Bürgerprotest: Deutsche fühlen sich „bis zum Letzten Hemd“ ausgezogen

An immer mehr Ortschildern von Sachsens Kommunen hängt das "letzte Hemd". Textiler Protest gegen die aktuelle Regierungspolitik, der sich über das Internet bundesweit rasant ausbreitet. Behörden lassen die T-Shirts abhängen, aber es kommen immer neue hinzu.

picture alliance/dpa | Hendrik Schmidt

Die Sachsen sind ein gemütliches und offenes Völkchen. Doch irgendwann haben sie von denen da oben, die über sie hinwegregieren, die Faxen dicke.

Im Herbst 1989 bekam die abgewirtschaftete SED-Führung und DDR-Regierung vor allem auf den Straßen von Plauen, Leipzig, Dresden und Chemnitz den Unmut der unterdrückten Bevölkerung zu spüren. Freiheit führte das Volk auf die Barrikaden und das SED-Regime zum Einsturz.

Nun wehren sie sich schon wieder gegen die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, wie linke Politiker es eigentlich heute wieder formulieren müssten. An Ortsschildern, Zäunen, Betrieben, Geschäften oder Handwerkerautos prangt ein unübersehbarer Protest gegen die gegenwärtige Regierungspolitik des schlechtesten Kanzlers aller Zeiten Friedrich Merz (CDU) und seines Gehilfen Lars Klingbeil (SPD).

Weiße T-Shirts oder Nickis, wie frühere DDR-Bürger sagen würden, schmücken die Ortsschilder der Kommunen vom Erzgebirgskreis bis zum Leipziger Umland. „Bis zum letzten Hemd“ oder „Das letzte Hemd“ steht meist in Schwarz-Rot-Gold auf den weißen Textilien. Die sächsische Protestaktion von Bürgern, Gewerbetreibenden und Handwerkern im Sommer 2026 weitet sich dieser Tage vom Erzgebirgskreis dank des Internets bundesweit rasant aus.

Der berechtigte Protest richtet sich symbolisch gegen die Überlastung durch hohe Steuern, Abgaben, Vorschriften und Bürokratie. Aber auch die finanziell überforderten Kommunen durch die weiter anhaltende Asyleinwanderung aus arabischen Ländern, Afrika und der Ukraine sowie das kostspielige Bürgergeld für Ausländer spielen eine große Rolle beim aktuellen Protest. Die empörte Botschaft lautet: Die Regierenden der etablierten Parteien rauben den hart arbeitenden Bürgern wie dem Mittelstand sprichwörtlich „das letzte Hemd“.

Selbst in Schleswig-Holstein, also im nördlichen Westen, wehren sich inzwischen die Bürger dagegen, „bis zum letzten Hemd“ von den Regierenden ausgenommen zu werden. Die Protestbewegung weitet sich nach Mecklenburg-Vorpommern aus, wo die Wahlberechtigten am 20. September über einen neuen Landtag und eine neue Regierung entscheiden.

Gemeint sind mit dem Protest nicht nur Merz und Klingbeil, sondern auch deren verlängerte Arme zum Beispiel in der Minderheitsregierung von Sachsens CDU-Regierungschef Michael Kretschmer, der die schwindsüchtige SPD mit Hilfe von Grünen und Ex-SED in der Dresdner Staatskanzlei an der Regierung hält.

Als einer der maßgeblichen Initiatoren gilt Marcel Baldauf aus Burkhardtsdorf im Erzgebirgskreis, Gründer der überparteilichen Bürgerbewegung „Einigkeit für Deutschland“.

„Einigkeit für Deutschland“ fordert den Rücktritt der Bundesregierung samt Neuwahlen – außerdem den Stopp der umstrittenen Gesundheitsreform, niedrigere Abgaben bei Strom und Gas, eine Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und die sofortige Ausweisung „aller verurteilten, straffälligen und illegalen Migranten“. Vor allem aber mehr direkte Demokratie wie in der Schweiz, die schon DDR-Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley anmahnte.

Am 8. August will eine bundesweite Protestbewegung gegen die aktuelle Bundesregierung versuchen, mehr als 10.000 Menschen in Plauen auf die Straße zu bringen. Zu dieser Großdemonstration seien Busse und Autokonvois aus vielen Bundesländern geplant. Die Demonstration knüpfe an die Tradition der Friedlichen Revolution in der DDR an, erklärt Marcel Baldauf, der auch dieses Projekt namens „M1llion“ initiiert hat. 

Am 7. Oktober 1989 – dem 40. Geburtstag der DDR – fanden in Plauen wie in Ost-Berlin die ersten Großdemonstrationen gegen die DDR-Führung statt. Unter dem Motto „Einigkeit für Deutschland“ wird nun statt des Rücktritts des Zentralkomitees jener der Bundesregierung gefordert, berichtet jetzt selbst das frühere Zentralorgan des SED-Regimes „Neues Deutschland“. Selbst „Linksaußen“ will sich jetzt also an den Protest aus der bürgerlichen Mitte dranhängen.

Das politische Establishment reagiert wie erwartet. Sächsische Landräte sollen bereits Anweisungen an ihre zuständigen Straßenmeistereien in den Kreisen erteilt haben, die „letzten Hemden“ von den Ortsschildern sofort abzuhängen. Aber immer wieder werden diese neu angebracht.

Der Protest wird weitergehen, denn der staatlich verordnete Untergang wird für immer mehr Arbeitnehmer und ihre Familien immer deutlicher spürbar.

Medien diskreditieren wie üblich den zunehmenden Protest

Erst verschweigen, dann umdeuten: Die staatstragende Presse muss zwar einräumen, dass die marode Infrastruktur, die Belastungen für Handwerk und Mittelstand, Bürokratie, hohe Energiesteuern und die finanziellen Notlagen von Kommunen zum Protest führten, aber die horrenden Kosten für die andauernde Asyleinwanderung und das dadurch exorbitant steigende Bürgergeld fallen dabei unter den Tisch. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Reflexartig setzen gleichzeitig die bekannten Methoden ein, den berechtigten und parteiunabhängigen Bürgerprotest in Sachsen durch Vorwürfe von Unterwanderung durch „rechte Gruppierungen“ zu diskreditieren. Doch all das wirkt nicht mehr, wie die Umfragewerte der AfD von über 40 Prozent im Osten derweil beweisen.

Um „linke Gruppierungen“ hingegen kümmern sich deutsche Medienaktivisten in Presse, Funk und Fernsehen so gut wie nicht. Im Gegenteil: Die bekommen breiten Raum eingeräumt, wenn sie, wie in Erfurt, extrem und radikal einen demokratischen Parteitag der Alternative für Deutschland boykottieren und dabei noch kritische Journalisten verprügeln und durch die Straßen hetzen – echte Hetzjagden, nicht wie jene in Chemnitz 2018, die von der linksradikalen Plattform „Antifa Zeckenbiss“ erfunden und von Angela Merkel aufgegriffen und öffentlichkeitswirksam ausgeschlachtet wurden.

Protestierende Bürger rechnen ohnehin mit allen Methoden, die das Kartell der etablierten Parteien im Bündnis mit staatstragenden Medien und Verfassungsschutz auffahren lässt, um von den Protesten abzulenken. Allerdings sind Versuche, Bürger hinter Brandmauern zu verbannen, historisch grandios gescheitert.


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Kommentare ( 95 )

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Unglaeubiger
5 Tage her

Ja, das wäre doch mal eine Aktion, an der die Menschlein in GANZ Deutschland mitmachen könnten, ja müssten!! Also raus mit einem alten Shirt, Unterhemd oder Hemd und mit Permanent Marker beschriften und wo auch immer aufhängen! Bin dabei und schon sehr gespannt, wie mein Nachbar reagiert und ob er auch mitmacht?!? Also, nur Mut, kann echt mal lustig werden, wenn in ganz Deutschland die Hemden wehen!

Michaelis
8 Tage her

Dass selbst SOZIALE Parolen wie „Unser letztes Hemd“ als „RECHTS“ geframt werden, ist ja ein weiterer Beweis dafür, dass der pseudolinke Mainstream und das Establishment sich einen Dreck um das Wohlergehen der Menschen schehrt, und dass es einzig um deren Machterhalt und um die Hoheit über das Denken und Meinen geht.

Apfelmann
8 Tage her

Die sollen mal eine Umfrage machen unter den Ossis die da ihre „letzten Hemden“ hinhängen wo der Staat denn bitte einsparen soll. Ich wette es ist kein einziger dabei der sagt bei ihnen selbst. Es soll sicher alles „bei den anderen“ gespart werden.

alter weisser Mann
8 Tage her
Antworten an  Apfelmann

Das wird nicht nur bei den Ossis so ausgehen.
Auch im Westen gibt es so „stille Zeichen“, z.B. bei Landwirten, und da ruft auch keiner „Spart bei mir!“

Last edited 8 Tage her by alter weisser Mann
Waldschrat
8 Tage her
Antworten an  Apfelmann

Jetzt sage ich Ihnen als Ossi, wo der Staat einsparen soll, nämlich bei sich selbst, bei der Ukraine, bei den sogenannten NGOs. Reicht Ihnen das?

Apfelmann
8 Tage her
Antworten an  Waldschrat

Also sofern sie kein Staatsbediensteter oder kein Ukrainer sind oder für eine NGO arbeiten meinen sie sicher, dass bei den „anderen“ gespart werden sollte…

Oberlausitzerin
8 Tage her
Antworten an  Apfelmann

Waldschrat meint, das bei den Richtigen gespart werden sollte, verstehen Sie das nicht?

Apfelmann
8 Tage her
Antworten an  Oberlausitzerin

Genau. Bei den Richtige sparen. Und das sind immer die anderen. Fragen sie so viele Leute wie sie wollen. Jeder wird ihnen die „Richtigen“ nennen bei denen gespart werden soll. Und ich spoiler schon mal, die „Richtigen“ werden immer die „anderen“ sein.

man without opinion
8 Tage her
Antworten an  Apfelmann

Moin, Ihre kleine Provokation zielt auf die vermeintlich unterkomplexe Aussage der T-Shirt Aktion. Ich sach mal so, wenn ich eine Altkleiderbox ansteure, möchte ich mich darauf verlassen können, daß die Bedürftigen auch die Spende erhalten. Wenn der Staat mir immer mehr meines Einkommens für gemeinnützige Zwecke konfiziert, dann ist das solange kein Problem, wie ich Teil der Gemeinschaft bin. Nicht mehr Teil der Gemeinschaft bin ich, wenn Forderungen jenseits der Oder bedient werden, ohne Gegenleistung. Wenn mein Beitrag zum Unterhalt von Menschen hilft, die ich hier nicht haben möchte (und abgesehen davon auch nicht Teil der Gemeinschaft sind). Wenn mein… Mehr

Oberlausitzerin
8 Tage her
Antworten an  Waldschrat

Dafür von mir sehr viele ‚Daumen hoch‘ !!

Fatmah
8 Tage her

Der Deutsche soll nie wieder eine Gefahr für seine Umgebung darstellen können, das ist der Grund weshalb ein Programm nach dem Anderen gefahren wird um unser Land zu ruinieren. Der verantwortungslose Helmut Kohl hat dazu, nur um die Wiedervereinigung auf seine Fahne schreiben zu können, alles unterzeichnet was verlangt wurde. Deshalb haben wir auch eine UVdL und den Euro, alles zum Nachteil Deutschlands.
Massenzuwanderung in die Sozialkassen, Aufnahme von millionen ukrainischen Kostgängern, Energieverknappung, das ist alles kein Zeichen von schlechter Politik, sondern so gewollt.

Fatmah
8 Tage her

Unverständlich, da wir ja alle wissen, das Putin sofort Deutschland erobern wird, wenn wir die Ukraine Milliarden Ablaßzahlungen beenden.

eifelerjong
8 Tage her

Sächsische Landräte sollen bereits Anweisungen an ihre zuständigen Straßenmeistereien in den Kreisen erteilt haben, die „letzten Hemden“ von den Ortsschildern sofort abzuhängen.“
Waren diese heldenhaften Verteidiger „Unserer Demokratie™“ auch mutig, als an fast sämtlichen ländlichen Ortsschilder der Republik Gummistiefel hingen?
War wohl etwas gefährlicher, sich gegen die Agrarlobby zu stellen, als gegen nicht ganz so „militante“ Normalbürger.

Michaelis
9 Tage her

Großartig, diese neue Protestbewegung!!!

alter weisser Mann
8 Tage her
Antworten an  Michaelis

Ja, und es ist so bequem sich zu begeistern!

man without opinion
9 Tage her

Moin,
sieht nicht gut aus für mich. Auf der falschen Seite der Mauer geboren, 1990 an das gute geglaubt, 2010 in den Westen gezogen, und nun wieder absehbar auf der falschen Seite.
Ist n-tv eigentlich ein afrikanischer Sender? In den Werbeblöcken drängt sich mir dieser Gedanke auf.
LG

Fatmah
8 Tage her
Antworten an  man without opinion

Wer hier auf der falschen Seite der Mauer geboren wurde, ist noch die Frage. Als Wessi, per Geburt, fühle ich mich seit der Wende nur noch ausgeplündert und zum Dank noch beschimpft, das alles zu wenig ist. Erst die Ex DDR, jetzt die Ukraine. Da kann aber kein einziger Ossi etwas dafür und auch nicht die ukrainischen Bürger, die ja bekanntlich meist vom Stamme Nimm sind, weil sie es nicht anders kennen.

man without opinion
8 Tage her
Antworten an  Fatmah

Moin,
Schöner Kommentar. Beiläufig dokumentiert, daß die Propaganda gut auf die jeweiligen Befindlichkeiten zugeschnitten war und ist.
LG

E.Frei
8 Tage her
Antworten an  man without opinion

Taktischer Fehler, rüberzumachen nur wegen der paar Bananen;)
Denn leider haben mit Ihnen viele Sozi-Seilschaften ebenso rübergemacht und die hat der Wessi jetzt an der Backe und drüben blühen jetzt bald die politischen Landschaften.

man without opinion
8 Tage her
Antworten an  E.Frei

Moin,
ich kann ja nix dafür, dass ich Ossi bin. Ich hatte einfach nur Glück.
Es ist auch nicht verkehrt, beide Perspektiven zu haben.
Vielleicht ist es so, daß die Ossis sich einbilden, tatsächlich die Welt verändern zu können.
Die Wessies waren schlicht noch nicht in der Gelegenheit, sich diese Frage stellen zu müssen. Keine Ahnung.
Griechicher Wein, Zigeunerjunge, und es war Sommer…
Es ist wohl nur der Unterschied, ob das 50 Jahre dauert oder 10.
LG

Rosalinde
9 Tage her

Komplette Fehleinschätzung. Die Schulden des Bundes werden zurzeit nur gezeigt und nicht berechnet!
Sonst müssten dem deutschen Luxusleben ganz andere Lasten aufgebürdet werden. Immerhin hat Merz in seinem letzten Rede die Erhöhung der MwSt. auf 22 % erwähnt.
Damit können noch nicht einmal die Zinsen der Schulden bedient werden, geschweige denn eine Tilgung.

joly
9 Tage her

Erinnert mich an die Kanzlerzeit Schröders. Da haben unheimlich viele ihr letztes Business-Hemd an den Zaun des Kanzleramtes gehängt. Dazu hat einer einen wunderbaren Song veröffentlicht: Ich nehm euch eure letzten Kröten aus der Tasche…. so ähnlich. Ähnlich erfolgreich wie: Hey Boss ich brauch mehr Geld.
Und 2015 habe ich der AFD und vielen prominenten Kritikern vorgeschlagen für jede vergewaltigte Frau einen roten Stolperstein vor dem Kanzleramt zu platzieren. Erstaunlich das solche Formen des Protestes nicht schon längst ein demokratisches Kulturgut sind.