51 Prozent der Frauen unter 25 haben bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus ihre Stimme der Linkspartei gegeben. Bei den gleichaltrigen Männern sind es immerhin noch 34 Prozent. Woher rührt diese Diskrepanz?
picture alliance / Daniel Lakomski | Daniel Lakomski
Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus machte jede zweite junge Berlinerin ihr Kreuz bei der Linkspartei. Gegenüber 51 Prozent bei den 16- bis 25-jährigen Frauen errang die LINKE bei den unter 25-jährigen Männern hingegen „nur“ 34 Prozent.
Analysten und Sozialwissenschaftler fragen sich seit Jahren, warum sich beim Wahlverhalten unter jungen Menschen ein geschlechtsspezifischer Graben aufgetan hat: Junge Männer driften nach rechts, so der Eindruck, junge Frauen wählen eher links.
Zur quantitativen Einordnung sollte man bedenken, dass diese Gruppe allerdings maximal fünf Prozent aller in Berlin Wahlberechtigten ausmacht. Zudem ist der Unterschied nicht überall so eklatant. In Sachsen-Anhalt kam die LINKE bei jungen Männern auf 13 Prozent. Zwar schnitt sie mit 19 Prozent bei jungen Frauen besser ab, diese wählten aber dennoch mehrheitlich rechts – zu 38 Prozent.
Man wird also schwerlich den einen klaren Grund benennen können, der das Missverhältnis in Berlin erklärt. Die unterschiedliche Prioritätensetzung zwischen politisierten urbanen Eliten und bodenständiger Landbevölkerung mag für das Abschneiden der AfD eine Rolle spielen, den geschlechtsspezifischen Unterschied im Wahlverhalten bezüglich der Sozialisten erklärt sie nicht.
Liegt es am Einfluss der sozialen Medien, linker TikTok-Shootingstars und Identifikationsfiguren wie Heidi Reichinnek? Oder an spezifisch weiblichen Verhaltensmustern? Zuweilen wird Frauen höhere Empathie zugeschrieben, die, so die Deutung, mit einem stärkeren Gerechtigkeitssinn einhergehen soll. Daraus folge ein Wahlverhalten, das Parteien bevorzugt, die sich soziale Gerechtigkeit auf ihre Fahnen schreiben.
Einige Gründe betreffen beide Geschlechter gleichermaßen – immerhin wählten ja auch die Berliner Männer unter 25 mehrheitlich links. Da wäre zum einen das Alter. Gerade in Universitätsstädten befinden sich viele junge Wähler in einer hedonistischen, verantwortungsarmen Lebensphase. Ihren eigenen Lebensunterhalt oder gar den für eine Familie verdienen sie noch nicht oder nur in geringem Maße, Steuern zahlen sie nicht. Zugleich werden die Herausforderungen des Erwachsenenlebens größer. Dass man angesichts dessen einen Wohlfahrtsstaat bevorzugt, der sich kümmert, ist nicht verwunderlich.
Wirtschaftliche und historische Unkenntnis
Hinzu kommt der Bildungskollaps. Wirtschaftlicher und historischer Analphabetismus entfalten ihre Wirkung. Offensichtlich gelingt es, jungen Menschen einzureden, staatliche Kontrolle und Enteignung würden ihnen ein besseres Leben ermöglichen, obwohl von Kuba bis Nordkorea das Gegenteil bewiesen ist.
Auch der Geschlechterkrieg, der in der Onlinekultur tobt, könnte sich im Wahlverhalten niederschlagen. Einige rechte Influencer machen durch Frauenfeindlichkeit von sich reden; Frauen, die sich rechts engagieren, müssen aus den eigenen Reihen mit Spott und Häme rechnen. Wo Rechtssein als Männlichkeitskult Minderwertigkeitskomplexe ausgleichen soll, haben junge Frauen keinen Platz. Andersherum pflegen Linke bis in die Mitte hinein einen geifernden Männerhass, der jeden Mann mit einem Funken Selbstachtung abschrecken muss.
Frauen: Empathisch, fürsorglich, links?
Der Linksdrall ist zudem kein Naturgesetz. In den 50er und 60er Jahren wählten Frauen deutlich konservativer als Männer. Waren sie in ihrer Empathiefähigkeit „unweiblicher“? Wohl kaum.
Frauen leisten sich derzeit den Spagat – trotz bestehender Nachteile, die aber vor allem Mütter und Alte treffen –, in vielen Bereichen das dominante Geschlecht zu sein, während das Narrativ der Unterdrückung durch den Mann in geradezu mythologisierter Form weitergesponnen wird. Fortwährend wird jungen Frauen eingeredet, einer unterjochten Klasse anzugehören, die nur durch mehr Sozialismus befreit werden kann. Findet man keine echte Benachteiligung, wird, was auch immer als negativ empfunden wird, „dem Patriarchat“ angelastet.
Eher also handelt es sich um Besitzstandswahrung seitens der Frauen, die gegenüber dem Mann vordergründig Nutznießerinnen pseudomarxistischer Unterdrückungstheoreme sind.
Dies fiele damit zusammen, dass besonders Frauen aus dem urbanen Raum linksradikal wählen. Für sie sind Männer am ehesten „verzichtbar“. Der katholische Apologet Trent Horn setzte sich in seinem Podcast bereits 2024 mit der Frage auseinander, warum junge Frauen links – in US-amerikanischer Diktion „liberal“ – wählen. Er stellt die These auf, dass Frauen im sozialen Gefüge benachteiligt sind: Ihre durchschnittlich geringere Kraft macht ihr Wohlergehen von sozialen Normen abhängig, die Männern verbieten, ihre körperliche Überlegenheit gegen Frauen einzusetzen. Schwangerschaft und Mutterschaft sind mit einem größeren Bedarf an Unterstützung verbunden.
Der Vater geht, der Staat springt ein
In einer christlich-patriarchalen Gesellschaft würden Sicherheit, materielles Wohlergehen und soziale Teilhabe nicht nur, aber maßgeblich von Vätern und Ehemännern ermöglicht und verteidigt. In einer postmodernen Gleichstellungsgesellschaft hingegen wurde der Mann als Garant aussortiert. Was er bereitgestellt hat, bietet nun als System-„Patriarch“ der Staat.
Dieser These entsprechend wäre der gute alte deutsche Begriff „Vater Staat“ zutreffender als die englische Bezeichnung „Nanny-Staat“: Eine Vaterstruktur, die der Schülerin und der Studentin BAföG auszahlt, der Alleinerziehenden einen Unterhaltsvorschuss, der Arbeitslosen Grundsicherung und Wohngeld; er zahlt der ungewollt Schwangeren die Abtreibung, der ungewollt Weiblichen die Mastektomie und so weiter.
Die Versuchung, die eigene Mündigkeit dem Staat unterzuordnen, betrifft auch Männer. Frauen sind laut Trent Horn stärker betroffen, weil ihre Abhängigkeit wesentlich mit dem Frausein selbst verknüpft ist und sich auch durch noch so emanzipierte Strukturen nicht beheben, sondern nur umstrukturieren lässt.
Kurzsichtig gegen die eigenen Interessen
Was vordergründig als Sicherstellung der eigenen Handlungsfreiheit erscheint, sorgt also lediglich dafür, dass sie nicht durch personale Bindungen, sondern durch ein Staatswesen eingeschränkt wird.
Noch fataler ist, dass diejenigen, die den starken Fürsorgestaat versprechen, zugleich das Sicherheitsbedürfnis von Frauen untergraben. Sie hofieren Weltanschauungen, die Leben, Wohl und Freiheit von Frauen bedrohen. Sie holen Männer ins Land, deren Vorstellung von Patriarchat dem christlich geprägten westlichen Modell, das sich in Europa herausgebildet hat, diametral widerspricht und viel eher dem Feindbild gleicht, gegen das Feministinnen lautstark zu protestieren pflegen.
In der intersektionalen Opferpyramide nimmt die Frau jedoch einen geringeren Stellenwert ein als der illegale Einwanderer. Da sie an die Gültigkeit dieser Pyramide glaubt, wird das reale Unwohlsein im öffentlichen Raum der ideologischen Überzeugung geopfert, dass dieses Gefühl nicht sein darf oder für den höheren Zweck in Kauf genommen werden muss.
In der Überzeugung, sowohl eigene Privilegien bewahren als auch eine bessere Gesellschaft für alle zu schaffen zu können, verhelfen linke Frauen also im Windschatten linker Wahlerfolge jenen zur Macht, die ihre ureigenen Interessen gefährden.




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Was Berlin betrifft, wundert nichts mehr. Theoretisch müsste man die Jahrzehnte übler Erfahrungen mit dem Sozialismus/Kommunismus im Kopf haben. Vielleicht sorgt verstärktes Aua-Aua für Pavlov’sche Reflexe – das funktioniert sogar bei Pflanzen.
Illegale werden durch Duldungsstatus legalisiert ❗