Wie kann man kommunikativ gegen die linke Vorherrschaft angehen?

Rot-grüne Fundamentalisten von ihrer Meinung argumentativ abzubringen, ist kaum möglich. Wie aber können wir dann in Deutschland die notwendige wirtschaftliche und politische Wende herbeiführen?

Ich unterhalte mich mit einer Frau, die felsenfest an die Klimaideologie und die von Deutschland angeführte Energiewende glaubt. Sie hat keinerlei Wissen, das über die Tagesschau hinausgeht. Sie versucht mich von ihrer Meinung zu überzeugen. Ich halte dagegen und trumpfe mit all meinem Wissen auf, das ich mir mit mehreren Büchern und Vorträgen angeeignet habe. Ich bin davon überzeugt, die wesentlich differenzierteren Argumente zu haben. Am Ende der Unterhaltung sagt die Frau abwertend zu mir: „Was sind Sie stur?! Sie lassen sich ja gar nichts sagen.“

Was ist hier passiert? Die Frau fährt selbstsicher und schnell auf ihrer perfekt ausgebauten Denkautobahn. Diese Denkautobahn benutzt sie seit Jahren; und ihre Medien und ihr Umfeld erhalten diese Denkautobahn in dem besten Zustand. Aus ihrer Sicht wäre es töricht, ihren schicken Wagen auf ihrer Denkautobahn abzustellen, über die Leitplanken zu steigen, um dann auf irgendeinem Denktrampelpfad weiterzugehen, der vermeintlich nicht weiterführt. Wenn ich dagegen auf dem Denktrampelfad bleibe, dann muss ich in ihren Augen irgendeinen Persönlichkeitsschaden haben. „Was sind Sie stur?!“

Versuchen Sie einem Menschen, der Donald Trump für einen Faschisten hält, ein paar seiner politischen Entscheidungen nahezubringen, die Sie durchaus diskutabel finden.

Versuchen Sie jemanden vom Gegenteil zu überzeugen, der die staatliche Mietpreisbremse für das alternativlose Mittel hält, „die Gier der Hausbesitzer zu zügeln und die Wohnsituation der Mieter zu verbessern“. Sie werden auf Mauern stoßen, die aufwendig errichtet wurden und die mit den allerbesten Argumenten nicht zerstört werden können.

Das Ende der DDR wurde nicht erreicht, indem Erich Honecker und Gregor Gysi argumentativ von der Pressefreiheit, Reisefreiheit und der Marktwirtschaft überzeugt wurden. Anfang 1945 haben viele Deutsche immer noch an die Wunderwaffe und den Endsieg geglaubt. Selbst im Mai 1945 wurden Deutsche hingerichtet, weil sie Zweifel am Sieg äußerten.

Das erinnert mich an die alte biblische Erzählung, als die Israeliten beim Einzug ins gelobte Land vor Jericho standen. Da waren hohe, vermeintlich uneinnehmbare Mauern. Jericho hatte sich über Jahrhunderte in eine uneinnehmbare Festung verwandel. „Jericho hielt wegen der Israeliten die Tore fest verschlossen. Niemand konnte heraus und niemand konnte hinein“ (Josua 6,1). Es war offensichtlich, dass eine direkte Konfrontation mit dieser optimal abgesicherten Stadt nicht zielführend gewesen wäre. So gibt Gott den Israeliten den Auftrag, immer wieder mit vielen Leuten und mit Trompeten um die Stadt zu ziehen. Und schließlich sollte das Volk „in schallendes Geschrei ausbrechen. Darauf wird die Mauer der Stadt in sich zusammenstürzen“ (Josua 6,5).

Das könnte ein erfolgversprechender Weg auch in unserem Kommunikationsverhalten sein. Es gilt, den Fokus abzuwenden von Streitgesprächen, wo man auf Deufel-komm-raus den anderen missionieren will. Das ist ein hoffnungsloses Unterfangen, kostet zu viel Kraft und macht die eigene Seele mürbe. Eine irrationale Bastion kann man mit rationalen Argumenten nicht aufbrechen. Das bringt höchstens heiße Köpfe und kalte Herzen.

Stattdessen gilt es, mit möglichst vielen kritischen Menschen immer wieder friedlich und mit der Kraft des Wortes um die Bollwerke der Fundamentalisten zu ziehen und auf deren Brüche, Unstimmigkeiten und Verdrehungen hinzuweisen. Immer wieder an vielen Orten, auf vielen unterschiedlichen Wegen und auf allen Kanälen zu seiner eigenen Meinung stehen; mal defensiv vorsichtig, mal offensiv lautstark; mal persönlich, mal mithilfe von neuen Medien. Das wird dazu führen, dass die Abwehrmauern und Brandmauern Risse bekommen.

Dass die Risse einmal stark genug sein werden, um die Mauern wie bei Jericho zum Einsturz zu bringen, davon ist der Optimist überzeugt. Ich würde mich freuen, wenn die Optimisten recht behalten. Oft bin ich selber optimistisch. Doch meine stärkste Motivation beim Umkreisen des rot-grünen Fundamentalismus ist nicht der mögliche Erfolg, sondern mein Bekenntnis zur Vernunft in weltlichen Dingen und meine Freude an der menschlichen Freiheit. Darum bleibe ich bei den Leuten draußen vor dem Tore, selbst wenn die Mauern von Jericho länger halten als gedacht. Die Menschen da draußen haben auf jeden Fall mehr frische Luft als die Bewohner Jerichos im Gefängnis ihrer eigenen Abwehrmauern.

Es ist leichter, Atome zu spalten, als einen Menschen zu einer neuen besseren Meinung zu überzeugen.

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Kommentare ( 1 )

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Hektor
32 Minuten her

das III Reich ist untergegangen und die DDR, die Denkstrukturen in den Köpfen der meisten deutschen leider nicht, Jahrzehnte in Freiheit haben nichts genutzt, eigentlich traurig, wenn es nicht so fatal wäre.