Künstliche Intelligenz ist ein Billionen-Business. Ausgerechnet im Hohenlohischen verdienen zwei deutsche Familienkonzerne kräftig mit. Einer davon wurde gerade in die USA verkauft.
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Künstliche Intelligenz verlangt nach riesigen Rechenzentren und Computer-Farmen –und die brauchen Kühlung. Damit springt man ins Hohenlohische, eine Gegend, die fälschlicherweise zu Baden-Württemberg gezählt wird. Was zwar verwaltungstechnisch stimmt, aber nicht historisch und schon gar nicht mental.
Schön ist es da. Der Dichter Eduard Mörike beschrieb die Gegend mit dem Verwaltungssitz Künzelsau und der größten Stadt Öhringen einst treffend als „besonders zärtlich ausgeformte Handvoll Deutschland“ – idyllisch, poetisch und voller Ruhe.
Dort kämpfen zwei Hidden Champions um die Vorherrschaft über Kühlung, Ventilation und Luft – beide sind Gewinner des KI-Booms, haben dieselben Wurzeln.
ebm-papst in die USA verkauft
Gerade wurde der Familienkonzern ebm-papst aus Mulfingen im Hohenlohe-Kreis an den US-Industriekonzern Madison Air verkauft – für rund fünf Milliarden Euro. Ebm-papst baute bislang Ventilatoren und Luftkühlung etwa für Kühltruhen in Supermärkten, für Autos und früher auch für Haushaltsgeräte, dazu KfZ-Teile. Es ist einer dieser heimlichen Riesen, den kaum einer kennt – 13.000 Beschäftigte, davon 5.800 hauptsächlich in Mulfingen und um Mulfingen herum.
Größter Konkurrent ist der Konzern Ziehl-Abegg, der nur elf Kilometer entfernt in Künzelsau sein Global Headquarter unterhält; englisch muss es schon sein. Was Mitarbeiter und Umsatz betrifft, ist Ziehl-Abegg nur halb so groß wie der jetzt amerikanisierte Konkurrent, und das auf identischen Geschäftsfeldern. Neuerdings neben Kühltruhen eben KI-Rechenzentren.
Ziehl-Abegg wächst mit 12 Prozent schneller als ebm-papst. Zudem hat ebm-papst einige schwierige Jahre hinter sich und hat ein Viertel seines Umsatzes verloren – Rückzug aus der KfZ-Zulieferung und dem Geschäft mit Haushaltsgeräten bremste das Unternehmen. Der Vorstoß ins KI-Geschäft kostete zunächst Kraft – aber nach der Umstrukturierung ist das Wachstum zweistellig zurück. Mit dem neuen US-Partner Madison Air fühlt sich das Unternehmen auf der sicheren Seite.
Madison ist vor allem in Nordamerika stark, ebm-papst dagegen in Europa und Asien. Besonders interessant ist für beide Seiten das schnell wachsende Geschäft mit der Kühlung von Rechenzentren und KI-Infrastruktur. Mulfingen soll Unternehmenssitz sowie wichtiger Entwicklungs- und Produktionsstandort bleiben. Madison hat zudem erklärt, das Unternehmen weiterentwickeln und zusätzlich investieren zu wollen.
Jahrelang sollen Streitereien der drei Familien, denen das Unternehmen bislang gehört, Expansion und Neuausrichtung gebremst haben. Es ist eine Dallas-Story – Kampf um Vorherrschaft, Familienkrach und Reibereien in idyllischer Landschaft. Jetzt hat die US-Familie McCracken ganz allein das Sagen und Hohenlohe ein paar Cash-Milliardäre mehr – man gönnt sich ja sonst nichts und liegt im harten Wettbewerb: Das Hohenlohische ist ein Ort, in dem die Giganten hausen. Die familiengeführte Würth-Gruppe ist der Platzhirsch – und zwar mit Riesengeweih: 20,7 Milliarden Umsatz, 86.000 Mitarbeiter.
Die Bürkert Fluid Control Systems sitzt in Ingelfingen und ist auf Ventile sowie Mess-, Steuer- und Regeltechnik spezialisiert. Sie beschäftigt 2.800 Mitarbeiter. Die GEMÜ Ingelfingen ist ebenfalls ein Ventil- und Regeltechnikspezialist und international tätig. Die Berner Group Handel und Chemie beschäftigt mehr als 8.000 Mitarbeiter; Wittenstein beschäftigt 2.500 Angestellte im wesentlichen mit Mechatronik und die börsennotierte R. Stahl produziert Explosionsschutz mit 1.700 Mitarbeitern.
Aber das sind nur die Größten der Großen. So viel wird geflogen, dass sich die Unternehmen eine eigene Infrastruktur geschaffen haben: Der „Adolf Würth Airport Schwäbisch Hall – EDTY“ verfügt über eine 1.540 mal 30 Meter lange Betonpiste, für Instrumentenlandesystem, Nachtflugbetrieb, General Aviation Terminal – mit Hangars, Tankstelle und Wartung. Man ist eben viel unterwegs und Stuttgart weit weg. Rund 35 bis 40 km weiter östlich liegt Niederstetten, ein Bundeswehrflugplatz mit ziviler Mitbenutzung. Dort steht beispielsweise der Firmenjet von ebm-papst im Hangar.
2024 entfielen laut Heilbronner Stimme rund 150 der etwa 600 gewerblichen Flugbewegungen in Niederstetten auf ebm-papst. Hohenlohe fliegt in die Welt.
Aber am liebsten bleibt man unter sich. Man kennt sich, man hilft sich, man be-kämpft sich auch und wächst gleich noch schneller. 1910 gründet Emil Ziehl die Ziehl-Abegg; Heinz Ziehl fördert den genialen Ingenieur Gerhard Sturm. 1963 gründen Heinz Ziehl, Günther Ziehl und Gerhard Sturm die „Elektrobau Mulfingen“, daher ebm. Gerhard Sturm wurde die zentrale Unternehmerfigur. Er führte das Unternehmen mehr als 40 Jahre als geschäftsführender Gesellschafter und schied 2007 aus der operativen Führung aus. Unter ihm wurde aus den 35 Mitarbeitern Weltmarktführer ebm, später nach der Fusion mit Motoren Papst: ebm-papst.
Wettbewerb belebt das Geschäft
Wettbewerb belebt das Geschäft. Es ist ein gewaltiges industrielles Cluster entstanden. Jetzt entscheidet sich: Wer hat zukünftig die Nase vorne? Die amerikanische ebm-papst oder Ziehl-Abegg?
Gerade 115.000 Einwohner hat der heutige Hohenlohe-Kreis, aber die vermutlich höchste Milliardärsdichte pro Einwohner. Das ist die Konsequenz der Geschichte. Nichts beleidigt einen Hohenloher mehr, als wenn man ihn zu Baden (zu leger, zu schlampig) oder gar Württemberg (zu arrogant) zählt. Hohenlohe ist nicht einfach nur eine Gegend um Künzelsau, sondern Name eines alten fränkischen Fürstenhauses und seiner kleinräumigen Territorien. Von denen so ziemlich jedes einen Weltmarktführer hervorgebracht hat. Aus Vielfalt folgt Größe, nicht umgekehrt.


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> Nichts beleidigt einen Hohenloher mehr, als wenn man ihn zu Baden (zu leger, zu schlampig) oder gar Württemberg (zu arrogant) zählt. Hohenlohe ist nicht einfach nur eine Gegend um Künzelsau, sondern Name eines alten fränkischen Fürstenhauses und seiner kleinräumigen Territorien.
Aha. Welche Schlüsse ergeben sich daraus für die gebotene Industriepolitik?
Kleinräumigkeit und Wettbewerb statt Brüsseler Zentralplanung
> Ziehl-Abegg, der nur elf Kilometer entfernt in Künzelsau sein Global Headquarter unterhält; englisch muss es schon sein.
Ich hoffe, es ist besser als das von TE…
KI ist definitiv die Zukunft.
Die Kündigungen der Mitarbeiter sind schon geschrieben, sie wissen es nur noch nicht ❗
Danke für die Ortskenntnisse und die Details.