„Frankreich schafft den Euro ab und kehrt zum Franc zurück“

Frankreich verlässt den Euro - und das Land stürzt ins Chaos. Eine fiktive TV-Serie spielt durch, was wäre wenn. Fazit: der Euro steht in Südeuropa auf der Kippe.

Am 14. Oktober 2014 erklärt Frankreichs Präsident, den Ausstieg Frankreichs aus der Euro-Zone und die Wiedereinführung des Franc. Er reagiert auf Massen-Demonstrationen unter der Parole: „Gebt uns unser Geld zurück“. In Frankreich herrscht der nationale Notstand. Banken bleiben geschlossen, Geldautomaten spucken nur noch 40 € je Person und Tag aus. Nahrungsmittel sind rationiert; nur noch zehn Grundnahrungsmittel werden frei verkauft.

Es ist eine TV-Show auf France 4, die derzeit die Gemüter erregt, eine Art ökonomische Apocalypse Now. Die Fiktion eilt der Wirklichkeit voraus. Der gemeinsame Währungsraum zerbricht – Frankreich versinkt vorübergehend im Chaos – „Treten Sie in die Geschichte ein“, fordern die Fernsehmacher.

Einer, den dies nicht wundert, und der dafür lange vor der Sendung das Drehbuch geschrieben hat ist Allan Meltzer. Er ist der letzte noch lebende große US-Ökonom der Nachkriegszeit: Paul A. Samuelson, John Kenneth Galbraith, Milton Friedman, Karl Brunner – sie haben schon den Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg begleitet, das Denken von zwei Generationen Volkswirtschaftsprofessoren geprägt, die großen, kontroversen Debatten über Keynesianismus und Monetarismus geführt. John Maynard Keynes sagte einmal, dass die meisten Politiker sich auf Ansichten berufen würden, die sie irgendwann vor Jahrzehnten an der Universität gelernt hätten. Leute wie Allan Meltzer sind es, die in den Gehirnwindungen Generationen lang nachwirken. Jetzt hat der einen Plan zur Rettung des Euro vorgelegt – der das fiktive Chaos in Frankreich verhindern soll.

Der 86-jährige Allan Meltzer hat auf Einladung der Ludwig-Erhard-Stiftung in Frankfurt eine Vorlesung über die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank gegeben – in langen Zügen begründet, mit Beispielen aus den 60er Jahren beginnend und in der Gegenwart endend. Seine Analyse ist schonungslos – und unterscheidet sich massiv von der jüngeren, heute populären Analyse angelsächsischer Ökonomen: Während beispielsweise Paul Krugmann ständig fordert, Deutschland müsse noch mehr Schulden machen, die Schulden der südeuropäischen Krisenstaaten möglichst zu seinen eigenen machen und mit immer neuen Geldfluten die Wirtschaft ankurbeln – genau davon will Meltzer nichts wissen. Hier seine härtesten Argumente:

Falsche Medizin hilft nicht, auch nicht mit höherer Dosis

Porträt

Der US-Ökonom Allan Meltzer fordert die Aufspaltung des Euro

Derzeit versucht die Europäische Zentralbank, mit Null-Zinsen die Unternehmen zum Investieren zu verlocken. Doch ganz offensichtlich funktioniert es nicht: Billiges Geld allein nützt nichts, wenn Produkte, ihre Qualität und Preise nicht stimmen. Genau das ist aber in Italien und Frankreich der Fall: Es fehlt an dem was, man sonst verklausuliert „Strukturreformen“ nennt: Die Unternehmen in diesen Ländern produzieren zu teuer. Also muss die Politik daran ansetzen, Reformen durchsetzen, wie sie Deutschland unter Schröder umgesetzt habe. Das Herumfuchteln mit immer neuen Geldbündeln bringt nichts – auch wenn diese Geldbündel immer noch dicker werden. Es sind die relativen Preise – etwa im Verhältnis zur deutschen oder asiatischen Konkurrenz

 Europa hat zu viel Staat – nicht zu wenig

Immer wieder werde die angebliche Sparpolitik kritisiert, die Deutschland den südeuropäischen Ländern verordnet habe. Das würde die Nachfrage der Verbraucher abwürgen. Aber Meltzer hält mit einer einfachen Statistik dagegen: Europas Staaten dominieren nach wie vor die Wirtschaft. Der Staatsanteil, also jener Teil der gesamtwirtschaftlichen Leistung, der von den Staaten ausgegeben wird, liegt in Griechenland bei 59 Prozent, in Frankreich bei 57, in Italien bei 51 % und selbst in Deutschland noch bei 45 Prozent. “Von Austerität keine Spur“, bilanziert Meltzer. Erst wenn der Staat und seine unproduktive Verwendung der knappen Mittel zurückgedrängt wird, entstehen auch wieder Arbeitsplätze. So aber verschwinden Milliarden über Milliarden in zu hohen Beamtengehältern, in Prestigeobjekten und und Sozialprogrammen, die keine Wirkung auf Wachstum und Beschäftigung entfalten.

Investitionen in Deutschland retten Griechenland nicht

Nur Spott hat Meltzer für die Forderung über, Deutschland müsse sich verschulden und die Mittel in Infrastruktur-Projekte stecken. „Wenn Deutschland mehr Straßen und Brücken haben will, soll es sie bauen“, sagt Meltzer. „Aber was nützt eine Brücke, die über den Rhein gebaut wird, der griechischen Wirtschaft? Gar nichts. Damit wird Deutschland vielleicht noch produktiver, als es ohnehin schon ist, und der Abstand in der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zwischen Deutschland und seinen südlichen Nachbarstaaten vergrößert sich weiter.“ Gut für Deutschland – aber für die lahmenden Wirtschaften in Südeuropa wäre damit nichts gewonnen. Meltzer hält auch nichts von einer Schuldenübernahme durch Deutschland oder von Euro-Bonds, die die Schulden Europas auf Deutschland und die anderen vorsichtigeren Wirtschaften verteilen. Das würde nur dazu führen, dass sich der Süden immer weiter auf Kosten Deutschlands verschulden würde. Meltzer verweist auf die „sauberen und klaren Analysen von Hans-Werner Sinn, der wieder die schlagendsten Argumente gegen diese Gemeinschaftsverschuldung geliefert hat“. 

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