Schon zweimal (1529 und 1683) wehrte Wien Invasionsversuche der Osmanen ab, nun wird die Stadt erneut zum Schauplatz eines christlichen Abwehrkampfes: Auf der Showbühne des Song Contest setzen die Sängerinnen der kroatischen Gruppe Lelek klare Signale gegen eine osmanische Aggression – und die jungen Frauen werden dafür kritisiert.
picture alliance / APA-Images | GEORG HOCHMUTH
Während auf dem schrillen und queeren ESC-Spektakel selbst der nackteste und verrückteste Beitrag kaum noch aufregen kann, sorgt das kroatische Quintett Lelek mit seinem Beitrag „Andromeda“ vor dem aktuellen Finale des Song Contest in Wien für einige Debatten: Die fünf Sängerinnen – Inka Večerina Perušić, Judita Štorga, Korina Olivia Rogić, Lara Brtan und Marina Ramljak – tragen auf der Bühne stolz nachgestellte traditionelle Sicanje-Tattoos im Gesicht und an den Armen. Diese historischen Körperzeichnungen gelten als Symbole des katholischen Widerstands gegen die osmanische Herrschaft auf dem Balkan. Und die Tattoos sorgen nun in der Türkei für heftige Reaktionen.
Die Sicanje (auch Bocanje genannt) sind eine der ältesten slawischen Traditionen, die vor allem unter katholischen Kroatinnen in Zentralbosnien und Teilen Dalmatiens gepflegt wurde. Historiker wie Ćiro Truhelka dokumentierten sie bereits im 19. Jahrhundert. Die Motive – oft Kreuze und christliche Symbole – dienten als sichtbares Bekenntnis zum katholischen Glauben. Da Tätowierungen im Islam als haram (verboten) gelten, machten sie die Frauen für osmanische Entführer und Vergewaltiger unattraktiv. Sie schützten somit auch vor dem „Blutzehnten“ (Devşirme), der Zwangsrekrutierung christlicher Kinder, und vor der Zerstörung der kulturellen und religiösen Identität. Die Praxis reicht möglicherweise bis in illyrische oder vorchristliche Zeiten zurück und wurde besonders unter osmanischer Herrschaft (15. bis 19. Jahrhundert) zur Form des passiven Widerstands.
„Anti-osmanische Propaganda“
In der Türkei kommt diese Erinnerung an ein sehr dunkles Kapitel der Geschichte gar nicht gut an: Türkische Medien und Social-Media-Nutzer werfen Lelek anti-osmanische und anti-türkische Propaganda vor. Der türkische Eurovision-Account betonte zwar, es gebe keine direkten Beweise für eine gezielte Provokation, doch die Reaktionen zeigen tiefe Sensibilität. Ähnliche Reaktionen trafen 2025 die griechische Sängerin Klavdía Papadopoúlou, deren Song mit dem Genozid an den Pontos-Griechen durch die Osmanen in Verbindung gebracht wurde – ein Vorwurf, den die Türkei vehement zurückweist.
Der kroatische Abgeordnete Marin Miletić (Partei MOST) reagierte auf X scharf: „Warum stört euch die Wahrheit? Das kroatische Volk hat fast 400 Jahre gegen die Osmanen gekämpft. Sie haben uns nicht besiegt. Wir haben unseren Glauben, unsere Kultur und unsere Identität bewahrt. Gott sei Dank!“
Die Kontroverse wirft grundsätzliche Fragen auf. Darf man in einem vermeintlich unpolitischen Musikwettbewerb historische Wahrheiten thematisieren? Oder muss jede Erinnerung an osmanische Expansion und die damit verbundenen Leiden der christlichen Balkanvölker tabuisiert werden?
Lelek selbst versteht ihren Auftritt nicht primär als politische Provokation, sondern als Hommage an weibliche Stärke, an das kulturelles Erbe und an die Widerstandsfähigkeit. Die Gruppe hat mit ihrer Qualifikation für das Finale bereits bewiesen, dass ihre authentische, emotionale Performance international ankommt. Mit ihren Sicanje-Tattoos haben die kroatischen Sängerinnen jedenfalls ein Stück Geschichte des Balkans auf die Eurovision-Bühne gebracht – ein Thema, das in Zeiten wie diesen absolut nicht verharmlost werden sollte.




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Wer könnte noch glauben, dass der ESC unpolitisch ist? Da wird unverhohlen „Boycott, Divestment and Sanctions“ von Teilnehmern unterstützt und das scheint okay zu sein.
Der ganze Wettbewerb ist zwangsabgabenfinanzierter Unfug. Kann ersatzlos weg. Die Hörer wissen schon selbst, was ihnen gefällt. Die verkauften Platten/ CDs / Tonträger/ Downloads etc reichen als Wettbewerb.
Das mit den Tatoos ist ein guter Tip – falls hier mal der Islam übernimmt.
WIDERSTAND gegen den Islam! Widerstand bis unter die Haut!
Und ich finde es mutig, dies Thema musikalisch in die Weltöffentlichkeit und auf die ganz große Bühne zu bringen.
Ich möchte mehr von solchen Strategien und gelebter Widerstandskraft hören und sehen.
Bravo Kroatien 🇭🇷
> WIDERSTAND gegen den Islam! Widerstand bis unter die Haut!
Was für Widerstand jetzt wieder, wenn etwa in Mali islamistische Terroristen für „westliche Werte“ kämpfen? https://anti-spiegel.ru/2026/laut-franzoesischen-medien-kaempfen-in-afrika-ukrainer-zusammen-mit-terroristen-fuer-frankreichs-interessen/
> „… Deutsche Medien verschwiegen, was RTL nun gemeldet hat, denn dass Frankreich in Afrika islamistische Terroristen unterstützt und dabei ukrainische Soldaten zusammen mit Terroristen gegen die Regierung Malis kämpfen lässt, passt so gar nicht ins gewollte Bild. … Deutsche Medien würden nie eingestehen, dass europäische Länder mit Terrorgruppen zusammenarbeiten, um in Afrika und dem Nahen Osten ihre politischen Ziele durchzusetzen. …“
Hier die Uebersetzung ins deutsche der Lyrics „Andromeda“ von Lelek: Während du eine Kerze anzündest, frag deine Großmutter, warum sie ihre Töchter in Angst geboren hat. Warum viele den Friedhof gewählt haben. Unsere Mütter haben keine Sklaven geboren. Viele Tränen sind wie ein Fluss geflossen. Warum wird die Geschichte von Neuem geschrieben? Unsere Söhne sind keine Untertanen. Wecken euch nachts die Schreie aus der Wiege? Nimm mich zu dir, Königin Erde, dir gehört meine Seele, ihnen mein Körper. Führe mich zu den Sternen, zu den zerstörten Nestern, dorthin, wo man unter Schreien die Soldaten verabschiedet. Führe mich zu den Sternen,… Mehr
Übrigens ein tolles Stück Musik – authentischer Song, zeitgemäß und unwoke dargebracht!
Der Kommentator hat den Inhalt des Songs akrobatisch umschifft – kennt man diesen Artikel hier, kommt man sich schon vera…t vor – ÖR halt.
Schaltet mal das Bild am Fernseher ab, Musik pur: Einfach grauenvoll.
Danke für diesen informativen Beitrag!
Das Gegenteil von dem, was die Kroaten 400 Jahre lang verhindert haben, schaffen die Deutschen in 40.
Sehr interessanter Artikel und ein ebenso interessanter Hintergrund zu der Performance dieser 5 Künstlerinnen. Stimmlich wirken diese 5 Damen so gewaltig wie ein Kirchenchor. Bei mir hapert es an der kroatischen Sprachen und dem kulturellem Verständnis. Das ist der Minuspunkt bei mir. Mir gefällt der Bezug zur Geschichte und zur Heimat. Grundsätzlich bin ich kein Musical Fan. Sondern ganz das Gegenteil. Entsprechend gefällt mir, dass die Sängerinnen nicht tanzen und auch, dass die keine auf Musical ausgebildeten Stimmen haben. Sondern ganz klassisch singen und das inbrünstig. Böse wäre es jetzt von Klageweibern zu schreiben. Die Feuer Performance ist auch nicht… Mehr
Der ESC ist von Geistesschlanken für Geistesschlanke und jede einzelne Sekunde, in der man sich mit diesem Granatenschmarrn beschäftigt, ist definitiv verlorene Lebenszeit.