Hohe Energiepreise gefährden Existenz von Unternehmen

Einer der wichtigsten Standortfaktoren für viele Unternehmen, die Kosten für Energie, zeigen nur in eine Richtung, nach oben. Einen Energiepreisschock erleben auch Privatleute. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, stiegen die Energiepreise um 9,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

imago images / Jannis Große
Aktivisten von "Robin Wood" haben sich am 19.09.2019 mit einem Banner vom Steinkohlekraftwerk Moorburg abgeseilt.

In Hamburg wundern sie sich darüber, dass kein oder nur sehr teurer Strom vorhanden ist, seitdem das Kohlekraftwerk Moorburg abgeschaltet wurde. Und die Strategie von CDU/CSU und Grüne zeitigen sichtbare »Erfolge«: Immer mehr Unternehmen geht es an den Kragen. Einer der wichtigsten Standortfaktoren für viele Unternehmen, die Kosten für Energie, zeigen nur in eine Richtung, nach oben. Die Preise sind so hoch wie seit zwölf Jahren nicht mehr, schreibt das Handelsblatt unter dem Titel »Der Strompreis-Schock«.

Eine Megawattstunde Strom kostet auf dem Terminmarkt der EEX- Energiebörse bereits knapp 70 €. Die wird im kommenden Jahr geliefert. Im März vergangenen Jahres kostete sie noch 35 €. Seit Anfang dieses Jahres müssen die Unternehmen überdies noch zusätzlich auf Benzin, Diesel, Heizöl und Gas einen CO2-Preis bezahlen. Pro Tonne sind das derzeit 25 €, die sich in den kommenden vier Jahren auf 55 € mehr als verdoppeln.

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Doch so wirklich schocken kann dieser Preis nicht. Die fatale Entwicklung ist absehbar: Wenn sich CDU/CSU und Grüne sowie SPD in einer wahnwitzigen Klima- und Energiepolitik gegenseitig überbieten wollen, dann bleibt für eine Wirtschaft kein Raum mehr. Derart hohe Energiepreise sind von CDU, SPD und Grüne gewollt. Wirtschaftliche Fragen interessieren in diesen Parteien niemanden mehr. Sie übersehen: Preiswerte und immer verfügbare Energie ist schon immer das Fundament einer prosperierenden Wirtschaft gewesen. Kappt man die Energieversorgung, wie das die derzeitige Politik tut, kann das nur im Desaster enden.

Nur wer den Kontakt zur ökonomischen Wirklichkeit verloren hat, kann von einem Wechsel zu einer angebotsorientierten Energieproduktion phantasieren. Im Klartext: Unternehmen sollen nur noch dann produzieren können, wenn der Wind weht und die Sonne scheint. Grotesker geht es kaum.

Der vollkommen ergrünte Bundesverband der Energiewirtschaft (BDEW) verkündet fröhlich einen Industriestrompreis inklusive aller Umlagen von sagenhaften 191 Euro pro Megawattstunde. Große Verbraucher kommen dann leicht auf mehrere 100.000 Euro zusätzlich für die gestiegene Stromrechnung. Dass das nicht lange gut gehen kann, liegt auf der Hand. Überflüssig zu sagen, dass die BDEW-Angestellten bis hin zur grünen Spitze nichts produzieren müssen und von Mitgliedsfirmen bezahlt werden.

Währenddessen wird der Strompreis in den nächsten Jahren nur eine Richtung kennen: steil nach oben. Denn die EEG-Umlage wird teurer.

Einen Energiepreisschock erleben auch Privatleute. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, stiegen die Energiepreise um 9,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr an. Besonders an der Tankstelle sind die Preissteigerungen deutlich zu sehen: Im Juni kostete ein Liter super 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Diesel 25 Prozent und Heizöl sogar 52 Prozent mehr. Diese Steigerung wird sich im Juli fortsetzen.

Derweil geben sich kluge Köpfe ganz überrascht über die Auswirkungen der sogenannten »Energiewende«. Die FAZ schreibt: »An diese dramatische Nebenwirkung des von der Politik beschlossenen schnellen Ausstiegs aus der Kohleverstromung hat niemand gedacht.«

In der Frankfurter Redaktion scheint man nicht mitbekommen zu haben: In Hamburg wurde das nagelneue Kohlekraftwerk Moorburg einfach abgeschaltet. Jetzt tritt die große Verwunderung auf, dass kein Strom oder nur viel zu teurer Strom vorhanden ist: »Energieintensiven Industrien, die sich als Cluster oft in der Nähe grundlastfähiger Kohlekraftwerke angesiedelt haben, droht wegen dramatisch steigender Netzentgelte das Aus.«

Der von der Bundesregierung im Ausstiegsgesetz nicht vorhergesehene Kostenanstieg „bedroht bereits jetzt Industriestandorte“, heißt es in einem Entschließungsantrag Hamburgs. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) soll jetzt schnell das Gesetz anpassen.

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In Hamburg, wo das moderne Kohlekraftwerk im Stadtteil Moorburg Anfang des Jahres als eines der ersten abgeschaltet wurde, spüren die ersten großen Industrieunternehmen die Auswirkungen schon jetzt. Die FAZ zitiert Heribert Hauck, Leiter Energiewirtschaft beim Aluminiumhersteller TRIMET: »Die Netzgelderhöhungen, die der Grundstoffindustrie drohen, sind bestandsgefährdend.« Auch das ist nicht so fürchterlich überraschend, dass eine Aluminiumhütte extrem viel Strom benötigt, um das Aluminium zu schmelzen.

Bisher kam der Strom zur Hamburger Aluhütte von TRIMET über zwei kurze Leitungen direkt aus dem Kraftwerk Moorburg, sozusagen direkt vom Erzeuger. Das ist gut, weil Energietransport über lange Stromleitungen eine ziemlich dumme Idee ist. Die Verluste werden immer größer je länger die Leitungen.

Das wussten die früheren Ingenieure und bauten die Kraftwerke in die Nähe der großen Industriezentren. So ging verhältnismäßig wenig Energie auf dem Transportweg über Stromleitungen verloren. Doch jetzt wird die erst fünf Jahre alte, gut funktionierende Energiequelle Moorburg abgeschaltet. Nun kann noch das etwas entfernte Kraftwerk Brokdorf Strom liefern. Doch das ist ein Atomkraftwerk. Das wird 2022 abgeschaltet. Dann bleibt der Aluhütte nur Hoffen auf Windstrom von der Nordsee. Wenn dort aufgrund von Flaute nichts kommt, bleibt nur noch: Hütte abschalten.

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Kommentare ( 136 )

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136 Comments
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RS
15 Tage her

„Wenn sich CDU/CSU und Grüne sowie SPD in einer wahnwitzigen Klima- und Energiepolitik gegenseitig überbieten wollen, dann bleibt für eine Wirtschaft kein Raum mehr. Derart hohe Energiepreise sind von CDU, SPD und Grüne gewollt. Wirtschaftliche Fragen interessieren in diesen Parteien niemanden mehr.“ Das ist leider nur die halbe Wahrheit. Denn addieren Sie mal die Stimmen auf, die diese Parteien bei der letzten Bundestagswahl auf sich vereint haben! Es sind eben die Bürger, die das alles zu erheblichen Teilen auch gut fanden und finden, die ihre wirtschaftliche Vernunft durch Klimahysterie ersetzt haben. Ich kenne etliche, die mit heiligem Ernst behaupten, das,… Mehr

Last edited 15 Tage her by RS
Memphrite
15 Tage her

Meine Prognose: Es wird in den nächsten 10 Jahren gar nichts passieren. Die jetzt überraschten Politiker und Manager (ja die Manager haben und singen immer noch schön im grünen Chor mit) werden die einfachste Lösung finden, die da lautet: SUBVENTIONEN ! Die Verluste etc. werden einfach vom Staat d.h. von frisch gedruckten EUROS, bezahlt. D.h. Anstatt für eine wertschöpfende Tätigkeit Steuern zu entrichten, werden die Firmen (jedenfalls die Großen) jetzt Subventionen erhalten. Da die offizielle Verschuldung zur Zeit bei ca. 70% liegt, gibt es noch einige Jahre Luft nach oben für allerlei Subventionswirtschaft. Wenn die offizielle Verschuldung bei 100% (inoffiziell… Mehr

FZW
15 Tage her

»An diese dramatische Nebenwirkung des von der Politik beschlossenen schnellen Ausstiegs aus der Kohleverstromung hat niemand gedacht.«
Dieser Satz ist nicht nur grundfalsch: es gab durchaus einige kluge Köpfe, die auf die Konsequenzen hingewiesen haben. Nur wurden diese als „Klimaleugner“, Rechtspopulisten oder Nazis diffamiert.
Dieser Satz zeigt außerdem, dass unsere „Entscheider“ offensichtlich grunddämlich sind und nicht bis an das Ende des Brettes denken können, das sie vor dem Kopf haben.
Wer nicht hören will…(ich bin leider auch dabei).

Last edited 15 Tage her by FZW
Paul Brusselmans
15 Tage her

Och, echt jetzt? Hat das Wirescholz damals nicht mitbekommen? Gibt es denn keine klugen Hanseaten mehr? Aber Milliarden für illegale Migranten haben, die zudem nicht immer friedlich sind und ab und zu auch morden. Hamburg als Hafen hat schon einmal einen geografischen Nachteil gegenüber Rotterdam und Antwerpen mit verarbeitender Industrie wie Raffinerien und chemischer Industrie, alimentiert durch preiswerten Strom. Diesen geografischen Nachteil durch die höchsten Strompreise (wenn denn genügend Strom da ist) zu kompensieren, ist an Genialität nicht zu überbieten. Hauen wir dann noch CO2-Strafsteuern drauf, dann haben wir bald den saubersten Stahl in homöopathischen Dosen. Da wird bald Gold… Mehr

Or
15 Tage her

Ach wirklich … ?
Die Politik verknappt ohne Not das Produkt: Strom und es ist nicht vorhersehbar, daß der Preis steigt ?
Die Schnürsenkel binden sich aber die verantwortlichen Politiker noch selber ?

Völlig grotesk wird’s, wenn diese fleischgewordene Universalinkompetenz Altmaier, noch damit prahlt, daß kein (Industrie-)Land der Welt, den energetischen Kamikazekurs Deutschlands folgt.

oHenri
15 Tage her

Natürlich sind die Deutschen mit ihrer Energiewende unsagbar dämlich.
Die Verantwortlichen in den Firmen aber auch, die sind sogar allen voran die Oberdämlichsten:
Nicht nur haben sie nie lautstark und entschieden gegen diese zerstörerische Energiewende wie auch die CO2-Steuer protestiert, diese dummen Auguste haben es auch versäumt, schon vor Jahren ihre Firmenstandorte zu verschieben an Orte, wo man Energie zu normalen Preisen kaufen kann, bzw. wenigstens diesen Prozess einzuleten.
Und nun stehen sie im Zugzwang. Vorausschauendes Handeln geht anders.

JamesBond
15 Tage her

Was für eine Überraschung für die Industrie, die wenigstens den Strompreis subventioniert bekommt. Ich wundere mich, warum derDummMichel weiter die höchsten Strompreise zahlt und zur Belohnung der Co2 Steuer auch noch CDU, SPD und Grüne wählt. Also wollen weite Teile der Bevölkerung weiter massiv ausgebeutet werden: Rente niedriger, Steuern höher, Arbeiteinkommen niedriger, KMU werden stranguliert …., weiter so und im übrigen wird die Aluhütte in Hamburg sicher bald zugemacht aber es ist gewünscht vom Rot Grünen AntifaChaos.

giesemann
15 Tage her

Es wird eben eng, sehr eng. Historisch betrachtet war es noch nie so eng. Tendenz: Enger.

Nibelung
15 Tage her

Das mit den hohen Energiepreisen kam doch nicht über Nacht und ist eine Entwicklung, eingeleitet von einer Frau, die aus altem SED-Verständnis heraus regiert hat und dabei alle Normen außer acht gelassen hat um das Land auf der Höhe der Zeit zu zu belassen. Die Lobbyisten, die heute diesen Zustand bemängeln kann man doch in dieser Frage nicht mehr für voll nehmen, denn Energie ist bei einem hochtechnisierten Wirtschaftsstandort eines der wichtigsten Kriterien und was auch immer verschwiegen wird, sind die ausgehandelten Sonderkonditionen für große Stromverbraucher, deren Differenz dann vom gemeinen Bürger bezahlt werden muß in Form höchster Preise in… Mehr

Teiresias
16 Tage her

Natürlich hat man daran gedacht! Die energieintensiven Unternehmen werden dahin gehen, wo die Kraftwerke sind.

So wird die deutsche Industrie europäisch umverteilt im Sinne der Eurorettung/Angleichung der Lebensverhältnisse zur Transformation der Eurozone in einen idealen Währungsraum!