AfD mit Rekordwerten in der Sonntagsfrage

Fast ein Drittel der Wähler würde die AfD wählen. Legt man die Maßstäbe früherer Zeiten an, kann man von Volkspartei sprechen. Union und AfD besäßen nach der Umfrage zusammen eine absolute Mehrheit. Deutschland könnte also den Weg der Konsolidierung und des nachfolgenden Aufstiegs mit einer Mitte-Rechts-Regierung gehen. Nie waren die Zeiten dafür so günstig.

IMAGO / Mike Schmidt

Die neue Wahlumfrage sieht die AfD bei 29 Prozent, das heißt fast ein Drittel der Befragten, hochgerechnet fast ein Drittel der Wähler würde die AfD wählen. Legt man die Maßstäbe früherer Zeiten an, dann existiert in Deutschland nur noch eine Volkspartei – und das ist die AfD.

Die Union verliert einen Punkt im Vergleich zur letzten Umfrage von INSA und würde nur noch 22 Prozent der Wähler von sich überzeugen, das heißt, die CDU kann augenblicklich nur noch oder gerade noch ca. 17/17,8 Prozent der Wähler mobilisieren, die CSU würde unter der 5-Prozent-Hürde bleiben, aber aufgrund der Grundmandatsklausel in den Bundestag einziehen. Die SPD verlöre ein Prozentpunkt, den sie an die Grünen abgibt, weshalb die SPD bei 12 Prozent und die Grünen bei 14 Prozent liegen. Auch die Linken büßen 1 Prozentpunkt ein und erreichen 10 Prozent der Wähler.

Somit verharrt die Vereinigte Linke im 36-Prozent-Bunker, während die Union und die AfD zusammen eine absolute Mehrheit von 51 Prozent besäßen. Deutschland könnte also den Weg der Konsolidierung und des nachfolgenden Aufstiegs mit einer Mitte-Rechts-Regierung gehen. Nie waren die Zeiten dafür so günstig. Und genau darin liegt Deutschlands Problem, das, weil es aus dem Verrat der Union resultiert, eben auch auf die Union zurückschlägt. Die Union wird nur noch als Filiale der SPD wahrgenommen. Die Regierungsparteien würden lediglich 34 Prozent der Bürger wählen.

Der Unmut auf die Regierung trifft die Union, denn während die Union dafür abgestraft wird, dass sie rotgrüne Politik macht, ist für die SPD die Beteiligung an der Regierung noch ein Segen, weil sie inhaltlich so ausgezehrt ist, so ununterscheidbar von Grünen und Linken, dass sie ohne Regierungsbeteiligung wahrscheinlich noch stärker Wähler verlöre.

Die Gründe für den Abstieg der Union liegen auf der Hand, erstens hat die Union und erst recht nicht ihr Bundeskanzler eine eigene Linie in der Bundesregierung vertreten, zweitens kennt die wirtschaftliche, aber auch die gesellschaftliche Entwicklung von innerer Sicherheit, über Infrastruktur bis Gesundheitswesen und Wohnen nur eine Richtung – und zwar steil bergab, und drittens wird der Union nicht mehr zugehört, je weniger, umso mehr ihr Führungspersonal Agitation betreibt, sie überzeugen gerade deshalb nicht, weil sie so gern überzeugen möchten. Wir alle kennen den Mitschüler, der immer zu spät kommt, sich immer etwas ausleiht, von dem man nie etwas zurückbekommt und der stets nur Ausreden parat hat. Irgendwann mag man die Ausreden, ganz gleich wie kunstvoll, wie überraschend sie formuliert sind, einfach nicht mehr hören. Man sucht schon das Weite in dem Moment, indem er den Mund öffnet.

Die Bürger spüren die Teuerung. Sie merken, dass es mit dem Land bergab abgeht, dass die Regierung nichts in den Griff bekommt, dass sich die Regierungsparteien gegenseitig blockieren, dass sie dann auch noch mit Ideen aus dem Tollhaus oder den Verliesen der Verzweiflung wie die 1000-Euro-„Entlastungsprämie“ bekommen, sodass sich jeder inzwischen fragt, wenn er nicht für die Öffentlich-Rechtlichen arbeitet, ob diese Politiker eigentlich noch bei Verstande sind, oder auch nur die geringste Verbindung mit dem Leben, dem Alltag der Bürger haben. Nun springt auch noch die offene Inflation an, an der versteckten leidet Deutschland schon einige Zeit. Friedrich Merz hat seine Wahlversprechen gebrochen, er hat eine Mega-Verschuldung zu verantworten, für die ihn noch Generationen in Deutschland verfluchen werden.

Das Gesicht des Niedergangs der Union ist Friedrich Merz, er ist nicht nur das Gesicht, sondern auch das Hauptproblem der Union, weil es ihm an der wichtigsten Eigenschaft für einen Bundeskanzler mangelt, er besitzt keine Führungsstärke. Wie soll er auch, wo er eigentlich gar nicht weiß, wohin er führen soll. Er erweckt zunehmend den Eindruck, als sei er der Sekretär des Sekretärs des Sekretärs des Kanzleramtsminister, der auch einmal etwas sagen möchte. Merz mag sich einreden, dass es an seiner Kommunikation liegt, dass es besser wird, wenn er seine Kommunikation ändert. Doch der Mann ist medial durch. Auch wenn er in Versen, in Jamben sprechen würde, hülfe ihm das nicht. Es geht nicht mehr um die Form, es geht um den Inhalt.

Dass Merkel die CDU intellektuell entkernt hat, dass sie dort das Wort Inhalt nicht einmal mehr fehlerfrei schreiben können, dürfte unbestritten sein, aber das Merz nicht in der Lage ist, Leute um sich zu scharen, die Inhalte, Strategien und Taktiken entwickeln könnten, und damit ist nicht das verschnarchte Oppositiönchen von Rödder 21, die Langeweile vom Rhein, gemeint, fällt ihm nun auf die Füße.

Womit befasst man sich eigentlich im Konrad-Adenauer-Haus? Mit Broschüren, die den Titel tragen:

„Abstieg für Deutschland.
Keine Alternative.

Demokratieschädlich.
Antisemitisch.
Völkisch.“

Herausgeber: CDU-Bundesgeschäftsstelle/Strategische Planung“? Wenn die „Strategische Planung“ der Bundesgeschäftsstelle mit so niedlichen Hausarbeiten im Staatsbürgerkunde-Unterricht beschäftigt ist, deren Thema Carsten Linnemann beim Tischtennisspiel so ungeheuer wichtig vorkam, versteht man natürlich die Unbedarftheit der Union in der Regierung mit den Sozialdemokraten.
Was macht denn die Strategische Planung eigentlich sonst noch? Wahrscheinlich an der zweiten Broschüre arbeiten:

„Absturz für Deutschland.
Alternativlos.

Ausgebrandmauert.
Queerfeindlich.
Fossil.“

Die Union hat die Mitte preisgegeben und sich ins linke Lager zurückgezogen. Daher läuft alles auf einen Lagerwahlkampf hinaus. Die Union hat das Kunststück fertiggebracht, dass man nun noch rechts oder links wählen kann. Deshalb laufen ihr die Wähler weg. Am Ende des Jahres steht sie dann wohl auch bei 14 Prozent oder 13 Prozent. Gefährlich für die Union ist, dass es jetzt um die Substanz geht. Sie vergrätzt jetzt auch noch die Gutwilligen, die Langmütigen

Was zu tun ist, lässt sich schnell auf einen Block schreiben, nur nicht auf einen „demokratischen Block der Blockparteien“. Doch nichts von dem, was die Union für Deutschland tun müsste, packt die Union an. Dass es mit den Sozialdemokraten nicht geht, ist jedem in Deutschland klar, bedauerlicherweise aber kaum jemandem in der Union. Und Merz zieht die Union nach unten.

Die Linken, die Roten, die Grünen lieben und achten weder Merz, noch Weimer, auch sonst niemand aus der Union, sie sehen sie eher als „nützliche Idioten“. Diese Rolle haben sie angenommen.

Außer seinen Parteiangestellten aus der „Strategischen Planung“ will niemand Merz oder Weimer oder die anderen Unions-Minister oder den Fraktionsvorsitzenden verteidigen. Niemand im liberalen, im konservativen, im liberal-konservativen Spektrum. Merz und seine Entourage beherrschen die arge Kunst meisterlich, es sich mit allen zu verderben. Sie haben nicht begriffen, dass der Geist nicht mehr links steht. Es wird einsam. Noch fühlen sie, wie auch der sagenhafte Hagel aus Baden-Württemberg das Glück der Unterwerfung – nur dass ihre Wähler dieses Glück ganz und gar nicht empfinden, die bezahlen es nämlich.

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Kommentare ( 4 )

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Thomas
8 Minuten her

Merz ist eine tragische Figur (mit dem man kein Mitleid zu haben brauch). Er ist der notwendige Zwischenschritt zwischen der Globalistin Merkel („Wir müssen Souveränität abgeben“) und der souveränistischen AFD, eine politische Strömung die weltweit immer mehr Anhänger findet. Das erklärte Ziel von Trump ist eine Welt souveräner Staaten und Völker und solange er den Kurs bestimmt geht es weltweit immer mehr in diese Richtung. Scholz hat das Glück unsichtbar zu sein, schon jetzt fast vergessen. Heute ist es einfach noch zu früh für die AFD, aber lange wird es nicht mehr dauern. Und obwohl die AFD in ihren 13… Mehr

Sozia
9 Minuten her

Und hier sehen wir den Grund, warum die AfD von den eingesessenen Parteien so hartnäckig bekämpft wird. Weil sie uns als einzige Partei eine Zukunft verspricht und bieten kann. Natürlich ist das wesentlich attraktiver wie ein heruntergekommenes Land und eine tribalisierte und zerstrittene Gesellschaft.

merkelinfarkt
10 Minuten her

Ich stimme überall zu außer beim „Hauptproblem der CDU“. Das ist nicht Pinocchio. Das ist die fortwirkende Merkel.

Siggi
13 Minuten her

Diese Entwicklung ließe sich nur damit stoppen, was mit aller Gewalt verhindert wird. Mit der Wahrheit. Die allerdings wird die Altparteien in mehr als arge Bedrängnis bringen, die an der Existenz nagen wird. Es ist fraglich, ob sich die Altpartien davon überhaupt erholen können. Es ist wohl an der Zeit, dass die Nachkriegsgang endlich gestellt wird. 80 Jahre Nachkriegsseilschaften sind genug. Und da das auch die Betroffenen explizit wissen, wird bis zu den Herbstwahlen nicht nur alles versucht, auch mit übelsten Diffamierungen und abenteuerlichsten Unterstellungen, um das Unausweichliche so lange es geht in die Zukunft zu verschieben, sondern damit auch… Mehr