Bekanntlich bin ich ja ein Kritiker der Europäischen Zentralbank. Aber allmählich hat man ja das Gefühl, man sollte sie verteidigen - vor der Linken und der Frankfurter Polizei: Die Linke also ruft zu einer Demonstration gegen die zerstörerische Politik der EZB auf.
Das Thema Negative Zinsen dreht sich immer weiter. Derzeit werden wir ja über Lebensversicherungen, Riesterrenten und Fonds von der Europäischen Zentralbank und ihren negativen Zinsen entreichert. Wie das vonstatten geht, lesen Sie hier.
Aber das wäre erst der Anfang. Als nächstes könnten Bargeld, Girokonten sowie Sparbücher drankommen.
Weihnachten, Kinders, da wird`s was geben diesmal! Endlich haben die Menschen zwar nicht wesentlich mehr Geld in der Tasche - aber mehr Kaufkraft. Viele Preise sinken. Öl- und Benzinpreis sinken; eine Tankfüllung ist um 6 € billiger zu haben. Selbst die Nebenkosten beim Wohnen sinken; spätestens ab Januar gibt´s für viele Mieter satte Rückzahlungen für die aus heutiger Sicht überhöhten Strom- und Heizkostenvorauszahlungen. Gemüse, Obst, Salat - alles billiger; und wer nicht essen will, sondern wischen: Preise für Tabletts und Smartphones sinken um 5 Prozent.
Das ist die gute Nachricht - endlich kommen wir in den Genuss einer Entwicklung, die Deflation heißt: Die Preise sinken.
Liebe Putinhasser!
Gerade habe ich Günther Jauch vom vergangenem Sonntag im Fernsehen gesehen. Jauch paddelt im Mainstream, den lassen wir mal außen vor. Was regt ihr euch so über das eingeblendete Interview mit Putin auf? Weder mit Putinhasserei noch mit Putinversteherei lässt sich Politik machen, etwas bewegen oder guter Journalismus fabrizieren.
Die Individualitäten der Menschen werden in der Verfassung unbedingt geschützt. Ein Vielfaltsgebot gibt es nicht.
Oh, wenn Vielfalt doch Vielfalt wäre, wie schön wäre das denn! Aber bitte, Sie wissen doch. Der Kampfbegriff der politischen Korrektheit, also mit anderen Worten die Kampfparole der herrschenden Eliten, besser der sogenannten herrschenden Eliten, lautet bekanntlich "Vielfalt statt Einfalt". So dröhnt es dem Bundesbürger aus dem Fernsehen, dem Radio und dem Internet entgegen. Und aus den auf Papier gepressten Medien.
Man merkt sehr schnell, Propagandasprüche taugen nichts. Sie sind im Gegenteil nur zu einem dienlich, nämlich zur Stiftung von Verwirrung und zur Manipulation der Realität. Alles ist, wie oft im Leben, Definitionssache. Bevor Vertreter der Bundesregierung, der Spitzen der Gewerkschaften, der der Kirchen und aller relevanten Vereinigungen mit dem Begriff "Vielfalt" auf die Jagd nach Claqueuren gehen, ist es geboten, den Begriff der Vielfalt zu durchforsten und erkennbar und nachvollziehbar für den eigenen Gebrauch zu definieren. Was ist denn nun Vielfalt, vielfältig, Vielfältigkeit, Diversität?
Wenn der Befragte sagt „Ich gerate wohl ein wenig ins Monologisieren“ dann weiß man als Journalist: Jetzt ist etwas schief gelaufen. Denn ein Interview ist eine Befragung auf Augenhöhe, nicht eine Nick-Veranstaltung.
Was Hubert Seipel am Sonntag in seinem Interview mit Russlands Staatschef Wladimir Putin in der ARD ablieferte, war ein schlimmes Beispiel für Genicke. So unkritisch ging er mit seinem Interviewpartner Putin um, dass der sich selbst eben diesen verräterischen Satz sagte: „Ich gerate eine wenig ins Monologisieren". Spätestens da hätte ein Profi ein Fragen-Gewitter abgefeuert. Nicht Nick-Seipel.
Am 14. Oktober 2014 erklärt Frankreichs Präsident, den Ausstieg Frankreichs aus der Euro-Zone und die Wiedereinführung des Franc. Er reagiert auf Massen-Demonstrationen unter der Parole: „Gebt uns unser Geld zurück“. In Frankreich herrscht der nationale Notstand. Banken bleiben geschlossen, Geldautomaten spucken nur noch 40 € je Person und Tag aus. Nahrungsmittel sind rationiert; nur noch zehn Grundnahrungsmittel werden frei verkauft.
Es ist eine TV-Show auf France 4, die derzeit die Gemüter erregt, eine Art ökonomische Apocalypse Now. Die Fiktion eilt der Wirklichkeit voraus. Der gemeinsame Währungsraum zerbricht - Frankreich versinkt vorübergehend im Chaos - "Treten Sie in die Geschichte ein", fordern die Fernsehmacher.
Einer, den dies nicht wundert, und der dafür lange vor der Sendung das Drehbuch geschrieben hat ist Allan Meltzer. Er ist der letzte noch lebende große US-Ökonom der Nachkriegszeit: Paul A. Samuelson, John Kenneth Galbraith, Milton Friedman, Karl Brunner - sie haben schon den Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg begleitet, das Denken von zwei Generationen Volkswirtschaftsprofessoren geprägt, die großen, kontroversen Debatten über Keynesianismus und Monetarismus geführt. John Maynard Keynes sagte einmal, dass die meisten Politiker sich auf Ansichten berufen würden, die sie irgendwann vor Jahrzehnten an der Universität gelernt hätten. Leute wie Allan Meltzer sind es, die in den Gehirnwindungen Generationen lang nachwirken. Jetzt hat der einen Plan zur Rettung des Euro vorgelegt - der das fiktive Chaos in Frankreich verhindern soll.
Nicht-Unternehmer aus Patriotismus
Die Politik wartet still und geduldig, bis eine Katastrophe eintritt und handelt dann - die Wirtschaft und Unternehmen versuche, drohende Risiken vorwegzunehmen und vorausschauend zu handeln. Ist es wirklich so einfach?
Die Feiern zum Mauerfall sind beendet - und eine gelassene Fröhlichkeit bleibt, ganz ohne Sekt: Auch wenn es schwer war - die Wiedervereinigung ist auch wirtschaftlich geglückt. Helmut Kohl hatte 1989 „ blühende Landschaften “ versprochen. Wie wurde er dafür verspottet! Es ging ja nicht über Nacht! Und über Nacht muss die Marktwirtschaft doch schaffen, was der Sozialismus in 40 Jahren nicht gepackt hat, mindestens, oder? Auch auf den großen Jubelfeiern war viel von Gefühl die Rede, aber wenig von Zahlen. Und doch - die Zahlen sprechen dafür, auch wenn viele es in Deutschland nicht wahrhaben wollen. Aber der britische Economist mit seinem kühlen, distanzierten Blick von außen rechnet vor: die heute noch bestehenden regionalen Unterschiede zwischen Ost und West sind nicht größer als die regionale Schere der wirtschaftlichen Unterschiede, beispielsweise in Belgien. Noch liegen die Einkommen in München höher als in Leipzig - aber Leipzig holt auf; und in der Kombination mit niedrigeren Mieten und geringeren Lebenshaltungskosten ist vermutlich im Osten vielerorts die Lebensqualität höher als im Westen.
Völkisches Geschwafel im deutschen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zeigt wes Geistes Kind dort den Ton angibt.
Im aktuellen Heft wird Wolf Biermann, der im Bundestag die Linkspartei mit dem Stilmittel der Kunst als ewig gestrige Drachenbrut bezeichnete, darüber belehrt, dass die Abgeordneten der Linkspartei Vertreter des deutschen Volkes wären und dass am Mauerwerk des Bundestages der Schriftzug prangte: Dem deutschen Volke, weshalb Biermann die SED/PDS/Linkspartei nicht als Reste der Drachenbrut bezeichnen dürfte, was ja soviel heißt, wie neben der Verfassung stehend.
Vor 25 Jahren kollabierte die DDR. Deren Wirkmacht ist bis heute ungebrochen.
Der große politische Dialektiker der untergehenden Republik, Marcus Tullius Cicero, selber Chronist seiner Zeit, beflügelte den Mythos des altgriechischen Urvaters der modernen Geschichtsschreibung Herodot. Schon vor mehr als 2000 Jahren war den wachen Geistern der Zeit klar, dass Geschichtsschreibung und Geschichtswissenschaften eine außerordentlich komplexe Angelegenheit sind. Kaum etwas ist schwerer als die Realität, die Tatsachen und die Kausalitätenverläufe überhaupt zu erfassen und dann auch noch wertneutral zu beschreiben.
Das Schweizer Magazin "Die Weltwoche" gab dem Hamburger AfD-Gründungsmitglied und Beobachterin der Kölner Hooligan-Demo, Tatjana Festerling, letzte Woche die Möglichkeit, ihre Wahrnehmung der Demonstration zu schildern. Jetzt erklärte der Chefredakteur Roger Köppel warum er dies tat.
Die Schweizer "Weltwoche" sieht Aufklärungsbedarf. Sie gab der in den deutschen Medien unter Druck gesetzten Tatjana Festerling, Gründungsmitglied der Hamburger AfD, die am 26.Oktober 2014 die Hooligandemo in Köln besuchte und ihre Wahrnehmung der Geschehnisse schilderte, "journalistisches Asyl", wie Chefredakteur Roger Köppel, einst Chefredakteur von Springers "Welt", es in einem Interview mit dem Schweizer "Kleinreport" formulierte.
Der GDL-Streik geht vorzeitig zu Ende. „Eine Geste der Versöhnung“ nennt das der GDL-Boss Claus Weselsky. Aber die Wahrheit ist eine andere: Während der Streik im Oktober Fahrgäste und Wirtschaft noch kalt erwischt hat, ist der Überraschungsangriff des zweiten und längeren Streiks gescheitert - eben weil er keine Überraschung war. Die Fahrgäste haben ihn ausgebremst, und das mit Hilfe auch von Apps.
Jetzt hört man wieder alle diese tollen Stories über den Fall der Berliner Mauer. Alle sind dabei gewesen. Nur ich habe nichts zu erzählen. Ich habe ihn verpennt. Es ist eine der peinlichsten Stories meines Lebens. Denn die Tage vor dem Mauerfall - habe ich in den USA vertrödelt. Mobilfunk erschien mir ein spannendes Thema. Da bewegte sich was in der so erstarrten Welt. Immerhin konnte man in den USA schon winzige Motorola-Geräte im Supermarkt kaufen und bereits beim rausgehen damit telefonieren. Das war toll, denn in Deutschland brauchte der Postbeamte mindestens drei Monate, bis er sich nach monatelangem Papierkrieg doch vielleicht, vielleicht auch nicht, zum Einstöpseln des Amtsapparats herabließ.
Man muss Biermann nicht lieben, aber dass er es voll drauf hat, steht fest. Und wer sagt es der Linkspartei sonst?
Der sonst so coole Bundestagspräsident Norbert Lammert unterbrach Biermanns kleine Ansprache heute mit einem Hinweis auf die Geschäftsordnung des Bundestages. Biermann dürfe nicht reden, er müsse singen. Lammert sagte das genau in dem Moment, als Biermann ansetzte die Linkspartei auseinander zu nehmen.
Jetzt wird wieder ein Begriff hervorgeholt, der so schön - und so verlogen ist wie kaum ein Zweiter: Solidarität. Die ZDF - Anstalt fordert die Lokführer auf, aus Solidarität lieber für 25 Prozent Lohnsteigerungen zu streiten, „bis es kracht“. „Zeit-Online“ fordert das Bundesverdienstkreuz für Claus Weselsky, den Chef der Lokführer. Es müsse endlich mehr gestreikt werden - Streik für alle. Müssen wir solidarisch mit den Lokführern sein?
Am Tag vor dem 109-stündigen Lokführerstreik herrscht schon Verspätung auf vielen Strecken der Bahn - gerade so, als wolle das Bahnmanagement beweisen: Chaos können wir auch allein, dazu brauchen wir keine Lokführer mehr. Es ist ein lästiger Streik, aber vor allem ein komischer: Hinter der Fassade geht es um ganz andere Dinge als um Lohn und Arbeitszeit.
Ebola-Virus, die Ukrainekrise und der Isis-Terror seien die drei schlimmsten Geißeln der Menschheit. Dies erklärte Obama vor wenigen Wochen der Weltöffentlichkeit. In der deutschen Öffentlichkeit gibt es eine noch größere, die Welt bedrohende Gefahr: Hooligans. Die Debatte um eine Demonstration in Köln zeigt: Integration ist ein Spiel, an dem zwei Seiten beteiligt sind.
Auffällig ist, dass Obama die deutschen Hooligans, die in Köln gegen Isis und Isis-Sympathisanten demonstriert haben, nicht erwähnt. Obama erweckt sogar den Eindruck, dass er die deutschen Hooligans nicht einmal kennt. Da sind doch die deutschen Medien und die politische Nomenklatura und natürlich auch die deutschen Behörden und die unendlich vielen deutschen Experten weiter. In einem anschwellenden Bocksgesang belehren sie die deutsche Öffentlichkeit darüber, dass die Hooligans genauso schlimm seien wie die sogenannten Isis-Terroristen oder die Salafisten oder jede Form von gewalttätigem Islamismus sonst. Am Ende der vergangenen Woche war man sich in Deutschland einig, dass die Hooligans noch schlimmer als Isis-Terroristen und alles Schlimme zusammen sind.
Nun hat also eine Mini-Bank Strafzinsen für Anlagegelder eingeführt, und jetzt ist die Aufregung groß. Als ob die Entscheidung einer Bank ohne Marktbedeutung irgendetwas ändern würde an der falschen Politik der EZB.
Europa wächst in die Höhe
Europa wächst, und wie. Innerhalb weniger Jahre hat sich die Zahl der Beschäftigten der Europäischen Zentralbank auf nunmehr 1.600 verdreifacht. Irgendwann einmal, soll die ihr unterstehende Bankenaufsicht 1000 Mitarbeiter bekommen - sie hat jetzt schon, zum Start, 900. Dazu die Vervielfachung der Europäischen Versicherungsaufsicht. Europas Bürokratie wächst. Und sie braucht Gebäude. Frankfurt ist in nur wenigen Jahren zu einer der Hauptstädte der Europäischen Bürokratie geworden.
Und leidet darunter, worunter als Bürokratien leiden. Würden Sie Ihr Geld jemandem anvertrauen, der sich beim Bau seines Wohnhauses um den Faktor 3 verkalkuliert? Gut, die Frage ist unfair. Schließlich werden wir als Steuerzahler jeden Tag gezwungen, den Berliner Flughafen, die Elbphilharmonie Hamburg, das Berliner Stadtschloss oder sonst irgendein Bauwerk zu finanzieren, das zuerst wenige und Jahre nach der geplanten Eröffnung fertig wird - und dafür das drei- oder fünffache kostet. Und das soll beim Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt anders sein - auch wenn eine Zentralbau eigentlich mehr Vertrauen und nicht so sehr Beton braucht?
























