Der junge Mann, der das politische Establishment das Fürchten lehrt

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund ist in seinem Heimatland Sachsen-Anhalt auf Tour, um es für seine Bürger wieder zurückzuholen. Der Politiker kommt auf den Straßen und Plätzen sehr gut an. Viele sehen in ihm einen Hoffnungsträger, deswegen wird der 35-Jährige von „unserer Demokratie“ gnadenlos bekämpft.

picture alliance/dpa | Heiko Rebsch
Ulrich Siegmund, AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, an einem Infostand in Bernburg

Ganz in der Nähe von Wittenberg ist Spitzenkandidat Ulrich Siegmund vergangenen Donnerstag auf Wahlkampftour unterwegs. Sachsen-Anhalt wählt gleich nach der Sommerpause schon am 6. September einen neuen Landtag und ein 35-jähriger junger Mann von der Alternative für Deutschland will neuer Ministerpräsident werden. Die Sonne brennt, es ist heiß, doch Siegmund macht das an den Wahlständen von Gräfenhainichen, Bad Schmiedeberg, Annaburg oder Jessen nichts aus.

Siegmund verspricht den Leuten, die zu ihm an den Info-Stand kommen, nicht wie Kanzler Friedrich Merz das Blaue vom Himmel. In Gräfenhainichen bekennt er auf seinem Morgen-Termin offen: „Ich kann nicht mit dem Finger schnippen, um Sachsen-Anhalt wieder aufzubauen.“

An Siegmunds Info-Ständen stehen nicht nur wie bei der CDU meist ein paar Mitglieder aus den Kreisverbänden herum, sondern hier versammeln sich viele normale Bürger kleiner Städte und Gemeinden, um mit dem Spitzenkandidaten kurz zu sprechen, Autogramme und Selfies zu bekommen oder ihm nur für seine Volksvertretung zu danken.

Über 100 Menschen stehen vormittags in der Sonne geduldig Schlange, um den jungen Spitzenmann der Alternativen auf dem Markt von Gräfenhainichen zu treffen.

Schlange stehen für Autogrammen, Selfies und Gespräche Foto: © Olaf Opitz

Siegmunds T-Shirts mit seinem Porträt und dem Motto „Lasst uns Geschichte schreiben“, gehen für 15 Euro weg wie warme Semmeln. Wie üblich sind gängige Größen in M und L schnell ausverkauft.

Auffällig sind unter den Fans viele Mütter mit kleinen Kindern, Familien mit Kindern und Jugendliche, die sich gern mit dem Spitzenkandidaten ablichten lassen. Denen muss Siegmund dann noch Autogramme auf die weißen Hemden und Postkarten schreiben. Ein kleines Mädchen wollte sogar ein Sigmund-Signet auf ihrem blauen Einhorn-Shirt.

Viele kommen auch, nur um ihre Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen: „Wir wollen uns bedanken für ihre Arbeit.“ Das sind Worte die CDU-Merz dieser Tage nicht zu hören bekommt. Jugendliche wünschen Siegmund: „Wir dürfen sie noch nicht wählen, aber alles Gute.“

Wenn eine junge Frau in Gräfenhainichen Siegmund ihre Angst über die Zustände in Deutschland schildert, antwortet er aufmunternd: „Angst ist immer ein schlechter Begleiter – Hoffnung und Zuversicht.“

Posieren für Selfies in Bad Schmiedeberg, Foto: © Olaf Opitz

Ob das so kommt, steht jedoch noch in den Sternen. Laut aktuellen Umfragen scheint es jedenfalls derzeit eine magische Grenze für die AfD zu geben. 41 Prozent sind zwar sehr viel und fast jeder zweite Wähler, aber noch keine Mehrheit gegen das Kartell der selbst ernannten „demokratischen Parteien“ zu denen mit CDU-Segen jetzt sogar schon die frühere Täterpartei und Ex-SED alias Die Linke gehört. Über diese Verhältnisse kann auch die gute Stimmung an den Info-Ständen nicht hinwegtäuschen.

Bald jeder Zweite würde in Sachsen-Anhalt AfD wählen

„Wir drücken die Daumen, aber ganz fest“, rufen Siegmund zwei ältere Damen in der Kurstadt Bad Schmiedeberg zu. „Es kann so nicht weiter gehen“, mahnt ein junger Mann. Siegmund bedankt sich mit den Worten: „Erfolg brauchen wir.“ Zumindest der Zulauf auf den Markplätzen erstaunt. Vor fünf Jahren sah das anders aus, da gab es noch Berührungsängste.

Auf der Fahrt zum nächsten Wahlkampftermin durch die Dörfer Sachsen-Anhalts südlich von Wittenberg, wehen auf den Höfen und an Häusern zahlreiche AfD-Flaggen. So viel Mut zeigte vor der letzten Wahl kaum einer.

Anders als in vergangenen Wahlkämpfen wirken AfD-Plakate in den Kommunen weniger aggressiv, sondern eher befreiend:

Für Häuslebesitzer: „Heizen ohne Verbote“
Für TV-Frustrierte: „Ein Leben ohne GEZ“
Für Unentschlossene: „Alles ist möglich“
Für Politiker: „Aufs Volk hören“
Für Bauern: „Bürokraten vom Acker jagen“
Für Arbeiter: „Die Fleissigen belohnen“
Für Alle: „Unser Land. Unsere Kultur“

Obendrein hat die linksextreme Antifa aus Wittenberg Siegmunds Wahlkampftermine unweit ihres ACAB-Sprengels (All Cops Are Bastards) offensichtlich verschlafen. Zu tief sitzt wohl noch die Niederlage und Blamage von Erfurt bei ihrem unwürdigen Protest gegen den AfD-Bundesparteitag. Insofern gibt es an den AfD-Infoständen bis auf Sachsen-Anhalts Hochschulstädte bislang keine größeren Störungen, sondern nur regen Zulauf der Bevölkerung.

Dennoch sichern etwa ein dutzend Polizeibeamte und Security in Uniform und Zivil Siegmunds Auftritte auf den Marktplätzen meist vor über hundert Menschen. Der Spitzenkandidat steht aus Sicherheitsgründen fast hautnah unter Rundumschutz, bleibt aber für die Menschen ohne Probleme erreichbar. „Aus dem Volk fürs Volk“, lautet seine Devise.

Infostände wie in Jessen (Elster) sind gut bewacht, Foto: © Olaf Opitz

Berührungsängste mit der Alternative – das war einmal. Das staatlich verordnete Stigma vom vermeintlichen Verfassungsschutz über die AfD „als gesichert rechtsextrem eingestuften Landesverband Sachsen-Anhalt“, nimmt ohnehin kaum noch jemand ernst. „Alles Nazi – außer Mutti“, lacht der Osten nur noch über diese subtilen Methoden. Jetzt erst recht.

Die politische Hitze trifft wohl eher schon den Ex-Ministerpräsidenten Reiner Haseloff (CDU), der quasi um die Ecke in der Lutherstadt Wittenberg wohnt. Es wirkt schon symbolisch: Da möchte ein alternder Politiker einer schrumpfenden Partei, sein Heimatland verlassen, wenn die AfD die Regierung übernimmt.
Dort will ein junger Hoffnungsträger vieler Bürger, ihr Land wieder zurückholen, das sie durch eine destruktive Politik der seit Jahrzehnten regierenden Parteien wie CDU, SPD, FDP, Grüne oder Linke im Grunde verloren haben.

Eigentlich wollte der besorgte Bürger Haseloff bis zum Ende seiner vollen Amtszeit dem Lande dienen, das hatte er seinen Bürgern versprochen, aber nicht eingehalten.

Insofern verwundert es auch nicht, dass sein Erbe, der kurzzeitige Ministerpräsident Sven Schulze (CDU), versicherte, er wolle nicht aus politischer Taktik in das Regierungsamt dazwischengeschoben werden. Also übernahm er lieber gleich mit Wortbruch sein neues Kurzzeitamt.

Dabei versprach er, nachdem sein Vorgänger Haseloff Ende August 2025 angekündigt hatte, bei der Landtagswahl 2026 nicht erneut anzutreten: „Ich möchte nicht irgendwie reingeschoben werden.

Versprechen vor Wahlen und Bürgern zählen in der CDU von Kanzler Friedrich Merz, Haseloff oder seinem Nachfolger Schulze nichts mehr. Sie hat offensichtlich das Pinocchio-Syndrom erfasst.

All das bewegt auch die Leute auf den Marktplätzen, wenn Siegmund sich den Bürgern stellt. Er geht dann oft selbst an die Stände anderer Parteien, um mit ihnen den offenen Dialog zu führen und Vorurteile abzubauen, wie er ihnen sagt. Selbst mit den Linken redet er. Doch besonders peinlich tritt dabei dann die regierende CDU auf. Köstlich anzusehen auf Youtube hier:

In Bitterfeld verweigerte ein CDU-Mann an seinem Stand mit Trillerpfeife den angebotenen Dialog wie ein linker Verdi-Aktivist. Dabei war Siegmund in seiner Jugend einmal CDU-Mitglied. Eine CDU-Frau forderte dann noch den AfD-Spitzenkandidaten auf einfach weiterzugehen. Fast wie die frühere DDR-Volkpolizei: „Hier gibt’s nichts zu sehen Bürger, gehen Sie weiter.“

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Kommentare ( 105 )

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105 Comments
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Manfred_Hbg
29 Tage her

Zitat(e) 1: „Siegmunds T-Shirts mit seinem Porträt und dem Motto „Lasst uns Geschichte schreiben“, gehen für 15 Euro weg wie warme Semmeln. (……………………..). wirken AfD-Plakate in den Kommunen weniger aggressiv, sondern eher befreiend:“ > Auch wenn ich mich nun mehr oder minder am wiederholen bin: Wenn man sich dagegen die Wahlplakate unserer wohlwolenden „Polit-Elite“ am ungucken oder sie am reden hören ist und da nur noch solch platten und nixsagenden Sprüche zu sehen bekommt wie „Sie kennen mich“ oder so, dagegen haben die AfD’ler dann aber doch noch etwas mitzuteilen und Versionen zu verkünden. – – – – – –… Mehr

Ceterum censeo Berolinem esse delendam
29 Tage her

Leute, lasst alle Hoffnung fahren. Auch in Sachsen-Anhalt wird es keinen Machtwechsel geben. Die Blockparteien haben sich bereits auf eine Leihstimmenkampagne zugunsten der SPD verständigt, um die Abwrackerpartei über die 5-Prozent-Hürde zu hieven und damit eine Mehrheit gegen die AfD sicherzustellen. Damit wird es eine All-Parteien-Koalition des Regimes gegen die AfD geben. Und es soll bloß keiner glauben, dass die CDU nach der Wahl auch nur die geringsten Skrupel hätte, sich mit der SED ins Bett zu legen. Fazit: Fast jeder zweite Wähler in Sachsen-Anhalt wird politisch kaltgestellt. Sie haben weiterhin keine Chance auf eine politische Teilhabe. UnsereDemokratie© wird niemals… Mehr

Blauracke
29 Tage her

Das ständige,vorauseilende Genöle der Kartellparteien und-medien darüber, daß die AfD kein Fachpersonal hätte (angesichts der eigenen „Spezialisten“ in Regierungsverantwortung😂) kann man vergessen. Das wahre Problem, das Siegmund wie ein Damoklesschwert über dem Kopf hängen wird, falls er es schafft, sind die mittleren Hierarchien mit klarer politischer Ausrichtung seit 1949 , also Referatsleiter, Abteilungsleiter (meist unkündbare Beamte) und ihr Rattenschwanz bis ins Vorzimmer. Dort wird nämlich die Arbeit gemacht. Und überwiegend nach politischer Vorschrift.

JoergJ.
29 Tage her

Die Briefwähler werden es schon richten für die Blockparteien der Nationalen Front (heute „Unsere Demokratie“).
Ist sicher schon alles ausgefüllt und liegt zur Auszählung bereit im Tresor.
Schon beklemmend, dass man in Deutschland das heute vermuten muss.

andreas
29 Tage her
Antworten an  JoergJ.

Bin derselben Meinung und halte es für eine jahrzehntelange gängige BRD -Praxis. Je größer die Stadt, desto volksfeindlicher die Wahlergebnisse. Auch in Großstädten wohnen und wählen nicht nur Volltrottel.

PaulKehl
29 Tage her
Antworten an  JoergJ.

Ein Kandidat der Mohammedaner-Partei in Halle wirbt an prominenter Stelle in seinem Wahl-flyer für die Briefwahl. Ich tippe sowieso auf Halle, wo nachts um drei noch eine vergessene Urne auftaucht.

Wolfgang Schuckmann
29 Tage her
Antworten an  JoergJ.

So sehe ich das auch, deshalb stelle ich als Demokrat die Forderung die Briefwahl abzuschaffen, weil sie Einfallstor für Betrügereien
und auch unbeabsichtigte Falschauszählungen ist.

Apfelmann
29 Tage her

Siegmud ist wie Wüst. Jung und eloquent. Aber eben auch aalglatt und ideologisch durchdränkt. Alles so Schwiegermuttitypen. Schade das es keine echten Charakterschweine mehr gibt in Deutschland.

jensberndt
29 Tage her
Antworten an  Apfelmann

Ich weiß nicht, worauf Sie diesen Vergleich beziehen. Ulrich Siegmund ist einer von denjenigen, denen es genau wie mir einfach nur reicht, was in diesem Lande vor sich geht, der aber auch den Ehrgeiz und die Ausstrahlung mitbringt, diese Zustände ändern zu können. Ein Herr Wüst dagegen ist einfach nur Produkt und Bestandteil des Systems, welches wir überwinden müssen. Und dazu braucht es schon gar keine Charakterschweine.

Berlindiesel
29 Tage her

Sollte Siegmund tatsächlich in Sachsen-Anhalt gewinnen, bin ich auf die innere Dynamik in der AfD gespannt. Tatsächlich gelingt ihm zumindest ansatzweise, auch über das Milieu, das die AfD im Osten sonst bedient, hinaus zu wirken. Siegmund, das sollte man nicht unterschätzen, wird weniger aus Wut, Frust oder Bitterkeit gewählt, sondern weil er ein Gewinnertyp ist. Er würde, eher gerade deswegen als trotzdem, seine liebe Mühe haben, seine Wähler von den Heilandserwartungen, die er weckt, wieder herunter zu holen. Finanziell ist Sachsen-Anhalt ruiniert wie jedes andere Bundesland auch, in dem CDU oder SPD regiert haben. Das Land überaltert rapide. Junge Menschen… Mehr

Blauracke
29 Tage her
Antworten an  Berlindiesel

Ich habe Ihnen soeben für den letzten Satz das MINUS neutralisiert, obwohl ich mit der Gleichsetzung Siegmunds mit den üblichen Emporkömmlingen, die im Unkrautbeet alle anderen überragen, erstmal vorsichtig sein würde.

Wolfgang Schuckmann
29 Tage her
Antworten an  Berlindiesel

Dann können wir ja alles lassen wie es ist .

Autour
29 Tage her

Die Manipulation läuft doch bereits… Man will uns nun seit WOCHEN erzählen, dass die AfD nicht EINEN %-Punkt steigt…
ABSOLUT lächerlich!!!!!!
Die CDU interessiert KEINE S… die SPD traut sich nicht mal mehr auf die Strasse…
Gut es gibt noch einige Systemlinge die in gut bezahlten Parteijobs hängen… aber das stinkt schon zum Himmel!!!!
Die Wahl wird manipuliert werden weil nicht sein kann, was nicht sein darf!!!!!

MaxVanMoritz
29 Tage her

Schwiegermutters Liebling und auch noch viel im Kopf – der kann nichts werden, der passt nicht zu den Dämlichen!

Ecke
29 Tage her

Herr Siegmund, mach et.

Protestwaehler
29 Tage her

Es ist schon belustigend wie nun alle Sender in den Wahlkampfmodus schalten um die AfD zu verhindern… ist das eigentlich noch freie Presse?
Bemerkenswert ist vor allem, obwohl fast jeder zweite in Sachsen-Anhalt die AfD wählen will, in der Glotze findet man ausschließlich besorgte Bürger die den erneuten Untergang fürchten hahaha… nur gewußt wie man auch den letzten Rest Anstand verliert.

Micky Maus
29 Tage her
Antworten an  Protestwaehler

nein, es ist nur noch eine hochgradig verlogene Medienlandschaft !

MaxVanMoritz
29 Tage her
Antworten an  Protestwaehler

Wann war die Presse frei?

Wolfgang Schuckmann
29 Tage her
Antworten an  MaxVanMoritz

Als man den SD nicht mehr fürchten musste, und der ‚ Verfassungsschutz‘ noch nicht installiert war.

Mausi
27 Tage her
Antworten an  MaxVanMoritz

Unter die Presse fallen gedruckte Produkte. Die Presse war zumindest mal abwechslungsreich.
Und der ÖRR als Nicht-Presse war mal dazu gedacht zu informieren. Meinungsvielfalt abzubilden, nicht Minderheiten in den Vordergrund zu rücken. Einen neuen NSDAP bzw. SED Diktatureinheitsbrei zu verhindern. Aber die Politiker, die Aufsichtsgremien und die Gerichte haben es vergeigt.