Altenbockums Appell an die Union geht ins Leere. Denn die, von der er spricht, gibt es nicht mehr. Sie ist auch nicht wiederherstellbar. So wie der ganze Parteienstaat nicht reformierbar ist. Die Zeitenwende ist in Deutschland noch nicht angekommen.
picture alliance / ZB | Matthias Tödt
Jasper von Altenbockum meint in der FAZ vom 18. Juni, die anderen Parteien könnten sich den immer wieder bekundeten Willen abschminken, die AfD mit Politik in der Sache klein(er) zu kriegen – oder das „Management der AfD zurückdrängen zu können.“ Das werde ebenso wenig gelingen, wie es jemals gelungen sei, „durch gute Politik die Verheißungen des Sozialismus totzukriegen.“
Ganz hoffnungslos sei die Lage aber nicht. SPD, Grünen und Linkspartei wäre nicht zuzutrauen, der „identitätspolitischen Ideologie“ der AfD ein wirkungsvolles Angebot entgegensetzen zu können. Rotgrüne suchten ja selbst „ihr Heil im Denken in Identität, nur eben nicht in der ‚deutschen‘, sondern in den ‚diversen’“. Wo ihr Kulturkampf hinführte, habe man kürzlich an Bärbel Bas‘ Denken in „‚bunten‘ Identitäten“ gesehen in ihrem NS-Gemälde vom „Einheitsbraun“.
„Anders die Union“, schreibt Altenbockum, für sie sei „immer noch das christliche Menschenbild das zentrale Kriterium ihrer Politik.“ „Nicht Bibeltreue und Bergpredigt“ seien damit gemeint, „sondern eine Politik, die dem Menschen gerecht wird, wie
er ist, nicht einem Menschen, wie er sein sollte, ob deutsch oder divers.“
Worin könnte das Angebot an die AfD-Wähler bestehen, fragt Altenbockum und antwortet: „Die CDU/CSU hat den Fehler gemacht, sich auf eine Kultur einzulassen, in der die bürgerliche Mehrheit moralisch aufgeladenen Sonderinteressen Platz machen musste und in der Deutschland als Nation verschwand, stattdessen nur noch als ‚Player‘ einer globalisierten Welt funktionieren musste.“ Und weiter: „Die Leute, denen weder das eine noch das andere das Herz erwärmen kann (das sind
die meisten), fragen sich: Und wo bleiben wir? Es gab einmal eine Partei, die darauf geantwortet hätte: Ihr seid Deutsche, wir kümmern uns um euch. Das waren CDU und CSU.“
Das ist also die noch oder wieder zulässige Form der Kritik am Parteienstaat bei der FAZ. Immerhin. Altenbockum kann ich im zentralen Punkt einerseits nicht und andererseits doch zustimmen, das wird ihn nicht überraschen. Denn „durch gute Politik die Verheißungen des Sozialismus totzukriegen“ gelang in der Bundesrepublik tatsächlich nur einmal, nicht anhaltend, sondern nur für weniger als 20 Jahre – und auch das nur mit der Rückendeckung der US-Besatzungsmacht. Aber was in dieser kurzen Zeit an Wirtschaft und Wohlstand für Alle – verbunden mit dem höchsten Grad an Freiheit je – aufgebaut wurde, hielt bewundernswert lange. Von dem, was noch nicht in den politisch geschaffenen Ruinen versunken ist, lebt die heutige Bundesrepublik bis heute.
Altenbockums Appell an CDU und CSU – so verstehe ich seinen Kommentar – geht leider ins Leere. Denn jene CDU und CSU, von der er spricht, gibt es nicht mehr. Sie ist auch nicht wiederherstellbar. So wie der ganze Parteienstaat nicht reformierbar ist. Die Zeitenwende ist in Deutschland noch nicht angekommen.


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