Muss Wegner gehen, damit Merz bleiben kann?

Kai Wegner verzichtet auf die Spitzenkandidatur. Doch der Berliner Stromskandal reicht bis ins Kanzleramt: Wenn Wegner nicht mit Merz telefonierte, rief auch Merz Wegner nicht an. Warum interessiert sich der Kanzler nicht für sein Land und seine Bürger? Das ist der Skandal. Wird Wegner nun geopfert, um Merz zu schützen?

picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Nu is‘ er weg, der Kai Wegner, das heißt, er ist noch nicht ganz weg, aber in Zukunft ist er nicht mehr da, weil er die CDU nicht in die Zukunft führen soll, die ohnehin keine Zukunft hat. Diese undankbare Aufgabe bleibt dem blassen Finanzsenator Stefan Evers vorbehalten. Aber da Evers sowieso nicht auffällt, fällt auch nicht auf, dass er die CDU auf den letzten Metern in die Katastrophe führen wird. Ändern kann es Evers nicht.

Auch wenn das ZDF brandmauerzuverlässig framt, dass der Terroranschlag gegen die kritische Energie-Infrastruktur Berlins, der die Energieversorgung im Südwesten von Berlin mitten im eisigen Januar lahmlegte, nur ein „Stromausfall“ war, wohl weil ein Heimwerker an seinem Sicherungskasten in der Gartenlaube herumbastelte, und der Staat anscheinend sich keine große Mühe gibt, den Terroranschlag, weil er von links kam, aufzuklären, hatten linke Terroristen Berlin angegriffen. TE hatte ausgiebig berichtet und Wegners eklatante Fehlleistungen beschrieben.

Doch was jetzt herauskommt, macht aus der Affäre eine Affäre Merz. Man muss etwas genauer hinschauen, um das ganze Ausmaß des Skandals zu überblicken. Es ist sicher kein Zufall, dass kurz vor der Sommerpause Details über Wegners Verhalten in dieser geballten Form jetzt an die Öffentlichkeit kommen. Der Zeitpunkt ist ideal, denn jetzt beginnt die Urlaubszeit und nach dem Urlaub finden die Wahlen statt. Mit Wegners Rücktritt als Spitzenkandidaten der CDU gehen die Berliner in den Urlaub, bei ihrer Rückkehr finden sie einen Spitzenkandidaten Evers vor. Aber auch wenn Evers der Typ Volkstribun wäre, hätte er keine Chance, aber er ist es nicht mal.

Berlin bekommt aller Voraussicht nach eine kommunistische Bürgermeisterin mit Migrationshintergrund, die ihr juristisches Referendariat unter anderem beim Hohen Flüchtlingskommissar der UN in Berlin und in einer Anwaltskanzlei für Aufenthalts- und Asylrecht machte. Goodbye, Berlin-Babylon.

Man kann Wegner vorwerfen, dass er wohl nicht den gleichen Eifer an den Tag legte, nach diesem Terroranschlag ins Rote Rathaus und Vorort zu kommen, wie er in Berlin zum Christopher Street Day eilte. Vorwerfen muss man ihm, dass er nicht die Wahrheit sagte und sich von einer Ausrede in die nächste hangelte. Dass er nicht den Mut fand, die Konsequenzen zu ziehen und im Januar zurückzutreten, sondern lieber die Partei mit in den Abgrund zieht, ist schäbig.

Aber dass sich die Bundespartei nun in Wegnerscher Manier versucht, einen schlanken Fuß zu machen, ist nicht weniger schäbig und zynisch dazu. Denn die Affäre Wegner ist eine Affäre März.

Wegner behauptete am 5. Januar im RBB: „Gestern habe ich einmal mehr mit dem Bundeskanzler auch gesprochen.“ Was heißt einmal mehr, mehr als was? Seltsame Formulierung. Warum sagte er nicht: Am 4. Januar habe ich um so und so viel Uhr mit dem Bundeskanzler gesprochen? Hat er denn mit ihm gesprochen? Auch die Berliner Senatskanzlei behauptete, dass es am 4. Januar ein persönliches Telefonat zwischen Kai Wegner und Friedrich Merz gegeben habe. Laut Bild erklärte auch das Kanzleramt: „Wegner habe bereits am ersten Tag des Blackouts ‚mehrere Gespräche‘ unter anderem mit Merz geführt.“

In einem Schreiben, dass dem Tagesspiegel vom Berliner Verwaltungsgericht zugestellt wurde, heißt es definitiv, dass mitgeteilt wird, „dass soweit feststellbar, der Bundeskanzler während der Dauer des fragegegenständlichen Stromausfalls in Berlin im Januar 2026 kein persönliches Gespräch mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin Wegner geführt hat, weder in Anwesenheit persönlich noch telefonisch.“ Und auch in dem Schreiben wird der Terroranschlag auf Berlins kritische Energie-Infrastruktur zum „Stromausfall“ herunterbagatellisiert.

Doch was ist es anderes als ein Terroranschlag auf die Energieinfrastruktur, wenn mehrere Stromleitungen an einer Kabelbrücke über den Teltowkanal in Brand gesetzt werden, einen Blackout der Stromversorgung von Berlins Südwesten auslösen und dadurch die Strom- und Wärmeversorgung von 45.000 Haushalten und 2200 Unternehmen in den Stadtteilen Dahlem, Lichterfelde, Nikolassee, Schlachtensee, Wannsee und Zehlendorf im eisigen Winter unterbrochen wird.

Doch nicht nur die Senatskanzlei versuchte den Regierenden Bürgermeister vor Bekanntwerden seines skandalösen Verhaltens zu schützen, sondern auch das Bundeskanzleramt den Bundeskanzler. Dass bei einem Anschlag und der daraus folgenden Notlage der Bürgermeister der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland, Sitz der Regierung, sich nicht mit dem Bundeskanzler in Verbindung setzte, ist ein Skandal.

 

Der noch größere und der eigentliche Skandal, den man versucht zu vertuschen, lautet, dass der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland nach diesem Anschlag in seiner Hauptstadt nicht sofort mit dem Regierenden Bürgermeister telefonierte. Warum rief Merz nicht Wegner an? Warum ließ sich Merz nicht blicken an den Orten des Geschehens? Man erinnert sich, wie schnell Schröder die Gummistiefel anhatte, als die Flutkatastrophe von Ostdeutschland bekannt wurde. Wo war Friedrich Merz? Denn wenn Wegner nicht mit Merz telefoniert hat, dann hat auch Merz nicht mit Wegner telefoniert.

Die Wahrheit scheint zu sein, dass es Merz schlichtweg nicht interessierte, wie ihm wohl auch die Hauptstadt nicht sonderlich interessiert, wie auch das Land nicht. Man gewinnt den Eindruck, dass Deutschland ihn nur soweit etwas angeht, als dass er mit einem schönen Titel durch die Welt reisen kann. Man stelle sich einmal Macrons, Trumps, Melonis, Orbáns Reaktion vor, wenn sich in ihren Hauptstädten Ähnliches ereignet hätte?

Aber vielleicht tut man auch Friedrich Merz Unrecht und er hat zur fraglichen Zeit mit Kai Wegner Tennis gespielt, um den Kopf freizubekommen. Man muss ja nicht unbedingt telefonieren, man kann ja auch Tennis spielen. Und beim Tennis spielen führt man auch keine persönlichen Gespräche, sondern spielt Tennis.

Wie man es dreht und wendet, der eigentliche Skandal ist Merzens Desinteresse an den Bürgern, für die er nur, wenn sie unbequem werden, ein schnarrendes „Wegtreten“ übrig hat.

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Kommentare ( 36 )

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Michaelis
1 Monat her

Und das hier findet man heute bei GMX, Zitat:

„Nach Kai Wegners Rückzug als CDU-Spitzenkandidat soll Finanzsenator Stefan Evers übernehmen. Wegners Verbleib im Amt des Bürgermeisters bis zur Wahl könnte ihm laut einem Juristen mehr als 235.000 Euro Übergangsgeld sichern.“

Da wird unser Kai gewiss noch rund 2 Monate im Amt bleiben. Und mit den 235 TEUR kann er sicher den Flug für 2 Personen nach NY finanzieren. Der Steuerzahler weiß jedenfalls, dass sein Geld in guten Händen ist.

Apropos „Bauernopfer“: der Typ wird sich wahrscheinlich glücklich schätzen, dass er bald jede Menge Freizeit haben wird in seinem Alter.

Last edited 1 Monat her by Michaelis
Michaelis
1 Monat her

Wegner kann ja zusammen mit seiner Tante (die er bekanntlich auf einen Senatorenstuhl gehievt hat, dreist und korrupt) ins Ausland abwandern, vielleicht nach NY (wegen der Regenbogenkultur), und natürlich nur sofern es dort auch genügend Tennisplätze gibt. Jedenfalls täte er den klügeren Berlinern einen großen Gefallen, wenn er möglichst weit weg ziehen würde.

Last edited 1 Monat her by Michaelis
Kraichgau
1 Monat her

Merz arbeitet für Blackrock,nicht für Deutschland,so einfach ist es und darum interessiert ihn D auch nicht die Bohne,solange er seine Schäfchen im Trockenen hat

Sanijo
1 Monat her

Ich will das beide nichts mehr zu Grinsen haben, lebenslänglich!

Werner Pfetzing
1 Monat her

Die beiden (Merz und Wegner) konnten sowieso nicht so recht miteinander.
Aber es wird so gewesen sein, dass Wegner den Bundeskanzler vom Anschlag auf das Stromnetz garnicht informiert hat. Und Fritz kann auch nicht alles wissen.
Außerdem hat Wegner verspätet zugegeben, an diesem Samstagvormittag kein dienstliches Krisengespräch geführt zu haben.

PaulKehl
1 Monat her
Antworten an  Werner Pfetzing

Interessant ist doch, wie und wann Wegner überhaupt von dem Pseudo-Anschlag erfahren hat.

Gerro Medicus
1 Monat her

Für die These Ihrer Titelzeile spricht, dass das Kanzleramt vehement bestreitet, dass es ein diesbezügliches Telefonat zwischen Merz und Wegener gegeben habe.
Merz weiß ganz genau, dass er Wegener jetzt nicht unterstützen darf, will er nicht selbst weiter absinken. Obwohl das ja ohnehin kaum noch geht.

HeRo
1 Monat her

Verzeihung: ich glaube, das ist jetzt alles egal. Warum? weil die Welt heute verkündet hat, dass AfD-Siegmund, wenn er denn demokratisch gewählt wurde, auch demokratisch dran sei. So ungefähr. Ich war irritiert. Sonst gab’s da noch NIE einen einzigen Satz, indem nicht vorkam, dass „Teile der AfD gesichert rechtsextrem“ seien. Warum der Wandel? Also dass die da Leute/Leutinnen/Leutinnes einer Katharsis unterworfen wären, ist nicht plausibel. Und eine Möglichkeit ist eben, dass die Wahl gar nicht mehr stattfindet oder keine Rolle mehr spielt. Und richtig: Russland geht’s schlecht, sie kommen momentan aber ziemlich schnell voran und der Ukraine gehen die Soldaten… Mehr

PaulKehl
1 Monat her
Antworten an  HeRo

Vor allem könnten bei dem von Ihnen geschilderten Szenario auch hier Nicht-Migranten auf ganz dumme Gedanken kommen.

Freiheit fuer Argumente
1 Monat her

Auffällig: Wegener und die Senatskanzlei konnten relativ genaue Angaben zu den Telefonaten mit Merz machen, das Kazlerdementi ist dagegen vage. Stinkt für mich nach einer Intrige Merz gegen Wegener.

Das Desinteresse von Merz am Anschlag war jedenfalls bemerkenswert. Gleiches trifft für die „Hauptstadtjournalisten“ zu. Erst als ich bei einem von denen nachbohrte, wurde Merz überhaupt auf den Anschlag mal angesprochen.

PaulKehl
1 Monat her

Mein Kommentar zu einem anderen Artikel zielt in dieselbe Richtung. Allerdings habe ich aktuell 7Negativ-Einträge. Das war kein Terroranschlag von ominösen Bolschewiken. Deshalb waren Wegner und Merz auch so weit entfernt vom Tatort und waren so entspannt. Der betroffene Bezirk wird von der Nomenklatur bewohnt. In den Hauptstädten der Kulturstaaten wäre die Hölle losgewesen. Hier läßt man die Monteure aus Niederösterreich bei Eis und Schnee über die Autobahn nach Bln. zuckeln und kann so dem Volk gleich wieder den Fachkräftemangel vorführen. Gut gemachte Propagandaaktion – auch ich habe es zunächst geglaubt.

imapact
1 Monat her

Es war von Anfang an auch ein Fall Merz. Vor seiner Haustür sitzen plötzlich im tiefsten Winter 50.000 Haushalte ohne Strom und Heizung da und der sog. Kanzler findet kein einziges Wort, geschweige denn, daß er sich vor Ort blicken ließe. Aber die Politkaste ist derart verkommen, daß dies schon keinen mehr kümmert. Ist eine Art „olfaktorische Akkomodation“: wenn man sich lang genug in einem stinkenden Raum aufhält, nimmt man irgendwann den Gestank nicht mehr wahr.

Konradin
1 Monat her

Merz, Spahn, Wegner, Weimer, Voigt – ist die CDU im Kern mittlerweile eine vulgäre Amigo-Partei aus zahlreichen Lügnern und Betrügern?
Eine CDU-Partei, die offensichtlich seit Jahren nur noch das Ziel verfolgt die deutsche Industrie und Wirtschaft zu zerstören, die tagtäglich hart arbeitenden wertschöpfenden Leistungsträger des Landes finanziell auszupressen, die Deutschen für Generationen in Schulden zu ersticken, den Wohlstand der Deutschen zu verbrennen und parallel dazu die Herrschaft des grünrotschwarzen Block- und (Brand)Mauer-Parteienstaats durch ein digital-autokratisches Überwachungsregime nebst Parteienverbot der parteipolitischen Opposition dauerhaft zu zementieren?
Die Menschen, die diese Partei immer noch wählen, sollten sich abgrundtief schämen. Schämen sollten sie sich!

imapact
1 Monat her
Antworten an  Konradin

Die Union hat nicht nur politisch, sondern auch moralisch vollständig abgewirtschaftet.