In Mecklenburg-Vorpommern fliegt die CDU aus einem Landtag. Die angekündigten Reformen der Regierung stehen auf der Kippe. Manuela Schwesig hat nun das Sagen bei der SPD. Von Fabian Kramer
Screenprint: ZDF / Maybrit Illner
Die CDU als Partei von Konrad Adenauer und Helmut Kohl stand eigentlich fest wie ein schwarzer Fels in der politischen Landschaft der Bundesrepublik. Doch seit der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern ist die Partei in ihren Grundfesten erschüttert und befindet sich im Erosionsprozess. Zum ersten Mal seit 1945 fliegt die CDU aus einem Landtag.
Viele politische Beobachter hatten geglaubt, dass die SPD die erste ehemalige Volkspartei sein würde, welche aus einem Landtag gewählt wird. Jetzt muss die CDU ihre Koffer packen und aus dem Schweriner Schloss ausziehen. Die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern hat in der CDU eine Schockstarre ausgelöst, aus der sich die Partei erstmal befreien muss. Bundeskanzler Friedrich Merz nutzt die Lähmung innerhalb der eigenen Reihen, um an seinem erfolglosen Kurs festzuhalten und um an seinem Sessel im Kanzleramt kleben zu bleiben.
An diesem Montag nach den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern spricht Maybrit Illner mit ihren Gästen über die massiven politischen Veränderungen. Einziger aktiver Politiker in der Runde ist der CDU-Fraktionsvorsitzende Thorsten Frei. Der Merz-Getreue versucht in der Sendung alles, um keine Personaldebatte über Friedrich Merz führen zu müssen. Die Wahlgewinner von AfD und Linkspartei sitzen nicht am Tisch. Große Neuigkeiten und Erkenntnisse liefert der Talk nicht. Die AfD wird immer noch als illegitime Partei betrachtet und die CDU will immer noch mit der SPD Richtung Abgrund marschieren. Es bleibt alles beim Alten, als ob die Bürger nicht gewählt hätten.
Raus aus dem Landtag
Historische Momente passieren oft in der Nacht. Als am frühen Montagmorgen das vorläufige amtliche Endergebnis der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern feststand, veränderte sich die politische Landschaft der Bundesrepublik dramatisch. Die CDU Deutschlands ist erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland nicht über fünf Prozent gekommen. Was für die FDP der politische Alltag ist, trifft die CDU ins Mark.
Geliefert wurde so gut wie nichts, sieht man von den Einsparungen im Gesundheitssystem mal ab. Es sind Durchhalteparolen für die CDU- Basis, mehr nicht. Dass die Basis längst die Fackeln und Mistgabeln aus dem Keller geholt hat und nur darauf wartet, dass sie Friedrich Merz endlich vom Hof jagen kann, ignoriert Thorsten Frei.
„Friedrich Merz hat nur noch einen schwachen Rückhalt“, weiß die Journalistin Eva Quadbeck. „Die Lage ist sehr volatil“, ergänzt sie. In der Tat ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis Friedrich Merz gestürzt wird. Seine Koalition hat gerade einmal zwölf Stimmen Mehrheit im Bundestag. In der eigenen Fraktion herrscht seit Wochen Panik, weil die Umfragewerte katastrophal sind und immer katastrophaler werden. Es wäre keine Überraschung, wenn Teile der Fraktion Friedrich Merz die Stimme für Gesetzesvorhaben verweigern, um ihn loszuwerden. Vielleicht übernimmt auch die SPD diesen Job. Große Lust auf Reformen haben die Sozialdemokraten traditionell wenig.
Scheitern die Reformen?
Die Reformvorhaben der Bundesregierung sind bislang von überschaubarer Größe. Obwohl die Bundesregierung keinen großen Wurf plant, gibt es trotzdem Zoff, weil besonders die Rentenpläne der SPD viel zu weit gehen. „Innerhalb der SPD gibt es eine Mehrheit für die Position von Frau Schwesig“, erklärt der ehemalige Außenminister Sigmar Gabriel. Manuela Schwesig hat im Landtagswahlkampf aktiv gegen die sogenannte Rentenreform der Bundesregierung gewettert.
„Dass das Rentenpaket so bleibt, glaube ich nicht“, vermutet Sigmar Gabriel. Wenn die Union tatsächlich einknickt und die Rentenpläne verwirft, dann wird sie etwas von der SPD haben wollen. „Für uns kann eine Koalition mit den Sozialdemokraten keine Zumutung sein“, meint Thorsten Frei. Falls die Union der SPD bei der Rente entgegenkommen sollte, werden CDU und CSU Änderungen beim Bundeshaushalt fordern. Der Haushaltsentwurf von Finanzminister Lars Klingbeil hat in der Unionsfraktion für großes Entsetzen gesorgt. Die vorgesehenen Entlastungen werden als Witz erachtet und die geplante Zuckersteuer hat keine Mehrheit.
Möglich, dass Union und SPD einen schmutzigen Kuhhandel vollziehen, um die Koalition zu retten. Es ist aber genauso möglich, dass die Koalition in die Luft fliegt. „Alle wollen innerhalb der Koalition in verschiedene Richtungen“, fasst der Politologe Christian Stecker die Situation perfekt zusammen.






Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
Der Wahlabend am Sonntag war natürlich historisch. Der Tag danach selbstverständlich auch. Am Sonntag wurde die CDU bei den Abgeordnetenhauswahlen in Berlin von den Linken vernichtend geschlagen und vom ersten Platz verdrängt. In Mecklenburg-Vorpommern flog sie sogar aus dem Landtag. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Partei, dass die CDU in einem deutschen Landesparlament (außer Bayern) nicht vertreten ist. Die Reaktionen am Montag: Der christ-demokratische Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern trat zurück. Und der eigentlich verantwortliche für das Wahldesaster der CDU, Bundeskanzler Friedrich Merz, hielt nur eine flammende Rede vor der Presse. Sichtlich betroffen war angeblich. Aber: An dem… Mehr
Die CDU kann ja jetzt mit der FDP einen Schwätzerstammtisch aufmachen. Aber nicht vergessen, spätestens um 12 Uhr zum Mittagessen bei Mutti zu Hause zu sein, sonst gibt es ein paar hinter die Löffel!
Vielleicht sind es ja auch gerade die ‚Reformen‘, die zu solchen Wahlergebnissen führen.
Im 19 Jahrhundert hat die Zentralregierung unter Bismarck Ludwig II in Bayern abgesetzt wegen Unzurechnungsfähigkeit. Wenn heute Franz-Josef Strauß in München noch Ministerpräsident wäre, könnte er in Berlin Merz absetzen aus dem gleichen Grund. Und im Wannsee könnte sich dann sein endgültiges Schicksal entscheiden, der ist glaube ich, tief genug😁
Der Nachfolger mit plötzlicher Ergrünung, Corona-Hysterie und Kurswechsel zur jeden vollen Stunde wäre selbst dringender Absetzung-Kandidat.
Mit Strauß wäre der eher doch gar nicht in Erscheinung getreten – und die Ostblock Frau wahrscheinlich auch nicht.
Wer soll Fritze ablösen? Mit Wüst oder Günther geht es in der selben Richtung weiter, nur mit anderen Köpfen. Ändern würde sich nichts, auch nicht die Änderungsrichtung der Wahlprozente. Auch würde unsere Demokratie putinähnlicher oder ulbrichtähnlicher. Putin hat die Opposition schon verboten, Wüst und Günther sehen das als Traumziel. Söder als Kanzler? Der bayrische Bettvorlegertiger ist wie Mutti ein Fähnchen im Wind, also eine Mutti2. Uns sonst? Nichts, einen große Leere. Die CDU kann schon mal rufen: DC wir kommen.
Die von der CDU dürfen sich anscheinend langsam denselben Existenzängste wie die Beschäftigten der deutschen Autoindustrie annähern.
Im Erosionsprozess befindet sich die CDU spätestens seit Merkel, allerdings wurde es in den Kohl-Jahren bereits flau mit dem Nachwuchs. Merkel gab alle konservativen Prinzipien auf, für sie stand alles zur Disposition um Wählerstimmen zu erhalten. Sie hat auch innerhalb der Partei alles ausgehöhlt was noch konservative Grundsätze vertreten würde, den konservativen Kern der CDU entfernt. Für sie waren all diese Zugeständnisse billig, für Deutschland sehr teuer. Exemplarisch sind ihre Entscheidung zum Ausstieg aus der Kernkraft, weil sie sich nach Fukushima nicht mit der links-grünen Haltungsjournaille anlegen wollte, und ihre Open-Borders Politik, wieder weil sie unangenehme Publicity für notwendige Maßnahmen… Mehr
Diese Diskussionsrunde wird auch dann noch stattfinden, wenn alle diese Parteien aus den Parlamenten geflogen sind und niemand mehr diesen Sender schaut.
Nicht vergessen. Die Frau gegen Blau hat die Wahl gegen Blau verloren. Und jetzt führt sie sich mit der gesamten SPD-Spitze (Bas und Klingbeil) auf als hätten sie gewonnen. Nein, sie haben gegen die liberal-demokratische AfD verloren. Die SPD hat 4,1 Prozent an Wählerzustimmung verloren. Immerhin eine satte Mehrheit von 64,5 Prozent der Wähler haben die SPD und die Frau gegen Blau nicht gewählt. Die Landesregierung aus SPD und den SED-Linken wurde abgestraft und ist abgewählt. Die SPD nur noch zweite Wahl und muss jetzt mit den Grünen und den antisemitischen Clan-Linken eine Dreierkoalition bilden um vor der AfD zu… Mehr
„Alle wollen innerhalb der Koalition in verschiedene Richtungen“
Das glaube, wer will, ist doch allen gemeinsam, daß sie noch bis 2029 im Bundestag sitzen bzw. kassieren wollen.
Und daß die jüngsten Äußerungen von Boris Rhein und Hendrik Wüst, zum Umgang mit der AfD, die SPD tatsächlich unter Druck setzen, halte ich für unwahrscheinlich.
Dem roten Koalitionspartner ist bewußt, daß für die CDU eine Minderheitsregierung keine Option ist, würden dadurch doch mehrere von ihr geführte Landesregierungen wackeln. Und das letzte, was die Union gebrauchen kann, sind Neuwahlen.