Milliarden fließen seit Jahrzehnten nach Afrika, doch das Entwicklungsministerium verweigert eine transparente Bilanz der Ergebnisse. Botschafter a. D. Volker Seitz rechnet mit einer Hilfsindustrie ab, die Abhängigkeit zementiert - und dabei vor allem sich selbst erhält.
picture alliance / BMZ/photothek.de | Florian Gaertner
Die Verantwortlichen der deutschen Entwicklungshilfe leisten erbitterten Widerstand, wenn es darum geht festzustellen, was aus früheren Projekten geworden ist. Der ehemalige Chef von Greenpeace und Foodwatch, Thilo Bode, war zu Beginn seiner Laufbahn Entwicklungshelfer. Er hat kürzlich versucht herauszufinden, was aus seinen damaligen Projekten geworden ist. Das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) gibt sich allerdings hinsichtlich der Erfolgskontrolle – wie immer – zugeknöpft. Bode hat deshalb beim Verwaltungsgericht Köln Klage eingereicht (Az. 13 K 2027/26). Er möchte Evaluierungsberichte vorgelegt bekommen, aus denen man die Wirksamkeit der ausgegebenen Mittel ablesen kann.
Die Präsidentin von „Brot für die Welt“, Dagmar Pruin, warnt, dass die Einsparungen „Menschenleben kosten“ und meint in der Folge „verlieren wir die Welt“. Jeder 12. Mensch habe 2025 Hunger gelitten.
Auch der Vorsitzende der katholischen Zentralstelle für Globale Entwicklung, Prälat Karl Jüsten, fordert „Planungssicherheit für seine Projekte, sonst drohen fatale Konsequenzen für die verletzlichsten Mitmenschen in den Ländern des Globalen Südens und für Deutschlands Ansehen in der Welt.“
Die Aussagen zeigen nur, dass Lobbyarbeit für die eigene Existenz betrieben wird. Kürzungen aus den Milliardenbudgets bedeuten Wegfall von Einfluss und Projekten. Das ist moralische Aggressivität , moralischer Rigorismus und intellektuelle Guttuterei. Man bestätigt sich gegenseitig in der moralischen Marschrichtung. Deutschlands Ansehen in Afrika hat schon sehr viel früher gelitten. Das hat die gescheiterte Kandidatur zum UN-Sicherheitsrat unmissverständlich gezeigt. Die Auswirkung unserer als anmaßend und herablassend empfundenen deutschen Außenpolitik zeigte, dass finanzielle Hilfen keine automatische politische Gefolgschaft der afrikanischen Staaten sichern.
Nachhaltige Veränderung kann nur aus den Ländern südlich der Sahara selbst kommen. Wenn ein System über sechs Jahrzehnte nicht die gewünschten Ergebnisse bringt, ist die Forderung nach einem „Weiter so“ rein finanziell motiviert. Moralische Erpressungen wie Einsparungen werden „ Menschenleben kosten“, will Druck auf die Politik und Steuerzahler ausüben. Es bleibt die Frage, warum weiter viel Geld mit wenig Wirkung im Ausland investieren, wenn die Mittel im eigenen Land für marode Infrastruktur, Schulen, Bildung oder Klimageräte für Krankenhäuser und Altenheime benötigt werden.
Die gut geölte Hilfsmaschinerie Deutschlands lässt – trotz bescheidener Kürzungen – nach wie vor Milliarden Euro nach Afrika fließen. Wir beruhigen unser latent schlechtes Gewissen und die herrschenden Politiker in Afrika haben sich an die Versorgungskultur gewöhnt. Ein geregelter Abfluss der Milliarden ist nach wie vor wichtiger als deren optimale Verwendung. Kein Land kam ökonomisch in Schwung, weil es immer mehr Entwicklungshilfe bekam.
Die internationale Entwicklungshilfe hat fast nie befriedigende Ergebnisse hervorgebracht. Nach wie vor scheitern die meisten „Projekte“. Wenn man bedenkt, welcher Aufwand gemacht wurde, wie viele Milliarden Dollar, Euro, Yen in den letzten Jahrzehnten nach Afrika geflossen sind, welche Scharen ausländischer Experten geschickt wurden, und wenn man dem das Los der Bevölkerungsmehrheit gegenüberstellt – kommt man zu dem Schluss, dass dies fast alles nichts gebracht hat.
Blind für Zumutungen der Realität
Das Problem der sogenannten Entwicklungshilfe ist einfach gesagt: Wir helfen den Menschen nicht, dass diese so bald wie möglich keine Hilfe mehr brauchen. Wir übernehmen Aufgaben, die die Afrikaner selbst erledigen könnten. Ein Leistungsgefühl der Bevölkerung gegenüber den abgelieferten Hilfsgütern entsteht nicht, weil sie von der aktiven Mitwirkung ausgeschlossen ist.
Mir ist kein einziges Projekt bekannt geworden, das unter Geldmangel litt. Zuviel Quantität hat mehr Schaden als Gutes getan. Unser Zuviel bewirkt afrikanisches Zuwenig. Dies hat verheerende Folgen: Warum sollten Afrikaner Straßen und Versorgungsnetze für Strom und Wasser instandhalten, warum eine verantwortungsvolle Landwirtschafts- und Bevölkerungspolitik betreiben und zurückhaltend sein beim Aufnehmen neuer Staatsschulden? Nach der Logik, die in der Entwicklungshilfe herrscht, wäre das ganz dumm. Deswegen tun sie es auch nicht. Die Bettlermentalität, die sich dadurch verstärkt und längst tief in die Beziehungen zu den „Gebern“ eingegraben hat, ist eines der größten Hindernisse für Fortschritte.
Das Maß an Irrationalität in der Hilfspolitik ist groß. Kühn wird zum Beispiel behauptet, Weiterentwicklung ohne Demokratie ginge nicht. Dabei sind die enormen „Tigersprünge“ ostasiatischer Staaten unter autoritären Regierungen zustande gekommen. Und Ruanda, dessen Wirtschaftspolitik weithin sehr erfolgreich ist, ist auch kein demokratisches Vorbild. Die Ideologen, die in der Dritte-Welt-Szene das große Wort führen, schert das nicht. Sie brauchen diese Illusion.
Die goldene Regel allen Helfens ist: Haltet das Subsidiaritätsprinzip ein. Die afrikanischen Länder müssen für die Entfaltung zunächst alle eigenen Möglichkeiten und Kräfte ausschöpfen – wovon sie weit entfernt sind –, erst dann dürfen wir sie unterstützen.
Die Menschen, die in Afrika leben, müssen nicht wie kleine Kinder an die Hand genommen werden. Die Armen brauchen kein Geld, sondern die Möglichkeit, Geld zu verdienen. Wie erklärt man das den „Helfern“, die noch immer Afrikas Fortschritt am grünen Tisch planen und sich für unersetzlich halten? Partner ernst nehmen bedeutet auch, dass beide Seiten klar absprechen, was geht und was nicht. Aber Entwicklungshilfe wird nur noch als Frage der (richtigen) Haltung diskutiert, nicht aber als offener Austausch von Sachargumenten. Dies erschwert den nüchternen Diskurs und steht durchdachten Lösungen entgegen.
Die Wurzeln der anhaltenden Armut in Afrika liegen auch in der demografischen Situation, die Wohlstandgewinne vereitelt. Ich muss immer wieder darauf hinweisen, dass es auf dem Kontinent keine Stabilität geben wird, wenn die Jugendlichen keine Arbeit finden. Die Dynamik der hohen Geburtenraten, die in Afrika zu immer größerer Armut führt, wird bei derzeitiger Einwanderungspolitik auch für Europa ruinöse Folgen haben.
Das derzeitige System ist sicher nicht zum Nachteil der ausländischen Experten und ihrer einheimischen Partner. Sie leben nicht schlecht damit. Die Mehrheit des Volkes hat aber kaum etwas davon. Auch weil die Förderung nicht transparent offengelegt wird. Niemand weiß konkret, welche Entwicklungsgelder fließen und wie diese verwendet wurden bzw. welche Wirkung erzielt wurde. Die Länder bleiben arm, aber den Herrschern geht es hervorragend. Sie haben nicht das Ziel, eine gerechte oder wohlhabende Gesellschaft zu schaffen. Es geht um Macht. Diese Menschen interessiert es vor allem, Privilegien genießen zu können. Wir haben eine Verantwortung an uns gerissen, die wir nicht mehr tragen können. Wir sind zu Paten von Staaten mit autoritärer Herrschaft geworden, die keine Verantwortlichkeit ihren Bürgern gegenüber zeigen.
„Wo immer ich höre, dass einer weiß, was der anderen Menschen Glück ist, wo immer ich lese, dass jemand im Namen einer Idee über Millionen Menschen verfügt, und sei es nur in Gedanken, packt mich das Entsetzen. Und eine jahrzehntealte Wut.“ (Monika Maron)





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Ich vermisse in diesem Artikel die Seriosität der Vorher-Nachher-Betrachtungen. Nehmen wir mal Ägypten. Dort hatten und haben wir folgende Situation: Einem Wachstum von ca 1-2 % jährlich steht eine Geburtenrate gegenüber die sämtliches Wachstum überkonsumiert. Das Wachstum der Bevölkerung frisst sämtliches Wirtschaftswachstum auf. Darüber hinaus ist dieser Staat nicht in der Lage die Kinder ausreichend zu schulen. Trotz 2 – Schichtsystem in den Schulen reicht diese Maßnahme nicht aus um alle Schüler auf mindestens Hauptschulniveau zu heben. Es soll sogar schon wieder der Analphabetismus seit Jahren steigen. Trotzdem leistet sich dieser Staat eine komplett neue Hauptstadt und hat für das… Mehr
„Kühn wird zum Beispiel behauptet, Weiterentwicklung ohne Demokratie ginge nicht. Dabei sind die enormen „Tigersprünge“ ostasiatischer Staaten unter autoritären Regierungen zustande gekommen. “ -> Man denke nur an China oder Vietnam, aber auch Singapur ist ein gutes Beispiel. Der Stadtstaat wurde zu einer ähnlichen Zeit wie das westafrikanische Ghana unabhängig von der Kolonialmacht Großbritannien (ca. 1960), ist aber heute eines der reichsten Länder der Welt, ganz im Gegensatz zu Ghana. Wohlstand geht auch ohne Demokratie und mit stark eingeschränkter Meinungs- und Pressefreiheit, allerdings: Wenn ein Staat demokratisch ist und der Wohlstand verfällt, dann leidet oft auch die Demokratie bzw. wird sie… Mehr
„They all are monkeys“ sagte uns einmal ein schwarzer US-Amerikaner, der lange in Afrika gelebt hatte. Solange dort Clientilismus und Korruption vorherrschen, ist Entwicklungshilfe nur eine gigantische Schnorrerei von Gebern und Nehmern.
Ich frage mich, wer auf die Idee gekommen ist, dass deutsches und österreichisches Steuerzahlervermögen im Ausland verschenkt werden darf.
Die deutsche „Entwicklungshilfe“ gehört zu 100% gestrichen, bis zumindest unsere eigene Infrastruktur in einem Zustand ist, den man objektiv als zufriedenstellend beurteilen kann.
„Ministerin Reem Alabali-Radovan warnt in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung am 30. Juni 2026 „vor dem Verlust deutschen Einflusses in der Welt“.
Ich habe zuerst Reem „Alibaba“ gelesen…
@Jens Frisch:
Wer gibt dieser Allahbali-Radovan denn Milliarden, die sie an Nahostspinner verteilen darf?
Never change a winning team! Natürlich ist es eine Industrie. Davon leben nicht nur NGO’s, davon lebt ein ganzes Ministerium, die GIZ und die mit ihr verbandelten Organisationen und Firmen. Und über allem schweben UN, UNHCR und so weiter und so weiter. Dazu kommt: die afrikanischen Eliten schicken ihre Kinder zum Studieren nach Europa und in die USA. Dort hätten der hoffnungsfrohe Nachwuchs reichlich Gelegenheit, demokratische Prozesse, funktionierende Rechtssysteme und die Idee des Sozialstaates zu erfahren. Nach ihrer Rückkehr aber in die Heimatländer nutzen sie ihre erworbenen Kenntnisse lediglich dazu, die auch durch die Entwicklungshilfe zementierten Verhältnisse dort, sprich Korruption,… Mehr
Dieses ganze hochgestochene Gefasel kann durch wenige Praxisbeispiele ersetzt werden. Es mag sein, dass in irgendwo Afrika Hunger herrschte und die Regimes unfähig zu Unterstützung und Verteilung waren? Die nachfolgenden Hilfslieferungen (Weizen) haben dann die einheimische Landwirtschaft (Hirse/Sorghum) und die herkömmliche Vorratshaltung aus dem Markt gekegelt. Die Folge: Selbst in Jahren wo gut geerntet hätte werden können, wurde nur noch mäßig geerntet. Ein Teufelskeis, befeuert von den Menschenrettern. Das gleich in grün mit gefrorenen Hähnchenteilen, die edlen Teile beleiben in Europa, der Rest geht in Blöcken gefroren auf die afrikanischem Märkte. Die einheimische Geflügelwirtschaft kann da mit dem Preis pro… Mehr
Dummheit ist heutzutage massenhaft anzutreffen.
Dietrich Bonhoeffer, 1906-1945, Theologe, Widerstandskämpfer, schreibt, daß Dummheit ein gefährlicherer Feind des Guten ist als Bosheit.
Näheres auf der Webseite der Bonhoeffer-Niemoeller-Stiftung
Und so haben sich diese Politiker selbst, in die dritte Kategorie der von Machiavelli definierten dreigeteilten menschlichen Ordnung eingeordnet. Die, die verstehen, ohne dass sie es erklärt bekommen, die, die verstehen, nachdem es erklärt wurde und zuletzt die, die auch nachdem es erklärt wurde, nichts verstanden haben.
Entwicklungshilfe ist nichts anderes als wenn die Politiker reicher Länder die Armen ihres Landes bestehlen, um es den Reichen Politikern armer Länder zu geben. Der Westen hat tausende Milliarden „Entwicklungshilfe“ in den afrikanischen Kontinent „investiert“, wozu genau? Hat sich Irgendwas die letzten 50 Jahre auf diesem Kontinent positiv entwickelt, ausser Krieg, Überpopulation, Hunger, Islam, Frauenbeschneidung, Massenmord, ethnische Konflikte und Korruption. Viele Länder Asiens waren nach dem 2. Weltkrieg Entwicklungsländer und europäische Kolonien und laufen den Europäern nach 2-3 Generationen der Entwicklung, ökonomisch den Rang ab. So brutal wie dies auch immer scheinen mag, aber es scheint so, als ob der… Mehr
Es hat sich sogar sehr viel getan, denn inzwischen ist China am afrikanischen Kontinent so ziemlich überall präsent und baut Bodenschätze ab.
Europäer sind in Afrika nur mehr zum Zahlen gefragt und geschätzt.
Meine Rede, jetzt sagen einfach die Chinesen wo es lang geht und nicht mehr die Europäer, Amis oder Sowjets, aber abgesehen davon tut sich nichts, null, zerro…. Wenn ihnen niemand das Händchen hält, oder sie dazu zwingt, sich wie zivilisierte Menschen zu benehmen, beklauen und bringen sie sich gegenseitig um. Es gibt ihn nicht, den edlen „unverdorbenen“ Wilden, so einen Scheiss kann nur jemand wie der dummschwätzer Rousseau erzählen, welcher sich von seinen Weibern hat aushalten lassen und seine Kinder alle im Kinderheim abgeschoben hat. So eine gequirlte Sche**e behaubten nur Sozialisten als Rechtfertigung dafür, wieso sie und andere ihr… Mehr