Unter dem Druck extremer Energiepreise offenbaren sich die ideologischen Fehlentscheidungen der EU – und Deutschlands – in ihrer fatalen Tragweite. Die Europäer müssten alles dafür tun, die Straße von Hormuz wieder befahrbar zu machen. Die USA braucht das Golf-Öl nicht; Europa ist darauf angewiesen.
picture alliance/dpa | Michael Kappeler
Die Krise von Hormuz droht für die Europäer zur Katastrophe zu werden. Keine Region ist so abhängig von Öl- und Gaslieferungen wie Europa, während die USA energieautark aus einer vergleichsweise souveränen Position heraus operieren können. Gerade deshalb müssten die Europäer ein vitales Interesse daran haben, die Straße von Hormuz militärisch zu sichern, um ihren Energiefluss zu gewährleisten.
Das geopolitische Schachbrett verschiebt sich rasant: US-Präsident Donald Trump hat die Frage aufgeworfen, ob es überhaupt im amerikanischen Interesse liegt, diese Lebensader unter erhöhtem Risiko offen zu halten – eine Schockmeldung aus europäischer Sicht, die jedoch nahezu ohne jede Regung verhallte.
Die USA haben gleich zu Beginn der Krise eine entscheidende Weichenstellung vorgenommen und ihren Vorstoß in das maritime Versicherungsgeschäft angekündigt. Nach einer Vervierfachung der Prämien und der Weigerung zentraler Versicherungsanbieter wie Lloyd’s, die Risiken der Passage durch Hormuz zu versichern, stehen die Vereinigten Staaten schon bald mit einem staatlich gestützten Rückversicherungsmechanismus bereit, um dieses geopolitisch fundamentale Geschäft an sich zu ziehen. Sie bestimmen damit, wer die Passage befährt und wer nicht.
Damit befindet sich Europa in einer zunehmend brisanten strategischen Zwangslage. Militärisch ist man nicht handlungsfähig und wirtschaftlich durch die fatale Energiepolitik auf vielfache Weise von anderen abhängig, wie beispielsweise von LNG-Lieferungen aus den USA.
Es passt ins Bild, dass US-Präsident Trump am Mittwoch die Öffnung der Straße von Hormuz durch die amerikanische Navy offen in Frage stellte. Denn über den Hebel des Versicherungsgeschäfts und der maritimen Sicherung lassen sich künftig Zugeständnisse in Handels-, Industrie- und Regulierungsfragen erzwingen. Dies gilt sowohl für die Europäer als auch für China.
Gelingt es den Amerikanern, die Straße von Hormuz unter ihre Kontrolle zu bringen, setzen sie den Preis, den die Europäer künftig für ihre Energieversorgung aus dieser Region bezahlen. Dann wird deutlich, wie hoch die Kosten des energiepolitischen Irrwegs tatsächlich ausfallen.
Moderne Zivilisation, die im Kern ein Derivat sicherer, preiswerter Energieversorgung ist, ruht auf wenigen, aber fundamentalen Säulen: der Herstellung von künstlichem Dünger, Zement, Stahl, Aluminium und Plastik – all den energieintensiven, aber unverzichtbaren Werkstoffen, die komplexes Wirtschaften ermöglichen und zu einer höheren Zivilisation führen.
Dass Nationen oder Kulturen freiwillig auf die Produktion dieser Güter verzichten, indem sie wie im Falle der Europäer künstliche Knappheiten schaffen, ist historisch wohl einzigartig.
Brüssel schafft mit seiner Politik ausgerechnet in diesen essentiellen Sektoren künstliche Knappheiten mit brandgefährlichen Folgen. Europa ist als energieabhängiger Kontinent auf partnerschaftliche Lösungen angewiesen und sollte seine Binnenwirtschaft durch Deregulierung und maximale Wettbewerbsintensität stärken, um die Güter anzubieten, die günstigen Rohstoff- und Energieimport erst ermöglichen. Im Falle Deutschlands waren dies einst Automobile, Maschinen und chemische Produkte.
In Brüssel hat sich ein bürokratisches Perpetuum Mobile etabliert, das seine reale Macht aus einem virtuellen und erzählerischen Prozess heraus in die reale Welt transponiert. Demokratisch nicht legitimiert, operiert die EU-Kommission inzwischen mit einem eigenen Budgetrahmen, eigenen Anleiheemissionen wie der NextGenerationEU-Anleihen und operiert zunehmend im Namen der Staatengemeinschaft als Mediator auf internationaler Ebene.
Seinen politisch-materiellen Anker warf Brüssel mit der Etablierung des grünen Transformationsprojekts unter dem Agendanamen Green Deal. Es handelt sich dabei um ein Konstrukt systematischer Kompetenzverlagerung von den europäischen Hauptstädten nach Brüssel. Mit wachsendem Mittelfluss gewinnt die Zentralbürokratie an Steuerungskompetenz und erhält die Möglichkeit, immer tiefer in die Gesetzgebungsprozesse der Nationalstaaten zu intervenieren.
Der Preis ist die Zentralisierung der Energiepolitik und die damit einhergehende Zerstörung nationaler Souveränität und des einst funktionierenden Marktdesigns dieses entscheidenden Sektors der Ökonomie.
Was hier in Europa geschieht – die ideologisch getriebene, kindlich-naive Haltung gegenüber Russland, die Weigerung, Öl- und Gastanker gemeinsam mit den USA unter europäischem Militärgeleit sicher durch die Straße von Hormuz zu führen – birgt das Potenzial einer wirtschaftlichen Katastrophe, vor allem für Europa. 57 Prozent der Energie werden importiert, während die USA energiepolitisch autark sind.
Nach dem Angriff auf das Ölfeld PARS am 18. März haben die bereits zahlenmäßig sowie in ihrer Hierarchie- und Folgedynamik entscheidend geschwächten Kräfte des iranischen Regimes möglicherweise ihre letzte ökonomische Lebensader verloren.
Unter realistischer Betrachtung der militärischen Kräfteverhältnisse besteht kaum Zweifel daran, dass die Vereinigten Staaten den Machtpoker in der Straße von Hormuz und im Nahen Osten für sich entscheiden werden.
Was geht in den Köpfen der politischen Entscheidungsträger in Brüssel, Berlin, London und Paris vor? Wie kann man den zivilisatorischen Bruch am Horizont nicht erkennen und das Wetterleuchten dieser dramatischen Entwicklungen grundlegend falsch deuten? Kollabiert die Energieversorgung, zerbröselt der zivilisatorische Untergrund. Menschen mit rudimentärem Verständnis für logische Kausalitäten sollten diesen simplen, fundamentalen Zusammenhang nachvollziehen können.
Allerdings scheint dies nicht für Bundeskanzler Friedrich Merz zu gelten. Trotz der sich abzeichnenden Energiekatastrophe lehnte er erneut den Wiedereinstieg in die zukunftsträchtigen Formen der Atomenergie ab. Deutschland steht unter dem Diktat globalistischer Ideologen und hat bislang einen Billionen-Euro-Preis für die Untergrabung seiner bürgerlichen Werte im Namen des grünen Gottes gezahlt.
Was ist von einer Politik zu halten, die Sabotageakte an der eigenen Energieinfrastruktur nicht sanktioniert, gigantische Ressourcen in eine grüne Klientelwirtschaft pumpt und gleichzeitig die Atomenergie aufgibt, um einer grünen Splittergruppe politischen Triumph zu ermöglichen? Die Energiepolitik der EU ist zur zivilisatorischen Katastrophe geronnen – das Produkt einer politischen Elite, die Moralin über den Verstand stellt.
Die Europäer wären gut beraten, eine entideologisierte Politik zu verfolgen und das gemeinsame Interesse an einem souveränen Europa und handlungsfähiger Nationalstaaten zu vertreten. In der Frage der Straße von Hormus entscheidet sich in diesen Tagen alles. Und der amerikanische Präsident hat mehr als einmal die Hand gereicht, um ein gemeinsam organisiertes militärisches Sicherheitskonzept zu etablieren.
Die Frage lautet: Wie lange können sich die Europäer ihren energiepolitischen Crashkurs erlauben? Wie viel Zeit wird verstreichen, bis man in den Hauptstädten der EU das Missverhältnis zwischen eigenem Machtanspruch und tatsächlicher geopolitischer Schwäche korrekt zu interpretieren beginnt?



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Danke für diesen hervorragenden Artikel. Terrorregime wie der Krake in Iran, der durch 47 Jahre ‚appeasement‘ entstanden ist, versuchen andere Glauben zu machen, sie seien unbesiegbar und hätten unerschöpfliche Resourcen. Viele Kommentatoren hier fallen auf diese Propaganda herein. Aber wenn diese Terror-Kraken kollabieren, kollabieren sie schnell. Auf jeden Fall sollte Europa die USA und Israel unterstützen.
Ich will gar nicht die iranische Führung in Schutz nehmen. Aber das radikalste „Terrorregime“ im Nahen Osten ist für mich die derzeitige israelische Führung. Global gesehen ist es mit weitem Abstand die USA.
Deren abscheulichen Untaten, dessen Zeugen wir in den letzten Jahren leider werden mussten, will ich nicht nochmal aufzählen.
Für mich sage ich nur: mit solchen Gestalten will ich auch nichts mehr zu tun haben.
Verwirrung der Sinne, egal.
Mit neuen Gaskraftwerken?? Wo denn?? Und mit welchem Gas sollen die dann betrieben werden?
Esst Bohnen und Linsen und die Gaskraftwerke werden brummen.
Noe – nicht „€U“ropa ist auf die Strasse von Hormus angewiesen -oder zumindest nicht existentiell, was Oelimporte betrifft; und jenseits dieser nicht existentieller als andere Staaten-, sondern der unter dem Druck Chinas und der BRICS Stueck fuer Stueck faillierende US$ als Fundament der US-Hegemonie haengt mehr denn je vom Oelexport aus den Golfstaaten ab.
Insofern ist die Unfaehigkeit der U.S.A. und ihrer auf die Flugzeugtraegerkampfgruppen gestuetzten, riesigen Marine die Strasse offen zu halten (eine Prioritaet der „U.S.-Power Projection“ zur See) und die Golf-Vasallen zu schuetzen, ein Offenbarungseid des Imperiums und des US$.
Die Europäer sind schlichtweg Feiglinge, die sich hinter wohlmeinenden Reden verstecken! Ihre Armeen sind kriegsuntüchtig, teilweise Schrotthaufen, ihre Soldaten völlig kampfunerfahren! Das einzige westliche Land, das neben den USA militärisch bestehen kann, ist Israel! Den Rest kann man getrost vergessen!
Umso weniger verstehe ich den Kreml, die müssten das doch auch wissen, oder?
Kein Wunder, sind die doch seit Jahren wenn nicht Jahrzehnten die größten Kriegstreiber auf dem Planeten neben der Ukraine in letzter Zeit.
Da kann man gut und lange darüber schwadronieren, was Deutschland müsste. Wenn man aber zuvor einem die Lage vor Ort betrachtet, dann würde sich dieser Artikel erübrigen.
Der Iran hat tausende von Raketen und zehntausende von Rakten in unterirdischen Tunnel einegelagert. Sie sollen noch ein halbes Jahr reichen. Nähert sich ein Schiff unerlaubt der Passage, wird es in Brand geschossen. Das ist bisher 16mal passiert.
Dasselbe Schicksal würde auch deutschen Fregatten und Minensuchern ereilen.
Nicht einmal Davids Sling und der Irom dome kann die Angriffswellen der Iraner (bisher über 60) abwehren.
Der Iran hat seine Mullahs ,wir haben die Grünen .Der Vergleich ist weit hergeholt (Grüne erschießen nicht) aber ideologisch verirrt , den Volk Schaden zufügen ,tun beide .
Die USA stand Kopf als ICE zwei Demonstranten erschoss .Nicht vorzustellen die Iraner würden ,weil von Juden und Amis angegriffen ,mit einem zweiten 11.September antworten .Unter den 120 Tausend Revolutionsgardisten gibt es gewiss „Patrioten“ die den Krieg gerne in die Länder der Angreifer tragen würden .Auch wenn man bei USA-Einreise u.A. selbst den Impfausweis der Oma vorlegen muss (hier undenkbar) ,Terroristen finden immer einen Weg .
sie haben die Roten vergessen, die die reichsten 10 % erschiessen lassen wollten. So viel zu unserer Demokratie.
Das Öl ist Nebensache und wird gegen die Welt als Druckmittel eingesetzt um dem Schützling zu helfen, in der vermeintlichen Hoffnung, daß es zum Erfolg wird, die Mullahs zu besiegen Das aber kann man doch sehr bezweifeln, denn dem Generalissimus aus Israel mit seinen vorgetäuschten Fähigkeiten glaubt nicht einmal seine eigene Frau und hat sich schon samt Sohn nach Florida abgesetzt und das sind immer die gleichen Typen, die zuerst das eigene Land ins Unglück stürzen und wenn`s brenzlig wird sind sie verschwunden, anstatt die Stellung zu halten, wie es sich gehört. Ihr Flughafen Ben Gurion ist eine einzige Trümmerwüste,… Mehr
Es wird im nahen Osten erst Ruhe geben, wenn Israel nicht mehr existiert.
Die Frage an uns ist also: welche Zukunft wollen wir?
TE entwickelt sich zum reinen Transatlantiker-Magazin. Schon Scholl-Latour hatte scharf diese Vasallentreue Deutschlands immer wieder kritisiert.
Na hoffentlich. Ideal: DE wird neuer US-Bundesstaat, denn: Deutsche sind wichtigste ethnische Gruppe in USA – Zahl wächst – WELT
Als echter Bundesstaat der USA und nicht nur als Vasall oder Unincorporated Territory, hätte Deutschland dann sogar eine starke Stimme im Senat, da es wesentlich größer und wirtschaftsstärker als manch andere Bundesstaaten der USA ist. Das würde ich sogar als eine positive Lösung gegenüber dem status quo empfinden. Aber meine bevorzugte Lösung wäre schon ein wieder vollsouveräner Nationalstaat Deutschland.
„Aber meine bevorzugte Lösung wäre schon ein wieder vollsouveräner Nationalstaat Deutschland“. Für einen Nationalstaat bei seiner prekären Mittellage ist DE einfach zu mickrig, vergessen Sie das. Und nur mit den „vollsouveränen“ Deutschen wollte ich jedenfalls nicht zusammen leben müssen, einfach zu doof, historisch bewiesen. Bin froh über die Rambos in Ramstein … . Die Russen in der Oblast Kaliningrad reichen mir auch. Singen Sie mit? https://www.youtube.com/watch?v=SapMxGokXMc&list=RDSapMxGokXMc&start_radio=1 – das alles ist Deutschland. Machen wir was draus.
Sehr geehrter Hr. Kolbe, Sie verwechseln hier Ursache und Wirkung. Der Iran hätte die Straße von Hormus nicht gesperrt, wenn die USA und Israel nicht angegriffen hätten. Vielleicht ist es genau das Interesse der USA, dass der Iran die Straße von Hormus blockiert und die Öl Infrastruktur zerstört damit der Ölpreis steigt und das Öl Fracking in den USA wieder rentabel wird. Dafür ist ein Ölpreis von etwa 70 – 80 Dollar nötig. Aktueller Preis: Erdölpreis heute: 95 – 110 Dollar. Läuft doch prächtig für die USA… Das gleiche genial perverse Spiel wie in der Ukraine. den Feind für die… Mehr
Der Präsident, seine Familie, und seine Milliardärsclique, verdienen an steigenden Ölpreisen viel mehr als an den bisher niedrigen. Es wird nicht ewig dauern bis einiges darüber öffentlich wird. Die “ Ausübung von politischer Macht zum eigenen Vorteil „- das ist Korruption – findet in den USA derzeit relativ öffentlich statt. Zumindest so lange bis die lästigen Transparenzregeln – natürlich unnötige staatliche, sozialistische (woke für TE) Reglementierungen – abgeschafft sind. Beteuerungen für niedrige Benzinpreise einzutreten ist politisches Theater. “ Hormuz“ ist nicht physisch, militärisch gesperrt. Die Iraner haben nur einige wenige Schiffe angegriffen, womit sie alle verschrecken die nicht auf ihrer… Mehr
Besatzer sind sie und leider noch immer im Land, die hätten schon lange rausgeworfen gehört, ist aber mit der US-hörigen Regierung nicht zu machen.
Meine Einschätzung, vor welchem Staat wir Deutschen uns am meisten fürchten und schützen müssen, ändert sich gerade.
Ich sagte schon vor 40 Jahren im Miltärdienst: wir müssen nach Westen schauen, nicht nach Osten – denn die Gefahr kommt vom Westen!
Kam auch damals schon nicht gut an: Wahrheiten haben es immer schwer, wenn vergiftete Fanatiker das Feld dominieren.