo Ihr Gas und Benzin herkommt?

Llug
1 Monat her

Wenn Frau Schwesig sagt “ bei einer AfD Regierungsmitbeteiligung oder Alleinregierung wird das Land ein a n d e r e s sein“ kann ich nur mit der gebenedeiten Kathrin Goering Ekhard sprechen „! es wird ein anderes Land sein und ich f r e u e ich darauf

HansKarl70
1 Monat her

 „Nach einer „Machtübernahme“ durch die AfD „wird das Land ein anderes sein.“
Das will ich hoffen.

Siggi
1 Monat her
Antworten an  HansKarl70

Das ist dringend notwendig.

MartinKienzle
1 Monat her

Nach dem nahenden Untergang des Besatzerkonstruktes BRD (https://www.youtube.com/watch?v=hIu80oSC728 ab Minute 3:25) darf nie wieder das Gesellschaftsgift „Feminismus“ wirken (https://www.youtube.com/watch?v=iuvyivgRa1I ab Minute 23:00), das man unter anderem an Schwesig erkennt, die, geschlechtsbedingt, illoyal unserem Volk gegenübersteht („Vor einigen Tagen veröffentlichte die „Financial Times“ eine Studie, die für Aufsehen sorgt. Weltweit werden Männer demnach konservativer, während Frauen politisch zunehmend zu linken Ansichten neigen. Das äußert sich sowohl in ihrem Wahlverhalten als auch in den von ihnen gepflegten Wertvorstellungen.“ https://www.welt.de/kultur/plus249811022/Ideologischer-Gender-Gap-Das-Patriarchat-hat-gewonnen-der-Feminismus-ist-schuld.html — der deutsche Philosoph Hegel im 19. Jahrhundert: „Stehen Frauen an der Spitze der Regierung, so ist der Staat in Gefahr, denn sie… Mehr

Last edited 1 Monat her by MartinKienzle
Hegauhenne
1 Monat her

Ministerpräsidentin eines Landes, das weniger Einwohner hat als Berlin.
Der Status einer/s Oberbürgermeister*Innen*** wäre dort völlig ausreichend, betreffend des Gehaltes und der Stimme im Bundesrat.
Natürlich dürfen auch Oberbürgermeister*Innen*** zu Wort kommen, aber die Gewichtung sollte doch eine andere sein.

JamesBond
1 Monat her

An einen lange vor sich hin köchelnden Skandal traut sich der ÖRR nicht heran, von Apollo News: “ … Gemäß eines Verteilungsschlüssels bekommen die Staaten unterschiedlich viel Geld an Corona-Hilfen. So stehen Spanien bis zu 90 Milliarden Euro zu, während Deutschland der größte Nettozahler ist. Bereits im vergangenen Jahr berichtete die spanische Zeitung vozpopuli, dass die Regierung acht Milliarden Euro von den 32 Milliarden Euro, die bisher ausgezahlt wurden, unter anderem für Ausgaben der Verwaltung verwendet habe, etwa für Bezüge der Angestellten oder Renten….“ 1. Frage: Warum sollen wir für Krankenkasse und Pflegeversicherung mehr zahlen? 2. Frage: Wo sind die… Mehr

Privat
1 Monat her

Die verkomenen SPD Tante muss verschwinden.
Nur noch 5% oder weniger gönne ich dem SPD Merkel Gewächs

89-erlebt
1 Monat her
Antworten an  Privat

Ich bitte Sie ! Finanz Fach Geleerte aus Seelow.
Ich erinnere mich noch gut an ihre größte Tat bei Einzug ins Schweriner Schloss. Den eigenen Spross auf eine teure Privatschule entsenden .. so volksnah, so dicht an den Bürgern .. so so widerlich verlogen.

Der-Michel
1 Monat her

Nach einer „Machtübernahme“ durch die AfD „wird das Land ein anderes sein.

Genau das wollen doch die AfD – Wähler. Vom Einheitsbrei haben wir alle genug. Es muss und es wird sich etwas ändern!

Werner Brunner
1 Monat her

Wie beseitigt mann / frau dieses Pack ?
Das Land hat längst etwas Besseres verdient , oder ?

Dr. Rehmstack
1 Monat her

Eine ähnliche Situation gab es kürzlich bei Lanz, als einer der jungen Steuer Rebellen Karl Lauterbach lächerlich alt aussehen ließ. Das ist wirklich pars pro toto: offensichtlich gibt es gute Kräfte im Hintergrund, aber diese ganze nicht abwählbare, verfettete Nomenklatura lässt niemanden hochkommen. Sie sitzen in Regierung oder nationalen oder EU Parlamenten, solange sie wollen, manche bis an ihr Lebensende und keiner kann sie abwählen. Demnach haben wir keine Demokratie nach der Definition von Karl Popper: „Machtkontrolle: Der Fokus liegt auf der Möglichkeit, Regierende abzuwählen, ohne Gewalt anzuwenden.“ Dieses ist durch das Listen Wahlrecht aufgehoben worden.

Lotus
1 Monat her

Schwesig: „Nach einer ‚Machtübernahme‘ durch die AfD ‚wird das Land ein anderes sein‘.“ Ich lebe seit über 60 Jahren in diesem Land. Und es ist heute ein ganz anderes als vor 20, 30 Jahren. Ich hätte mir noch vor 12 Jahren nicht vorstellen können, wie UnsereDemokraten das Land umbauen würden. Wie sie mittlerweile frontal Grundrechte wie Meinungs- und Pressefreiheit angreifen, wie sie das GG mit Füßen treten (niemand darf wegen seiner politischen Ansichten benachteiligt werden!!). Es ärgert mich maßlos, dass ich zu Leuten wie Schwesig, Günther, Dipama, Habeck, Böhmermann, Steinmeier, … nicht mehr frei meinen Meinung sagen darf, während Linksgrüne… Mehr

Haba Orwell
1 Monat her
Antworten an  Lotus

> niemand darf wegen seiner politischen Ansichten benachteiligt werden!!

Versuchen Sie hier bloß, Heiliges Amerika zu kritisieren. Dabei tummelten und tummeln sich zahlreiche Grün:innen in der transatlantischen Atlantik-Brücke, was bereits zum Denken geben sollte.
Wichtige USA-Außenpolitik-Vereine wie CFR sind überparteilich, mit genauso Dems wie auch Reps.
Falls wem CFR nichts sagt: https://tkp.at/2026/05/10/vom-dinner-club-zum-weltlenkungsinstrument-die-geschichte-der-us-denkfabriken-und-ihr-langer-arm-nach-deutschland/

89-erlebt
1 Monat her
Antworten an  Lotus

Jeder !!!! hätte es wissen können, aus welchem Schoss die Erika Kasner kroch .. gefördert durch den de Maizière Clan und geschult an der Lomonossow Uni Moskau.
Ach, und das mit den Briefwahl Ergebnissen 2005 sollte auch mal ans Licht.