Der Beinahe-Blackout: Ursache, Wirkung und ein Blick in die Zukunft

Vor einigen Tagen wären im nördlichen Teil Europas beinahe die Lichter ausgegangen. Die Ursache scheint nun gefunden. Sie war klein, aber die Wirkung groß. Entsprechende Meldungen dürften sich demnächst mehren.

TE berichtete als eines der ersten deutschen Medien überhaupt vom Frequenzeinbruch im nördlichen Teil des europäischen Stromnetzes am 8. Januar 2021. Nun gibt es ein erstes Untersuchungsergebnis: Relativ kleine Ursache – große Wirkung.

Der europäische Koordinator des Stromnetzbetriebes, ENTSO-E, veröffentlichte ein erstes Untersuchungsergebnis. Demnach hatte eine Störung an einer 400-Kilovolt-Sammelschienen-Kupplung im Umspannwerk Ernestinovo im Norden Kroatiens das Ereignis verursacht. Dadurch wurden die Stromflüsse über dieses Umspannwerk gestoppt und der Strom über benachbarte Leitungen geführt. Dort kam es dann zu Überlastungen. Die Leitung zwischen den serbischen Städten Subotica und Novi Sad fiel durch eine Überstromauslösung aus, es folgten im Dominoeffekt weitere 13 Leitungen. Die für solche Fälle vorgesehenen Regelungen der ENTSO-E funktionierten wie vorgesehen, so dass keine wirklich gravierenden oder dauerhaften Folgen auftraten.

Die größte mediale Beunruhigung trat im nahen Österreich auf. Der Netzbetreiber Austrian Power Grid (APG) forderte umgehend mehr Flexibilitätsoptionen sowie zusätzliche Netz- und Speicher-Optionen, auch „um die Volatilitäten der Erneuerbaren“ auszugleichen. Diese waren zwar am Ereignis unbeteiligt, deren weiterer Ausbau verschärft jedoch die Schwankungen im Netz.
Der österreichische Krisenexperte Herbert Saurugg rechnet mit einem Blackout innerhalb der nächsten fünf Jahre. Unterdessen soll Polen Deutschland aufgefordert haben, seine Kernkraftwerke (KKW) wieder in Betrieb zu nehmen.

Die Liste der am Ereignistag außer Betrieb befindlichen Kraftwerke ist lang: Beide Blöcke in Fessenheim fehlen (maßgeblich dem deutschen Druck geschuldet), das Kraftwerk Hamburg-Moorburg erkaltet seit dem 18. Dezember, im sächsischen Braunkohlekraftwerk Boxberg wie auch im tschechischen KKW Dukovany waren Blöcke in Reparatur, die KKW Philippsburg und Mühleberg in der Schweiz sind schon seit Ende vorigen Jahres dauerhaft außer Betrieb. Das Steinkohlekraftwerk in Heyden, „Gewinner“ der Ausschreibung zur Stilllegung und am Strommarkt nicht mehr zugelassen, war schon vor dem Ereignis auf Weisung des Netzbetreibers wieder in Betrieb gegangen. In Frankreich standen mehrere Kernkraftwerke in pandemiebedingt länger währenden Revisionen.

Diese Aufzählung ist nicht abschließend. Nach deutschen Atom- und Kohleausstiegsgesetzen werden in diesem Jahr noch 4 Gigawatt (GW) KKW- und über 3 GW Kohlekraftwerksleistung dauerhaft vom Netz gehen.

Das Echo in Deutschland zum Ereignis am 8. Januar war sehr gedämpft. In einer Fragestunde im Deutschen Bundestag am 14. Januar äußerte sich Staatssekretärin Winkelmann-Becker dahingehend, dass langfristig Energieimporte nötig seien, also Wasserstoff aus Afrika und Chile, ein smart-Grid sei nötig und wir müssten uns „etwas einfallen lassen“. Beim Thema Wasserstoff müsse man forschen und vorankommen. Wer sich ihre Ausführungen im Original anhören möchte, kann das hier (vor allem von Minute 6:10 bis 10:30) tun.

Aber mit Sprüchen allein läßt sich kein Strom erzeugen.


Quellen:

https://www.entsoe.eu/news/2021/01/26/system-separation-in-the-continental-europe-synchronous-area-on-8-january-2021-2nd-update/

https://futurezone.at/digital-life/kettenreaktion-war-ursache-fuer-beinahe-blackout-in-europa/401169037

https://www.news.at/a/krise-herbert-saurugg-blackout-11551032


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Kommentare ( 89 )

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Rob Roy
4 Monate her

Auf SWR gab es neulich eine Doku über einen bundesweiten Blackout (noch in der Mediathek vorhanden). Dort wurden zwar die Folgen detailliert beschrieben, aber die Gründe für einen Blackout waren nicht etwa der jährliche steigende Stromverbrauch bei gleichzeitig Abschaltung von Kohle- und Atomkraftwerken.
Nein, es wurde wirklich behauptet, an einem Blackout seien Cyberangriffe von Saboteure und Agenten fremder Mächte schuld.
Zusätzlich wurde noch die bösen Atomkraftwerke erwähnt, die bei einem Stromausfall ihren Brennstäbe nicht mehr kühlen könnten und daher dann reihenweise in die Luft fliegen würden. Was alles völlig falsch ist.
Aber halt öffentlich-rechtliche Propaganda.

Rainer mit ai
4 Monate her

Gestern fiel bei uns der erste Schnee, und zwar reichlich. Es ist bitterkalt, die Heizungen laufen auf Hochtouren. Gleich geht die Sonne unter und es ist vollkommen windstill. Ich frage mich ernsthaft, ob ich schon mal Kerzen, eine Taschenlampe und warme Decken bereitlegen soll.

November Man
4 Monate her

Mit Sprüchen allein lässt sich garantiert kein Strom erzeugen und ohne Strom lässt sich ganz sicher auch kein Wasserstoff herstellen.
Das sollte man eigentlich im deutschen Bundestag und auch die Staatssekretärin Winkelmann-Becker wissen.
Aber mit der Wahrheit, Wissen und Nachdenken haben es einige im Bundestag nicht so.
Also, ohne Hirn nix los, ohne Strom nix los und ohne Moos auch nix.
Schwarzlinksrotgrüne Politiker – kannste echt vergessen.

koriander56
4 Monate her

Es gibt mittlerweile den in Deutschland entwickelten Dual- Fluid Reaktor der auch noch in der Lage ist Atomabfälle zu „verbrennen“ und damit einen hohen Wirkungsgrad hat. Auch der Thorium-Reaktor (THTR-300 in Hamm- Uentrop) hätte in Form einer moderneren Variante eine Chance. China plant den Bau von Thorim Reaktoren, da die landeseigen Vorräte an Thorium eine sichere Versorgung für die nächsten 5000 Jahre sichern könnten. Leider hatten und haben unsere Regierungspolitiker absolut keinen Weitblick für die zukunftssichere Gestaltung der Energieversorgung und die damit verbundenen ökonomischen und umwelttechnischen Aspekte. Die Grünen haben mit der jahrzehntelangen Verteufelung der Kernenergie ganze Arbeit geleistet, so… Mehr

November Man
4 Monate her
Antworten an  koriander56

Die Technologie des Dual-Fluid-Reaktors wird in Deutschland vorsätzlich verhindert.
Diese linksgrüne Regierung um Merkel gibt kein Cent Fördergeld heraus.
Im Dual-Fluid-Reaktor werden die Brennstäbe der Atomkraftwerke verbraucht und im einem BN-800 Reaktor werden diese Reste dann komplett verbrannt.
Da bleibt kein Atommüll übrig.
Wir haben also alle Technologien zur Verfügung, wir brauchen nur endlich mal anfangen zu bauen und solche neue, hervorragende und sichere Technologien zu nutzen.
Leider wird das von Merkel und ihren linksgrünen Klimaaktivisten und Ökospinnern verhindert.
Anders wählen wird helfen.

wolmil
4 Monate her

Im Münchener Merkur (Nr. 22 v. 28. 1. ) bin ich auf einen sehr interessanten Artikel gestoßen, „Die großen Risiken der Energiewende“, von Roland Farnung (ehemals Chef von HEW und REW). Darin weist der Autor ebenso eindringlich wie schlüssig darauf hin in welch geradezu tödliche Abhängigkeit von Russland wir uns begeben, wenn uns durch die irreversible Zerstörung von Kohle- u. Kernkraftwerken nur noch Gas als unverzichtbares 3. Standbein neben Wind und Sonne verbleibt. Ich teile diese Ansicht zu 100% und mich wundert auch immer wieder, wie wenig dieser Gesichtspunkt in der öffentlichen Diskussion berücksichtigt wird. (Vielleicht kann TE ein Abdruckrecht… Mehr

Wolfgang M
4 Monate her

Eine Beraterin der Kanzlerin in Energiefragen, Prof. Kempfert, spricht ständig davon, dass die Energiewende wie geplant klappt. Da sind große Zweifel angebracht. Was veranlasst Fr. Prof. Kempfert dazu, solche Aussagen ohne zumindest leichte Zweifel oder ohne Einschränkungen (Energiespeicher) zu machen? Ist sie irgendwo auf der Bezahlliste?

Ein Mensch
4 Monate her
Antworten an  Wolfgang M

Wieso gehen Sie davon aus das es nicht so läuft wie geplant? Erst wird der Strom verknappt, dann die Preise in schwindelerregende Höhen und dann Strom auf Zuteilung, nach ideologischer Ausrichtung selbstverständlich.

ErwinLoewe
4 Monate her
Antworten an  Wolfgang M

Die Junior-Professorin Claudia Kemfert ist prominentes Mitglied der Energiewende-Lobby und handelt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW Berlin aus.

Zu dessen Einkünften: „Als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft wird das DIW Berlin im Rahmen der gemeinschaftlichen Forschungsförderung nach Artikel 91b GG von Bund und Ländern gefördert. Diese Zuwendungen machen zwei Drittel des Institutshaushalts aus.“

Interessant ist auch die Zusammensetzung der DIW-Mitgliederversammlung: https://www.diw.de/de/diw_01.c.598978.de/seiten/organisation.html#ab_598962

Wes Brot ich ess, des …. – Ob unter solchen Bedingungen noch von Unabhängigkeit der Forschung geredet werden kann, möge die Eule beurteilen.

Lee Bert Aire
4 Monate her

Mein Großvater war Bezirksmeister bei einem regionalen Stromversorger. Und zwar seit den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, er hat das Netz in der Region erst aufgebaut. Ich kenne ihn nicht, da er jung gestorben ist. Aber von Berichten meiner Mutter weiß ich, dass es in den 1950er Jahren Diskussionen über Generatoren zur Absicherung gab. Mit der Einführung der Ringleitungen hat man die Notwendigkeit nicht mehr gesehen. Wenn jetzt von den Kommunen Generatoren angeschafft werden, dann ist das ein versorgungstechnischer Rückfall von 70 Jahren.

GP
4 Monate her
Antworten an  Lee Bert Aire

Die „Energiewende“ ist ein technischer Atavismus. Die Masse der Menschen versteht das nicht, und die, die es verstehen, schweigen zumeist. Es ist zum Heulen was da abgeht….

Walter Vogel
4 Monate her

@ Frank G.aus D. 1. Wenn die Wasserstofftechnologie, angefangen bei der Wasserstoffgewinnung bis zur Verwertung, einen Wirkungsgrad kleiner 100% besitzt, dann muss ein umgekehrt propotionaler Aufwand für die technische Realisierung diese Technologie ins Verhältnis gesetzt werden. Diese Investition ist genau dann betriebswirtschaftlich unrentabel, wenn das Intergral über alle Kosten, die Laufenden und die Gestehungskosten, den Wert der gewonnenen Energie auf dem Markt übersteigt. Besitzt eine solche Technologie nur einen geringen Wirkungsgrad, dann wird dieser Break-even-Point nie erreicht und man kann das Ganze auch sein lassen. 2. Das Zentralgestirn liefert pro Quadratmeter eine mittlere Strahlungsleistung von etwa 1367 Watt. Diese Leistung… Mehr

Walter Vogel
4 Monate her
Antworten an  Walter Vogel

Werter Herr Frank G.aus D. Weil das Elektroingenieurwesen eine ernsthafte Wissenschaft ist, trennen Elektroingenieure bei innovativen Ideen sehr gern das was frommer Wunsch ist, von dem was realisierbar ist, nach dem Grundsatz: „There ain’t no such thing as a free lunch“. Sie haben in ihrem Vergleich zwischen Europa und der oberen Sahara 2200 Kilowattstunden angesetzt und dabei den unbedingt notwendigen Zusatz ‚pro Jahr‘ weggelassen. Das klingt gut, vermittelt aber ein vollkommen falsches Bild, weil Kilowattstunden natürlich eine Energiemenge ist und keine Leistung. Abgesehen davon impliziert ihr Ansatz, dass Sie, zumindest gedanklich, eine Speichermöglichkeit für diese Energie vorrätig haben, denn die… Mehr

Germer
4 Monate her

Sich bei systemrelevanten Themen, wie der Energieversorgung, in die Abhängigkeit des Auslandes zu begeben ist generell keine gute Idee.
Diese auch auch noch auf einen Kontinent auszulagern, der praktisch nirgendwo politisch stabil ist, wäre absolut fatal.

GP
4 Monate her

Parallel dazu wird im Staatsfernsehen (und Rundfunk) die neue Verzichtsideologie als glücklich machende Lebensweise propagiert. Aber so lange die Mehrheit der Wahlviecher das „weiter so“ wählt, geht die Fahrt Richtung Blackout fröhlich weiter. Wir schaffen das…

Lee Bert Aire
4 Monate her
Antworten an  GP

Genau das wundert mich auch. Ich kenne es eigentlich nur so, dass, sobald ein Politiker von notwendigen Einschnitten spricht, er niemals Chancen hat, gewählt zu werden. Frau Merkel verspricht die Hölle auf Erden und wird bejubelt. Sie hat nämlich die komplette, weltweit agitierende Propaganda-Maschinerie hinter sich, inklusive Weltwirtschaftsforum, UNO und allem, was es an NGOs so gibt auf der Welt.