Italien entdeckt die Auto fahrende Mittelschicht: Meloni will ab 2027 die Kfz-Steuer für Millionen kleiner und mittlerer Fahrzeuge streichen. Zuvor hatte Venetien den Euro-5-Diesel-Bann entschärft. Salvinis subtiler Schachzug ist auch ein Signal gegen die Brüsseler Politik.
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Neidisch blicken wir aus Deutschland über den Brenner und fragen uns: Warum geht das in Italien und nicht bei uns? Sind wir nicht auch in der EU? Der italienische Staat nimmt zumindest ein Stück weit den Fuß vom Gas. Giorgia Meloni streicht ab 2027 die Kfz-Steuer für Millionen kleiner und mittlerer Autos sowie für etliche Motorräder. Zuvor hatte die Region Venetien mit Regionalpräsident Alberto Stefani beim Euro-5-Diesel Fakten geschaffen.
Zwei Entscheidungen, ein politisches Signal: Die Bürger sollen die Kosten des Green Deal nicht allein bezahlen. Wörtlich sagte Stefani, es sei unredlich, die Bürger die EU-Politik ausbaden zu lassen. Bereits ab dem 1. Oktober dürfen Euro-5-Dieselfahrzeuge in allen größeren Städten frei fahren. Man wolle Familien und Pendler entlasten.
Modelle wie Fiat 500, Renault Clio, Fiat Panda und Twingo sowie zahlreiche andere Fahrzeuge der unteren und mittleren Leistungsklasse gehören zu den Gewinnern. Es sind exakt jene Pkw, die viele Italiener in den Metropolen als Hauptfahrzeug oder Zweitwagen nutzen. Es ist kein Zufall, dass genau diese Fahrzeuge im Mittelpunkt stehen. Denn hier sitzt der italienische Mittelstand. Nicht im SUV der oberen Preisklasse, nicht im Dienstwagen der Manager, sondern in jenen Autos, mit denen die Bürger morgens zur Arbeit fahren, die Kinder zur Schule bringen, die Großmutter zum Arzt fahren und am Wochenende die Familie ans Meer bringen.
Das Auto, das in Brüssel zunehmend als Problem betrachtet wird, ist für Millionen Italiener schlicht eine tägliche Notwendigkeit. Premierminister Giorgia Meloni scheint das verstanden zu haben – trotz aller EU-Vorgaben und Fesseln. Oder besser: Italiens Regierungschefin hat das Ohr bei den Bürgern und vernommen, dass die politische Rechnung inzwischen unmittelbar an der Zapfsäule und in der Garage geschrieben wird.
Der Druck kam aus Venetien, dem autonomen Norden
Der Zeitpunkt ist bemerkenswert: Nur wenige Tage zuvor hatte Venetien einen anderen Streit entschärft. Regionalpräsident Alberto Stefani hatte angekündigt, den vorgesehenen Bann für Dieselfahrzeuge der Abgasnorm Euro 5 nicht einfach hinzunehmen.
Stefani formulierte einen Grundsatz, der über Venetien hinaus politische Sprengkraft besitzt: Ja zum Umweltschutz – aber die Kosten der ökologischen Transformation dürfen nicht einfach auf Familien, Arbeitnehmer und kleine Unternehmen abgewälzt werden.
Darin liegt der Kern des Konflikts: Was Brüssel als große Transformation beschreibt, begegnet den Bürgern als neues Auto, höhere Stromrechnung und teures Benzin. Ein Problem sind auch steigende Transportkosten – ein weiteres Beispiel dafür, wie realitätsfern die EU agiert. Hinzu kommt die schlichte Frage, ob das alte Dieselauto, das noch zuverlässig funktioniert, plötzlich nicht mehr in die Stadt fahren darf.
Luca Zaias junger Nachfolger Alberto Stefani hat diese Rechnung öffentlich gemacht und damit einen Nerv getroffen. Die Botschaft aus Venetien war denkbar einfach: Man könne „die ökologische Transformation nicht so organisieren, als würden alle Bürger über unbegrenzte finanzielle Reserven verfügen“.
Stefani gehört zur Lega. Und die Lega ist quasi Matteo Salvini. Melonis Vizepremier Salvini sitzt als stellvertretender Ministerpräsident direkt am Kabinettstisch. Zudem ist er Minister für Verkehr und Infrastruktur. Damit wurde aus einem regionalen Thema ein nationales. Der Norden hatte gezeigt, wie sich mit einer europäischen Vorgabe politisch umgehen lässt. Rom musste reagieren – nicht weil Brüssel seine Position geändert hatte, sondern weil sich die Frage stellte, wer die Rechnung bezahlt. Die Antwort lautet nun zumindest teilweise: nicht immer der Autofahrer.
Millionen Fahrzeuge, 2,3 Milliarden Euro – und ein deutliches Signal an die Wähler
Die Abschaffung des *bollo* ist zunächst für Anfang 2027 vorgesehen. Geplant ist eine Vergünstigung pro Bürger beziehungsweise Fahrzeughalter. Giorgia Meloni möchte daraus allerdings mehr machen: Aus dem einjährigen Aussetzen soll langfristig eine strukturelle Abschaffung werden.
Dafür braucht es viel Geld. Rund 2,3 Milliarden Euro müssen nach den bisherigen Berechnungen kompensiert werden. Denn die Kfz-Steuer ist eine Einnahmequelle der Regionen. Rom kann sie politisch streichen. Die Regionen können deshalb aber nicht einfach auf den fehlenden Einnahmen sitzen bleiben. Meloni versprach also, sie für die Mindereinnahmen zu entschädigen.
Nach dem 30. Juni 2026 konnten bestimmte Mittel, für die keine rechtlich bindenden Verpflichtungen bestanden und die nicht mehr für die Erreichung der entsprechenden PNRR-Ziele erforderlich waren, neu eingesetzt werden. PNRR steht für den Nationalen Aufbau- und Resilienzplan, finanziert durch EU-Gelder aus dem Wiederaufbaufonds nach Corona. So fand sich die Deckung für die 2,3 Milliarden Euro.
Der politische Teil ist einfacher gestrickt: Giorgia Meloni nimmt eine Steuer weg, die kaum jemand liebt – und zwar dort, wo die Belastung der Bürger besonders sichtbar wird: beim Auto, beim Tanken und auf den täglichen Wegen. Sie öffnet damit ein Ventil, nachdem der Druck durch die explodierenden Energie- und Treibstoffpreise massiv gestiegen ist. Denn die italienische Regierung kämpft seit Monaten gegen die Folgen der explodierenden Energie- und Treibstoffpreise. Mehrfach wurden, anders als in Deutschland, die Verbrauchsteuern auf Benzin und Diesel reduziert. Inzwischen summieren sich die Maßnahmen auf fast drei Milliarden Euro.
Doch bei den Autofahrern kam der Effekt offenbar nur begrenzt an. Wenn der Literpreis stark steigt, kann ein staatlicher Rabatt schnell verpuffen. 17,1 Cent weniger pro Liter klingen auf dem Papier erheblich, schreibt Il Mattino. An der Zapfsäule sieht der Bürger allerdings zunächst den Endpreis. Und der bleibt schmerzhaft.
Naturgemäß ist die Opposition anderer Meinung. Dort wird die Maßnahme als Wahlmanöver interpretiert. Und wenn dem so wäre, dann würde das lediglich zeigen, dass Giorgia Meloni zur wahren Realpolitikerin und Leaderin gereift ist.
Die Entscheidung fällt zu einem Zeitpunkt, an dem die italienische Regierung gleichzeitig über die Zukunft der Wahlgesetzgebung, die Stabilität der Mehrheit und den regulären Ablauf der Legislaturperiode diskutiert. Meloni selbst weist den Gedanken einer vorgezogenen Wahl zurück. Sie betonte schon mehrmals, bis zum Ende der Legislaturperiode regieren zu wollen. Doch gleichzeitig verbindet sie die politische Zukunft der Regierung mit dem Ausgang der Abstimmung über das neue Wahlrecht.
Jedenfalls demonstriert die Regierungskoalition Handlungsfähigkeit. Neben niedrigeren Energiepreisen treibt sie damit auch die europäische Debatte darüber voran, ob die Bürger die Kosten von Energiepolitik und Inflation weiterhin allein tragen sollen.






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Und gestern stimmten die Europa-Abgeordneten der CDU/CSU de facto für eine zusätzliche Erhöhung der Spritpreise von über 50 Cent pro Liter!!!!
Während Merz und Konsorten großspurig eine „Spritpreisentlastung“ angekündigen, stimmten seine CDU/CSU-Kollegen im EU-Parlament noch am gleichen Tag für die Änderung des Zertifikatehandels ETS2, die eine massive Erhöhung der Kraftstoffpreise zur Folge hat. Die Einführung des ETS2 für den Straßenverkehr: Ab 2027 wird das neue ETS2 wirksam, das unter anderem den Straßenverkehr und Gebäude umfasst. Tankstellenbetreiber bzw. Kraftstofflieferanten müssen dann CO₂-Zertifikate für fossile Brennstoffe wie Benzin und Diesel erwerben. Dies führt zu einer dramatischen Preissteigerung an den Zapfsäulen.
Georgia Meloni und Matteo Salvini haben verstanden. Leider gehören diese beiden Spitzenpolitiker zur Ausnahme und nicht zur Regel. Die stetige Erhöhung und Abzocke durch den Benzinpreis bestätigt das Vorhaben der EU-Bürokratie: Abschaffung des Individualverkehrs der Bürger. Es sollen sich nur noch sehr reiche Menschen die „Freiheit“ gönnen können. Für was eigentlich? Spinnerte Vorstellungen über „Klima“ und sonstiges Gedöns? Müssen wir dafür tatsächlich unsere private Freiheit opfern? Gab es darüber je eine Abstimmung? Nein. Das haben sich Politiker ganz allein im stillen Kämmerlein ausgedacht. Denn die gehören nicht zur betroffenen, ausgebeuteten Klientel. Wie erkläre ich meinem Arbeitgeber, der u.U. mangels genügender… Mehr
Was nützt mir eine Ersparnis in 2027, wenn mir heute das Geld für Benzin ausgeht? Hört sich zwar sehr nett an, aber löst das aktuelle Problem nicht.
Das ist kein „Konflikt“. Die Abschaffung des Individualverkehrs, die Zerstörung der europäischen Automobilindustrie und die allgemeine Abzocke sind keine Nebeneffekte, sondern genau das, was die EU erreichen will. Das Gefasel vom Umwelt- oder Klimaschutz ist reine Propaganda, es ist emotionales Druckmittel, um die sinistren Ziele durchzusetzen.
Denn dass man diese bürgerverachtende Politik auch exakt so ankündigt, das ist nur in Deutschland möglich (Ulrike Herrmann), andere Länder würde solche Erz-Stalinisten hochkant rausschmeißen.
Zu wenig, zu spät, zu inkonsequent. -> Zu langsam Der Krebs wuchert derweil wie bekloppt… Wenn man ein existenzbedrohendes Problem hat, muss man schnell das System anpassen, oder man verliert. Alternativ bietet sich der „System Override“ an: Das bedeutet, entweder man lässt „fünfe gerade seine“ und agiert still neben dem System, lenkt den Patienten mit was anderem ab sodass er die Behandlung gar nicht merkt, oder man schaltet das System temporär durch einen Ausnahmezustand ab, schaltet dem Patienten quasi wie auf dem OP Tisch kurzzeitig mit Narkose das Licht aus und operiert so flüssig und schnell durch. Oder wenn beides… Mehr
Meloni macht es vor. So etwas kann bei uns nicht funktionieren. Niemals. Da leben zu viele, viel zu viele auf Staatsknete. Das kostet eben und ist schon längst aus dem Ruder gelaufen.
Gab es schon eine Warnung der Kartellparteien, dass einfache Lösungen nicht funktionieren?
„…Luca Zaias junger Nachfolger Alberto Stefani hat diese Rechnung öffentlich gemacht und damit einen Nerv getroffen. Die Botschaft aus Venetien war denkbar einfach: Man könne „die ökologische Transformation nicht so organisieren, als würden alle Bürger über unbegrenzte finanzielle Reserven verfügen“.
Ja, das ist ja löblich, aber der Hauptschmerz liegt doch woanders! Wieso fängt nicht mal eine Nation an und stellt sich gegen diese unrealistische, unbezahlbare und völlig unsinnige „ökologische Transformation“?!
Anstatt das Problem an der Wurzel zu packen, doktert man wieder an den Symptomen herum und das wird ganz Europa das Genick brechen….. Deutschland zuerst.
Die meisten hier kapieren mal wieder nicht, dass solche Vorlagen aus Nachbarländern ideale Druckmittel auf die deutsche Politik sind. Aber wahrscheinlich liegt’s daran, dass Meloni eher Vespa als Simson fährt.
Die Vielen, die hier die Nase über Meloni rümpfen, haben selber wohl ne bessere Regierung.
Unsere Demokraten wissen nicht wie Entlastung geht.
Kfz-Steuer für Millionen kleiner und mittlerer Fahrzeuge.
Super.
Statt dessen Übergewinnsteuer?
Der größte Schmarrn.
Hauptsache die Luft scheppert.
Bis dahin wäre das Land nur noch pleite.
Und seit wann zittern die Konzerne in USA vor Klingbeils Steuerphantasien?
Dabei wäre es so einfach.
Einfach die nationalen Steuern auf Kraftstoff senken. Wir haben die höchsten Steuersätze.
Das ginge sofort und würde allen helfen.
Unsere politischen Versager müssen abgewählt werden, auch in MV.
Seit Tagen bringen die Medien die „Erlöserin“ Schleswig.
Ein bekanntes playbook, das unbehelflich ist.
Die Kartellparteien wissen wie es geht.
Sie wollen nicht.