Die Gender-Streber von der Haltungs-Klasse

Ein Alleingang ist es nicht, was der Spiegel hier inszeniert. Insofern ist er als Streber etwas hinten dran. Die Taz, die ein ähnliches Publikum bedient wie der Spiegel, ist schon viel weiter, das ZDF ohnehin, dpa und Handelsblatt auch.

IMAGO / Martin Müller

Wer erinnert sich nicht an die eigene Schulzeit und an so manchen unbeliebten Streber, der nicht nur immer die besten Noten einheimste, sondern der auch bekannt war für die „Schleimspuren“, die er in Richtung Lehrerschaft legte, der Lehrern am liebsten die Tasche schon am Parkplatz abgenommen hätte und der schon auch mal Mitschüler verpfiff?

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An solche Streber fühlt sich erinnert, wer die alltäglichen Produkte der Mainstream-Presse verfolgt. Bloß nicht versäumen, Merkel zu loben! Bloß nicht hintanstehen beim Hochjubeln einer „Kandidatin“! Bloß nicht der Letzte sein beim Stänkern gegen Orbán – früher Trump! Bloß nicht zögern im Kampf gegen Faschismus, Rassismus und alles, was „rechts“ ist! Unbedingt „woke“ und ganz vorne mitmischen bei den Freitagshüpfern von „Friday for Future“ und bei „Refugees Welcome!“

UND: Bloß nicht zu den Letzten gehören, wenn es um die „gendergerechte“ Verhunzung unserer Sprache geht!

Soeben hat sich der Spiegel, von seinem Gründer Rudolf Augstein zum „Sturmgeschütz der Demokratie“ erklärt, hier ganz vorne eingereiht. Und damit erneut gezeigt, wie egal diesem Blatt die Sprache des Volkes ist. Aber schon vor gut 25 Jahren hat der Spiegel demonstriert, dass ihm die Sprache des (vormaligen) Volkes der Dichter und Denker schnurzegal ist; damals hat er sich rasch und willfährig der verkorksten Rechtschreibreform angeschlossen.

Nun also macht der Spiegel auf „Gender“. Am 30. Juni 2021 schrieb die SPIEGEL-Chefredaktion „intern“ an die „lieben Kolleginnen, liebe Kollegen“: „Ab dieser Woche ändern wir die Standards zur gendergerechten Sprache … Damit alle Bescheid wissen, hier das aktualisierte Kapitel 2.6.1: Das generische Maskulinum soll nicht mehr Standard sein.“ Der Spiegel nutzt nun – „an so vielen Stellen wie möglich“ – eine gendergerechte Sprache, durch Doppelnennungen, geschlechtsneutrale Begriffe oder kluge (sic!) Umschreibungen. Die Ressortleitungen sollen auf die Einhaltung der Standards achten. Dann heißt es vernebelnd: „Genderzeichen werden in der Regel nicht benutzt.“ Es gebe allerdings bestimmte Textformen, wo sie eingesetzt werden dürfen; und zwar einheitlich in Form des Doppelpunkts. Dies habe den Vorteil, dass er sich besser ins Schriftbild einfüge und für weniger Irritationen sorge als Binnen-I oder der Genderstern.

Genderzeichen dürfen beim Spiegel ansonsten verwendet werden: von „externen Autorinnen und Autoren sowie Interviewpartnerinnen und -partnern“, von „Spiegel-Redakteurinnen und -Redakteuren in Kolumnen sowie sehr persönlichen Kommentaren und Essays“, in Audio- und Video-Formaten, bei Instagram und im Start-Ressort. Und dann folgt in der internen Mitteilung der Chefredaktion doch noch ein kleiner Knicks vor dem Kriterium der Lesbarkeit: Genderzeichen sollen nämlich nicht verwendet werden in allen „Meldungen und Texten von Spiegel-Redakteurinnen und -Redakteuren“, im Leitartikel, in Newslettern, in Interviewfragen – „also überall, wo der Spiegel als Institution der Absender ist … In Überschriften, Teasern, Dachzeilen, Bildunterschriften und Zwischenzeilen werden grundsätzlich keine Genderzeichen genutzt.“ Aha!

Mehrheit gegen Gendern
Vergesst das Gender-Gerede, es funktioniert einfach nicht 
Ein Alleingang ist es nicht, was der Spiegel hier inszeniert. Insofern ist er als Streber etwas hinten dran. Die Taz, die ein ähnliches Publikum bedient wie der Spiegel, ist schon viel weiter, das ZDF ohnehin, dpa auch. Und im April 2021 hatte sich bereits die „Handelsblatt Media Group“ (HMG = Handelsblatt + Wirtschaftswoche) hervorgetan. Dort konnten die kaum noch verdutzten Redakteure von ihrer Geschäftsführung lesen: „Dass wir in den News der Woche und auf unserem HMG-LinkedIn-Account seit längerem gendern, ist euch wahrscheinlich schon aufgefallen. Der Doppelpunkt bei Leser:innen oder Kolleg:innen ist für uns schon zu einer Selbstverständlichkeit geworden – und das soll er auch in der gesamten HMG werden. Denn wie andere Medienhäuser und Unternehmen wollen auch #WIR uns in unserer Kommunikation auf den Weg zu einer gendergerechten Sprache machen … Bitte verwendet also in allen offiziellen Texten der HMG wie beispielsweise Mailings oder Einladungen ab sofort den Doppelpunkt!“ Und weiter: „Vielen von euch mag die neue Schreibweise im ersten Moment seltsam erscheinen. Doch es gibt gute Gründe dafür, eine Sprache zu verwenden, die alle anspricht – und dafür, dass sich der Doppelpunkt für diesen Zweck am besten eignet. Wenn wir jetzt die richtigen Impulse setzen, wird auch die zunächst „neue“ Sprache bald selbstverständlich sein. Wir sind sicher: Es ist eine Sache der Gewöhnung.“

Eine Sache der Gewöhnung? Nein, eine Sprachbarbarei und eine unterschwellige Erziehung der Leser! Vergessen wir nicht: Die Sprache gehört dem Volk und nicht den Sprachverhunzern. Zwei Drittel bis sieben Achtel der Menschen wollen den Gender-Unfug nicht. Siehe hier.

Schauen wir uns deshalb ab sofort regelmäßig die Verkaufs- und Auflagenzahlen dieser Blätter an. Dann werden wir sehen, ob die Genderei nicht ein Eigentor ist.

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Kommentare ( 84 )

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Konrad Georg
17 Tage her

„Leider“ bin ich, Gott sei Dank, kein Spiegelleser, sonst würde ich den Dummköpfen mitteilen können, daß sie ihr Käseblatt selber lesen sollen.
Die Betriebsrente meiner Frau, ein Freiabo der AA steht kurz davor.

Mankovsky
17 Tage her

Ich habe erst gestern eine neuere Naturdoku begonnen anzusehen, der Kommentator tschänderte auf Teufel komm raus – ich habe abgeschaltet. Die Infos bei den ewigen Doppelnennungen gehen unter, es NERVT.

Gerhart
17 Tage her

Na, wenn es bei der Auflage aufgrund von Unlesbarkeit klemmt, hilft das Bundeskanzleramt sicher mit etwas Geld aus.

szenaria
17 Tage her

Aufgrund der sinkenden Auflagen greift man eben nach jedem Strohhalm, der erreichbar ist. So hofft man, dass mit Gendersprache ein paar Regenbogen-Deppen die Blätter kaufen und so die Verkaufszahlen anzuheben.

Die Mitarbeiter dieser Presse sind wohl am unteren Ende jener Schreiblinge zu suchen und sind sich für nichts zu schade, was irgendwie ein paar Euro in den Geldbeutel spült. Mit intellektueller Arbeit, geschweige denn Überzeugung hat das ja wohl nichts mehr zu tun. Diese Leute verkaufen sich auf einem Niveau, das noch unter dem Derer rangiert, die dafür bezahlen.

LadyGrilka55
17 Tage her

Da fällt mir nur der alte Schnodder-Spruch ein: „Macht doch euern Dreck alleene!“ Für mich gilt seit einiger Zeit schon: Zeitungen und Magazine, die gendern, lese ich nicht (mehr). TV-Sendungen, in denen gegendert wird, schalte ich sofort aus. Wenn die „woken“ Möchtegern-Volkserzieher meinen, sie könnten uns normalen Bürgern jeden, aber auch wirklich jeden Mist zwangsweise aufdrücken, so sind die gewaltig im Irrtum! Keiner meiner Freunde, Bekannten und Nachbarn gendert, weil sie das alle für total bescheuert halten. Nur ein paar – mittlerweile ehemalige – Kollegen (bin endlich im Ruhestand … 🙂 …) hatten gerade damit angefangen. Gut, dass ich mir… Mehr

Last edited 17 Tage her by LadyGrilka55
woderm
17 Tage her

Es braucht schon eine gehörige Portion Charakterlosigkeit, um in solch einem vorauseilenden Gehorsam „die richtigen Impulse“ für die Verhunzung der deutschen Sprache zu setzen.

Maria Jolantos
17 Tage her

Spiegelin, Spiegelin an die Wändin, welches ist das Schönstex im grenzenlosen Land?

kira
17 Tage her

Wer liest den Der Spiegel oder Handelsblatt? Das eine habe ich noch nie gelesen, das Handelsblatt habe ich schon vor Jahren abbestellt. Habe jetzt nur Tichy Einblick als Abo. Hier sind Redakteure mit Vernunft und Anstand. Danke Tichy Einblick.

StefanB
17 Tage her

Inzwischen gibt es auch schon Klagen wegen Diskriminierung gegen den Gender-Unfug und zwar von solchen Personen, die eigentlich auf diesem Wege sprachlich und im Schriftbild „inkludiert“ werden sollen. Die Rechtsprechung ist ganz „zeitgemäß“ auf der Seite der „Progressiven“: LAG Schleswig-Holstein – Gen­ders­tern­chen ist keine Dis­kri­mi­nie­rung*
Ich hatte ja eher erwartet, dass sich ein normaler Heterosexueller über Diskriminierung durch das Gender-Sternchen beschwert.

*https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/lag-schleswig-holstein-3sa37oed21-gendersternchen-diskriminierung-intergeschlechtlich-binaer-identitaet-stellenausschreibung/

JizzyB
17 Tage her

Ganz einfach rausfiltern: Binnen-I-be-gone