Zwei Tage bis zum Zählsonntag – wie viel Tage Kanzler-Countdown?

Soll die SPD bei der ZDF-Forschungsgruppe Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern zwei Tage vor dem Zählsonntag plötzlich mit 37 Prozent vier Punkte mehr haben als im Institute-Durchschnitt von 32,9, fragen sich Kundige warum.

Das Auffallendste zuerst. Was schließen Kundige daraus, wenn die neuesten Zahlen der ZDF-Forschungsgruppe Wahlen die SPD in Mecklenburg-Vorpommern zwei Tage vor dem Zählsonntag mit 37 Prozent gemessen haben will statt 32,9 Prozent im Durschnitt von vier Instituten?

Die SPD beim ZDF-FGW urplötzlich vier Punkte mehr als im Institute-Schnitt fällt ins Auge. Der Unterschied von 36 Prozent AfD bei der FGW und 37,1 beim Institute-Schnitt liegt innerhalb der statistischen Fehlerquote – das gilt auch bei den übrigen. CDU, Grüne und BSW liegen da wie dort für sie gefährlich nahe an der Fünf-Prozent-Marke.

Merz. Im Unionsteil der deutschen Gesellschaft, besonders der Stammwähler, also Ü-70, klingt es: Der Friedrich Merz ist doch ganz in Ordnung, er findet halt nur oft nicht den richtigen Ton. Wenn er das ändert, ist er ein guter Kanzler. Liebe Leute, ich kenne etliche von euch, und weiß, wie ihr das meint. Da ist nur ein Irrtum. Merz ändert sein Verhalten nicht, weil er nicht will, sondern weil er nicht kann. Genau an der Stelle verstehe ich Merz. Keiner von uns kann ändern, wie er ist. Versuchen wir es, wird es schnell verblassende Kosmetik. Wir sind alle, wie wir sind.

Iden des Merz. Nach den Solidaritätsadressen für Kanzler Merz ist wie davor. Weiter geht’s im Selbst-Verwirrspiel der CDU. Als nächster ist Fraktions-Vormann Frei dran, der eindringlich vor einer Minderheitsregierung im Bund warnt. Das wäre Irrsinn, sagte er dem Spiegel. Es sei eine Illusion, zu glauben, die Union könne ihre Mehrheiten mal links, mal rechts suchen. Die notwendigen unbequemen Reformen könnte eine Minderheitsregierung niemals ins Werk setzen: „Die AfD würde eine Minderheitsregierung am Nasenring durch die Manege führen.“ Ein solches Szenario wäre das „Ende für die Union“. Sein Fazit: „Das machen wir ganz sicher nicht.“ Eine Mehrheit gebe es für die Union nur in der Koalition mit der SPD, und all die notwendigen Reformen könne man nur in dieser Konstellation schaffen. –  Aber, aber Herr Frei. „Die notwendigen unbequemen Reformen“ kriegen Sie doch wegen der SPD nicht auf die Reih‘. – CDU-Vize Prien auch dabei: „Ich gehe davon aus, dass wir im CDU-Präsidium im Konrad-Adenauer-Haus die Wahlen gemeinsam verfolgen und analysieren und dann am Sonntagabend zu keinem anderen Ergebnis kommen werden als heute: Wir stehen zum Kanzler (Mediengruppe Bayern).“ Und: „Es ist eine Illusion zu glauben, dass die strukturellen Probleme, die wir haben, durch einen Personalwechsel wie weggepustet wären … Ich appelliere an meine Partei, nun geschlossen den Bundeskanzler zu stärken und zu stützen … Unsere CDU-Mitglieder, unsere Abgeordneten und Anhänger sind ähnlich wie die Gesellschaft insgesamt wundgescheuert, nervös, erschöpft. Das Gefühl mangelnder Selbstwirksamkeit ist groß. Das Gefühl der Ohnmacht ist da … Wer steile Thesen in die Welt setzt, erfährt kurz eine vermeintliche Wirksamkeit, so kommt man halt ins Fernsehen … Wir sind im Moment als Partei ziemlich aufgewühlt.“ – Ja, Frau Prien, in Ihren Woerten steckt viel drin, aber gegen und nicht für Merz als Kanzler. – Beim Brief der acht CDU-Länder-MPs wehrt sich Schnieder, Rheinland-Pfalz, gegen Zweifel an deren Unterstützung für Kanzler MerzDie Süddeutsche berichtete, für den MP-Brief habe es keine Aufforderung aus dem Kanzleramt gegeben. Merz habe der fertige Brief erst wenige Stunden, bevor er veröffentlicht wurde, erreicht.  Das Kanzleramt sei auch in keiner Weise in die Textarbeit eingebunden gewesen. hieß es. Wenn es nun eine so große Rolle bei der Textexegese spiele, dass der Name „Friedrich Merz“ nicht explizit genannt wurde … – Ach Leute, wo so viel Rauch, da auch Feuer.

Exklusive INSA-Umfrage im Auftrag von Tichys Einblick. Der Frust über CDU und SPD ist auch bei den eigenen Wahlwilligen ganz erheblich. 63 Prozent der SPD-Wahlwilligen und 60 Prozent der Union fänden es (eher) gut, wenn beide nicht mehr an der Bundesregierung beteiligt wären. Nur noch eine Minderheit begrüßt ausdrücklich eine Beteiligung von Union und SPD: bei Unions-Wahlwilligen noch 27 Prozent, bei denen der SPD 24. „Das ist das alarmierendste Ergebnis: Ein großer Teil der Wahlwilligen von CDU und SPD hält ihre eigene Partei für austauschbar“, sagt INSA-Chef Binkert: „Dieses kühle Ergebnis steht im krassen Gegensatz zur aufgeheizten Debatte. Damit ist die Dominanz der früheren Volksparteien Union und SPD vorbei.“ Binkert konstatiert, beide hätten den Wettbewerb um Mehrheiten offenbar eingestellt, obwohl ein Großteil der AfD-Wahlwilligen zuvor CDU, CSU oder SPD gewählt hat. 34 Prozent der aktuellen AfD-Wahlwilligen haben der Umfrage zufolge schon einmal die SPD gewählt, 42 Prozent die Union. Erstaunlich hoch ist mit 17 Prozent auch der Anteil, die aktuell der AfD Ihre Stimme geben würden und schon einmal FDP gewählt haben. Den Grünen haben schon acht, der Linken sieben Prozent der AfD-Wahlwilligen zuvor ihre Stimme gegeben (Mehrfachnennungen möglich). Binkert: „Die große Mehrheit der heutigen AfD-Wähler besteht also aus Wählern der früheren Volksparteien CDU/CSU und SPD.“ Binkert zur Ausgrenzung der AfD-Wahlwilligen: „Statt zu versuchen, frühere Wähler zurückzugewinnen, kritisiert man diese und erweckt eher den Eindruck, diese Wähler aus Staat und Gesellschaft ausgrenzen zu wollen. Letztlich haben sie damit den Wettbewerb um Mehrheiten eingestellt; denn längst ist die Ausgrenzung so massiv und emotional, dass es wohl kaum einen Weg zurückgibt.“

Der FDP-Vorsitzende Kubicki und die frühere CDU-Familienministerin Schröder halten die sogenannte „Brandmauer“ für gescheitert. Kubicki: „Die Brandmauer hat die AfD groß gemacht, und mit dieser Wahrheit müssen die Brandmauerverteidiger jetzt leben (Stern).“ Die Dämonisierung und Ausgrenzung der Partei schrecke keine Wähler mehr ab – sei im Gegenteil deren erfolgreicher Markenkern geworden. Nur wenn die AfD sich wie jede andere Partei verteidigen und stellen müsste, würde sichtbar, dass sie keine normalen Forderungen vertrete. Schröder: „Die Strategie der Brandmauer ist gescheitert.“ Sie sprach sich stattdessen für rote Linien gegenüber der AfD aus, mit denen sich die AfD auseinandersetzen müsste. Dies könne zu einer Mäßigung oder auch zu einer Spaltung der Partei führen.

Das BSW schließt in Sachsen-Anhalt nach Parteivorfrau Mohamed Ali eine Koalition mit der AfD aus: „Weiterhin steht fest, dass das BSW in Sachsen-Anhalt weder einen Ministerpräsidenten der CDU noch einen der AfD wählen wird (RP).“ Man setze sich ein für einen überparteilichen Ministerpräsidenten, der im Land anerkannt sei und mit wechselnden Mehrheiten unter Einbeziehung des gesamten Parlaments regiere. Für diesen Weg stehe man allen Parteien für Gespräche zur Verfügung.

Italien. Die Information für Merz und Frei: Die Regierung Meloni befreit für 2027 die meisten Autobesitzer von der Kfz-Steuer. – Und so sieht es hierzulande mit und ohne den Staat als Abkassierer aus.

CDU-Wirtschaftsministerin Reiche will die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel von 19 auf sieben Prozent senken. SPD-Finanzminister Klingbeil favorisiert dagegen eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne. Seine Vorschläge lägen seit Monaten auf dem Tisch. Dazu gehöre eine europäische „Übergewinnsteuer“, damit „maßlose Krisenprofite der Mineralölkonzerne an die Bürger zurückgegeben werden könnten“. Reiche lehnt diese ebenso ab wie einen Spritpreisdeckel. Für das mittelständische Transportgewerbe werden eigene Hilfen geprüft: Vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen profitierten nicht unmittelbar von einer niedrigeren Mehrwertsteuer. Reiche fordert zudem Direkthilfen für geringe Einkommen. Doch dem Bund liegen erst für rund 19 Prozent der Steuerpflichtigen Kontodaten vor; auch fehlt ein Leistungsgesetz. E10 kostete im Bundesschnitt 2,30 Euro je Liter, Diesel 2,422 Euro. Beschlossen ist bisher keine Entlastung. Die EU-Finanzminister wollen heute in Dublin zu einem informellen Treffen zusammenkommen.

Staatsversagen. Wo die politische Klasse weiter eiert, statt zu handeln – siehe Kanzler-Countdown – und Deutschland teures Gas auf dem Weltmarkt kauft, sei erinnert: Unter dem eigenen Boden liegen ganz erhebliche Vorkommen. Bei einem Jahresverbrauch von rund 80 Milliarden Kubikmetern, entspricht diese Menge etwa vier bis 25 Jahresverbräuchen.

Gewünscht einäugig. Gestern hat der ÖRR Blog alle WDR-Monitor-Einträge auf Instagram seit ersten August ausgewertet, in denen Parteien kritisiert wurden:

Vor Mecklenburg-Vorpommern pumpt »die ach so „unabhängige“ NGO Campact ,,, 150.000 Euro in den Wahlkampf der Grünen. Nicht als schnöde Überweisung, sondern ganz diskret als „Geldeswert“ für 8.250 Plakate und Printkampagnen.« Das wahre Ziel der linksgrünen Retter? Die Grünen künstlich über die 5-Prozent-Hürde hieven, damit SPD-Kandidatin Manuela Schwesig brav auf ihrem Ministerpräsidentensessel kleben bleiben kann.

— Bernd Kaiser (@Bernd_Kaiser_BD) September 16, 2026

Russland-Polen-Baltikum-Ukraine. Zwei Tage vor dem Zählsonntag erwähnt der Einblick am Morgen auffallende Signale um den Ukraine-Krieg und Kriegsgeraune im historisch seit Jahrhunderten umkämpften Raum Russland-Polen-Baltikum-Ukraine nur. Da gibt es urplötzlich so viele Stimmen, da ist eine gesonderte Betrachtung von Nöten. Hier nur eine Meldung als Eindruck:

Nach der Wahlwette ist vor der Wahlwette! Wenn Sie bei der Wahlwette zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erfolglos mitgemacht haben, winkt sogleich die nächste Chance. Bis zum 20. September abstimmen – und mit etwas Glück gehören Sie zu den Wahlwettengewinnern. Geben Sie hier Ihre Prognose zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ab.

Auf die Gewinner wartet:
1. Platz: eine Flasche Champagner von Roland Tichys Tante Mizzi aus Verzy
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