Nachhilfe für Grünen-Chef Banaszak: „Verstehen Sie das echt nicht?“

Sachfremd, weltfremd, faktenleugnend – Grünen Co-Chef Felix Banaszak geht im ZDF-Sommerinterview auf umfassenden Konfrontationskurs. Er attackiert einfach alle. Die Strompreise würden eigentlich sinken, Kritiker aus der Wirtschaft erzählten „Unsinn“, und eine schärfere Migrationspolitik sei „unmenschlich“.

Screenprint: ZDF

Es ist das wichtigste Interview des Wochenendes: Der gefährlichste Mann Deutschlands sitzt beim gefährlichsten Podcaster – halt, falsch… Nochmal: Es ist das wichtigste Interview dieses Wochenendes: Eine 15-jährige Reporterin grillt am Dönerstand den Grünen Felix Banas… Moment, wieder falsch. Jetzt aber!

Es ist das wichtigste ZDF-Interview dieses Wochenendes. Grünen-Co-Parteichef Felix Banaszak präsentiert sich als stiernackiger Fundamentalist, der für Kritik nicht zu haben ist. Die Grünen seien auf einem guten Weg, auch im Osten. Man werde es den Antidemokraten bei den anstehenden Landtagswahlen schon zeigen.

Mit linken Demokratieverächtern hat der Grüne dabei keinerlei Berührungsängste, wie er auch an diesem Abend eindrucksvoll unter Beweis stellt. Moderator Wulf Schmiese spricht ihn auf seine Aussage in der Zeitung „Welt“ an („Ich versehe die Haltung in Teilen der Union nicht, die Linke so zu verdammen.“) und gibt ihm eine kleine Nachhilfestunde in Geschichte. Es gebe einen Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU, und die Linke sei die Rechtsnachfolgerin der SED, die in der DDR flüchtende Menschen habe erschießen lassen. „Verstehen Sie das echt nicht?“ fragt Schmiese einigermaßen fassungslos.

Doch Banaszak ist vorbereitet. Gekonnt spult er eine Antidemokratie-Floskel nach der anderen herunter und holt alle verfügbaren Vorwürfe aus der Phrasenkiste, die es im Kampf gegen das böse Rechtsextreme so gibt: Banaszak: „Heidi Reichinnek will nicht die Mauer wieder aufbauen, und Heidi Reichinnek will auch nicht massenhaft Menschen aus Deutschland ausweisen. Sie will nicht am Ende die Grundfesten der Demokratie einreißen.“ Es gelte jetzt, unbedingt zu verhindern, dass „Verfassungsfeinde von außerhalb des demokratischen Spektrums“ Zugriff auf Schulen, Kitas, Polizei und Justiz erhielten. Dafür brauche es ein „breites Bündnis der Demokraten“, und deshalb sei es „unverantwortlich“, wenn sich die CDU einer Zusammenarbeit mit der SED/Die Linke verwehre. „In einer Situation, in der man befürchten muss, dass am Ende Antidemokraten und Verfassungsfeinde Einfluss auf die Politik bekommen, müssen Demokraten miteinander gesprächsfähig sein“, appelliert Banaszak.

Dass die Mauerschützenpartei in Berlin die Enteignung von Wohnungsbaukonzernen zur Bedingung für eine Koalition macht, ist für Banaszak kein Problem – und dass die Berliner Grünen dem sogar zugestimmt haben, ebenfalls nicht. „Wenn die Berliner Grünen das für ‘ne kluge Idee halten, dann sollen sie das tun“, sagt Banaszak, gegen den die Berliner Staatsanwaltschaft seit Anfang des Jahres wegen Steuerhinterziehung aufgrund einer angeblich „vergessenen“ Zweitwohnung ermittelt.

Das ZDF hat Menschen im Osten gefragt, wofür die Grünen stehen. Und Schmiese hat für Banaszak die enttäuschende Antwort. „Für gar nichts“, hätten die meisten geantwortet. Der Ober-Grüne lässt es abperlen. Er sei „frei von Fatalismus“ und voller Hoffnung. In den Umfragen hätten sich die Grünen von drei auf fünf Prozent gesteigert.

Schmiese erinnert an alte Zeiten: Bevor die Grünen Regierungsverantwortung übernahmen, seien es zehn Prozent gewesen. Er fragt: „Hat Habeck es versemmelt?“ Ganz im Gegenteil, versichert Banaszak. Umweltschutz und Klimaschutz müssten weiterhin die zentralen Themen sein. „Wenn die Grünen es nicht mehr bearbeiten, dann macht es am Ende niemand mehr.“ Er hoffe auf die Einsicht der Menschen. „Unter dem Eindruck der Dürre, die sie sehen, unter dem Eindruck der ausgetrockneten Flussbetter (sic!)“ brauche es jetzt „einen Wettbewerb im demokratischen Spektrum“.

Schmiese bohrt weiter. „Hey, wir bauen ein reiches Land um“, habe Habeck versprochen, und „das ist ihm gelungen, aber negativ, wie zumindest in der Wirtschaft viele sagen.“ Der Moderator zitiert den Evonik-Chef Christian Kullmann: „Die deutsche Energiewende hat bislang rund 1000 Milliarden Euro gekostet. Und was hat sie uns gebracht? Nichts.“

Eine Billion Euro seit dem Jahr 2000, das seien 40 Milliarden pro Jahr und unter dem Strich doch „eine vernichtende Bilanz“, sagt Schmiese. Aber Banaszak lässt auch das abtropfen. „Bei allem Respekt für Christian Kullmann, das ist Unsinn“, sagt der studierte Kulturanthropologe aus Duisburg. „Die Energiewende ist am Ende das zentrale Projekt“, um den Klimaschutz sicherzustellen. Eine alte Frau habe ihm gesagt, ihre Freundinnen würden wegen der Hitze allein daheim in der verdunkelten Wohnung sitzen. So schlimm sei es schon, und „dafür brauchen wir Energiewende“. Aber: „Wir haben schlechte Bedingungen, Energie zu produzieren“. Es sei deshalb „Habeck höchstens anzurechnen (sic!)“, dass er die Abhängigkeit von russischem Erdgas beendet und „Putins Kriegskasse nicht weiter gefüllt“ habe.

Dann der Satz des Abends: Wie einen ausgestreckten Mittelfinger Richtung Evonik-Chef stößt der studierte Sozialanthropologe hervor: „Wir machen uns mit der Energiewende den Strom nicht nur günstig und sauber, wir machen uns auch unabhängig davon, dass die Welt eine Welt der Unordnung geworden ist.“

Beim Thema Migration warnt der Grüne vor einer Verschärfung, weil sie zu Unmenschlichkeit und bei den Grenzbeamten zu Überforderung führen würde. „20 Jahre deutsch-polnischer Verständigung und Zusammenwachsens“ seien bereits „innerhalb weniger Wochen zerstört“ worden. Auch die dramatischen Bilder aus der spanischen Exklave Ceuta sind für ihn ein Zeichen solcher Unmenschlichkeit. Den Pushback durch die spanischen Behörden kann er trotz mehrfacher Nachfragen nicht befürworten. Er erinnert an die Invasoren, die ums Leben kamen und nennt sie „140 Menschen, die ihrer Lebensperspektiven beraubt wurden, weil sie zum Spielball einer Instrumentalisierung von Migrationspolitik gemacht wurden“.

Als Grünen-Chef fühlt sich Banaszak offenbar pudelwohl, „weil die Grünen sehr häufig in der Geschichte sehr richtig lagen“. Immer wieder betont er, wo er überall war, und wie er sich für den Wahlkampf in den ostdeutschen Bundesländern einsetze. Seinen Amtsvorgängern Ricarda Lang und Omid Nouripour wirft er mangelnden Einsatz vor: „Ich glaube, 2024 war die Lage nicht, dass man dem Parteivorsitzenden oder der Gesamtpartei vorgeworfen hätte, sich zu intensiv um den Osten bemüht zu haben.“

Jetzt gehe es darum, „wieder Nähe und Verbindung zu schaffen“ mit den Menschen im Osten. Deshalb habe er in Brandenburg an der Havel ein Regionalbüro eröffnet. Das sei „eine der besten“ Entscheidungen gewesen, sagt Banaszak. „Wir geben als Bündnis-Grüne weder Brandenburg noch andere Teile des Ostens verloren.“

Einen Rücktritt für den Fall eines Scheiterns seiner Partei bei den anstehenden Wahlen schließt der Grünen-Chef allerdings aus: „Ich bin auch sehr voller Hoffnung.“

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Kommentare ( 178 )

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Janosik
19 Tage her

Es gibt sehr viele die den Murks glauben.

Peter Gramm
16 Tage her

Prof. Esfeld sagte es ja….“die Grünen sind eine verfassungsfeindliche Partei“….So etwas hört man im Zwangsgebührenfunk und seinen Systemlingen nie.

Emanreztuneb
18 Tage her

Demokratie und Redefreiheit… Die ganz großen Errungenschaften der Menschheit! Der harte Wettbewerb der Ideen. Da wird alles sub-superintelligente gnadenlos aussortiert. Und raus kommt nur das Beste. Ich mag mit ihm nicht übereinstimmen, aber ich werde mein Leben geben, dass der Felix sagen kann was er will. Gott sind wir alle toll und fortschrittlich…

Teiresias
19 Tage her

Frankreich hat knapp 3,5bio€ Staatsschulden und etwa 17bio€ Privatvermögen.
Mit einer Vermögensabgabe von wenig über 10% könnte Frankreich seine Schulden halbieren und damit normalisieren.
Gleiches gilt für Italien, Griechenland, Spanien oder Irland
Die Bürger dieser Länder sind deutlich reicher als die Deutschen.
Warum sollen die armen Deutschen für die reichen Südländer bezahlen?
Die Südländer denken sich: Was mein ist, ist mein. Für Solidarität gibt es die dummen Deutschen.
Und „unsere“ Politiker machen das asoziale Spiel mit.
Schon die sog. „Griechenlandrettung“ war absolut unnötig.
Die Griechen konnten bezahlen.
Sie wollten nur nicht.

Liesel Weapon
19 Tage her

Mon dieu! Kann man Stumpfsinn noch steigern? Zum Grünendauerbrenner Umwelt & Klima muss man sich nur die wichtige Doku „Wenn der Wind sich dreht“ ansehen! Da ist nichts, aber auch gar nichts mit Umweltschutz! Die Bilanz der Grünen ist verheerend. In jeder Beziehung.

Gerdt Novak
19 Tage her

Jetzt am Wochenende gerade mit zwei jungen Mäner diskutiert, beide Informatiker, der eine ein aufbrausendes emotionales Bündel, beide ahnungslos gegenüber den Kosten und der Ausweglosigkeit, in die die sog. „Energiewende“, die Migration und all` die grünlinken Heilsversprechen unser Land geführt hat.
Das ganze ist ein Bildungsproblem, die Ahnungslosigkeit dieser Kreise ist in Worte nur sehr schwer zu fassen.

Reinhard Peda
19 Tage her

Ich verstehe das Problem nicht!
Über alles was Politiker so fordern das Volk abstimmen lassen, Probleme gelöst. Alles andere sind keine Lösungen, sondern verlängern nur das Leiden der Bevölkerung!

Martin Buhr
19 Tage her

Der „menschengemachte Klimawandel“ wurde im Zuge der Bemuehungen des Club of Rome und dessen Auftraggeber(n) , in Ermangelung an Furcht vor Feinden , den Menschen erneut Angst einzufloessen , indem man ihnen suggerierte , hoechstselbst ihr eigener Feind zu sein und verantwortlich fuer ihren Niedergang , falls sie nicht gehorchen und umsetzen , was ihnen von der „Wissenschaft“ zur Rettung empfohlen wird . Aus dem CO2-Wahn entstand der wohl groesste Pluenderungs- und Raubzug der Geschichte . Da wurden bestimmt mittlerweile Billionen von unten nach oben gespuelt , und das auch noch unter dem Applaus der Beraupten . Dass die Banaszaks… Mehr

Kassandra
19 Tage her

Ich wünsche ihn mitten hinein ins reale Leben – und zwar ohne dass ihn nach ein paar Minuten wieder jemand da herausholte: „They told us Ceuta was back to normal after the invasion of 70 000 illegal migrants 3 weeks ago. This is how the streets of Ceuta look like now https://x.com/visegrad24/status/2089275726411268417 . Gibt es Städte oder Ortschaften bei uns, die ähnlich bereichert sind? Gut, dort wo die den Grill anmachen wird man sich gut ähnlich fühlen können – und nicht willkommen. Auch hier: „Thousands of illegal migrants in the Spanish enclave of Ceuta are holding mass protests demanding asylum… Mehr

Last edited 19 Tage her by Kassandra
Waehler 21
19 Tage her

Wen meint Banaszak mit Deutschland? Ein rechtliches Gebilde oder eine Gesellschaft aus Menschen? Wir sind das Deutschland , die Menschen die hier leben und arbeiten ( ein Konzept, dass bei den Grünen für den Gewöhnlichen vorbehalten ist).
In seiner Vita habe ich nichts gefunden was dieser Gesellschaft einen Nährwert gebracht hat, im Gegenteil. Mit so einem Studium -Sozial- und Kulturanthropologie sowie Politikwissenschaft- kann man nur Politiker werden oder an der Uni im geschützten Bereich sein Unwesen treiben.

Martin Buhr
19 Tage her

Banszak leidet nicht unter Realitaetsverlust , er geniesst ihn .

Kassandra
19 Tage her
Antworten an  Martin Buhr

Tja. Weil wir es zulassen.
Und auch noch honorieren.
.
Die Liste muss weg.