„Frankreich schafft den Euro ab und kehrt zum Franc zurück“

Frankreich verlässt den Euro - und das Land stürzt ins Chaos. Eine fiktive TV-Serie spielt durch, was wäre wenn. Fazit: der Euro steht in Südeuropa auf der Kippe.

Die Krise des Euro wird zur Gefahr für Europa

Mit Sorge sieht Meltzer, dass antieuropäische Parteien in Frankreich, Italien, Großbritannien, Finnland, und in anderen Ländern Zulauf haben. Wegen der Wahlerfolge der AfD in Deutschland würden früher oder später auch die bisherigen Euro-treuen Parteien auf Anti-Kurs einschwenken – damit sie nicht zu viele Wählerstimmen an die neuen Herausforderer verlieren. Nicht die AfD sei die Gefahr – sondern eine Politik der EZB, die ohne Perspektiven mit falschen Instrumenten die Krise verschärfe. Jeder Tag, an dem aber die Euro-Krise nicht gelöst wird, sei ein verlorener Tag für Europa. Die Perspektivlosigkeit der EZB-Politik müsse endlich einer langfristigen Strategie weichen – da kann „Ludwig Erhard als Vorbild dienen“.

Anarchy in Frankreich nach dem Euro-Austritt: Wie bewältigt Europa diese Krise?

Anarchy in Frankreich nach dem Euro-Austritt: Wie bewältigt Europa diese Krise?

Inflation, Deflation, oder Abwertung?

Kühl wie ein Chirurg analysiert Meltzer die Möglichkeiten:

Inflation: Zwar gebe es keine Inflationstendenzen derzeit – „aber wir sind noch nicht einmal in der Halbzeit angekommen bei diesem großen Spiel um die Zukunft“. Eine auf Inflation ausgerichtete Politik aber wird Deutschland besonders hart treffen, da Inflation wegen der Fast-Vollbeschäftigung und der hohen Auslastung der Industrie sofort durchschlägt. Damit würden in Deutschland die relativen Preise schneller steigen als in Frankreich und Italien, und seine Wettbewerbsfähigkeit herabsetzen. Allerdings würde die deutsche Bevölkerung geradezu allergisch auf das Ansteigen der Preise reagieren. Der „Teuro“, der gefühlte Preisanstieg zur Euro-Einführung, ist in unguter Erinnerung.

Deflation: Wenn in Südeuropa die Löhne und Sozialleistungen fallen, fallen auch die Preise, die Wirtschaft wird wettbewerbsfähiger, neue Arbeitsplätze können entstehen. Das ist derzeit zu beobachten. Aber gerade diese notwendige Anpassungs-Deflation bekämpfe die EZB mit ihrer Geldpolitik der lockeren Hand. Sie versucht, die Deflation durch Geldpolitik zu stoppen. Ökonomisch ist das grundfalsch, aber politisch hat Meltzer sogar Verständnis dafür. Denn Deflation ist extrem unpopulär, weil Arbeitnehmer einen Teil ihres Einkommens verlieren. Meltzer hält die Schmerzen der Deflation politisch für unerträglich: Das zeige sich in Griechenland, wo der Druck der linksradikalen Syriza die Regierung wegfegen könne. Dann wäre Griechenland das erste Land, das den Euro verlässt – die Blaupause für Frankreich. Das Drehbuch von „Anarchy“ würde Realität.

Abwertung: Über Jahrzehnte sei Europa gut damit gefahren, dass der Ausgleich zwischen den leistungsfähigen Wirtschaften in Nordeuropa und den schwächeren Schuldenwirtschaften im Süden über Wechselkursveränderungen erfolgte. Dadurch wurden die südeuropäischen Anbieter wieder wettbewerbsfähiger – wenigstens vorübergehend, und die Bäume der Deutschen und Niederländer konnten nicht in den Himmel wachsen. Meltzer plädiert daher für einen harten Nord-Euro und einen weichen Süd-Euro.

Brauchen wir zwei Euros statt einem?

Die Trennung in Nord- und Süd ginge sehr schnell, erwartet Meltzer. Praktisch innerhalb von Sekunden nach der Ankündigung würden beispielsweise Süd-Euros in Nord-Euros umgetauscht. Danach würden Löhne und Beamtengehälter in der billigeren Süd-Währung ausgezahlt, und die Industrie in diesen Ländern wieder wettbewerbsfähig. Bei entschiedenem Vorgehen könnte ein totales Chaos wie in „Anarchy“ vermieden werden.

Die Idee von der Trennung in einen Nord- und Süd-Euro ist nicht neu. Aber bislang wurde sie noch nie mit einer derart klaren ökonomischen und politischen Analyse verknüpft: Vor allem in Frankreich und Italien könnte so wieder die Beschäftigung steigen; Deutschlands Exportüberschuss würde sich automatisch reduzieren. Und vor allem: Bei allen Gefahren – „Es gibt keinen anderen Weg“, sagt Meltzer – es sei denn Inflation oder Deflation. Die derzeitige Politik des billigen Geldes und der steigenden Schulden aber verschärfe jeden Tag das Problem und treibt die Betroffenen in Griechenland, Frankreich und Italien auf die Barrikaden.

Gibt es Alternativen?

Meltzer ist nüchtern. Auch in den USA habe eine ähnliche Politik der Geldschwemme, die „Quantitative Easing“ genannt wird, das Wachstum von Arbeitsplätzen blockiert. Mit dieser Politik würde nur vorübergehend ein Fortschritt suggeriert, der langfristig aber nicht die Probleme löse. Und die liegen in Europa in der unterschiedlichen Leistungsfähigkeit der verschiedenen Volkswirtschaften. Derzeit werde versucht, die notwendigen Reformnotwendigkeiten zu verdrängen; die innere Krise des Euro werde dadurch aber nur verstärkt. Das Bewusstsein dafür fehle in Deutschland, weil es derzeit noch in einer guten Konjunkturlage befinde. Aber in anderen europäischen Ländern sind die Probleme jeden Tag noch schmerzhafter.

Kommt der Süd-Euro – weil Frankreich das will?

Bislang wurde die Zweiteilung des Euros hauptsächlich in Deutschland diskutiert – und als „Rauswurf“ der Griechen interpretiert. Aber in Frankreich fordert die rechts-nationale Marine Le Pen den Euro-Ausstieg. Der Ausstieg wird auch mit der Fernsehsendung populär, rückt vom Undenkbaren in den Bereich des Wahrscheinlichen.  http://derstandard.at/2000008058174/Frankreich-stellt-sich-die-Apokalypse-vor  Noch ist es pure Fiktion – aber sie zeigt, dass das mögliche Ende des Euro ins Bewusstsein rückt. Der Druck zum Ausstieg entsteht in den südlichen Ländern des Euro – die Last der gemeinsamen Währung ist zu gewaltig.

Für Allan Meltzer wäre es keine Überraschung. Eine rein politische Währungsunion kann an der wirtschaftlichen Realität scheitern – wenn sie nicht grundlegend reformiert wird.

 

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