Der im Staatsbesitz befindliche deutsche Schienenkonzern klagt jetzt vor dem Verwaltungsgericht Köln gegen einen Beschluss der Bundesnetzagentur, ausländischen Wettbewerbern den Fernverkehr mit modernen Zügen im deutschen Netz zu ermöglichen.
IMAGO / Zoonar
Die deutsche Bummelbahn hat sich ihr derzeit schlechtestes Image aller Zeiten hart erarbeitet. Die Modernisierung des Netzes haben die Vorstände des zu 100 Prozent immer noch im Staatsbesitz befindlichen Konzerns über Jahrzehnte verschleppt, obwohl der eigentlich privatwirtschaftlich geführten DB AG viele Milliarden der Steuerzahler zur Verfügung standen. Die Deutsche Bahn bleibt dennoch ein pathologischer Sanierungsfall.
Linderung ist nicht in Sicht: Im Juli dieses Jahres waren erneut fast die Hälfte aller DB-Züge unpünktlich: Lediglich 52,6 Prozent der Fernverkehrszüge erreichten ihr Ziel mit weniger als sechs Minuten Verspätung. In Wahrheit fuhr nicht einmal jeder zweite Zug pünktlich, da die Fahrtausfälle nicht in die Verspätungsstatistik einfließen. Das geht jetzt schon seit Jahren so.
Weil die deutsche Bahnkrise so schlimm und ihr Netz bundesweit eine einzige Baustelle ist, begibt sich die Konzernführung um Bahnchefin Evelyn Palla jetzt noch in einen Abwehrkampf gegen ausländische Konkurrenz, die mehr Tempo in den Wettbewerb auf der Schiene bringen will. Sie hat panische Angst, dass in Zukunft viele frustrierte Bahnkunden zu einem verlässlicher fahrenden Anbieter wechseln könnten.
Weil nicht sein kann, was nicht sein darf!
Vor Gericht wehrt sich die Deutsche Bahn deswegen gegen eine Entscheidung der Bundesnetzagentur. Die Behörde hatte im Juli verfügt, dass der Staatskonzern auf stark belasteten Strecken mehr Kapazitäten für Konkurrenten freiräumen muss. Dagegen zieht die Bahntochter DB InfraGo jetzt vor das Verwaltungsgericht Köln.
Die Bundesnetzagentur hatte entschieden, dass die DB InfraGo auf stark belasteten Strecken mindestens ein Viertel der Kapazitäten an Wettbewerber vergeben muss. Laut Juristen gelte das für stark ausgelastete Korridore mit ausgewiesenen Kapazitätsobergrenzen wie etwa für die Knoten München und Frankfurt.
Italo will mit 30 hochmodernen Zügen aufs deutsche Netz
Ein möglicher neuer Konkurrent im Fernverkehr hatte einen Beschluss bei der Bundesnetzagentur erwirkt: Das italienische Eisenbahnunternehmen Italo, das ab 2028 in den deutschen Markt einsteigen will.
Wer ist eigentlich Italo? Dahinter steckt jedenfalls kein Staatskonzern, wie bei französischen Konkurrenten oft üblich. Es sind Schweizer und US-Unternehmen. So gehört das private italienische Bahnunternehmen Italo zu gleichen Teilen der Schweizer Reederei- und Logistikgruppe MSC (Mediterranean Shipping Company) sowie dem US-amerikanischen Infrastrukturfonds Global Infrastructure Partners (GIP) und weiteren Co-Investoren wie der Allianz-Gruppe. MSC besitzt 50 Prozent der Anteile und führt Italo gemeinsam mit GIP.
Italo möchte zunächst auf zwei lukrativen Hauptkorridoren im deutschen Schienennetz seine Fernzüge fahren. Es hat dabei die sogenannten Brot-und-Butter-Strecken München-Köln-Dortmund sowie München-Berlin-Hamburg fest im Blick. Hier winken am schnellsten Gewinne. Die Italiener hatten Beschwerde gegen die Art und Weise eingelegt, wie deutsche Behörden die ohnehin begrenzten Schienenkapazitäten vergeben.
In zwei Jahren plane das private Unternehmen mit Firmensitz in Rom den Einstieg in den deutschen Fernverkehr, berichtete Ende Juni bereits Tichys Einblick. 3,6 Milliarden Euro wollten sich die Italiener ihre Expansion in den Norden kosten lassen. 30 hochmoderne Züge würden dann zunächst die profitabelsten Strecken des deutschen Schienennetzes bedienen.
Die Deutsche Bahn zittert und selbst ihre Gewerkschaften wettern gegen die italienische Konkurrenz. Aber so schön wie mehr Wettbewerb auf der Schiene die Preise für Fahrgäste drückt: Für Kunden mit der DB-BahnCard könnte es auf diesen Strecken jedoch auch Nachteile geben.
Weil die Deutsche Bahn Verkehr auf diesen hochbelasteten Strecken abgeben muss, ist die Streichung von DB-Verbindungen programmiert. Das heißt, DB-BahnCard-Kunden müssten dann womöglich länger auf den nächsten Zug nach Hamburg, München oder Köln warten, wenn sie mit der BahnCard reisen. DB-Züge würden womöglich nicht mehr stündlich, sondern vielleicht sogar nur alle zwei Stunden zu bestimmten Tageszeiten fahren. Das drängt zwar Fahrgäste zur günstigeren Konkurrenz, was das Geschäft belebt und eventuell die Preise senkt, aber schmälert den Vorteil von mehr als fünf Millionen BahnCard-Kunden. So viel Ehrlichkeit muss sein.
Der Fahrgastverband PRO BAHN begrüßt grundsätzlich den Einstieg eines „ernstzunehmenden Wettbewerbers“ wie Italo. Aber: „Wettbewerb ist kein Selbstzweck. Er muss den Fahrgästen in der ganzen Republik nützen und nicht nur den Reisenden zwischen den Metropolen. Wenn der Einstieg von Italo dazu führt, dass auf den Rosinenstrecken künftig drei Anbieter um Fahrgäste konkurrieren, während Chemnitz, das Allgäu oder die ostdeutsche Fläche weiter im Abseits stehen, ist wenig gewonnen“, stellt dessen Vizechef Michael Koch klar.
Der Beschluss der Bundesnetzagentur für mehr Wettbewerb auf der Schiene bleibt bis zu einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts bestehen. Wann die Eilentscheidung fällt, ist offen. Inwiefern Italo seinen Markteinstieg davon abhängig macht, ist nicht bekannt.




Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
In Kölle sagt man: De Zoch kütt … . Ist nicht eher das Schienennetz hierzulande das Problem? Stichwort „Infrastruktur“. Erinnere mich an einen Verkehrsminister Leber/SPD von anno dunnemal, der wollte schon mehr Schien‘ als Straße. Georg „Schorsch“ Leber (1920–2012) war ein bekannter deutscher Politiker der SPD und Gewerkschaftsführer. Er diente in den 1960er- und 1970er-Jahren als Bundesminister für Verkehr, Post und Verteidigung. [1, 2] Politische Ämter Bundesverkehrsminister: 1966 bis 1972 (unter den Kanzlern Kiesinger und Brandt) Bundespostminister: 1969 bis 1972 Bundesverteidigungsminister: 1972 bis 1978 (unter Brandt und Schmidt) Bundestagsvizepräsident: 1979 bis 1983 [1, 2, 3] Wichtige Leistungen und Ruf Er… Mehr
Also ganz ehrlich, in dem Fall muss ich der Deutschen Bahn mal Recht geben… Natürlich kannst du hier herkommen, den dicken Flavio markieren, dir die Sahnestücke rauspicken und neue Schnellzüge auf der Strecke Köln – Frankfurt und Frankfurt – München profitabel betreiben. Letzten Endes kostet das die Bahn aber nur mehr Umsatz und verbessert nichts. Wenn die Italiener von der BNA gezwungen würden, Regionalverkehr zwischen Köln und München anzubieten, sähe die Sache ganz schnell auch nicht besser aus als bei der deutschen Bahn. Die Deutsche Bahn wurde kaputt gespart, um sie an die Börse zu bringen, was ein ABSURDER SCHWACHSINNIGER… Mehr
In ferner Vergangenheit hieß es, die deutsche Bahn fährt nach der Uhrzeit während sich ihr italienisches Pendant nach dem Papst ausrichtet.
In den letzten zwei Dekaden kehrten sich die Verhältnisse um.
Die Ursachen hierfür könnten in der Zulassung privatwirtschaftlicher Anbieter in Italien liegen.
Nun wird diesen der Zugang zum deutschen Markt eröffnet.
Es wird spannend sein, die Entwicklung der nächsten Jahre zu beobachten.
Der Italo verkehrt in Italien zuverlässig und pünktich nur auf Fernstrecken, auf denen er seine 250 km/h Fahrgeschwindigkeit ausspielen kann.Auf maroden Gleisen, auf denen man nur im Bummeltempo fahren kann, macht er ja auch gar keinen Sinn. Von der DB unterscheidet er sich ürigens auch durch einen vorbildlichen Service. Mit kaputten Toiletten und kaputten Klimaanlagen werden die Fahrgäste nicht konfrontiert.
ich will ja jetzt dem geneigten Autor nichts Böses,aber ein durch Steuerzahlerkosten finanziertes und unterhaltenes Netz privaten Anbietern zu öffnen,erinnert haargenau an Thatchers Weg der Privatisierung der British Rail,erinnern Sie swich noch an DAS Desaster?
Zur Gewinnmaximierung wurde das Netz nicht mehr gepflegt und DAS wiederum führte zu übelsten Unfällen/Desastern
Ich bin,genau wie bei anderen wichtigen Systemen,gegen Privatisierungen von Allgemeingütern,die mit Steuergeld errichtet wurden
Die Engländer haben einfach den staatlichen Betreiber durch einen einzigen privaten Betreiber ersetzt. Das Ergebnis war Konkurrenz gleich null und dementsprechend kein Interesse an Modernisierung und Instandhaltung. Der Italo hat allerdings mit der staatseigenen Trenitalia und ihrem Frecciarossa einen ernsthafen Konkurrenten, was Machenschaften wie in England nicht zulässt.
Freie Wettbewerber sind grundsätzlich staatlichen Akteuren vorzuziehen. Der Zustand der Bahn ist genau ein solches Beispiel, der Staat kann es einfach nicht, erst Recht nicht Linken Dilettanten! ! Das gilt nicht nur für die Bahn!
Ja, diesen Börsengang hat er sauber hinbekommen, der knallharte Sanierer Mehdorn.
Wie der Sanierungsstau aufgelöst wird, wenn die Züge eine andere Farbe haben, sehe ich ehrlich gesagt nicht.
Und nach Chemnitz, ins Allgäu oder in die Fläche wird dadurch künftig auch nicht mehr gefahren.
Vielleicht beginnt man doch besser zeitnah mit der Rückabwicklung dieses dem Privatisierungsirrsinn geschuldeten Komplettumbaus einer einstmals durchaus ordentlich betrieben Eisenbahn.
Der vom Herrn Mehdorn geplante Börsengang der DB hat nie stattgefunden und iwrd zumindest in abseharer Zeit nicht stattfinden. Er wollte übrigens das gesamte Bertriebsvermögen der DB für bescheidene 5 Milliarden Euro verscherbeln und hat zu diesem Zweck einen Vergleich mit dem Kölner Dom angestellt.
Wann gibt es endlich auch Atomstrom aus dem EU-Ausland (z. B. aus Frankreich, Belgien, Niederlande) auch in Deutschland? Auch der Strom sollte für den Privatnutzer innerhalb der EU keine Grenzen kennen. Ich wlll keinen teuren, milliarden-subventionierten „Ökostrom“ (schon der Name ist eIne Irreleitung der Bürger) aus Deutschland !
Ein bißchen Feuer unter dem Hintern schadet der DB nicht, wenngleich diese riesige Pensionärskasse dadurch droht, endgültig zum 100 prozentigem Steuerfall zu werden.
Ich erinnere mich noch an Zeiten, da lachten wir süffiiant über die dauerverspäteten italienischen Züge (in den 80ern). Auch Straßenbaustellen schienen in Bella Italia jahrelang still zu stehen.
Diese Zustände herrschen nun allesamt in Deutschland, während es heute in Italien flink und pünktlich zugeht. Ich werde den Eindruck nicht los, dass diese Entwicklung mit der Euro-Einführung zusammenfällt. Zusammenhang? Weiß nicht – muss etwas mit Motivation zu tun haben.
Die Straßenbaustellen sind aber nur in der glühenden Mittagshitze stillgestanden und tuen es immer noch, weil man bei Temperaturen von über 50 Grad in der Sonne nur arbeiten kann, wenn man gravierende Gesundheitsschäden in Kauf nimmt. Am frühen Morgen, als die Italiener auf der Straße gearbeitet haben, sind die Touristen aus Deutschland noch im Bett gelegen und haben deshalb den Unsinn von angeblich faulen Italienern verbreitet.
Die Pointe war doch immer, dass man im Jahr darauf an exakt derselben Baustelle – ohne erkennbaren Fortschritt – vorbeifuhr und alles sah us wie im Vorjahr.. Und das änderte sich auch im übernächsten Jahr nicht usw.. Sehr früh aufgestanden war man da offensichtlich nicht, dafür aber hatte man kommunistisch gewählt …. 🙂
Tja, warum lässt Mercedes nicht einfach BMW verbieten und gut? Denn warum sollte man sich bei Monopolen auf die Eisenbahnwirtschaft beschränken? Das nennt man dann wohl Merkantilismus 2.0.
Von wegen Bummelbahn. Außerordentlich agil und einfallsreich war die Bahn bei der Behinderung der privaten Konkurrenz auf dem HINDENBURG-Damm.