„Ein Versagen deutscher Medien“

Seit dem Wahlsieg der Linken in Berlin fallen die Medien aus allen Wolken und präsentieren immer neue angeblich schockierende Enthüllungen. Auch bei Elif Eralp wird so getan, als habe man ihre politische Biografie gerade erst entdeckt. Es lag alles offen da. Erstaunlich daran ist nur, wie lange darüber hinweggesehen wurde.

Seit dem Wahlsieg der Linken in Berlin reiht sich eine Enthüllung an die nächste: Ferat Koçaks Kontakte zur Familie Remmo und zu Ibrahim Ibrahim kosteten ihn inzwischen seinen Sitz im Innenausschuss; tiefsitzender offener Antisemitismus und Verbindungen in radikale Aktivistenmilieus beschäftigen die Partei; bei Spitzenkandidatin Elif Eralp wurden ihre frühere Mitgliedschaft bis 2025 in der vom Verfassungsschutz beobachteten Roten Hilfe bekannt. Der frühere WELT-Außenpolitikchef Clemens Wergin zieht daraus inzwischen einen zweiten, für die Medienbranche unangenehmen Schluss: „Es ist ein Versagen der deutschen Medien all das nicht vor der Wahl in Berlin aufgedeckt zu haben.“

Klar, man kann das Versagen nennen, aber es trifft vielfach nicht zu. In vielen Redaktionen herrscht eine solch große Sympathie gegenüber der Linken und ihren rotlippigen Genossinnen wie Reichinnek und Schwerdtner sowie zur kommunistischen Programmatik, dass man hier schon klar von Schonung sprechen kann. Man teilt den Hass auf Israel, auf Amerika und auf den Kapitalismus und ist sich einig in der Liebe zu Gaza und dem Pallywood-Universum. Nicht wenige Journalisten rennen auch privat mit ihrem Pali-Schal rum. Das beherrschende Thema in diesem Teil der Medienwelt ist die AfD und wie man diese Partei am besten und schnellsten verbieten kann. Insofern waren die Aufmerksamkeiten alle gebündelt, das muss man jetzt mal verstehen.

Bei Elif Eralp ist schon das Wort „aufgedeckt“ beinahe zu großzügig gewählt. Ihre Mitgliedschaft in der Roten Hilfe war kein Geheimnis, das Investigativjournalisten unter Lebensgefahr aus einem Hinterzimmer unter ihrer Kleidung versteckt herausschmuggeln mussten. Sie stand in öffentlich zugänglichen Angaben des Abgeordnetenhauses. Andere Dokumente, die inzwischen Fragen zu ihrer politischen Verortung aufwerfen, liegen bis heute auf Eralps eigener Internetseite.

Die Berliner Linke versucht die Mitgliedschaft inzwischen mit einem beruhigend gemeinten Adjektiv einzufangen: Eralp sei „über Jahre passives Mitglied“ der Roten Hilfe gewesen. Sie sei während ihres Jurastudiums eingetreten und habe den Verein 2025 wegen „teilweise anderer politischer Ansichten“ verlassen. Welche Ansichten das waren, bleiben bislang offen. Sicher ist, wie der Verfassungsschutz die Organisation einordnet: Der Berliner Bericht für 2024 führt die Rote Hilfe mit rund 2.600 Personen als größte Gruppierung des linksextremistischen Spektrums der Hauptstadt. Das Bundesamt nennt sie mit rund 14.400 Mitgliedern die größte und eine der wichtigsten Gruppierungen des deutschen Linksextremismus.

Der Berliner Verfassungsschutz weist ausdrücklich darauf hin, dass daraus keine individuelle Einstufung jedes einzelnen Mitglieds als Verfassungsfeind folgt. Eralp muss deshalb auch niemand über die Rote Hilfe politisch charakterisieren, sie hat genügend eigenes Material hinterlassen: Im Juni 2019 gründete Eralp nach eigener Darstellung gemeinsam mit Parteifreunden LINKS*KANAX und gehörte zu den Erstunterzeichnern des Gründungsmanifests. Das Netzwerk fordert „globale Bewegungsfreiheit“ und verteidigt ausdrücklich „offene Grenzen für alle Menschen“. Es verlangt von Bundesländern mit linker Regierungsbeteiligung, vorhandene Spielräume auszunutzen, um Abschiebungen zu verhindern und Bleiberechte durchzusetzen. Eralp präsentiert dieses Manifest bis heute auf ihrer persönlichen Internetseite.

Auch beim Wirtschaftssystem wird eine unmissverständliche Sprachform gepflegt: Das Manifest spricht vom „brutalen kapitalistischen System“, dessen Bekämpfung mit dem Kampf gegen Rassismus und andere gesellschaftliche Machtverhältnisse verbunden werden müsse. Die Antwort auf den globalen Kapitalismus soll eine international vernetzte linke Bewegung liefern. Im Januar 2020 unterschrieb Eralp einen weiteren Aufruf mit dem Titel „Für eine antirassistische und migrantische Klassenpartei“. Darin wird Migration ausdrücklich in eine Strategie des Klassenkampfes eingeordnet.

Migranten sollen als „Klassenschwestern und -brüder“ gewonnen werden, mit denen gemeinsam „das kapitalistische System stürzen“ werde. Die Autoren erklären dies zur politischen „Handlungsmaxime“. Daneben wirkt sich die semantische Rettungsübung um das „passive“ Mitglied der Roten Hilfe beinahe putzig aus. Sechs Jahre später muss man sagen: Operation geglückt. Und die Linke legt darin gerade erst so richtig los.

Interessant ist auch das politische Umfeld des Aufrufs „Für eine antirassistische und migrantische Klassenpartei“, den Eralp mitunterzeichnete. Unter demselben Text stehen auch die Namen Ramsis Kilani und Moheb Shafaqyar. Das zeigt ziemlich genau, in welchem politischen Milieu Eralp damals organisatorisch und programmatisch unterwegs war.

Shafaqyar wurde später stellvertretender Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg. Ende 2023 bezeichnete er das weitere Zeigen israelischer Flaggen als „menschenverachtenden Hohn“ und deren Unterstützer als „verachtenswerte Monster“. Nach der öffentlichen Reaktion legte er sein Amt nieder und bezeichnete seine Wortwahl selbst als beschämend. Zumindest vor den Kameras. Ramsis Kilani entwickelte sich seinerseits zu einem der großen innerparteilichen Konfliktfälle der Linken. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen um seine Äußerungen zu Israel und zum 7. Oktober wurde er aus der Partei ausgeschlossen; die Bundesschiedskommission bestätigte den Ausschluss im November 2025. Teile der Berliner Linken stellten sich weiter demonstrativ hinter ihn, der Neuköllner Bezirksverband kritisierte die Entscheidung öffentlich. Kilani weist Antisemitismusvorwürfe gegen sich zurück.

Keine zwei Wochen nach der Berlin-Wahl zeigt sich nun, weshalb diese politischen Biografien wieder Gewicht bekommen. Linke, SPD und Grüne treffen sich an diesem Donnerstag und beginnen ihre Gespräche ausgerechnet mit Themen Antisemitismus, Rassismus und organisierter Kriminalität. Erst danach sollen mögliche Sondierungen folgen. Die potentiellen Regierungspartner prüfen damit vor Beginn eigentlicher Koalitionsgespräche Fragen, die durch die Vorgänge rund um die Berliner Linke seit dem Wahltag auf die Tagesordnung gedrängt wurden. Betreff Antisemitismus ist er für Grünlinke allerdings nur dann wirklich von gesteigertem Interesse, wenn er sich gegen Rechts instrumentalisieren lassen kann.

Gerd Buurmann fasste das einmal ziemlich treffend zusammen, was da passiert: „Die Lieblingsjuden vieler Deutschen heißen Herr und Frau Stolperstein und ihre Kinder. Sie widersprechen nicht, sprechen gar nicht, kennen ihren Status, liegen am Boden und geben ein gutes Gefühl. Es ist nicht schlimm, wenn man auf ihnen herumtrampelt. Vor allem aber sind sie tot.“ Solche Leute bringen es fertig, „Nie wieder“ zu rufen, ihre linke Vorfeld-NGOs zu füttern und sich arabischen Mobs auf deutschen Straßen anzuschließen, während man die Auslöschung Israels fordert.

Die Linke hat auf die Antisemitismusvorwürfe wiederholt mit dem Bekenntnis reagiert, jüdisches Leben schützen zu wollen. SPD-Politiker Martin Hikel verlangt vor möglichen Koalitionsverhandlungen klare rote Linien und wirft Teilen der Linken vor, bei israelbezogenem Antisemitismus in die Opferrolle auszuweichen.

Das eigentlich Erstaunliche daran ist, wie wenig davon Eralp bisher politisch geschadet hat. Wird es vermutlich auch nicht. Elf Tage nach der Wahl verhandelt ihre Partei über das Rote Rathaus. SPD und Grüne behandeln die Linke weiterhin als möglichen Regierungspartner und Elif Eralp weiterhin als mögliche Regierende Bürgermeisterin. Selbst die CDU generell hat immer weniger Berührungsängste mit diesen Antisemiten, auch wenn sie sich wegen der aktuellen Aufmerksamkeit öffentlich noch ein bisschen herumtut wie eine alte Kurtisane vor ihrem abendlichen Auftritt am Straßenstrich.

Lustig, sofern man das noch so bezeichnen kann, ist vielmehr das Gejammer auch in linken Medien wie ZEIT und SZ, die sich nun damit konfrontiert sehen, was es heißt, wenn ihre Hoffnungen auf Klassenkampf-Träume vor dem konkreten Sprung in die Realität stehen. Nicht alle sollten besser auch wahr werden. Sonst sehen einige Maltes und Problempony-Riekes ganz schnell alt aus. Ein Irrtum über Eralps Überzeugungen bestand nie oder dass sie diese irgendwie verborgen hätte. Der Irrtum bestand darin, dass kaum jemand sie ernst genommen hat. Berlin will das jetzt, Berlin braucht das jetzt und Berlin sollte es oben, unten und mittenrein bekommen.

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Kommentare ( 76 )

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Jan
9 Tage her

„das kapitalistische System stürzen“ Kein Migrant würde in die Bundesrepublik einwandern, wenn hier noch das System der DDR herrschen würde. Die Migranten wandern alle in reiche westliche kapitalistische Ländern aus. Von daher ist Eralps Parole dermaßen verlogen und schizophren. Das ärgert mich auch an Margarete Stokowski. Sie redet genau so einen vulgärmarxistischen Unsinn. Ihre Eltern wanderten mit ihr 1988 aus dem kommunistischen Polen in die „kapitalistische“ Bundesrepublik aus. Wenn sie nur nach Deutschland hätten auswandern wollen, hätten sie auch in die sozialistische DDR ziehen können. Natürlich wollten sie da nicht hin, sondern in den goldenen Westen. Nun will man hier… Mehr

hansgunther
9 Tage her
Antworten an  Jan

Kurzschluß im Kopf!

Hosenmatz
10 Tage her

Es war der größte Fehler nach der Wiedervereinigung, dass die SED und mögliche Nachfolgeparteien nicht sofort verboten wurden!
Dass eine Partei, die sich selbst als Rechtsnachfolger der Mauerschützenpartei sieht, in Regierungsverantwortung kommt, ist unverzeihlich!

hansgunther
9 Tage her
Antworten an  Hosenmatz

Genau so ist es; die Blauäugigkeit der Politik spricht Bände. Dem kann man aber gegenüberstellen, wieweit die SED und die Stasi die Politik im Westen schon unterwandert hatten; die glühendsten Verehrer waren bei der SPD zu finden. Dennoch hat auch die CDU wohl erhebliche Konzessionen an die DDR-Aktivitäten gemacht. Anders ist es nicht zu erklären, daß man Feinde des Systems und Mörder einfach so davonkommen läßt, im übrigen Kollaborateure einer fremden Macht, die deutsches Land konfisziert und übrige Ländereien an Dritte erst besetzt und dann weitergegeben hat als vermeintliche Sieger. Insoweit gibt es keinen Unterschied zu Frankreich, England und den… Mehr

Last edited 9 Tage her by hansgunther
Supersilent
10 Tage her

Man stelle sich einmal vor auf der Wahlparty der AFD hätten sich kriminelle Elemente ein Stelldichein gegeben. Die Talkshowthemen der nächsten Wochen wären gesichert mit den üblichen Gästen aus der linken Subkultur. Der Kampf gegen rechts muss intensiver werden, wann kommt endlich das Verbotsverfahren usw. Die Linke ist klar erkennbar verfassungsfeindlich, will die Demokratie abschaffen und eine linke Diktatur. Sie möchte unsere Kultur vernichten und durch eine andere ersetzen. Konzerne will sie enteignen und in Volkseigentum überführen. Thema in Talkshows ? Wo kämen wir da hin, rechts steht der Feind. Das SPD und Grüne diese Partei weiter als möglichen Partner… Mehr

Last edited 10 Tage her by Supersilent
H. Hoffmeister
10 Tage her

Eine Melange von Kommunisten, Muslimen und Anarchisten – alles überzeugte Antisemiten – übernimmt die politische Macht. Zunächst in Berlin, andere failed Bundesländer werden folgen. Die Wähler und Protagonisten dieser linken Zerstörertruppe eint zwei Dinge: Sie sind Transferempfänger und wollen wirtschaftlich Erfolgreiche – aka Transferleister – enteignen bzw. vertreiben. Wird wie jedes sozialistische Gesellschaftsexperiment in Trümmern enden.

Benedictuszweifel
10 Tage her
Antworten an  H. Hoffmeister

Wie bitte??? Die Wähler „UnsererDemokratie“ stellen die überwältigende Mehrheit in diesem Land. Was hier passiert, haben diese Wähler ziemlich verantworten: „“UnsereDemokratie“ Politiker haben all das umgesetzt, was bisher nur Berlin, aber bald das ganze Land kippen lässt.

Casa Done
10 Tage her

Hauptsache, der Kampf gegen „rechts“ wird mit unerbittlicher Härte geführt!

PaulKehl
10 Tage her

Der angebliche CSD-Attentäter residierte pompös in der Bissingzeile an der Potsdamer Brücke. Die am Potsdamer Platz schuftenden high performers kommen jeden Tag – zuckel zuckel- von Kyritz an der Knatter zur Arbeit. – In der Bissingzeile hat früher Mies van der Rohe gewohnt.

olympos
10 Tage her

Deutsche Medien! Sowas existiert nicht

giesemann
10 Tage her

Dass eine Politikerin Steuergeld ins Ausland verplündert als „Entwicklungshilfe“ scheint auch normal zu sein.

giesemann
10 Tage her

Erstaunlich daran ist nur, wie lange darüber hinweggesehen wurde. Ein Phänomen, das man mit Georg Christoph Lichtenberg zu Recht Blödsichtigkeit nennt: Die Leute sehen was, begreifen aber nicht, was. Im Hirn.
https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Christoph_Lichtenberg (1742 – 99), war ein Physiker, Naturforscher, Mathematiker, Schriftsteller und der erste deutsche Professor für Experimentalphysik im Zeitalter der Aufklärung. Lichtenberg gilt als Begründer des deutschsprachigen Aphorismus.

Benedictuszweifel
10 Tage her

Was für ein Unfug!!! Dass die Politik der unkontrollierten Massenzuwanderung in die Katastrophe führen muss, hätte Jeder erkennen müssen, der noch über 2 Hirnzellen verfügt, die irgendwie miteinander in Verbindung stehen. Sofort musste einem das Schicksal der nordamerikanischen Indianer oder der Aborigines einfallen. Widerliche islamofaschistiche Antisemiten nannten die Kritik an einer menschenverachtenden Religion, einer bösen Ideologie, „Rassismus“. Wo doch gerade zum Islam alle möglichen „Rassen“ gehören. Alles war Lüge, Umdefinition, absurd und grotesk. Aber dennoch hat die überwältigende Mehrheit der Souveräne dieser Republik immer und immer wieder, frei und geheim, den eigenen Untergang GEWÄHLT. Nicht die „gewählten“ Politiker haben versagt,… Mehr